Namen

Beim Durchgehen von Schülerlisten:

„Ah, du bist Paul!“

„Nein, Marcel!“

„Marcel, so was Doofes, du stehst gar nicht auf meiner Liste!“

„Doch, da steht geschrieben Paul, aber man spricht es wie Marcel.“

Nach Wochen des Listenprüfens beansprucht der Sarkasmus sein Recht.

Der vielleicht beste Tweet…

… seit Langem – und ganz ohne Hass und Hetze und Herabwürdigung. Und ein wenig Schule kommt auch drin vor:

Plötzlich Präsenz

That escalated quickly. Heute Mittag wurde es bekannt gegeben: Präsenzunterricht in voller Stärke in NRW ab dem 31. Mai. Für die nächste Woche legen wir aber doch noch eine ganz kurze Schicht „Wechselunterricht“ ein, um dann vermutlich wieder voll durchzustarten? Fragezeichen. Denn offiziell ist bei uns gar nichts, solange die Mail nicht angekommen ist. Im lokalen Radiosender kolportiert man sogar, dass es in Puddingstadt ggf. noch im Wechselmodell weitergehen soll, die Inzidenz in Bielefeld ist ja relativ hoch (ca. 114).

Nun bald volle Präsenz. Was soll man davon halten? Ich weiß es mittlerweile nicht mehr. Ist das nun okay, weil die Alten nun (überwiegend) geimpft sind oder ist es schlecht, weil dadurch Mutanten in Umlauf oder jüngere Jahrgänge und Kinder in Gefahr gebracht werden? Die meisten Kolleg:innen dürften mittlerweile erstgeimpft sein, die Kinder sind es nicht. Was ist mit den Eltern? Überwiegt dort die Sorge vor Infizierung oder die Erleichterung, nicht mehr Homeschooling betreiben zu müssen? Als Vater einer Grundschultochter bin ich auch nicht amused über den Distanzunterricht (oder dem, was die lokale Grundschule dafür zu halten scheint).

🤷🏻‍♂️

Die 90er

Aus einem Podcast (sinngemäß wiedergegeben): „Die 90er sind für heutige Jugendliche genauso weit weg wie für uns in den 90ern damals die 60er.“

😳

(Ich fühle mich jetzt sehr, sehr alt… quasi Franz-Josef-Strauß-alt… Nirvana sind die neuen Beatles… wo kann man Krückstöcke vorbestellen?)

Durchdacht

Ich dachte schon, gestern wäre der Hammer gewesen, aber Corona macht’s möglich: Ein Brüller jagt den nächsten. „Unterricht im Freien oder die weitere Reduzierung der Lerngruppengrößen sind zu durchdenken“ – wird der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag von Spiegel Online zitiert. „Durchdenken“ soll danach klingen, dass man in der Bundestagsfraktion der Union richtig schwer über die Zukunft der Schulen in der Pandemie nachdenkt, bedeutet aber in Wirklichkeit nichts anderes als: Wir wollen uns nicht ernsthaft Gedanken machen und erst recht nicht investieren.

Unterricht im Freien! Endlich! Ich sehe es förmlich vor mir: Ein Schulhof voller Pubertiere, kohortenweise brav auf 1,5m Abstand sitzend, während Lehrer mit Megaphonen versuchen, den Straßenlärm und sich gegenseitig zu übertönen. Der Schulträger liefert dazu lastwagenweise Straßenmalkreide vom Discounter, damit der gute alte analoge Frontalunterricht auch nicht zu sehr verkommt. Nun gut, das zarte Pflänzchen WLAN, das seine jungen Blüten gerade erst durch viele Teile des Gebäudes wachsen lässt, wäre dann vollständig unnütz, aber das gute alte Edge, stabiler Standard in fast ganz Deutschland, wird uns schon aus der Misere pauken! Okay, die vom Schulträger gelieferten iPads funktionieren nur mit WLAN, aber da muss man eben mal Verzicht üben. Und da es bekanntlich kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung gibt, müssten die Schülerinnen und Schüler vorausschauend alle typisch deutschen Eventualitäten von Kältetod bis grausame Hitze vor dem Schulbesuch „durchdenken“, um mal im Politikersprech zu bleiben. Macht ja nichts, wenn die Kinder bei 40 Grad Hitze oder bei sommerlichen Regenschauern wahlweise draußen braten und / oder frieren, da muss man eben mal agil sein. Vielleicht spendet die lokale CDU gnädigerweise ein paar Einwegregenschirme und Plastiksonnenbrillen? Besonders freue ich mich auf die Windböen, die hin und wieder stoßweise alle Arbeitsblätter und Zettel quer durch die Landschaft verteilen, das wird alle fröhlich stimmen, wenn die Blätter so überraschend lustig über den Schulhof tanzen. Ob die Schülerinnen dann auf dem blanken Boden, Sitzdecken oder auf richtigen Stühlen an richtigen Tischen sitzen sollten, das überlassen wir der Phantasie unserer Abgeordneten. Vielleicht sind ja auch die verrammelten Eiscafes bereit, ihre Außengarnituren zu vermieten, denn das schwere Schulmobiliar jeden Tag rein- und rauszuschleppen… obwohl… das könnte man doch als Sportunterricht „durchdenken“, oder?

Und die Reduzierung der Lerngruppen! Das klingt richtig schön homöopathisch. Einfach verdünnen, dreimal schütteln und zehnmal draufklopfen, zack, fertig ist die coronasichere Lerngruppe. Wie es einer Lehrkraft dann noch gelingen soll, mit einer Klasse Unterricht so zu gestalten, dass alle auf einem gemeinsamen Stand sind und dass die Schülerinnen soziale Kontakte mit ihren Freundinnen und auch mit denen, die man nicht so gern hat, haben, das „durchdenke“ auch mal jemand. Wenn da nur 6-7 Kinder sitzen (womöglich draußen?) und ich für eine Deutschstunde dann vier Stunden brauche, dann möge auch bitte endlich jemand die Fülle des Stoffes und die Sinnhaftigkeit von Zeugnissen in Coronazeiten „durchdenken“.

Ich fänd’s gut, wenn der Bundestag das erst mal erproben würde: Bis zur Bundestagswahl mal alle Sitzungen draußen vorm Reichstag abhalten und ab und an debattierend durch Berliner Parks flanieren. Eine Reduzierung der Abgeordnetenanzahl ist ja schon längst überfällig. Müsste man mal „durchdenken“.

Für einen Tag

Fürs Protokoll: In der letzten Woche wurden wir als Schulen darauf eingestimmt, dass ab morgen der Wechselunterricht wieder beginnt und dass im Rahmen einer Testpflicht nun zweimal wöchentlich getestet wird. Das bedeutet für Schulen – und insbesondere für die Leitungsebene – dass neue Elternbriefe geschrieben werden müssen, in denen über alle Regeln und Neuerungen informiert wird; dass neue Einsatzpläne für den Wechselunterricht gestaltet werden müssen, natürlich immer unter Berücksichtigung der neuen Regelungen und ministeriellen Ergänzungen; dass die Notbetreuung so organisiert werden muss, dass alle angemeldeten Kinder ausreichend Betreuung vor Ort haben, während parallel der Wechselunterricht für die anderen vor Ort stattfindet. Gleichzeitig müssen die schärferen Bedingungen (Verteilung auf mehrere Räume) für den Präsenzunterricht der Abiturienten eingehalten werden, denn für die läuft der Präsenzunterricht ja schon seit geraumer Zeit. Nicht zuletzt müssen die zweimal wöchentlich stattfindenden Selbsttests organisiert und vorbereitet werden. Natürlich werden nicht nur die Eltern informiert, sondern auch das Kollegium braucht adäquat aufbereitete Informationen, ggf. je nach Stufe und Klasse unterschiedlich, ebenso wie die anderen schulischen Mitarbeiter. Das ist also schon ein ordentliches Fass, das da aufgemacht wird.

Und dann kommt am Sonntagnachmittag die Meldung: Der ganze Aufriss wurde nun für genau einen Tag gemacht, ab Dienstag geht es dann wieder in den Distanzunterricht, weil absehbar sei, dass Bielefeld die 200er-Marke reißen werde.

Wer hätte das nur letzte Woche schon ahnen können (Inzidenz am 14.4. bei 193,6)!

Tröpfchenweise

Gestern zum ersten Mal einen dieser Selbsttests an mir selbst ausprobiert. Was soll ich sagen: Ein Fest des Niesens! Wenn man es irgendwie erreichen will, dass Aerosole sich unkontrolliert verbreiten, dann: Selbsttests in geschlossenen Räumen.

Eine interessante Wendung obendrein: Bei dem mit den Schüler:innen beschriebenen Selbsttest aus dem letzten Beitrag handelte es sich offensichtlich um die Komfort-Variante, denn in dem kleinen Plastik-Reagenzglas (ich habe keine Ahnung, wie man das nennt), in das man das Stäbchen mit dem Nasensekret steckt, war schon eine Flüssigkeit. Im der neuen Non-Komfort-Variante fehlt diese Flüssigkeit nun und eine auserwählte Person darf nun in jedes Reagenzgläschen zehn Tropfen dieser Flüssigkeit einträufeln. Bei etwa 15 Schüler:innen pro Gruppe macht das also 150 Tropfen, die diese auserwählte Person da nun zweimal die Woche herumträufeln darf. Ich hoffe, das Land hat bei der Non-Komfort-Variante ordentlich Geld gespart, welches es nun anderweitig in Bildung investiert…

Meldung heute: Ab Montag wieder Wechselunterricht. Ich bin kein Fan, sehe aber, dass es einigen Schüler:innen wirklich gut tut, körperlich in der Schule zu sein. Da müssen wir jetzt zähneknirschend durch, auch wenn mir der Distanzunterricht besser gefällt und ich im Wechselmodell manche Schüler:innen wochenlang noch weniger sehen werde. Unklar ist auch noch, wie es um die Leistungsbewertung steht oder wie wir mit Klassenarbeiten verfahren sollen. Theoretisch stehen noch zwei Klassenarbeiten in den Hauptfächern aus, aber wie das in der knappen Zeit unter Wechselunterrichtsbedingungen zu realisieren sein soll, das müsste mir dann noch einmal jemand erklären.

Dass die Grundschullehrer:innen geimpft werden sollten, war übrigens im Februar ganz wichtig. Wie steht es denn jetzt um die restlichen Lehrer:innen, die (in unserem Fall) nun dreimal am Tag 90 Minuten mit jeweils 15 verschiedenen Personen auf 60qm verbringen. Maske, Lüften und Abstand? Die Temperaturen liegen aktuell zwischen -1 bis 7 Grad Celsius und es schneeregnet heuer. Das Impfen klappt halt gerade auch nur tröpfchenweise.

Nachtrag

Die aktuelle Schulmail des Schulministeriums zeigt, dass man sich der Problematik der umständlichen Handhabung der Non-Komfort-Tests bewusst ist: „Das Ministerium wird aber bei den weiteren Beschaffungsvorgängen im Rahmen des Möglichen darauf achten, dass Testverfahren zum Zuge kommen, die in besonderer Weise alters- und kindgerecht durchgeführt werden können.“

Selbsttest

Das war schon ein bisschen abenteuerlich, mit den Schülerinnen und Schülern die Selbsttests durchzuführen. Eine wirkliche Möglichkeit zur Vorbereitung gab es nicht. Es wurde auf die Bedienungsanleitung verwiesen und eine Website des Schulministeriums. Wie so ein Test-Kit aussieht musste man sich selbst ergoogeln und hoffen, dass es das richtige ist.

Im Klassenraum dann gespannte Gesichter. Erst einmal Sorgen nehmen; erklären, dass von anderen Schulen hohe Falsch-Positiv-Raten berichtet wurden und dass es nicht so schlimm ist, wenn der Test positiv ausfallen sollte. Klarheit verschafft dann ja erst ein richtiger PCR-Test. Dann einmal die Prozedur theoretisch erklären, währenddessen erst einmal selbst herausfinden, was in welchem Beutelchen ist, und welcher Wattebausch wie lange worin gerührt werden muss. Wenn man es einmal gemacht hat, ist es nicht so kompliziert, aber das Ganze mit 13-15 Personen parallel fehlerfrei zu machen, ohne dass man verwendbares Anschauungsmaterial zur Demonstration hat, das ist schon etwas umständlich. Denn Vorführen durften wir Lehrer den Test nicht, der ist nur für die Schüler:innen und exakt auf die Anzahl der Schüler:innen abgezählt.

Klasse 7 kommt mit dem Test gut zurecht. Weniger erfreulich war die Erkenntnis, dass man für den Test die Maske abnehmen muss (logisch), dann aber viele Schüler:innen sehr heftig mehrmals niesen mussten, nachdem sie sich das Stäbchen in die Nase gesteckt hatten. Irgendwie auch logisch, aber genauso auch not amusing, wenn man nun ein ganzes Jahr lang jedes kleinste Aerosol zu vermeiden gelernt hat. Ein Mangel an Aerosolen herrschte nicht im Klassenraum.

Die Prozedur hat mindestens eine Stunde gedauert, aber nach den Osterferien wird’s dann schon bedeutend schneller gehen, denke ich.