Aufräumzeit = Arbeitszeit

Tröstende Worte, die ich euch so kurz vor den Ferien nicht vorenthalten möchte:

Liebe Kollegys, wenn ihr jetzt oder in ein paar Wochen mal wieder 3 Tage bracuht um das Arbeitszimmer und den Schreibtisch aufzuräumen denkt bitte daran, das das Arbeitszeit ist und kein persönliches Versagen. Würde niemand erwarten dass der Schreiner die Werkstatt fegen als "Freizeit" und "hätte er beim Arbeiten halt besser aufpassen sollen" bezeichnet.

— Giliell (@Giliell@mastodon.social)2026-06-30T14:29:00.172Z

Kognitives Offloading durch KI

Und hier noch ein kritischer Blick auf das Thema Künstliche Intelligenz. Der im Folgenden verlinkte Artikel stellt zwei Studien (Nigeria, China) einander gegenüber, hat den Titel „KI ruiniert Bildung“, stammt vom Sozialwissenschaftlter Marko Kovic und wurde mir auf Mastodon von Cornelia Stenschke empfohlen. Kovic kommt ebenfalls zu keinem guten Ergebnis bezüglich der Auswirkungen von KI auf das kognitive Potenzial junger Menschen und befürchtet „kognitives Offloading“, sprich: Schüler geben das Denken an die KI ab – und lernen es somit auch nicht mehr. Er befürchtet darum drastische gesellschaftliche Folgen:

Das systemische Risiko ergibt sich aus dem ungewissen multiplikativen Charakter von kognitivem Offloading. Was passiert, wenn eine ganze Generation über markant tiefere kognitive Kompetenzen verfügt als frühere Generationen? Wir wissen es nicht. Und genau der Umstand, dass wir es nicht wissen, ist eine grosse Bedrohung. Auf individueller Ebene ist es so gut wie sicher schlecht, über weniger kognitive Kompetenzen zu verfügen. Auch wenn KI einen grossen Teil von Denkarbeit zuverlässig übernehmen kann, bedeutet weniger individuelle Denkkompetenz auch weniger Autonomie und Entscheidungsfähigkeit im eigenen Leben. Dieser Abbau bzw. fehlender Aufbau kognitiver Kompetenzen hat darüber hinaus aber auch zwangsläufig multiplikative Effekte. Der Schaden bleibt nicht isoliert auf das einzelne Individuum begrenzt.

Diese Sorge treibt ja Generation um Generation, und ich habe mich auch immer gerne über die Sorgen der Alten über die Jungen lustig gemacht (schon die Sumerer…), aber die Entwicklung im Rahmen von KI macht mir schon ein wenig Bauchschmerzen. Und das Schlimmste: Ich beobachte ihn bei mir selbst, diesen Homo Oeconomicus – aber lest doch einfach selbst bei Marko Kovic.

KI verbessert vermutlich nicht die Prüfungsleistungen

Kurze Notiz an mich (per Christian Stöcker): Eine chinesische Studie zeigt, dass KI zwar für einen Geschwindigkeitszuwachs beim Erledigen von Aufgaben und auch für bessere Noten sorgt, diese Ergebnisse sich aber am Ende nicht in Prüfungsergebnissen widerspiegeln (Link zur Studie). Es trifft dabei:

The losses are largest in social science subjects, followed by STEM and languages, and are especially large for junior students, high-achieving students, and boys.

Diesmal erwischt es auch die Leistungsstarken und natürlich – wie könnte es anders sein – die Jungen.

Warum Rechtschreibung wichtig ist

Quatsch, Herr S.! Rechtschreibung braucht man nicht, wir haben doch K.I.! Doch von wegen! Die folgenden Screenshots zeigen, wie ich die KI (Gemma 4) mit einem Rechtschreibfehler in die schiere Verzweiflung trieb. Statt „Übersetze auf Deutsch“ hatte ich „Übersetze auf deutsch“ geschrieben. Danach war die KI für mehrere Minuten out of order und ich musste abbrechen. Amüsanterweise konnte ich ihren Denkprozess mitlesen:

„Deep Breath“ und „ARGH!“ sind meine Highlights! 😄 Wie kommt die KI auf so etwas?

Warum du in der Schule so viel Sinnloses lernst.

„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete und Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In vier Sprachen.“ Mit ihrem Tweet löste die Schülerin Naina anno 2015 ein kleines mediales Beben über den Sinn und Unsinn von Schulwissen aus, das auch die Bildungsministerien erreichte. Die Steuererklärung scheint das liebste Kind der Kritiker der formalen Schulbildung zu sein: 2023 griff der Landesschülerbeirat in Ba-Wü die Kritik auf und forderte: „Zum Leben gehören nicht nur Vektorrechnung und Gedichtanalyse, sondern auch steuerrechtlicher Unterricht und Analysestrategien“.

Die Sinnfrage, was in Schule unterrichtet werden sollte, begegnet uns jeden Tag. Sie wird nicht nur von Schülern gestellt, sondern auch von Eltern, die vielleicht Kunst, Sport oder Musik nicht so wichtig finden und ihren Kindern vermitteln, dass eine Vier in Kunst schon okay ist. Ist ja nicht wichtig. Und Gedichte analysieren fand man selber auch doof, aber die Rechtschreibung bitte!

Warum ich das schreibe? Die Kaltmamsell wies heute per Mastodon auf diesen wunderbaren Krautreporter-Artikel mit dem Titel „Es ist gut, dass du in der Schule Dinge lernst, die du nicht brauchst“ hin, der eigentlich alles beantwortet.

Cornelsennichtofflinelernen

Früher bedeutete „Digitalisierung“, dass Verlage alles auf CD gebrannt und gnadenlos ins *.exe-Format geknüppelt haben.

Heute nennen sie ihre Produkte „CornelsenOfflineLernen“ und verlangen jedesmal eine Online-Anmeldung.

Herr, lass Hirn…

Alter Hase

Da stehst du in der Lehrerküche und hörst, wie die Kollegin nebenan von dir erzählt und der Kollege antwortet: „Ja klar, Hokey ist ja auch ein alter Hase!“

Da fühlt man plötzlich jedes graue Haar im Bart … 😉

Demografie!

„Und irgendwann – Demografie! – irgendein Jahrgang ist dann wieder mal so groß, dass sich die Probleme dann lösen werden.“

Astrid-Sabine Busse, ZDFheute Nachrichten

Sagt die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz zur Frage, wie wir den Lehrermangel in Deutschland in den Griff bekommen wollen. Packste dir an‘ Kopp! Und bei der Unschuldsmiene, die die Dame aufsetzt, möchtest du sie am liebsten packen und schütteln! Ausreden hat sie keine: Sie war laut Wikipedia bis ins Jahr 2021 30 Jahre Schulleiterin an einer Grundschule.

Aber schaut man auf die Alten- und die Krankenpflege, scheint „Demografie!“ ein gängiges Konzept aktueller deutscher Politik zu sein.