Zoom

So wie’s aussieht, ist das sehr gehypte Zoom eine riesige Datenschutzkatastrophe.

Nachtrag

Sehe gerade, dass Herr Rau gestern über Videokonferenzsoftware geschrieben hat. Dort stellt er eine OpenSource-Lösung vor. Auch das ist nicht unbedenklich, aber da fließen die Daten nicht direkt an Facebook (und man könnte selbst einen Server aufsetzen).

Neue Abiturtermine 2020

Nach den neuesten Informationen auf der Seite des Schulministeriums NRW geht der Unterricht nach den Osterferien wie gewohnt weiter. Neu ist, dass der Termin der Abiturprüfungen nach hinten verschoben wird:

Die Abiturprüfungen 2020 beginnen im Haupttermin demnach am Dienstag, den 12. Mai 2020, und laufen bis Montag, den 25. Mai. Damit verliert der bisherige Zeitplan jegliche Bedeutung und hat sich erledigt.

Das ist zu begrüßen! Weniger schön hingegen:

Durch einen verkürzten Korrekturzeitraum können die Abiturzeugnisse dann, wie vorgesehen, spätestens bis zum 27. Juni ausgegeben werden. Um die Lehrerinnen und Lehrer, die hiervon stark betroffen sind, bestmöglich zu unterstützen, werden wir versuchen, die besonders korrekturintensiven Fächer möglichst am Beginn der Klausurphase zu terminieren.

Das wird für die Kolleginnen sehr stressig, denn irgendwann müssen ja alle Korrekturen an den Zweitkorrektor weitergegeben werden und die Kolleginnen müssen ja parallel dann auch die mündlichen Prüfungen vorbereiten.

Der Brückentag an Christi Himmelfahrt wird gestrichen und die mündlichen Abweichungsprüfungen, die es im nächsten Schuljahr sowieso nicht mehr geben soll, werden ausgesetzt. Das nimmt etwas Druck aus dem Terminkessel.

Wie Schulunterricht unter den Bedingungen von Corona aussehen soll, das mag sich mir noch nicht so recht erschließen, aber warten wir erst einmal bis zu den Osterferien ab, wie sich die Lage entwickelt. Aktuell fände ich das doch sehr gruselig, mich mit über 1100 Menschen jeden Tag auf engem Raum zu tummeln.

Storniert.

Einen Wandertag für alle sechsten Klassen storniert. Das tut schon weh, einmal für die Klassen, besonders aber auch für den Unternehmer, mit dem ich schon einige Fahrten gemacht habe und dem aktuell vermutlich das komplette Geschäft wegbricht. Alle Schulen in NRW sind angewiesen, keine Schulfahrten bis zum Ende des Schuljahres durchzuführen, ganz gleich, wie sich die Lage entwickelt. Das dürfte für Busunternehmer ein sehr harter Schlag sein.

Am Computer sitzend im Kalender sehen, was den armen Abiturienten nun alles ausfällt. All die Dinge, die das Abitur zu einer besonderen Phase machen, die nicht nur vom Durchpeitschen der letzten Lerninhalte vor den Prüfungen, sondern auch von Kreativität und Eigensinn geprägt sind. Alle Rituale sind außer Kraft gesetzt, alle Initiationsriten abgesagt. Es gibt keine Mottotage mehr, keine Abipartys, keinen bunten Abend, keinen Abisturm, keinen Abiball. Alles „storniert“. Das tut mir schmerzlich leid für all die Abiturienten, zu denen auch Tochter¹ gehört. Am Ende bleiben ihnen nur die Prüfungen.

Zur 9. Schulmail zum Umgang mit Corona-Virus an Schulen.

Es gibt so Mails, da kriege ich Blutdruck. Gestern kam eine vom Schulministerium, das war so eine. Vorab: Ich unterstütze das Anliegen der Landesregierung, systemrelevante Berufe zu unterstützen, indem Lehrerinnen die Betreuung dieser Kinder in einem angemessenen Rahmen aufrecht erhalten. Auch am Wochenende, auch in den Osterferien.

Die Gefahren für Lehrerinnen dabei kleinzureden, halte ich aber – insbesondere nach der Ansprache der Bundeskanzlerin und der stetigen Verschärfung der Maßnahmen – für den falschen Weg:

Ohne jeden Zweifel: das oberste Gebot ist auch für mich, Gefahren zu minimieren und Ihre Gesundheit zu schützen. Deshalb haben wir klargestellt – und werden dies gegenüber Eltern auch noch einmal öffentlich tun: In die Notbetreuung dürfen nur solche Kinder, bei denen nicht der geringste Verdacht auf eine Corona-Infektion besteht. 

Soll das ein schlechter Witz sein? „Nur solche Kinder, bei denen nicht der geringste Verdacht auf eine Corona-Infektion besteht“? Wir haben hier eine völlig unklare Symptomlage, Inkubationszeiten von bis zu 14 Tagen – und dann „dürfen“ (Zitat!) nur solche Kinder in die Betreuung, bei denen nicht der „geringste Verdacht“ besteht? Und das, wo man bei Kindern häufig nicht merkt, dass sie infiziert sind? Seriously?

Und es geht noch weiter:

Allerdings darf die Betreuung in geschlossenen Räumen und von persönlich bekannten Kindern bzw. Eltern auch nicht mit dem Zusammentreffen fremder Menschen in der Öffentlichkeit, das auf zwei Personen beschränkt ist, gleichgesetzt werden. Dort müssen wegen des Infektionsschutzes strengere Maßnahmen greifen.

Ach wie? Bei „persönlich bekannten Kindern bzw. Eltern“ übertragen sich Viren plötzlich nicht mehr? Draußen, wo ich ggf. selbst schnell für Abstand sorgen kann bzw. mich dafür entscheiden kann, einfach gar nicht rauszugehen, sind dem Schulministerium zufolge also strengere Maßnahmen nötig als in einem begrenzten Klassenraum, wo alle Personen die gleichen Türklinken, Lichtschalter, Wasserhähne etc. benutzen und eine schlechtere Belüftung herrscht? Da darf man nun doch mit mehreren möglichen Infektionsherden auf einem Haufen hocken? Kann ich morgen dann doch noch einen Elternabend machen? Ernsthaft? Und weiter:

Wir müssen uns darauf verlassen, dass nur infektionsfreie Kinder in die Notbetreuung kommen. Und nur die Eltern können gewährleisten, dass ihre Kinder auch außerhalb der Notbetreuung von Infektionsherden ferngehalten werden. Wir werden daher auch von hier einen entsprechenden Appell veranlassen.

Wie beruhigend! Ein „Appell“ an die Eltern. Die ja auch nicht wissen, ob ihre Kinder infiziert sind. Danke, liebes Ministerium, für diese umfassende Fürsorge und die zahllosen schützenden Maßnahmen!

Ich zitiere passend dazu aus einem Interview mit einer in Deutschland praktizierenden Ärztin, die einen genauen Blick auf China hat:

Um Neuinfizierungen zu vermeiden, müsste man jene Schutzmaßnahmen einführen und für den Zyklus mindestens einer Inkubationszeit – also 14 Tage – das öffentliche Leben einstellen. Wir verlieren mit unserer Inkonsequenz doch nur unnötig Zeit, zum normalen Leben zurückkehren zu können. Was hat es für einen Sinn, wenn die Kinder „systemrelevanter“ Eltern weiter ohne Schutzmaßnahmen in die Betreuungsangebote gehen dürfen? Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich sowohl Kinder, Erzieher als auch Eltern gegenseitig in einer Art Teufelskreis infizieren, zumal wenn gerade jene Eltern berufsbedingt – beispielsweise als Arzt oder Polizist – einer hohen Ansteckung ausgesetzt sind. In China wurden sämtliche Betreuungsangebote konsequent eingestellt.Also,

Also, liebes Ministerium, wenn ihr schon an die Einsatzbereitschaft und die Bedeutung der Betreuung für die Bekämpfung der Corona-Epidemie appelliert, dann:

  1. Seid ehrlich und verharmlost nicht die Gefahren!
  2. Sorgt dafür, dass Eltern und Schülern die Regeln klar sind! Manche fordern Betreuung auch im Sinne von direkter Hilfestellung bei Aufgaben ein. Betreuung kann nicht heißen, dass Kolleginnen sich über möglicherweise infizierte Schülerinnen beugen sollen!
  3. Sorgt für ausreichenden Schutz! Handschuhe, Mundschutz, Desinfektionsmittel, Seife, warmes Wasser – you name it! Auch das würde den Kolleginnen mehr helfen als eure wachsweichen Worte.

Kümmert euch! Schwafelt nicht!

Ausnahmezustand

Absoluter Ausnahmezustand. Seit einer Woche starre ich fast nur auf den PC-Bildschirm und leiste technischen Support, leite Datenschutzanfragen weiter und komme kaum dazu, meine SchülerInnen mit Aufgaben zu versorgen. Eigentlich wollte ich korrigieren und ganz in Ruhe Aufgaben für meine Klassen vorbereiten, stattdessen fliegen auf allen Kanälen Nachrichten herein, heraus, manche auch nur herum. Alles das, was zuvor konzeptionell im Großen nicht geleistet wurde, obliegt nun jedem Einzelnen: Manche werden eine PDF rausschicken und sich entspannt zurücklehnen, während andere sich bemühen, ihren SchülerInnen möglichst umfangreich zur Verfügung stehen zu können. Datenschutzgrenzen weichen auf, KollegInnen suchen sich nun eigene Lösungen. Der auf Leitungsebene oft befürchtete „Wildwuchs“ bricht sich nun Bahn. Jetzt, am Wochenende, entspannt sich die Lage etwas. Wer nun online unterrichtet, dem empfehle ich die in Herrn Raus aktuellem Beitrag eingebettete Grafik „Mach es so, nicht so!“.

Gleichzeitig wird in dieser Situation schmerzlich klar, dass Digitalität nicht nur eine nette Spielerei für Fototermine und an Tagen der offenen Tür darstellt, sondern eine durchaus krisentaugliche Lösung ist. Dass Wegducken nicht funktioniert. Das, was nun in den verschiedenen Schulen, von verschiedenen KollegInnen digital geleistet wird, wird nach Corona nicht einfach wieder verschwinden können. Wenn es jetzt möglich ist, SchülerInnen digital mit Aufgaben zu versorgen, Videokonferenzen abzuhalten und unter Umständen sogar richtigen Unterricht über Onlinemedien stattfinden zu lassen, warum sollte das alles nach Corona nicht mehr funktionieren? Die Schulträger werden sich schnell bewegen müssen, alleine schon, weil Corona uns vermutlich nicht so schnell loslassen wird.

24/7-Betreuung in NRW

Ab Montag sind alle Lehrer in NRW auch dazu angehalten, in den Osterferien und an allen Wochenenden für eine Betreuung der SchülerInnen zu sorgen, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten. Ich finde, das ist das richtige Zeichen für diese Eltern und das Mindeste, was wir an Solidarität leisten können. Außerdem: Klopapier hat es dort in Hülle und Fülle!

Social Media

Versuche es seit heute mal mit Mastodon.

Feststellung: Der Trackback stirbt langsam aber sicher. 🙁

Sehe überdies in letzter Zeit, dass immer mehr WordPress.com-Blogs mit wirklich ugly Werbung verschandelt werden. Bin ganz froh, dann doch meine eigenen Blogs zu hosten.

Da zahle ich doch gerne für euch! 🙂 Werbefrei seit 2004!

Rundumlinks.

Through The Darkest Of Times

Angefixt von Daniel Bernsen habe ich mir gestern das Spiel „Through The Darkest Of Times“ heruntergeladen, Tochter¹ mit dazugeholt und dann haben wir erst einmal zwei Stunden gespielt. Was für ein wunderbares Spielprinzip! Und wie gut der historische Kontext der Nazi-Zeit eingebettet wird. Mehr dazu bei Daniel selbst. Daniel beschreibt im Folgebeitrag, wie er das Spiel im Unterricht eingesetzt hat und auch das werde ich mir (hoffentlich) merken und bei Gelegenheit einmal ausprobieren. Wir müssen jede Chance nutzen, SchülerInnen nicht mit ellenlangen Texten von der Auseinandersetzung mit Geschichte abzuschrecken.

Lyrik verfilmen

Jürgen Drewes hat verbloggt, wie er in seinem Unterricht Lyrik hat verfilmen lassen. Verfilmte Lyrik ist mir vor Längerem mit Poem begegnet, in der Breite – sucht man auf YouTube – auch fast schon Inventar des Deutschunterrichts. Ich habe das bislang noch nie versucht, aber Jürgens Beitrag motiviert (nicht nur die Schüler)! 😉

Nerds

Herr Rau schreibt aktuell über das Nerdtum und Maik Riecken zeigte schon in einem Beitrag vor zwei Wochen, warum wir Nerds brauchen. Ich bin sehr dankbar für all die Nerds in meiner Umgebung. Macht weiter so. Wir brauchen euch Querdenker, Bastler, Nervensägen und Besserwisser.

Suchmaschinen und Spieltheorie.

Ich habe ja früher immer wieder fragfinn.de als Suchmaschine empfohlen, wenn meinen Schülerinnen aus der Unterstufe andere Kindersuchmaschinen wie blinde-kuh.de zu doof waren (wir kennen das doch: Bleistifte sind ja dann auch immer „voll baby“).

Leider entwickelt sich fragfinn.de immer mehr zur Werbeschleuder:

Doof!

Notengebung und Spieltheorie

Ansonsten bin ich zufälligerweise über das Video eines Professors gestolpert, der die schulische Notengebung einmal aus der Perspektive eines Spieltheoretikers beleuchtet. Man mag über seine Ansicht streiten, aber ich verlinke es dennoch einmal hier. Die Argumentation erinnert ein wenig an die von Jürgen Oelkers.

Hurensohn.

Ich bin kein großer Fan des Fußballs und verfolge bestenfalls die Ergebnisse der Spiele des 1.FC Köln aus nostalgischen Gründen, weniger aus Leidenschaft und noch weniger mit Herzblut. Ich weiß nicht einmal, wie der Trainer heißt. Fußball als Sport finde ich prima, zum ganzen gesellschaftlichen Getue um Fußball habe ich jedoch vollständig den Kontakt verloren. Mit dem letzten Spieltag hat mich der Fußball dann doch noch einmal eingeholt.

Gestern stieß ich darauf, dass man den Hoffenheimer Club-Manager Dietmar Hopp in verschiedenen Fußballstadien zeitgleich mit großflächigen Bannern öffentlich diffamierte. Der Kommentar im Spiegel beschreibt es so:

Keine Frage: Hopp als „Hurensohn“ zu bezeichnen, mag zur Fußball-Folklore gehören, geschmacklos ist sie dennoch, sein Gesicht „im Fadenkreuz“ ist es allemal.

Spiegel Online

Als ich mit dem Lesen dieses Absatzes fertig war, musste ich erst einmal den Kaffee vom Display putzen und meine Fassung wiederfinden. In einem der populärsten deutschen Onlinemedien wird die Beschimpfung „Hurensohn“ als „Fußball-Folklore“ verharmlost? Wie muss ich das verstehen? Gehört das auf und neben dem Platz eben so dazu, gegnerische Spieler, Trainer und Fans als „Hurensöhne“ zu bezeichnen? Muss man sich einfach damit abfinden? In Bayern trägt man Tracht, in Köln feiert man Karneval und im Stadion ist man „Hurensohn“? Und was muss man von Marco Fuchs‘ Relativierung des eigenen Urteils mithilfe des Wörtchens „geschmacklos“ halten? Ist Hurensohn lediglich „geschmacklos“? Wenn man weiße Tennissocken zu Birkenstocksandalen trägt, das ist geschmacklos. Jemanden als „Hurensohn“ zu beleidigen ist schlicht und einfach genau das: eine schlimme Beleidigung.

Ich kämpfe gerade schulisch durchaus hartnäckig gegen Beleidigungen exakt dieser Art – und offensichtlich ist es ein Kampf gegen Windmühlen, wenn Personen des Bildungsbürgertums (dazu darf man Spiegel-Redakteure doch noch zählen, oder?) solche Beleidigungen der untersten Schublade öffentlich als „Folklore“ verharmlosen. Kein Wunder, dass die 11- und 12-Jährigen sich heutzutage wie selbstverständlich des Rapper-Slangs bedienen, als wäre es das Normalste auf der Welt, jedermann und -frau als „Hurensohn“, „Hure“ oder „Nutte“ zu bezeichnen.