Tröpfchenweise

Gestern zum ersten Mal einen dieser Selbsttests an mir selbst ausprobiert. Was soll ich sagen: Ein Fest des Niesens! Wenn man es irgendwie erreichen will, dass Aerosole sich unkontrolliert verbreiten, dann: Selbsttests in geschlossenen Räumen.

Eine interessante Wendung obendrein: Bei dem mit den Schüler:innen beschriebenen Selbsttest aus dem letzten Beitrag handelte es sich offensichtlich um die Komfort-Variante, denn in dem kleinen Plastik-Reagenzglas (ich habe keine Ahnung, wie man das nennt), in das man das Stäbchen mit dem Nasensekret steckt, war schon eine Flüssigkeit. Im der neuen Non-Komfort-Variante fehlt diese Flüssigkeit nun und eine auserwählte Person darf nun in jedes Reagenzgläschen zehn Tropfen dieser Flüssigkeit einträufeln. Bei etwa 15 Schüler:innen pro Gruppe macht das also 150 Tropfen, die diese auserwählte Person da nun zweimal die Woche herumträufeln darf. Ich hoffe, das Land hat bei der Non-Komfort-Variante ordentlich Geld gespart, welches es nun anderweitig in Bildung investiert…

Meldung heute: Ab Montag wieder Wechselunterricht. Ich bin kein Fan, sehe aber, dass es einigen Schüler:innen wirklich gut tut, körperlich in der Schule zu sein. Da müssen wir jetzt zähneknirschend durch, auch wenn mir der Distanzunterricht besser gefällt und ich im Wechselmodell manche Schüler:innen wochenlang noch weniger sehen werde. Unklar ist auch noch, wie es um die Leistungsbewertung steht oder wie wir mit Klassenarbeiten verfahren sollen. Theoretisch stehen noch zwei Klassenarbeiten in den Hauptfächern aus, aber wie das in der knappen Zeit unter Wechselunterrichtsbedingungen zu realisieren sein soll, das müsste mir dann noch einmal jemand erklären.

Dass die Grundschullehrer:innen geimpft werden sollten, war übrigens im Februar ganz wichtig. Wie steht es denn jetzt um die restlichen Lehrer:innen, die (in unserem Fall) nun dreimal am Tag 90 Minuten mit jeweils 15 verschiedenen Personen auf 60qm verbringen. Maske, Lüften und Abstand? Die Temperaturen liegen aktuell zwischen -1 bis 7 Grad Celsius und es schneeregnet heuer. Das Impfen klappt halt gerade auch nur tröpfchenweise.

Nachtrag

Die aktuelle Schulmail des Schulministeriums zeigt, dass man sich der Problematik der umständlichen Handhabung der Non-Komfort-Tests bewusst ist: „Das Ministerium wird aber bei den weiteren Beschaffungsvorgängen im Rahmen des Möglichen darauf achten, dass Testverfahren zum Zuge kommen, die in besonderer Weise alters- und kindgerecht durchgeführt werden können.“

Selbsttest

Das war schon ein bisschen abenteuerlich, mit den Schülerinnen und Schülern die Selbsttests durchzuführen. Eine wirkliche Möglichkeit zur Vorbereitung gab es nicht. Es wurde auf die Bedienungsanleitung verwiesen und eine Website des Schulministeriums. Wie so ein Test-Kit aussieht musste man sich selbst ergoogeln und hoffen, dass es das richtige ist.

Im Klassenraum dann gespannte Gesichter. Erst einmal Sorgen nehmen; erklären, dass von anderen Schulen hohe Falsch-Positiv-Raten berichtet wurden und dass es nicht so schlimm ist, wenn der Test positiv ausfallen sollte. Klarheit verschafft dann ja erst ein richtiger PCR-Test. Dann einmal die Prozedur theoretisch erklären, währenddessen erst einmal selbst herausfinden, was in welchem Beutelchen ist, und welcher Wattebausch wie lange worin gerührt werden muss. Wenn man es einmal gemacht hat, ist es nicht so kompliziert, aber das Ganze mit 13-15 Personen parallel fehlerfrei zu machen, ohne dass man verwendbares Anschauungsmaterial zur Demonstration hat, das ist schon etwas umständlich. Denn Vorführen durften wir Lehrer den Test nicht, der ist nur für die Schüler:innen und exakt auf die Anzahl der Schüler:innen abgezählt.

Klasse 7 kommt mit dem Test gut zurecht. Weniger erfreulich war die Erkenntnis, dass man für den Test die Maske abnehmen muss (logisch), dann aber viele Schüler:innen sehr heftig mehrmals niesen mussten, nachdem sie sich das Stäbchen in die Nase gesteckt hatten. Irgendwie auch logisch, aber genauso auch not amusing, wenn man nun ein ganzes Jahr lang jedes kleinste Aerosol zu vermeiden gelernt hat. Ein Mangel an Aerosolen herrschte nicht im Klassenraum.

Die Prozedur hat mindestens eine Stunde gedauert, aber nach den Osterferien wird’s dann schon bedeutend schneller gehen, denke ich.

Kühle Präsenz

Junge, war das kalt heute im Unterricht. 🥶

Schlimm: Man kann sich nicht einmal wärmend in die Hände pusten! 😷

Fies: „Hier an der Heizung sitzen zu müssen, da ist es mir ja fast schon zu warm…“ Hätte ich mich in Klasse 7 nie getraut! Diese Jugend…

Wechselunterricht

Ich spare mir nun lange Ausführungen, die Tage sind sowieso schon voll genug, aber: Die Entscheidung, von einem im Wesentlichen gut laufenden Distanzunterricht in einen chaotischen Präsenz- und Distanzunterricht umzuschalten, ist ein Rückschritt. Selbst an einer Schule, in der Digitalität bislang noch eher klein geschrieben wurde.

Zum Qualitätsverlust und Mehrarbeit dann noch das unnötige Virenrisiko und verschärfte Quarantäneregelungen. Parallel dazu darf man aber im Puddingstädtchen ab Donnerstag frei shoppen gehen. Mir graust’s.

Das neue Outlook…

„Willst du das neue Outlook nutzen?“

Klar, will ich! <klick>

Folge: Meine alten Kontaktlisten funktionieren nicht mehr. Microsoft und ich bleiben nur so gezwungenermaßen Freunde. Zum Glück kann man wieder zur alten Version zurück…

Immer wieder freitags…

Wie immer erfuhren wir es aus den Medien: Ab nächstem Montag dürfen Schüler*innen der Klassen 1-7 in den Präsenzunterricht kommen, müssen aber nicht. Ab Klasse 8 gilt Distanzunterricht.

Als die Info hart bei uns aufschlug, war der Unterricht schon gelaufen. Wie jedes verdammte Mal hat unsere Landesregierung bis zum allerletzten Moment gewartet, um sich dann für die schlechtestmögliche Lösung zu entscheiden. Ich muss sagen, dass ich wirklich wütend über diese Entscheidung und vor allem über den Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung bin!

Während Frau Gebauer die ganze Woche lang eine harte Linie gegen die Empfehlung der Leopoldina fuhr und ein Aussetzen der Schulpflicht ausschloss, fand dann heute eine 180-Grad-Wende bei semantischem Winkelzug statt: Während der Unterricht noch lief, verkündete man im Bildungsministerium ein Aussetzen der Präsenzpflicht mit den oben genannten Regelungen. „Präsenzpflicht„ ist ja nicht gleich „Schulpflicht“. Toll, da ist man ja mal wirklich hart bei seiner Linie geblieben! De facto ändert sich dadurch wenig.

Aber wunderbar! Dann komme ich am Montag in die Schule und habe dort vermutlich maximal drei Kinder pro Klasse sitzen, die ich präsent unterrichten soll – und nebenher warten die 23 restlichen Kinder zuhause darauf, dass ich mich per Videokonferenz melde, ihnen Distanzaufgaben schicke und mich ihren Ergebnissen widme. Das bedeutet doppelte Arbeit, doppelten Zeitaufwand und Fahrtzeiten, die man sich mit einem vollständigen Schließen der Schulen hätte sparen können.

Und warum in Gottes Namen wurden und werden all diese Entscheidungen immer! erst! freitags! kommuniziert? Geht es nicht auch am Donnerstag? Dann hätten Schulen im Großen und Kleinen wenigstens 24 Stunden Zeit, um noch einmal alles vorzubereiten! Denn – ja! – es werden wieder Kinder ihre Bücher in der Schule „vergessen“ und vergessen haben! Lehrer hätten Kinder ein letztes Mal face to face auf langfristige Aufgabenstellungen vorbereiten können, hätten noch einmal checken können, ob alle auf die Lernplattform kommen, hätten Probleme mit digitalen Endgeräten lösen können, hätten abfragen können, wer ab Montag nicht mehr kommen wird usw. usft.

Pustekuchen. Pünktlich freitags um 11.00 Uhr wird so etwas gottgleich in die Medien geblasen. Ich bin wirklich sauer!

Nachtrag

In den Kitas wälzt die Regierung ebenfalls die Verantwortung auf die Eltern ab. Das ist einfach unglaublich.

Schnattern.

Ich bin wirklich keine Frierhippe, aber seit die Temperaturen doch deutlich dezemberliche Tiefpunkte erreichen, stehe ich schnatternd in einigen Klassenräumen und erwäge ernsthaft, mit Mantel in den Unterricht zu gehen. In einigen Klassen haben Eltern Decken organisiert, in allen Klassen sitzen Schüler*innen mit Mützen, Schals und dicken Jacken. Die Schüler*innen, die an den Fenstern sitzen, trifft wirklich ein hartes Los und ich stehe etwas ratlos vor der Frage, was wir wohl machen sollen, wenn es mal richtige Minusgrade gibt?

Schon im Sommer war das Lüften bei offener Klassentür eine zwiespältige Angelegenheit: Zum einen wegen des Krachs vom Flur her, zum anderen wegen des Krachs von der Straßenseite her, wo ein nicht unbeträchtlicher Straßenlärm herrscht, aber auch Bauarbeiten oder Rasenmäher ihre Dienste geräuschvoll kundtun. Wenn dann Schüler*innen durch Masken hindurchnuscheln, dann entsteht schnell Frust, wenn man oft wiederholen soll.

Hoffen wir, dass die Impfungen uns die Lösungen bringen werden, die wir uns von ihnen versprechen.

Inzidenz

Da Corona nun immer direkter in meinem beruflichen Umfeld einschlägt, wundert mich diese Erkenntnis nicht:

(…) allerdings ist die Kurve bei den Lehrerinnen und Lehrern steil nach oben gegangen: In der Kalenderwoche 45 wird ein Inzidenzwert von 280 festgestellt (im Schnitt: 175), in der Kalenderwoche 46 ein Wert von 368 (im Schnitt: 171), in der Kalenderwoche 47 ein Wert von 361 (im Schnitt 159).

Quelle: News4Teachers

Warum sollte man auch die Weihnachtsferien früher beginnen, wenn doch an den Schulen alles in Butter ist?

Kaum Beiträge

Kaum Beiträge hier in den letzten Monaten. Und ich befürchte, das bleibt auch so. Es ist leider gerade so viel Schule los, dass ich in meiner Freizeit gerne alles Mögliche mache, aber insbesondere einen weiten Bogen um alles, was mit Schule zu tun hat. Darum bleiben Blog-Beiträge hier nur spärlich gesät, auch wenn Corona & Co. wahrlich viel Stoff böten.

Vielleicht wird es ja wieder anders.

Ungesund

Vor gut einer Woche gab es Coronafälle an drei Schulen in Bielefeld, einer davon nur 50 Meter entfernt von meiner Schule. Die Gesundheitsminister beschließen ein einheitliches Bußgeld für Maskenverweigerer, am gleichen Tag beschließt Laschet in NRW das Ende der Maskenpflicht in Schulen.

Als konsequent würde ich das jetzt nicht bezeichnen.