Klassenfahrt.

Kurzer ungerichteter Spontanrückblick auf die Klassenfahrt nach Norddeich: Das Wetter war perfekt, alle Außenaktionen konnten bei strahlendem Sonnenschein durchgeführt werden, der einzige Regentag war mit dem Besuch der überdachten Seehundstation verplant. 

Nie wieder Disco. Ich habe mich nach zehn Jahren dann doch dazu breitschlagen lassen, eine dieser ominösen Kinderdiscos mitzumachen. Wir waren mit zwei Klassen parallel auf Fahrt und die anderen wollten ja auch, da ist es blöd, wenn eine Klasse keine Disco macht. Zudem war es ein Angebot der Jugendherberge. Das Ende vom Lied war, dass elfjährige Jungs und Mädchen sehr unterschiedliche Vorstellungen von Disco haben und die Empfänglichen unter den Ersteren die Gelegenheit dafür nutzten, um mit der gleichfalls anwesenden Grundschulklasse Ärger anzufangen. Gewinnbringend für… niemanden.

In Phasen mit weniger Schülerbegleitung (nur die, die sich nicht an die Dreierregel halten oder die, die inklusiv betreut werden) war die Kombination aus tollem Sonnenschein und weißem Nordseesand zeitweise sehr entspannend. Auf Norderney am Strand zu liegen hat definitiv etwas. 

Gleich am ersten Tag fanden einige Schülerinnen ein iPhone, das einem jungen Mann aus Hessen gehörte. Ich habe es bei der Tourist Information abgegeben und hoffe nun, dass es seinen Besitzer wieder erreicht. 

Nun schon zum zweiten Mal bei einer Fahrt meine Haarbürste vergessen. Die Kombination aus Langhaarfrisur und deftigem Küstenwind waren bei dieser Malaise nicht hilfreich. Die nette Kollegin half aus und zerpflückte dabei ihrerseits ihre Bürste. Muss mich noch revanchieren.

Erkenntnis: Jugendherbergen sollten auf sich achten, auch wenn sie eine Top-Lage haben. War schon dreimal da und diesmal etwas enttäuscht. Es reicht nicht, direkt am Deich zu liegen.

Jugendherberge ist…

Jugendherberge ist…

… wenn deine Balkontüre im ausgewiesenen Leiter-Zimmer fest verschlossen ist, aber die vom Sechser-Jungenzimmer nebenan nicht (Fluchtweg mit Option auf Kontakt zu anderen Zimmern).

Orrr!

Schreckmoment. Mails. Klassenfahrt.

Junge, das geht wieder gut los. Kurzer Schreckmoment, als ich eine Mail mit der Bitte um die Schulstatistik weitergeleitet bekomme. Hatte ich was verpasst? War zum Glück nur Fehlalarm.

Überhaupt: Mails. Versuche zum ersten Mal, konsequent am Wochenende keine dienstlichen Mails abzurufen und richte jedesmal eine terminierte Abwesenheitsnachricht ein. Mal gucken, wie das so ankommt.

Nächste Woche dann erstmal eine Woche Klassenfahrt an die Nordsee. Zum ersten Mal mit Inklusionskindern, zum ersten Mal ohne Telefonkette. Hoffe, dass alles gut geht.

Vorstellung.

Erste Schulstunde mit den neuen Fünftklässlern. Ein hochmotivierter Deutschlehrer: „Guten Morgen zusammen. Ich heiße Hokey und bin euer neuer Deutschlehrer. Seit 2009 unterrichte ich hier Deutsch und Geschichte…“

Ein erstauntes Raunen geht durch die Menge: „2009!? Da wurde ich geboren!“

Ich komme mir nun durchaus etwas alt vor…

(Später schätzte mich zum Ausgleich jemand auf 24. Hach, wenn doch alle Menschen durch die unverstellten Augen von Fünftklässlern sehen könnten.)

Ent-spannung

Die Anspannung steigt. Das neue Schuljahr läuft so langsam an. Der Unterricht kommt immer mehr in Gang, das Organisatorische drumherum läuft schon längst, schon weit vor den Ferien, auf Hochtouren. Die Fahrtenwoche steht bevor. Bislang läuft im Betrieb trotz eines überraschenden Schulleiterwechsels alles rund, vielleicht sogar ein bisschen runder. Zumindest läuft es anders und alleine das tut gut.

In diesem Jahr stehen einige entscheidende Weichenstellungen für die Zukunft der Schule an, und es bleibt spannend, wie sich alles entwickeln wird. Wenn es so weiterläuft, kann man trotz der emotional Anspannung dabei entspannt bleiben.

Rückblick

Ich mache das ja sonst nicht, aber das vergangene Schuljahr verdient wohl einmal eine Nachbetrachtung. Es gab viel zu tun und es wird vermutlich das Schuljahr mit den meisten langen Tagen und Extraaufgaben gewesen sein.

Zu Beginn des letzten Schuljahres erneut für den Lehrerrat kandidiert. Während der Wahl die Schulleiter bitten, die Wahl zu verlassen. Nicht vergnügungssteuerpflichtig. Dann ging es aufgrund fragwürdiger Verhaltensweisen Einzelner drunter und drüber mit Langzeitwirkung. Danach ein Changieren zwischen Kommunikationsproblemen und produktiver Kooperation. Zwischendurch alles wieder in ruhigen Bahnen. Drei Monate vor Schuljahresende die plötzliche Bekanntgabe der Schulleitung, dass sie im aktuellen Jahr nicht weitermachen wird. Rede zur Verabschiedung der Schulleitung halten. Dazwischen die Teilnahme an verschiedene Arbeitsgruppen zu Raumkonzept, Fahrtenkonzept, Schulklima und das Lehrerrats-Übliche. Beschwerdebrief an den Schulträger formuliert wegen unhaltbarer Zustände die Gebäudesituation betreffend. Zwischendurch Schulkonferenzsitzungen bis nach 23.00 Uhr.

Überraschend eine Klassenleitung in einer Inklusionsklasse übernommen. Hatte nach meiner letzten Klasse um eine kleine Pause gebeten, aber es ist ja nie so, dass Schulen genug Personal hätten… Also wieder ran an den Speck. Von jetzt auf gleich wieder Elternabende, vollgepackte Beratungstage, viele und lange Elterngespräche, Treffen mit Inklusionshelfern, Sonderpädagogen und natürlich Verwaltung, Verwaltung, Verwaltung. Nebenbei zwei Abiturkurse, viel Vorbereitung, viele Prüfungen und Co-Korrekturen.

Das Medienkonzept kam in Trippelschritten voran, aber immerhin geht es nun voran. Vorbereitung der informatischen Bildung in Klasse 6.

Bouldern und Laufen waren irgendwann nicht mehr drin. Ferien dringend nötig. Vorsatz für dieses Schuljahr: Regelmäßig zu laufen, auch im Winter – und zu bouldern, wenn möglich einmal pro Woche. So wie letztes Jahr soll es in diesem nicht mehr werden.

Dritter Medienbildungstag – Nostalgie.

Gestern fand der dritte Medienbildungstag meiner alten Alma Mater, der Uni Bielefeld, statt. In den letzten Jahren habe ich die Uni auch immer wieder einmal aus unterschiedlichen Gründen besucht, aber dieses Mal war mir wirklich etwas nostalgisch zumute. Da mag zum einen daran liegen, dass ich ausnahmsweise ohne marodierende Schülergruppe im Schlepptau da war und zum anderen daran, dass mir zum ersten Mal bewusst wurde, dass ich mittlerweile nahezu doppelt so alt wie die Erstsemester bin. Hilfe, ist das alles lange her, obwohl es mir vorkommt, als wäre das alles erst gestern gewesen!

Und da ich ca. 40 Minuten zu früh da war, habe ich mir erst einmal wieder in Ruhe die Uni angeschaut. Es hat sich doch einiges verändert – und das durchaus zum Positiven.

Nostalgie

Die gute alte Unihalle. Wie immer hässlich, von Plakaten diverser Interessensgruppen behangen, das Rattern der Tassenwagen auf dem schwarzen Noppenboden, der Bäcker, der Schreibwarenladen – alles noch an seinem Platz. Tauben im Dach gurren so laut, dass es die ganze noch spärlich besetzte Halle erfüllt. Die Sparkasse, in meiner Anfangszeit noch mit Personal besetzt, ist schon vor einigen Jahren durch Automaten ersetzt worden. Gott sei Dank gab es früher noch Menschen in der Filiale, denn ohne diese hätte ich meine Kaution für meine erste Wohnung nicht so schnell bekommen, wie es hätte sein müssen. Das ging nämlich plötzlich ganz schnell.

Auf der Suche nach der Uni-Bücherei werde ich jedoch jäh enttäuscht: Statt der kleinen Bücherhöhle, in der stapelweise die Semesterliteratur vorgehalten wurde, treffe ich nur auf einen seelenlosen Arbeitsraum, der unfreiwillig an diese Begegnungsräume im Knast erinnert, die man aus Fernsehserien kennt. Was haben sie mit der Bücherei gemacht? 😢

Schöner arbeitet es sich da auf der Galerie, die natürlich keine Ruhe bietet, dafür aber direkt am Puls der Uni schlägt. Freies Internet gibt es hier, jedoch ist das nur vor acht Uhr nutzbar, im Workshop war ein Umstieg auf das eigene mobile Netz nötig. Beim Gang über die Galerie begegnen mir alte Bekannte, natürlich das Büro des AStA und das des Schwulenreferats. Als ich als Erstsemester da das erste Mal vorbeigegangen bin, wären mir fast die Augen ausgefallen, denn dort hing ein Plakat, das zwei Männer bei der Fellatio zeigte. Ich konnte das damals gar nicht glauben, dass man solch ein Plakat aufhängen darf und war reichlich verunsichert. Gestern habe ich mich aufrichtig gefreut, dass das Plakat immer noch hängt. Es gehört einfach zum Uni-Inventar.

Die Aufwertung der Toiletten ist augenfällig. Statt der stinkenden Pissrinne und der löchrigen Toilettenwände setzt man auf ein schickes Design und klare Struktur. So saubere Toiletten habe ich in dieser Uni noch nie gesehen. Noch ein kurzer Besuch im Audimax und ein Foto von der kritischen Kunst vor dem Audimax – und dann ging die Begrüßungsveranstaltung auch schon los. 

Verstärkt wurde meine Nostalgieaufwallung dann auch noch im sicheren Hörsaal, als Frau Prof. Josting in die Veranstaltung eingeführte, denn an Frau Josting habe ich ausnahmslos positive Erinnerungen. Meine zweite Hausarbeit habe ich bei ihr geschrieben und ich weiß noch genau, was sie mir sagte, als sie mir diese zurückgab.

Später, nach der Einführung und dem ersten Workshop bei Ricarda Dreier, habe ich noch nachgeschaut, ob es die mega Frikadellen-Fladenbrote mit Krautsalat noch gibt – zu Studi-Zeiten quasi Grundnahrungsmittel – es gibt sie! Zu den Inhalten des „Mebit“ gibt es später mehr, erst einmal musste ich hier Grundbedürfnisse befriedigen. 😉

Ganztag. Doppelstunden. Halbtag?

Immer wieder beklagt man in der Öffentlichkeit die Unbeweglichkeit des Schulsystems. Dabei ist es die ganze Zeit in Bewegung. Zwar leider nur drei Schritte vor und dann wieder zwei zurück, aber in Bewegung ist es die ganze Zeit. Mal gibt es Kopfnoten, dann wieder nicht. Mal gibt es Inklusion, dann wieder nicht. Mal gibt es G8, dann wieder G9. Und mit dem Wechsel zu G9 steht auch die von der vorigen Regierung besonders propagierte Idee der Ganztagsschule wieder in Frage. Das erhöhte Stundenvolumen durch ein zusätzliches Schuljahr ermöglicht es den Gymnasien theoretisch, sich wieder fast vollständig nur als Halbtagsgymnasien zu präsentieren. Aber ist das sinnvoll?

An meiner Schule sind wir seit einigen Jahren im Ganztag – und auch für uns stellt sich die Frage, ob und wie wir diesen unter G9-Bedingungen weiter fortsetzen wollen. Ich möchte im Folgenden beschreiben, welche Vor- und Nachteile ich im Ganztag aus Lehrersicht wahrnehme.

Ganztag an meinem Gymnasium

Ein vollständiger, langer Schultag erstreckt sich bei uns von 7.50 Uhr bis 15.35 Uhr. Es gibt (mit Ausnahme für die fünften Klassen) eine Mittagspause von 13.05 bis 14.05 Uhr. Ganztag ist bei uns nicht zu denken ohne das Doppelstundenmodell. Wir haben an langen Tagen vier Lernphasen, die jeweils 90 Minuten umfassen, also immer von einer Doppelstunde Unterricht abgedeckt werden. Schülerinnen und Lehrerinnen haben also immer höchstens vier Fächer, auf die sie vorbereitet sein müssen.

Da wir die zusätzlichen Ganztagsstunden nicht schlicht für mehr Unterricht nutzen dürfen, verwenden wir sie für eigenständige Lernphasen sowie Wahlpflicht-AG-Stunden oder Klassenprojektstunden, in denen die Klassenleitungen Gelegenheit haben, sich um organisatorische und pädagogische Belange ihrer Klasse zu kümmern. Besonders letztere befreien Klassenleitungen davon, Teile ihres Fachunterrichts opfern zu müssen, und sie helfen dabei, sinnvolle Einrichtungen wie den Klassenrat zu institutionalisieren. In einem 45-Minuten-Modell hätte der wenig Chancen.

Aufgrund des Ganztages ist es uns möglich, eine Schulsozialarbeiterin direkt vor Ort zu haben, die neben ihren pädagogischen Aufgaben auch für Angebote in den Mittagspausen und bei Schulveranstaltungen sorgt. Als Klassenleitung bin ich dieser Kollegin schon mehr als tausend Dank schuldig, weil sie in harten Zeiten viel Last von meinen Schultern genommen hat. Schule ohne Schulsozialarbeit mag ich mir nicht mehr vorstellen.

Vorteile des Doppelstundenmodells

Als wir über das Doppelstundenmodell debattierten, hatte ich als neuer, frisch aus dem Referendariat stammender Kollege, die Befürchtung, dass es sehr anstrengend sein könnte, jede Stunde als Doppelstunde planen zu müssen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Statt – wie zuvor an einem „normalen“ sechsstündigen Tag fünf bis sechs Lerngruppen – muss ich nun nur maximal vier Lerngruppen vorbereiten.

90 Minuten reichen im herkömmlichen Unterricht für fast alles. Man kommt nicht in Zeitprobleme bei Klassenarbeiten (wie man die je in 45 Minuten sinnvoll schreiben lassen konnte?) und Arbeitsphasen können sinnvoll zu Ende geführt werden. Referendare können immer die von den Fachleitern geschätzte Auswertungsphase zeigen, auch wenn die Schülerinnen einmal etwas länger brauchen. Nahezu alle Arbeitsformen, die etwas mehr Zeit beanspruchen, können jederzeit durchgeführt werden und auch Filme können gezeigt und direkt nachbesprochen werden. Die unsinnigen Zwänge eines 45-Minuten-Rasters sind nicht mehr existent und das ist gut so.

Als Ganztagsgymnasium müssen wir logischerweise mehr Stunden abdecken als Halbtagsgymnasien. So kommt es, dass ich nicht jeden Tag meine sechs Schulstunden „herunterreiße“, sondern an manchen Tagen acht Stunden. Das wiederum hat zur Folge, dass ich an anderen Tagen ggf. nur vier Stunden unterrichten muss – und diese teilweise erst um 9.40 Uhr beginnen. Mitten in der Woche am Morgen entspannt im Arbeitszimmer arbeiten zu können, ist eine Errungenschaft des Doppelstunden-Ganztags.

Negativer Nebenaspekt des Doppelstundenmodells sind die sogenannten „Springstunden“. Das sind regelmäßige Freistunden, in denen man mitten im Schultag nicht eingesetzt werden kann (z.B. montags in der 3./4. Stunde). Was einem in den ersten beiden Stunden einen langen Morgen beschert, sorgt mitten am Schultag für Leerlauf. Wichtig ist darum, dass man eigenständig dafür sorgt, dass die Zeit sinnvoll genutzt wird: So kann man bei guter Planung Korrekturen, Klassen-Orga, Gesprächstermine, Vorbereitung etc. in diese Phasen legen und so seinen Nachmittag etwas entlasten.

Das klingt nun alles ganz prima, doch so einfach ist es nicht. Entlastend ist der Ganztag auf seine Weise schon, aber…

Nachteile

… wenn ich nachmittags nach Hause komme, bin ich im wahrsten Sinne des Wortes „durch“. In der Regel ist das gegen 16.00 Uhr, wenn nicht noch andere Termine hintendranliegen. Danach geht außer Vorbereitung nicht mehr viel, Korrekturen schiebe ich darum konsequent ins Wochenende oder in die Ferien. Habe ich eine Klassenleitung, lege ich telefonische Elterngespräche und E-Mails in die Abendstunden

Habe ich hingegen kurze Tage (also sechs durchgehende Vormittagsstunden), kommen diese mir vor wie Urlaub.

Die Mittagspause

Die einstündige Mittagspause – so wichtig sie vor dem Nachmittagsunterricht für Schülerinnen und Lehrerinnen ist – frisst auch eine Stunde Zeit, die man sich im Halbtagsmodell sparen kann. Eine „echte“ Pause ist es meist sowieso nicht, weil man dann ja (fast) alle Kolleginnen über eine Stunde hinweg erreichen kann und immer dringend irgendwelche Dinge klären muss. Drängen die Korrekturen, dann nehme ich mir meine Arbeit auch mit in die Mittagspause – und unser Korrekturraum ist immer gut besetzt.

Zudem hat der Schulträger uns mit dem Bau der Mensa einen schönen Kuckuck ins Nest gesetzt: Niemand möchte da gerne essen. Lehrerinnen zweier Schulen meiden es gänzlich, dort zu essen. Lediglich einige Schülerinnen, überwiegend aus den unteren Klassen, nutzen das Mensaangebot. Ein Gefühl von Entspannung mag dort nicht so recht aufkommen – dazu und zu dem Irrsinn der Architektur dieses jungen Gebäudes mal in einem anderen Beitrag.

A- und B-Wochen

Das Doppelstundenmodell erfordert, dass Fächer, die in ungerader Stundenzahl unterrichtet werden, derart auf zwei Wochen verteilt werden, dass sie ins Modell passen. Also wird ein Oberstufengrundkurs mit drei Stunden so auf zwei Wochen verteilt, dass er in einer Woche mit zwei und in der Folgewoche mit vier Stunden vertreten ist. Deshalb haben wir „A- und B-Wochen“, sprich: jede Klasse, jede Kollegin hat zwei Stundenpläne, damit alle Stunden ins Doppelstundenraster passen. Das ist nicht wirklich schlimm, aber ich weiß grundsätzlich nie, in welcher Woche ich gerade bin und welche Stunden ich morgen habe. Einen einwöchigen Plan hat man sich im Gegensatz dazu schnell gemerkt.

Ungünstig ist diese Aufteilung auch, wenn man das Pech hat, dass viele Feier- oder Brückentage, ggf. auch Klausurtermine auf bestimmte Tage fallen: Dann kann es passieren, dass meine achte Klasse mich in Geschichte nicht so häufig sieht, weil ja immer gleich alle beiden Wochenstunden gleichzeitg ausfallen – und nicht nur eine, wie es im Halbtagsmodell der Fall wäre.

Auch Referendare kämpfen oft mit unserem Doppelstundenmodell, da dieses es ihnen sehr erschwert, (Oberstufen)kurse zu finden, die nicht an ihrem Seminartag oder parallel zu ihrem eigenen Unterricht liegen. Auch die Terminierung von Unterrichtsbesuchen ist etwas komplizierter, und die meisten Fachleiter kommen nur sehr ungerne für eine Doppelstunde.

Also ist leider nicht alles Gold, was glänzt! Was tun? Wieder zurück zum Halbtag?

Lösung Halbtag?

Ich finde nicht. Es gibt ja zum Glück Erfahrungen von Kolleginnen. Eine, die ihren Weg an eine Halbtagsschule gemacht hat, berichtet, dass ihr die Rückkehr an ein Halbtagsgymnasium durchaus als stressiger erscheint; besonders die Vorbereitung der Einzelstunden würde viel Zeit beanspruchen und für „Arbeitszeitfraß“ sorgen. Dazu komme die volle Schultasche und nur kurze Pausen zwischen den Stunden.

Würden wir zum Halbtag zurückkehren, gäbe es keine AGs mehr, keine wertvollen Klassenprojektstunden und ein Rückbau der Lernzeiten und Förderstunden wäre die Folge, was mehr als bedauerlich wäre. Ich habe oben schon zum Ausdruck gebracht, dass ich mir Schule ohne unmittelbare Schulsozialarbeit nicht mehr vorstellen mag und das wäre leider die Konsequenz einer Halbtagsschule. Die Doppelstunden entlasten den Schultag und ermöglichen ergiebige Arbeitsphasen. Ein Halbtag könnte so nur eine Verschlechterung pädagogischer Arbeit bedeuten.

Vorbei.

Und schon ist sie wieder vorbei, die zieldifferente Inklusion an meinem Gymnasium. Wie so oft schon erlebt: Eine neue Landesregierung kommt und – schwupps – ist alles wieder ganz anders. Die Entscheidung dafür oder dagegen liegt dabei nicht bei uns als Schule (auf Twitter ranteten aber gleich die Empörten moralstark gegen die menschenverachtenden Gymnasien), sondern kommt von oben.

„Vorbei“ ist allerdings nicht der richtige Begriff: Die zieldifferent unterrichteten Kinder werden nun nicht einfach wegdelegiert, sondern gehen weiter ihren Weg an unserer Schule bis zum Ende ihrer Schulpflicht, und zielgleiche Kinder werden nach wie vor aufgenommen. Überdies stellt sich die Frage, was passiert, wenn 2022 im Land neu gewählt wird. Aber wir sind es ja gewöhnt, drei verschiedene Modelle parallel durchzuziehen…

Ich habe bei dieser Entscheidung ein lachendes und ein weinendes Auge. Weinen werde ich, weil zieldifferente Inklusion eine bessere Versorgung mit Ressourcen (Räume, Material) bedeutet, man mehr im Team arbeitet und man sieht, wie sehr Schüler mit diversen Problemen von einem sozialen Umfeld profitieren, in dem sie Lernen und Arbeiten mehr als Tugend erleben als in homogenen Sozialstrukturen.

Die Ressourcenversorgung verursacht aber auch das lachende Auge: Ich verzichte gerne auf Inklusion als Sparmodell auf dem Rücken der Lehrenden und der I-Kinder. Die nötige Doppelbesetzung mit dem Hochziehen der Inklusion durch alle Klassenstufen hindurch war nicht mehr durchzuhalten, es mangelte an Sonderpädagogen und im Falle einer längeren Erkrankung einer sonderpädagogischen Lehrkraft war irgendwann auch die kontinuierliche Betreuung der I-Kinder fragwürdig. Adäquaten Ersatz gab es keinen. Die Belastung trug das vertretende und nicht ausgebildete Kollegium. Die Belastung wächst deutlich, wenn man plötzlich für eine Klasse mindestens drei Unterrichtsreihen / je Unterrichtsstunden und Lernerfolgsüberprüfungen vorbereitet: einmal für die Regelschüler, dann für die stärkeren I-Kinder und dann für die sehr lernschwachen I-Kinder. Auch die so wichtige Zeit für Teambesprechungen musste immer weiter gekürzt werden, sodass manche Klassen mit weniger „harten“ Fällen vollkommen ohne Teamzeit auskommen musste – letztlich zu Lasten der Kinder, um deren Wohl und Werdegang es in diesen Besprechungen geht.