The Future of Storytelling

The Future of Storytelling“ – So lautet der Titel eines interdisziplinären Moocs (Massive open online course) bei iversity.org. Gestaltet wird er auf Englisch von einem deutschen Team der Fachhochschule Potsdam und mir gefällt er wirklich gut. Vor allem, weil er recht kurzweilig ist, das Thema Storytelling zunächst einmal historisch aufrollt und besonders, weil die Kommentare und Beiträge der anderen Teilnehmer zum Weiterdenken anregen. Größere Texte und lange Videos sind ausgelagert, sodass man sich alles anschauen oder anhören kann, wenn man Zeit hat. (Sollte man allen Kolleginnen und Kollegen, Deutschbuchautorinnen und -autoren ans Herz legen, damit die endlich schnallen, dass spannende Geschichten nicht durch treffende Verben und Adjektive gestaltet werden. Versucht mal, Fünftklässlern zu erklären, dass die heilige Grundschullehrerin unrecht hat…). Kostet nichts, tut nicht weh und man lernt etwas dabei! 🙂

Darauf gestoßen bin ich über den Mathe-Mooc von Christian Spannagel, aber ehrlich gesagt finde ich Storytelling persönlich spannender. 😉

Vom „digital naive“ zum neuen Bürger?

Evgeny Morozov stellt im Interview mit der FAZ dar, warum er eine Historisierung der Entwicklung des Internets für wichtig hält, warum er lieber von „Digitalität“ statt vom „Internet“ spricht und was das alles mit einer möglichen Zukunft zu tun hat (via @schb).

Wenn ich die Debatte historisiere, kann ich Wege entdecken, wie das Internet ganz anders hätte aufgebaut werden können. Es ging nicht um Demokratie und Zugang. Unternehmen haben für uns definiert, wie die Infrastruktur intellektuell und technologisch aussehen sollte. Die Öffentlichkeit hat das akzeptiert und muss nun die Konsequenzen tragen. (FAZ)

Die Vermessung des Menschen

Sehr lesenswert, vielleicht auch, weil es ein wenig deutlich macht, wie wichtig es ist, sich Gedanken um diese digitale Welt um uns herum zu machen. Die Kolleginnen schauten mich letztens wie einen Marsmenschen an, als ich zum Ausdruck brachte, dass ich mir sehr wünschen würde, dass eine Partei wie die Piraten im Parlament derartige Themen auf den Tisch bringen würde. Naja, so denkt der langhaarige Nerd eben, will ’ne Computerspielepartei im Parlament, ein Internetfreak halt, dabei gibt es doch Seriöseres, mögen sie sich gedacht haben. Dabei hat uns die Digitalität schon längst im Griff.

„Präemptives Regieren“, wie so plastisch im Film „Minority Report“ dargestellt, gibt es schon und findet Ausdruck in grausamen Morden durch amerikanische Drohnen. Doch nicht nur Regierungen (und ich spare mir jetzt Ausflüge zu Prism, Tempora und NSA sowie GHCQ) nutzen die neuen Möglichkeiten von Big Data: Eine hemmungslose digitale Vermessung ist in den Bereichen Gesundheit und Finanzen schon lange im Gange. Und es geht weiter: Mit der neuen Xbox stellen sich die Käufer ein Gerät in ihre Kinderstuben und Wohnzimmer, das ganz unverhohlen einräumt, seine Benutzer abzufilmen und die Ergebnisse auszuwerten. Auch das Fernsehverhalten wird komplett überwacht, die Televisoren Orwells sind nicht mehr weit entfernt. Ranga Yogeshwars Befürchtung, dass Kameras anhand der Reaktion der Pupille erkennen können, welche Stelle im E-Book ihn anspricht, ist technisch keine Utopie mehr, wie viele beim Lesen des Erfahrungsberichts gedacht haben mögen.
Dass Facebook die – vermutlich aus gutem Grund – privat geschalteten Profile seiner Nutzer vor wenigen Wochen leichtfertig alle öffentlich geschaltet hat, zeigt einmal mehr, wie wenig Bedeutung der einzelne Nutzer im Rahmen von Big Data hat. Und wohin entwickelt sich dieses Datenungetüm, wenn immer mehr „smarte“ Gegenstände, von Handys über Navigationsgeräte und Uhren bis hin zu Kühlschränken, unsere Lebenswelt bestimmen?

Digitale Bürger

Morozov wünscht sich „Konsumenten […], die sich jedes Mal in Bürger verwandeln, wenn sie Daten preisgeben müssen“. In einem anderen Artikel „Ideologie des Datenkonsums: Der Preis der Heuchelei“ fordert er:

„Digitale Themen müssen Sache der Mainstreampolitik werden, wir dürfen sie nicht allein den Piratenparteien oder ihren Nachfolgern überlassen. Wir können das Internet nicht mehr in der Art eines Ressorts wie etwa „Wirtschaft“ oder „Umwelt“ behandeln und hoffen, dass sich dort Sachkompetenz herausbildet. Konkrete Themen wie „Privatsphäre“ oder „Subjektivität“ müssen diskutiert werden. Ein so hehres Ziel wie „Internetfreiheit“ können wir vergessen – es ist eine Illusion, der hinterherzulaufen sich nicht lohnt. Wir müssen vielmehr Umgebungen schaffen, in denen die reale Freiheit weiterhin gehegt und gepflegt wird.“

Darin stimme ich Morozov von ganzem Herzen zu.

Aufklärung für „digital naives“

Und wir stehen als Lehrer mittendrin in dieser Entwicklung. Doch was ist uns wichtig? Sollten wir uns wirklich so laut aufregen über den lächerlichen Versuch von behördlichen Facebook-Regulierungen, und sollen wir in unserem schulischen Medienmangelbewusstsein die digitalen Medien weiterhin so heillos überhöhen – oder sollten wir unseren Schülern nicht vermitteln, wie heikel und riskant diese bunte, hübsch bewegte digitale Wirklichkeit auch sein kann? Wollen wir die als „digital natives“ überhöhten „digital naives“ sehenden Auges ins offene Messer laufen lassen und sie in der Illusion belassen, eine andere digitale Welt abseits von Facebook und Google sei nicht möglich? Oder sollten wir vielleicht langsam anfangen, Digitalität und Demokratie zum Thema zu machen? Und ein anderes Internet zu denken versuchen?

Einfach Deutsch als App

Wer sich nun wundert, dass ich hier trotz Klassenfahrt einige Beiträge veröffentliche, die „Planen“-Funktion in WordPress macht’s möglich! 😉

Wollte aber auch nur kurz darauf hinweisen, dass es für das bekannte „Einfach Deutsch“ von Schöningh mittlerweile auch eine App gibt. Angeblich gar nicht mal so schlecht, sagt Frl. Rot.

Der Biohack-Cyborg-Lehrer

Immer öfter liest man von Menschen, die ihre jämmerliche menschliche Daseinsform mittels Biohacking um kleine technische Extras erweitern. Seien es implantierte Chips, die den Zugang zu einem Club ermöglichen, oder implantierte Kopfhörer. Da stellt sich doch zwangsläufig die Frage: Welche technisch aufgerüsteten Eigenschaften müsste ein biogehackter Cyborg-Lehrer haben?

  1. Erster Wunsch: Kamera am Hinterkopf. Logisch. Brauche ich nicht erklären, oder? Für die Sadisten und Jünger der Schwarzen Pädagogik unter uns vielleicht noch ein kleines Lasergerät, das blitzschnell und vollautomatisch illegale Handlungen hinter dem Rücken des Lehrers unterbindet.
  2. Ein eingebauter Zufallsgenerator, der augenblicklich sinnvolle Gruppen bildet und berücksichtigt, wer schon einmal mit wem zusammengearbeitet, bestimmte pädagogische Belohnungen bekommen oder besonders viel Mist gebaut hat. Auch Konstellationen, bei denen das Konfliktpotenzial besonders hoch ist, sollte der Chip berücksichtigen. Nebensächlichkeiten wie das Bestimmen von neuen Klassendiensten erledigt der Chip vollautomatisch und überträgt das Ergebnis zu Wochenbeginn gleich an die entsprechende digitale Seitentafel.
  3. Diverse Implantat-Chips: Zum Beispiel ein Duden-Implantat mit Auto-Update-Funktion wäre oft hilfreich. Die Auswahl des jeweiligen Duden-Angebots (Rechtschreibung, Grammatik, Fremdwortduden, … ) müsste jeder Lehrer selbst treffen; auch Fremdwörterbücher in diversen Sprachen wären verständlicherweise sinnvoll. Für NRW-Lehrer wäre eine direkte Verbindung zum Ritterbach-Verlag zwecks regelmäßiger BASS-Updates unerlässlich. Würde wahrscheinlich sowieso vom Ministerium vorgeschrieben. Ein permanenter Wikipedia-Anschluss für alle möglichen Zwecke wäre ebenfalls sinnvoll.
  4. Jeder Lehrer bräuchte eine nicht mehr verklüngelbare Schnittstelle für das direkte Aufnehmen von Schülerpräsentationen und Daten aller Art. Vielleicht zunächst als implantiertes USB-Laufwerk.
  5. Eine Plagiate-Scan-Einrichtung in wenigstens einem der beiden Augäpfel. Für eine schleunige Erkennung von Plagiaten aller Art, gerne direkt gekoppelt mit dem Wikipedia-Chip, sollte aber darüber hinaus noch mehr leisten können (z.B. Stilanalyse).

Reicht erstmal. Man sollte als Biohack-Lehrer gerade während der Abi-Phase sehr aufpassen, von findigen Schülern und ehrgeizigen Eltern nicht ferngehackt zu werden, das versteht sich von selbst. Ansonsten bin ich sehr gespannt, was euch am Biohack-Lehrer noch fehlt? (“Biohack” – das klingt irgendwie eher nach Fleischtheke, oder?)

Das ach so technikfeindlichen „Facebook-Verbot“

Da ist schon Platz für eine ordentliche Portion kognitive Dissonanz in den weiten Welten des Web2.0. Da brodelt es wochenlang in meiner Twittertimeline und in den diversen Blogs, da kochte die Empörung wegen Prism, Tempora und der laschen Haltung der Bundesregierung täglich aufs Neue hoch und dann reicht nur eine kurze Meldung, um die Stimmung wieder umschlagen zu lassen. Welche Meldung? Diese: „Baden-Württemberg untersagt Lehrern Facebook-Nutzung“. Warum tut man das? Darum:

Der Grund dafür ist, dass die dortigen Datenschutzstandards nicht mit deutschen und europäischen Datenschutzstandards in Einklang stehen. (Quelle)

Aber großes Geschrei auf Twitter: Typisch deutsch! Technikfeindlich! Die doofe Schule hängt  mal wieder hinterher. Nicht nur die technikdummen Lehrer, sondern auch noch behördlich abgesegnet! Wo bleibt denn da die Medienkompetenz!

Und da frage ich mich schon, was da bei all den Krakeelern schiefläuft, wenn die geschlossene Aufregung über die unkontrollierte Vollüberwachung (auch mithilfe von Facebook & anderer amerikanischer Dienste) plötzlich ins Gegenteil umschlägt und der heilige Datenschutz im Schulkontext plötzlich keinen Pfifferling mehr wert ist.

Aber ich brauche dazu hier nichts mehr zu schreiben, denn das hat Carsten Dobschat schon gemacht. Bitte dringend da weiterlesen, auch zum Thema, welche Chancen ein Verzicht auf Fertigdienste haben kann.

Zufallsgenerator

Im Unterricht kommt man ab und an in die Verlegenheit, Schüler per Zufall auswählen zu müssen. In meiner Schulzeit nutzten dazu mehrere Lehrer unabhängig voneinander die „Rutsche-mit-dem-Stift-durch-die-Klassenliste-bis-der-Klassensprecher-Stopp-sagt-Methode“. Da man in etwa abschätzen konnte, wo der Stift stoppen würde, und da die äußersten Enden kaum zu erreichen waren, war von einer gerechten Chance nicht wirklich zu sprechen.

Doch damit ist nun Schluss! Dank der iPhone-App „ZGenerator“ kann jeder Lehrer schnell und unkompliziert bis zu sechs Nummern in einem selbst bestimmten Zahlenraum von 1 bis 100 gleichzeitig generieren lassen. Mithilfe der nummerierten Schülerliste des Klassenbuchs ist die Auswahl der Schüler dann ein Klacks.

Die Defizitsuchestärke

Oh Gott, es ist mal wieder so weit – die Melange auf Twitter changiert ja immer zwischen Genialismus und Wahnsinn. Manche Links, Diskussionen und Andeutungen können wirklich viel geben, andererseits strotzt Twitter auch vor pädagogischen Glückskekswahrheiten, die einen zur Verzweiflung treiben könnten.

Gerade eben:

Wenn Lehrer als erstes was zu Leserechtschreibschwächen u.ä. zum Kind erzählen, identifiziere auch eine Stärkenfindeschwäche beim Lehrer… (Playducation)

Würde auf Facebook viele „gefällt mir“s bekommen und bei Goolge gepluseinst werden, bis der Arzt kommt. Ist halt schön plakativ, Leserechtschreibschwäche ist ja irgendwie auch nicht so wichtig (es gibt ja Autokorrektur) und Lehrerbashing (zumindest das Bashing der bösen Lehrer, der unfähigen, unmodernen, nicht iPad-Lehrer, nicht Playducation-Lehrer) kommt immer gut. Wir sind gut, die anderen sind doof!

Stärkefindeschwäche
Ja, die attestiere ich mir. Die habe ich. Ich erinnere mich an die beiden Abiturienten, die in meinem Grundkurs saßen und nur das Nötigste gemacht haben. Das Allernötigste. Da fiel es mir wirklich schwer, Stärken auszumachen (abgesehen von beleidigenden „Trivialstärken“ – Welcher Schüler freut sich über ein „Prima! Du hast den ganzen letzten Absatz fehlerfrei geschrieben!“ oder „Fein, du hast dich in 90 Minuten zweimal beteiligt!“). Die beiden studieren jetzt Ingenieurswissenschaften, mit besonderen Stärken und Interessen in Mathe und Physik. Sorry, aber das erreichte meinen Horizont im Rahmen unseres Kurssystems einfach nicht. Auch dass es unter meinen Schülern einen gibt, der außergewöhnliche Fähigkeiten beim Speedskating hat oder einen, der Meisterstunden im Geigespielen nimmt, erfahre ich als Deutschlehrer in der Regel zufällig. Vielleicht sind mir da einige Twitterer aber auch weit voraus – dann bin ich für hilfreiche Tipps immer dankbar!

Elternsorgen
Gerade über den Hinweis auf die Rechtschreibschwäche habe ich mich geärgert, denn meiner Erfahrung nach sind insbesondere die Eltern sehr sensibel, was die Rechtschreibung ihrer Kinder anbelangt, denn die meisten können diesbezüglich die Fähigkeiten ihrer Kinder recht gut einschätzen. Da sitzen dann häufig Eltern, die sich (unnötig) große Sorgen um ihre Kinder machen und nicht selten sind es die Eltern, die auf mich zukommen und denen ich dann die Furcht nehmen muss, dass mit ihrem Kind irgendetwas nicht stimmt. Denn Eltern schätzen Rechtschreibung als etwas Triviales ein (schließlich beherrschen sie die ja) und tragen sich mit dem Ballast, ihr Kind sei schlichtweg zu dumm, um richtig zu schreiben. Wenn das Kind nach vier Jahren Grundschule immer noch „swimmen“ statt „schwimmen“ schreibt, dann haben Eltern gerade am Gymnasium Angst, dass ihr Kind schon an einer vermeintlich einfachen Grundfertigkeit scheitert. Und sie reagieren ausnahmslos verständnisvoll, wenn man ihnen vorschlägt, das Kind zu fördern.

Das Sprechen über Rechtschreibschwierigkeiten impliziert übrigens auch das Erkennen der Stärken der Kinder. Das Erste, was ich meinen Eltern bei einem Elternabend zum Rechtschreibförderunterricht erkläre, ist, dass ihre Kinder eben nicht dumm sind, sondern dass sie zumeist die Regeln logisch, nur eben nicht regelkonform anwenden. Es ist nämlich keineswegs dumm, „swimmen“ statt „schwimmen“ zu schreiben, wenn das bei Wörtern wie „springen“ oder „Stuhl“ doch auch funktioniert. Das erleichterte Durchatmen der Eltern kann man an dieser Stelle des Elternabends förmlich hören. Den Eltern ihre Sorgen nehmen, bedeutet auch, Druck von den Kindern zu nehmen, und dazu müssen Lehrer auch Schwächen ansprechen.

Gesprächsstrategien
Das getweetete „als erstes“ soll zeigen, wie gemein und defizitorientiert die bösen Lehrer sind, die sich quasi sofort und erbarmungslos auf die Schwächen ihrer arglosen Schutzbefohlenen stürzen. Ich verfahre tatsächlich in einigen Fällen so, dass ich Stärken gezielt erst am Schluss eines Elterngesprächs anspreche, um den Eltern zu zeigen, dass neben all den möglichen sozialen oder fächerbezogenen Problemlagen auch viel Positives zu finden ist. Das sorgt nämlich für einen positiveren und bestärkenderen Gesprächsausgang, als wenn ich den Eltern erst zum Schluss die Schwächen um die Ohren bolze. Was hilft’s, wenn ich all das Positive im Nachgang gleich wieder einreiße?

Also verschont mich bitte mit eurem vielleicht nett gemeinten, aber doch letztlich nur auf „Favs“, „+1“ oder „gefällt mir“ abzielenden Schmonz. Er zeigt letztlich nichts weiter als eine Defizitsuchestärke bei Lehrern. Hilfreiche Tweets zum Thema „Stärken herausstellen“ stelle ich mir eher so vor. Dank dafür an Herrn Larbig.

Trotz Apple ein Gewinn

The same procedure as every time: Ein positives Vermerken Apples und schon kommen die Beschwerden. Ihr habt ja recht! Apple ist ein kapitalistischer Scheißladen, der proprietäre Software unters Volk verteilt, um dumme Apple-Fanboys an sich zu binden und sie zu melken, zu knechten, zu binden und überall zu finden. Oder um geschälte Mandarinen zu verteilen.

Ja, ja, ja – eine proprietäre Authoring-Software wie iBooks Author ist mit diesen EULA die Pest in Tüten, wenn man Geld mit seiner eigenen Hände Arbeit verdienen will. Niemand würde mit Word Romane schreiben, wenn diese dann über Microsoft vertrieben werden müssten, niemand Photoshop verwenden, wenn die bearbeiteten Bilder anteilig Adobe Geld in die Kasse spülten. Überhaupt diese Format-Phobie bei Apple: Bei allem Komfort nutze ich weder Pages, noch Numbers, noch Keynote – das geschlossene Apple-Format verbietet mir die Bearbeitung auf anderen Plattformen und ist damit automatisch indiskutabel. Dass Apple nicht begreift, dass genau das seine Stellung schwächt, wird auch bei iBooks Author ein Fehler sein.

Und doch ist es einmal mehr Apple, das den Markt vor sich herzutreiben versucht und so für Bewegung, vielleicht sogar Innovation sorgt – von den „Guten“ (wo ist Google, wo Microsoft, wo Samsung, wo Intel?) sehe ich weit und breit nichts, nichts, nichts! Wer will den Verlagen entgegentreten, wer das Eis brechen, wenn nicht ein milliardenschwerer Konzern, dem die Kungeleien zwischen Politik und Verlagswesen ganz einfach egal sein können?

Ich fände es auch toll, wenn ich einfach ein offenes Authoring-System und dazu eine tolle, offene, betriebssystemunabhängige  Vertriebsplattform hätte, aber ich kann mich nur über das freuen, was es gibt. Bei aller Kritik am Apple-Korsett: Apple steht mal wieder auf weiter Flur alleine da.

Aber die anderen werden folgen! Und das ist der Gewinn des gestrigen Apple education announcement!

Apple drängt in die Bildung

Felix berichtet und kommentiert in seinem Blog ausführlich Apples education announcement. Sehr lesenswert und ich war verblüfft, was sich heute im App-Store alles unbemerkt von mir getan hatte. Ich bin nun sehr gespannt auf die Reaktionen in der analogen Verlagswelt – und da ich morgen ein Gespräch mit zwei Klett-Mitarbeitern habe, kann ich denen vielleicht per iPad gleich demonstrieren, woher der kalte Windhauch plötzlich weht. Besonders gut gefällt mir, dass Apple mit iBooks Author gleich die Software zum Bücherschreiben mitliefert – da haben nun sowohl Lehrer als auch Schüler die Gelegenheit, Kapitel bzw. ganze Lehrwerke zu schreiben.

Man stelle sich vor: Die Schüler lesen z.B. den Woyzeck und können sich gleich ausgewählte Szenen als Filmausschnitt anschauen ob nun zur zur Verständnissicherung oder um sie dem Text gegenüberzustellen… Schaubilder können nun bewegt statt statisch sein… Bücher lernen sprechen…

Siehe auch:

Wider Spott und Häme

Hui – die grauen Monate November und Dezember sind die ätzendste Zeit im Schuljahr. Klausuren und Klassenarbeiten stapeln sich, sämtliche Konferenzen müssen vollzogen, der Tag der offenen Tür vorbereitet und zu allem Überfluss kilometerweise Papiere für eine Qualitätsanalyse geschrieben werden. Wann soll ein normaler Mensch da noch zum Bloggen kommen?

Mittlerweile stapeln sich nämlich auch abseits des schnöden Alltags viele diskussionswürdige Themen: Twitter ist erbarmungslos und gibt einen gnadenlosen Takt vor, wer nicht dranbleibt, ist abgehängt – ich hänge gerade noch mit einem Zeigefinger am letzten Waggon und arbeite mich mit diesem Beitrag wieder ein Stück vor. Es folgen: Ein kurzer Rückblick aufs EduCamp 2011 und ein Kommentar zu Überzeugungsarbeit. OER schaffe ich gar nicht mehr… ich springe einfach auf den nächsten Zug auf…

EduCamp Bielefeld 
Das EduCamp (#ecbi11) war in zweierlei Hinsicht eine tolle Erfahrung: Erstens bot sich die Möglichkeit, neue Ideen zu diskutiere, Anstöße für einen neuen Unterricht zu bekommen und die Form eines Barcamps kennenzulernen. Zweitens konnte ich in Bielefeld endlich einmal diese vielen Menschen treffen, die ich zum Teil schon viele Jahre online kenne, aber noch nie „life“ sehen konnte und auch neue kennenlernen. Alle diese Begegnungen fand ich sehr angenehm und freue mich auf ein nächstes EduCamp.

Daneben bleibt besonders die Motivation, neue Ideen einfach anzupacken und umzusetzen. Dem Versuch, mit einer digitalen, möglichst papierfreien Schultasche „auszukommen“, unterziehe ich mich jetzt einfach, und in meinen Oberstufenkursen sind die wenigen neuen (und zum Glück(?) selten benutzten) Notebooks seit dem EduCamp im Dauereinsatz. Google und Etherpads sind eingeführt und die Schüler arbeiteten damit sofort sehr strukturiert und zielführend. Viel besser als Wikis (furchtbar! Da konnte mich auch das Camp nicht überzeugen…) oder das umständliche Moodle.

Um Überzeugung muss es uns gehen
Der „Ton“ auf dem EduCamp war auch viel angenehmer als es bei Twitter manchmal den Anschein hat. Alle Themen konnten sachlich und ohne persönliche Animositäten diskutiert werden, während ich zunehmend den Eindruck habe, dass sich Twitter zum pseudo-intellektuellen Schlachtfeld entwickelt (bzw. vielleicht noch nie etwas anderes war als ein Medium zur Selbstvergewisserung). Vieles wirkt auf Twitter radikal und modernistisch, technikgläubig. Das „Alte“ (bspw. die sog. „Buchkultur“, Handschrift, fremdbestimmtes Lernen) wird zum Teil sehr massiv in Frage gestellt, was, würde die Kritik konstruktiv geübt, durchaus sinnvoll sein mag, doch leider wird für meinen Geschmack zu oft gering geschätzt, abgewertet, gespottet.

Diese Grundhaltung drückt sich heute in einem Beitrag im Geschichtsblog Daniel Bernsens aus, der über das speedlab2 schreibt:

Es gibt eine wachsende Kluft zwischen einer veränderten und sich weiter verändernden Gesellschaft (und damit auch Lebenswelt der Lernenden sowie der Arbeitswelt) und einer sehr trägen Institution Schule. Problematisch finde ich allerdings, die auch heute wiederholt gehörte Formulierung bisher sei aller Unterricht „schlecht“, „öd“, „fad“, „langweilig“ gewesen (alles heute auf dem Podium heute ernsthaft so geäußert). Das ist schlicht falsch und führt nicht weiter. Viele Kollegen fühlen sich damit zu Recht angegangen, ungerecht und falsch beurteilt und verschanzen sich, wie zu erwarten, in einer Abwehr- und Verteidigungshaltung. (Hervorhebung von mir)

Damit trifft Daniel genau den Punkt! Niemand wird überzeugt, indem man ihm vorhält, wie überholt, veraltet oder rückständig er sei. Dass alles „Alte“ sinnlos gewesen sei, werden die Kollegen (zu recht!) brüskiert von sich weisen. Doch um das Überzeugen muss es uns gehen! Nicht um das zwangweise Einführen einer neuen Lernkultur – weil jeder, der nicht mitmacht, als altmodisch und doof dasteht  – sondern darum, dass eine neue Lernkultur aus der Überzeugtheit ihrer Akteure heraus entsteht. Aber dafür muss erst Überzeugungsarbeit geleistet werden, bei der Spott und Häme mehr als hinderlich sind.

Und wer das nicht im Auge behält, wird entweder (im warmen, kleinen, als elitär empfundenen Zirkel) scheitern oder sich des gleichen Mittels bedienen müssen, das er bei den anderen anprangert: Nämlich systemischem Zwang.