Basic

In Deutschland ist nun gerade der Digitalpakt auf Eis gelegt worden, ich schaue währenddessen YouTube-Videos von 8-Bit-Nerds. Und während ich mir die Grundlagen der BASIC-Programmierung ansehe, stelle ich fest, dass die Amis uns schon 1978 haushoch überlegen waren: Denn da beschreibt jemand, dass er viele tolle Basic-Programme einfach in seiner Freizeit in den Schulcomputer einhacken konnte. Unvorstellbar an einer deutschen Schule im Jahr 1978 – und unvorstellbar im Jahr 2018.

Hefte mit ellenlangen Basic-Listings kenne ich allerdings auch. Eine tolle und neue Idee sind dagegen für mich die Sci-Fi-Heftchen, in deren Handlung immer wieder kleine Programme in Basic eingebunden sind, die der neugierige Leser nachprogrammieren soll. Eine Verbindung von Lesetext und Programmierung – wie großartig!

Wenn man dann noch sieht, dass in amerikanischen Mathebüchern der 90er neben den Rechnungen Basicprogramme abgedruckt waren, dann weiß man, warum Facebook, Google, Microsoft, Apple und wie sie alle heißen, nicht aus Deutschland kommen.

Neuland eben.

Waffen. Jungs.

Kalt und sonnig ist es in den letzten Wochen hier in der Stadt, die es nicht geben soll.

In der New York Times kommentiert ein ehemaliger US-Marine, der nun als Lehrer tätig ist, darüber, warum es schlichtweg absurd ist, allen Menschen Zugang zu halbautomatischen Kriegswaffen zu gewähren. Er beschreibt, wie lange und wie hart seine Ausbildung als Soldat war, wie oft er die Waffe, mit der der Mörder 17 Menschen tötete,  zerlegen und zusammensetzen musste und dass es Munition nur auf den Schießständen gab. Sein Fazit:

I will immodestly state that among professors in the United States, I am almost certainly one of the best shooters. But I would never bring a weapon into a classroom. The presence of a firearm is always an invitation to violence. Weapons have no place in a learning environment.

Last month, the State Legislature in West Virginia, where my university is located, introduced the Campus Self-Defense Act. This would prohibit colleges and universities from designating their campuses as gun-free zones. If this act becomes law, I will resign my professorship. I will not work in an environment where professors and students pack heat.

Dass man dem Thema auch mit Humor begegnen kann, zeigen die von Bob Blume gesammelten Tweets. Hier in Deutschland kann man darüber zum Glück schmunzeln. Mein Highlight dieser Tweet von Frau X.:


Der Themenbereich „Jungs und Schule“ ist ein pädagogischer Dauerbrenner. Habe heute einen Podcast von SWR2 Wissen in meinem Podfetcher gefunden, der sich dem Thema „Jungs in der Schule. Das benachteiligte Geschlecht“ widmet. Habe ihn noch nicht ganz durchgehört, und bin mir mal wieder nicht sicher, ob der Podcasts bestehende Klischees verfestigt (Jungs mögen Mathe und Bewegung, Mädchen mögen Sprachen und häkeln) oder ob wir uns hartnäckig weigern, solche Geschlechterdifferenzen zu akzeptieren. Zu mir passt diese binäre Einteilung nicht so gut, ich habe als Junge sehr gerne gelesen, war als Stubenhocker verschrieen und Mathe war auch nicht so mein Fall.

Dass Jungs öfter school-shooten als Mädchen, das steht allerdings fest.

Vom „digital naive“ zum neuen Bürger?

Evgeny Morozov stellt im Interview mit der FAZ dar, warum er eine Historisierung der Entwicklung des Internets für wichtig hält, warum er lieber von „Digitalität“ statt vom „Internet“ spricht und was das alles mit einer möglichen Zukunft zu tun hat (via @schb).

Wenn ich die Debatte historisiere, kann ich Wege entdecken, wie das Internet ganz anders hätte aufgebaut werden können. Es ging nicht um Demokratie und Zugang. Unternehmen haben für uns definiert, wie die Infrastruktur intellektuell und technologisch aussehen sollte. Die Öffentlichkeit hat das akzeptiert und muss nun die Konsequenzen tragen. (FAZ)

Die Vermessung des Menschen

Sehr lesenswert, vielleicht auch, weil es ein wenig deutlich macht, wie wichtig es ist, sich Gedanken um diese digitale Welt um uns herum zu machen. Die Kolleginnen schauten mich letztens wie einen Marsmenschen an, als ich zum Ausdruck brachte, dass ich mir sehr wünschen würde, dass eine Partei wie die Piraten im Parlament derartige Themen auf den Tisch bringen würde. Naja, so denkt der langhaarige Nerd eben, will ’ne Computerspielepartei im Parlament, ein Internetfreak halt, dabei gibt es doch Seriöseres, mögen sie sich gedacht haben. Dabei hat uns die Digitalität schon längst im Griff.

„Präemptives Regieren“, wie so plastisch im Film „Minority Report“ dargestellt, gibt es schon und findet Ausdruck in grausamen Morden durch amerikanische Drohnen. Doch nicht nur Regierungen (und ich spare mir jetzt Ausflüge zu Prism, Tempora und NSA sowie GHCQ) nutzen die neuen Möglichkeiten von Big Data: Eine hemmungslose digitale Vermessung ist in den Bereichen Gesundheit und Finanzen schon lange im Gange. Und es geht weiter: Mit der neuen Xbox stellen sich die Käufer ein Gerät in ihre Kinderstuben und Wohnzimmer, das ganz unverhohlen einräumt, seine Benutzer abzufilmen und die Ergebnisse auszuwerten. Auch das Fernsehverhalten wird komplett überwacht, die Televisoren Orwells sind nicht mehr weit entfernt. Ranga Yogeshwars Befürchtung, dass Kameras anhand der Reaktion der Pupille erkennen können, welche Stelle im E-Book ihn anspricht, ist technisch keine Utopie mehr, wie viele beim Lesen des Erfahrungsberichts gedacht haben mögen.
Dass Facebook die – vermutlich aus gutem Grund – privat geschalteten Profile seiner Nutzer vor wenigen Wochen leichtfertig alle öffentlich geschaltet hat, zeigt einmal mehr, wie wenig Bedeutung der einzelne Nutzer im Rahmen von Big Data hat. Und wohin entwickelt sich dieses Datenungetüm, wenn immer mehr „smarte“ Gegenstände, von Handys über Navigationsgeräte und Uhren bis hin zu Kühlschränken, unsere Lebenswelt bestimmen?

Digitale Bürger

Morozov wünscht sich „Konsumenten […], die sich jedes Mal in Bürger verwandeln, wenn sie Daten preisgeben müssen“. In einem anderen Artikel „Ideologie des Datenkonsums: Der Preis der Heuchelei“ fordert er:

„Digitale Themen müssen Sache der Mainstreampolitik werden, wir dürfen sie nicht allein den Piratenparteien oder ihren Nachfolgern überlassen. Wir können das Internet nicht mehr in der Art eines Ressorts wie etwa „Wirtschaft“ oder „Umwelt“ behandeln und hoffen, dass sich dort Sachkompetenz herausbildet. Konkrete Themen wie „Privatsphäre“ oder „Subjektivität“ müssen diskutiert werden. Ein so hehres Ziel wie „Internetfreiheit“ können wir vergessen – es ist eine Illusion, der hinterherzulaufen sich nicht lohnt. Wir müssen vielmehr Umgebungen schaffen, in denen die reale Freiheit weiterhin gehegt und gepflegt wird.“

Darin stimme ich Morozov von ganzem Herzen zu.

Aufklärung für „digital naives“

Und wir stehen als Lehrer mittendrin in dieser Entwicklung. Doch was ist uns wichtig? Sollten wir uns wirklich so laut aufregen über den lächerlichen Versuch von behördlichen Facebook-Regulierungen, und sollen wir in unserem schulischen Medienmangelbewusstsein die digitalen Medien weiterhin so heillos überhöhen – oder sollten wir unseren Schülern nicht vermitteln, wie heikel und riskant diese bunte, hübsch bewegte digitale Wirklichkeit auch sein kann? Wollen wir die als „digital natives“ überhöhten „digital naives“ sehenden Auges ins offene Messer laufen lassen und sie in der Illusion belassen, eine andere digitale Welt abseits von Facebook und Google sei nicht möglich? Oder sollten wir vielleicht langsam anfangen, Digitalität und Demokratie zum Thema zu machen? Und ein anderes Internet zu denken versuchen?

Gaffa-Pädagogik

Von einem erstaunlichen Urteil darf man da gerade in den Medien lesen. Einige Erzieherinnen eines Kindergartens hatten Kindern zur Disziplinierung den Mund mit Klebestreifen zugeklebt und mussten sich daraufhin vor Gericht verantworten. Das Ergebnis:

Sie hätten die Kleinen damit disziplinieren wollen, teilte die Staatsanwaltschaft Mosbach mit. Da es in den meisten Fällen keine körperliche Beeinträchtigung gegeben habe, stellte die Behörde ihre Ermittlungen wegen Körperverletzung im Amt weitgehend ein. (Quelle)

Prima! Darf das jetzt jeder? Und genügt es immer, jemanden bei einer blöden, demütigenden Strafe einfach nur nicht körperlich zu beeinträchtigen?

(Und wo um alles in der Welt versteckt sich mein Gaffa-Tape? Blöder Umzug…)

„Jeder ist seines Glückes Schmied“

Maik Riecken und Herr Rau haben per Twitter auf einen Strauß spannender Texte verwiesen, die mich gehörig ins Grübeln gebracht haben. Dass der Bologna-Prozess einen Widerspruch zu allem darstellte, was ich pädagogischerseits über das Lernen gelernt hatte und eine Wende hin zu einer universitären Form des Neoliberalismus darstellte, war schon zu Uni-Zeiten zu beobachten. Dass eben dieser Prozess nun mit Verspätung auch in den Schulen ankommt, mit dieser These beschäftigt sich der Text von „Gebattmer“ im GBlog (und gibt dabei auch einen ersten Einblick in den Diskussionsstand).

Mehrere Größen einer modernen Schule werden dort und in den verlinkten Artikeln einer Untersuchung unterzogen: So wird der Trend zur Individualisierung ebenso kritisiert wie die Funktion von Qualitätsanalysen oder die Kompetenzorientierung der Lehrpläne. Der Blick auf Schule ist dabei ein politischer, kein pädagogischer, dadurch natürlich auch perspektivisch gefärbt, was aber den Überlegungen und Beobachtungen keinen Abbruch tut. Besondere Aufmerksamkeit verdient der Text von Andreas Hellgermann, Lehrer und Theologe an einem Berufskolleg.

Machtausübung durch Individualisierung

Alle die oben genannten Kennzeichen einer Schule spiegeln, folgt man den Autoren, nichts anderes als eine Form von Machtausübung, die auf direkten Zwang oder Gewalt verzichtet, aber im Ergebnis einen Schüler garantiert, für dessen „Marktförmigkeit der erworbenen Qualifikationen und Kompetenzen“ man garantieren kann; „der von Richard Sennet beschriebene »flexible Mensch«, der handeln kann, wo immer man ihn hinstellt, der funktioniert“ (Andreas Hellgermann).

Macht ohne Gewalt wird dadurch ausgeübt, dass man die Akteure (und das können sowohl die Schulen als auch die Schüler sein) durch den Zwang zur Selbstständigkeit lenkt, weil diese sich durch den Drang zur Individualisierung Beratern ausliefern, eigene Ziele formulieren und sich damit gleichzeitig der Kontrollinstanz der Standardisierung unterwerfen müssen:

»Jeder ist seines Glückes Schmied« ist eine so banale wie entscheidende Losung des neoliberalen Projektes, die immer dann aus der Tasche geholt wird, wenn es darum geht, die Ungerechtigkeit von Strukturen auf den Einzelnen abzuwälzen. Da dies in der Regel nicht zu einer Lösung, sondern tendenziell zur Überforderung des Subjekts in Schul-, Universitäts- und Arbeitszusammenhängen führt und der Einzelne nun damit beschäftigt ist, mit den jeweiligen Anforderungen klarzukommen, kann (…) die gesellschaftliche Grundordnung, nicht mehr in den Blick kommen und kritisch hinterfragt werden. (…)

An dieser Stelle wird nun auch deutlich, wozu die Standardisierungen in der Schule gebraucht werden: Sie sind die entscheidende Kontrollinstanz in Bezug auf das Handeln, weil nur mit ihnen überprüft werden kann, ob »richtig« gehandelt wurde. Und sie sind zugleich der Hinweis auf das Misstrauen gegenüber wirklicher Individualität und wirklicher Heterogenität, die möglicherweise doch zu »falschem« Handeln führen könnten.  (Andreas Hellgermann)

Erziehung zur Selbstkritik

Das klingt alles sehr theoretisch, aber ich habe meine Verwunderung noch gut vor Augen, als ich frisch von der Uni kommend, die gerade mit Anwesenheitszwängen und vorgefertigte Modulen die Freiheit des Lernens massiv beschränkte, ins nordrhein-westfälische Schulsystem wechselte, voller Ideen von offenerem Unterricht, freiem Lernen und der Erziehung zur Mündigkeit. Was mich dann erwartete, war ernüchternd. Pisa hatte mit seinen Schockwellen die Bildungsministerien erschüttert und nun erwarteten mich Vera 8, Vergleichsprüfungen in der damals noch existierenden zehnten Klasse und das Zentralabitur. Gleichzeitig sollten Schüler aber selbstbestimmt lernen, Lehrer möglichst nur als „Lerncoaches“ unterstützend zur Seite stehen, alle in ihrem eigenen Tempo lernen – letztlich aber bestens präpariert sein für die turnusmäßigen Disziplinierungs… äh… Prüfungen.. äh… Lernstandsmessungen. Weiterhin sollten die Schüler sich selbst bewerten, in Portfolios die eigene Entwicklung dokumentieren und sich zu Entwicklungsgesprächen (man nennt es Schülersprechtag) mit ihren Lehrern treffen.

Führt man dieses Vorgehen vom einzelnen Schüler und Lehrer weiter auf die institutionelle Ebene, so kommt man zwangsläufig auf das neu eingeführte Instrument der schulischen Qualitätsanalyse (gefühlt jede Schule meiner Twitter-Timeline hat aktuell eine vor oder hinter sich). Auch hier vereinbaren Schulen nach „wertfreier Evaluation“ bezüglich bestimmter „Qualitätsstandards“ (man zählt z.B., wie oft schulweit die Meldekette eingesetzt wurde!) „eigene“ Ziele und Lösungen, benötigen dafür „Coaches“, führen „Portfolios“ und müssen ferner dafür sorgen, dass neue Evaluationen stattfinden. Die Unterwerfung unter den neoliberalen Wirtschaftssprech ist bezeichnend, von einer Sprache der Pädagogik keine Spur. Bezugnehmend auf Foucaults Konzept der Pastoralmacht folgert Hellgermann, dass „Macht- und Disziplinierungstechniken in das Subjekt hinein verlagert“ werden und damit auch der Begriff der „Kritik“ sich wandele, indem er sich wesentlich nur auf Subjekte beziehe. Kritik gibt es dann nur noch an falschen Arbeitsabläufen, an falsch handelnden Subjekten, an fehlender Evaluation etc. Das System selbst entziehe sich der Kritik.

Ich finde die Beobachtungen Hellgermanns sehr bedenkenswert, wenn auch vieles in der Realität (zunächst?) weniger dramatisch erscheinen mag, und es zu bedenken ist, dass Schule nicht stromlinienförmig funktioniert und Lehrer sehr wohl nicht nur kompetenzorientiert, sondern immer auch inhaltlich arbeiten und eigenständiges Denken einfordern. Aber die Tendenz der Beobachtung ist bedenkenswert und wirft ein anderes Licht auf vieles, was auf den ersten Blick so nett und hilfreich wirkt.

Jauch und die Computer

Fand die gestrige Debatte bei Jauch gar nicht so übel, die Vorwarnungen auf Twitter hatten Schlimmeres befürchten lassen. Natürlich fehlte während der gesamten Debatte die Perspektive auf ein Lernen mit neuen Medien, das per Einspieler eingebrachte  Whiteboardbeispiel spiegelt aber wohl ganz gut wider, wo wir gesellschaftlich gerade stehen: Alte Methoden (Tesakrepp und Pappkarten) durch digitale zu ersetzen (Wörter am Whiteboard verschieben). Wir müssten eigentlich über neue Methoden nachdenken, statt alte zu kopieren.
Petra Gerster erinnerte mich in ihrer Haltung an manche Kollegen, vermutlich wegen ihrer Meinung, man könne nur lernen, was man mit der Hand geschrieben habe. Spitzer ging darauf heftig ein, ich dagegen kenne keine Studie, die das belegen würde. Erinnere mich aber gut an meine Schulzeit, wo ich bei vielen Tafelanschrieben Wörter vertauschte, in der Zeile verrutschte oder Wortbrocken dessen niederschrieb, was ich mit meinen Nachbarn bequatschte. Gut gefiel mir insgesamt die ruhige, sachlich vernünftige Haltung Ranga Yogeshwars.

Godwins Telefonnummer
Keine Debatte über Smartphones ohne Telefonnummern: Als ob die Menschheit nicht Jahrtausende lang ihre Intelligenz auch ohne das Aufsagen ellenlanger Zahlenkolonnen unter Beweis gestellt hätte. Auch schade, dass Lernen letzlich immer nur auf das Auswendiglernen von Inhalten reduziert wird. Und dann sitzen ausgerechnet diese Menschen vor den ungeheuren Maschinen und können nicht  mit ihnen umgehen, weil die Spitzers dieser Welt ihnen Gründe geben, sich diesem Lernen zu verweigern. Sie merken sich wohl Telefonnummern, kennen aber weder sichere Passwörter noch Shortcuts oder einen Weg, ihren Computer ordentlich zu konfigurieren.

Lernen kann man zuletzt immer nur in Auseinandersetzung mit der Welt. Diese ist heute aber eben immer auch digital.

Lesetipp dazu: Faz.net-Frühkritik: Kümmert euch um die Digitalo-Kids!

Als Lehrer schnell reich werden in drei Schritten

  1. Unterrichtsentwürfe / -einstiege / -ideen urheberrechtlich schützen lassen; am besten Patente für bestimmte Unterrichtsgänge
  2. Warten und Kollegen beobachten (vor Ort, per Twitter, Facebook, Google+ usw.)
  3. Einen geheimen Deal mit einem Abmahnanwalt aushandeln und abmahnen, bis das Konto platzt

Müsste doch möglich sein, immerhin ist das Unterrichten auch ein kreativer Vorgang, bei dem Gedankengänge, Arbeitsschritte und Material abhängig von Publikum und Stoff eigenständig gestaltet und komponiert werden müssen. Warum also nicht also auch Elemente des Unterrichts (z.B. Einstieg mit einer Karikatur, Verteilen von Arbeitsblättern, Bitte um Aufschlagen des Schulbuches etc.) patentieren, rechtlich schützen lassen? Und schon höre ich die ersten protestieren, dass das eine unmögliche Idee sei, wir bräuchten „Lernmittelfreiheit“ und „OER“ und so einen Quatsch. Unsinn. Das ist der falsche Weg, wir müssen das Urheberrecht in Wirklichkeit viel rigider ausleben und Anwälte einschalten, bis die Schwarte kracht! Denn das würde doch allen Beteiligten helfen:

Den Schüler besonders. Denn müssten unter solchen Bedingungen nicht alle Lehrer ihre eigenen Ideen entwickeln, wenn sie nicht lizensiertes Material kaufen wollen, und würde das den Unterricht nicht erheblich verbessern, sodass ein massiver Schutz des geistigen Eigentums der kreativen Lehrer den Unterricht nicht sogar bundesweit verbessern würde?

Den Lehrern auch, besonders den faulen, die nun endlich Anreize hätten, eigenständig kreativ zu werden. Und die kreativen Lehrer bekämen Tantiemen von denen, die sich auf deren Mühen einen faulen Unterricht machen. Zudem würde endlich einmal das geistige Eigentum dieser Kolleginnen und Kollegen angemessen respektiert und vergütet, nachdem nun schon über Dekaden hinweg hemmungslos kopiert und schmarotzt wurde.

Den gebeutelten Abmahnanwälten, die endlich mal wieder etwas zu tun hätten. Es studieren doch sowieso zu viele junge Menschen Jura und man hat es als Abmahnanwalt ja auch nicht leicht.

Medienbildung ist politische Bildung

Als ich letze Woche den Klassenraum meiner siebten Klasse betrat, hatte jemand die Tafel vollgeschmiert. Das ist, außer manchmal nach der langen Mittagspause, eigentlich nicht üblich, und ich werfe immer einen schnellen Blick darauf, um herauszufinden, ob das Angeschriebene thematisiert werden muss oder nicht. In der Regel finden nur harmlose Dinge kurz vor Stundenbeginn ihren Weg an die Tafel, aber diesmal nicht. „Stoppt Acta!“ hatte jemand wiederholt an die Tafel geschrieben.

Und da stand ich nun vor dem grünen Monstrum, weiß hatten dreizehnjährige Siebtklässler „Stoppt Acta“ aufs Grün gebracht. „Ach, ACTA!“, sagte ich mit wissendem Unterton, dabei aber nur mit Halbwissen und Meinungsäußerungen auf Twitter gespeist. C. wittert seine Chance:„Können wir eigentlich auch einfach mal so Referate über irgendein Thema halten?“ „Klar.“ „Haben Sie auch ’nen Beamer, auf dem man Videos zeigen kann?“ „Klar.“

Und folgerichtig sitze ich jetzt hier und beschäftige mich extrinsisch motiviert mit ACTA. Immerhin muss ich in der Lage sein, sachliche Fehler richtigzustellen, Sachverhalte zu erklären und dabei, gemäß dem Beutelsbacher Konsens, die Positionen ausgewogen darzustellen. Gar nicht einfach, in diesem Gewimmel von Meinungen, Unmutsäußerungen, Grabenkämpfen. Einen kleinen Einblick in das Dilemma zeigt das Schulmusikerblog, in dem Sebastian Dorok das Thema von beiden Seiten beleuchtet.

Gleichzeitig zeigt diese im Unterrichtsalltag eher nebensächlich erscheinende Episode, dass bei den jungen Menschen politisches Bewusstsein im Internet gebildet wird. Mit kurzen Videos kann man sie gut erreichen, plakative Botschaften abfeuern, Stimmung machen, Vordenken und Shitstorms schüren. Wir müssen Medieneziehung als genuin politische Bildung verstehen, wenn wir nicht wollen, dass unsere Kinder im Netz von plakativen, hippen oder auch rückwärtsgewandten Positionen überrumpelt werden. Es geht bei Medienbildung nicht um die bunteste Prezi und den kürzesten Twitterbeitrag, es geht schlichtweg darum, sich seiner Vernunft bedienen zu können. Auch wenn das bei so komplizierten Themen wie ACTA nicht immer einfach ist.

Aber Hallo!?

Wer keine pädagogischen Probleme hat, der macht sich welche. Eine Passauer Direktorin versucht, an ihrer Schule die in Bayern scheinbar verpönten (weil norddeutschen?) Grußformeln „Hallo“ und „Tschüss“ zu verbieten. Das in den Medien immer wieder verbreitete Argument für ihr „Tschüss-Verbot“ ist, dass man so vermeiden wolle, dass die Schüler sich bei der Jobsuche blamieren. Nachlesen kann man das auf der Website der Süddeutschen.

Tjoa. Da staunt man als unkultivierter „Norddeutscher“ nicht schlecht, dem ein „Grüß Gott“ viel zu religiös und ein permanentes „Guten Tag“ zu sperrig ist. Ein fröhliches „Hallo“ gefällt mir weitaus besser, besonders, weil ich eben nicht jeden Tag meinen geheimen Bewerbungstrainingstag durchführe, sondern meinen Schülern durchaus als alltäglicher Mensch begegnen möchte.

Zumal das Ganze quasi nur bis zum Weißwurstäquator gedacht ist: Oder begrüßt die Frau Direktorin ihre Schüler auch alle gleich noch per Handschlag? Wäre einem Bewerbungsgespräch doch angemessen, oder? Und was machen ihre Schüler, wenn sie sich in Hamburg bewerben oder in Köln? Mit einem „Grüß Gott“ wirkt man hierzulande mehr als sonderlich.

Und so macht die ganze Geschichte den Eindruck, dass es an dieser Schule in Passau pädagogischerseits furchtbar langweilig sein muss, wenn solcherlei zur Optimierung der Schülerschaft fürs Berufsleben ersonnen werden muss. Ich ende nun den Beitrag und auch, wenn es den bayrischen Mitlesern nun in den Ohren klingeln mag, ich sitze hier und kann nicht anders:

Tschüss! (auch noch mit Ausrufezeichen)

Euer Hokey

Aufregung um den Schultrojaner

Das Gespenst eines „Schultrojaners“ geistert durch die Netzwelt und provoziert große Aufregung unter den Lehrerbloggern, -twitterern und -undsoweiteren. Verständlich, ist doch „0zaptis“ noch in aller Munde – das Misstrauen des Staates gegen seine Bürger scheint maß- und grenzenlos. Da der Dachverband der Schulbuchverlage an dieser Idee maßgeblich beteiligt ist, um seine Interessen exektuiv durchgesetzt zu wissen, entlädt sich ein nicht unbeträchtlicher Teil der Aufregung an den Verlagen. Die Kritik ist mannigfaltig, ich gehe gar nicht erst weiter darauf ein, sondern verweise lediglich auf Blogs, in denen schon fleißig und produktiv dazu debattiert wird.

Um die Empörung verständlich zu machen sei zunächst der offene Brief Herrn Larbigs an die Schulbuchverlage  erwähnt. Dort listet Herr Larbig systematisch seine Kritikpunkte am Gebaren der Verlage auf, die meiner Einschätzung nach von vielen Lehrern und Nicht-Lehrern geteilt werden. Da diese Empörung immer auch als Motor zur Veränderung/Verbesserung dienen kann, wurde schnell der Ruf nach neuen Materialsammlungen laut:

Martin Kurz verweist auf die Notwendigkeit freier Inhalte im Bildungswesen und entwickelt Ideen und Kriterien für solche Bildungsinhalte. Das ist in meinen Augen sehr wichtig – bei so verdienstvollen Plattformen wie bpsw. 4teachers ist die Qualität des Materials doch sehr wechselhaft. Maik Riecken versucht, etwas Sachlichkeit in die aufgeregte Debatte zu bringen, verweist auf die durchaus sinnvolle Funktion der Verlage, die daran anschließende Debatte beschäftigt sich auch mit der Möglichkeit, Bildungsinhalte im Netz zu sammeln und zu verbreiten.