Aufregung um den Schultrojaner

Das Gespenst eines „Schultrojaners“ geistert durch die Netzwelt und provoziert große Aufregung unter den Lehrerbloggern, -twitterern und -undsoweiteren. Verständlich, ist doch „0zaptis“ noch in aller Munde – das Misstrauen des Staates gegen seine Bürger scheint maß- und grenzenlos. Da der Dachverband der Schulbuchverlage an dieser Idee maßgeblich beteiligt ist, um seine Interessen exektuiv durchgesetzt zu wissen, entlädt sich ein nicht unbeträchtlicher Teil der Aufregung an den Verlagen. Die Kritik ist mannigfaltig, ich gehe gar nicht erst weiter darauf ein, sondern verweise lediglich auf Blogs, in denen schon fleißig und produktiv dazu debattiert wird.

Um die Empörung verständlich zu machen sei zunächst der offene Brief Herrn Larbigs an die Schulbuchverlage  erwähnt. Dort listet Herr Larbig systematisch seine Kritikpunkte am Gebaren der Verlage auf, die meiner Einschätzung nach von vielen Lehrern und Nicht-Lehrern geteilt werden. Da diese Empörung immer auch als Motor zur Veränderung/Verbesserung dienen kann, wurde schnell der Ruf nach neuen Materialsammlungen laut:

Martin Kurz verweist auf die Notwendigkeit freier Inhalte im Bildungswesen und entwickelt Ideen und Kriterien für solche Bildungsinhalte. Das ist in meinen Augen sehr wichtig – bei so verdienstvollen Plattformen wie bpsw. 4teachers ist die Qualität des Materials doch sehr wechselhaft. Maik Riecken versucht, etwas Sachlichkeit in die aufgeregte Debatte zu bringen, verweist auf die durchaus sinnvolle Funktion der Verlage, die daran anschließende Debatte beschäftigt sich auch mit der Möglichkeit, Bildungsinhalte im Netz zu sammeln und zu verbreiten.

Als ob das Problem die Bücher wären

Als Buch hat man es neuerdings nicht leicht. Amazon verkauft Ebook-Reader und prahlt mit gigantischen Verkaufszahlen, die denen des altbekannten Handels überlegen seien. Doch geht es längst nicht nur um die äußere Form des Buches, sondern auch die Struktur, in der es typischerweise Inhalte präsentiert, wird kritisiert. Auch Lehrer philosophieren mittlerweile über das Ende der „Buchgesellschaft“.

Armes Buch! Angefangen hatte alles vor einigen Jahren mit den Zeitungen. Mit dem Aufkommen der Blogs, die sich nach und nach als unabhängige und scharfzüngige Alternative zu den oft eher blutarmen Online-Angeboten der etablierten Zeitungen erwiesen, spürten die alten Leitwölfe den kalten Wind der neuen Zeit und überzogen die neuen Meinungsmacher im Gegenzug mit Häme. Die höhnische Reation auf die sich mitten in einer Umstrukturierung befindlichen Zeitungen waren entsprechend: Als „Holzmedium“ oder gerne auch als „Totholz“ bezeichneten Blogger die gedruckte Konkurrenz. Blogger und Zeitungsjournalisten waren sich spinnefeind. Die erste größere, gesellschaftsrelevante ideologische Kluft zwischen digitaler und analoger Welt war aufgetan.

Diese Kluft scheint nun im Bildungsbereich angekommen, liest man den Beitrag „Schule und die Buchgesellschaft“ auf EduShift, in dem Felix eine Abschaffung der „Buchkultur“ fordert. Die These lautet, dass das Buch durch seine Linearität und seine normierende Kraft sowohl Wirkung auf die (Klassen-)Gesellschaft im Allgemeinen und damit auch auf die „Konstruktion von Schule“ hat. Letztere, funktionierend nach dem Prinzip Frontalunterricht, sei überholt und müsse ersetzt werden durch ein neues Lernen, das sich auf Kommunikation in Verbindung mit dem neuen Leitmedium, dem Internet, berufe. Dieser Erfordernis eines Lernens durch Kommunikation stehe aber das Buch entgegen, da es verbindliche Interpretationen erfordere und eine Einweg-Kommunikation darstelle.

Mich überzeugt diese Kritik an der Buchkultur nicht und auch der Ausblick auf eine irgendwie kommunikativ lernende neue Gesellschaft wirkt wenig reizvoll.

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Monoedukation

Beim Lesen von Artikel wie diesem hier über das Thema Geschlechtertrennung im Unterricht wird mir ganz mulmig. Ich habe dann immer das Gefühl, dass unter der Oberfläche unserer sowieso schon deformiert-reformierten Bildungslandschaft ein kalter Kampf um die Koedukation brodelt, und mir böse Mächte bald entweder die Mädchen oder die Jungs aus meinen Klassen rauben möchten. Das fände ich mehr als fatal.

Rückwärts gewandt seien die Vertreter der Monoedukation, so behaupten gerne diejenigen, die den gemischten Unterricht befürworten, aber das trifft nicht den Punkt. Im Gegenteil: So sehen sich die Monoedukanten eher dem Fortschritt verschrieben und führen eben nicht die alten und prüden Begründungen für die Geschlechtertrennung an. Sie gehen utilitaristisch an die Bildung ihrer Kinder heran und wollen den vermeintlich bestmöglichen Nutzen aus diesen herausschlagen, denn die Forderung nach einer Trennung der Geschlechter in den Schulen wird mit einem angeblich größeren Lernerfolg begründet. Schule wird so zur reinen Optimierungsanstalt, zur einer Institution, die das Optimale aus den Kindern herauswirtschaften muss, damit sie in Zukunft bestmögliche Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Nicht fürs Leben, für den Arbeitgeber lernen sie. Immer das Maximum, immer am Limit. Als Preis dafür mit Tunnelblick, mit Scheuklappen für das andere Geschlecht.

Wie schlimm muss die Angst vorm sozialen Abstieg in dieser Gesellschaft sein, wenn sogar die eigenen Kinder dem Paradigma der absoluten Leistungsmaximalität unterworfen und den Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht beraubt werden sollen?

Holocaust im Comic

Oha! Geschichtslehrer und Comicinteressierte aufgemerkt: Die Süddeutsche berichtet über eine Ausstellung zum Thema „Holocaust im Comic“, die aktuell in München besucht werden kann. Das ist prima, weil nun alle Münchener hingehen und sich die Ausstellung einfach ansehen können. Da München für mich allerdings eine 700-Kilometer-Reise bedeutet, behalte ich es mir vor, einfach alle in der Klickstrecke genannten Comics herauszuschreiben und mir diese bei Gelegenheit zuzulegen. Diese Geschichtsarbeit im Comic fasziniert mich immer mehr, weil Comics einfach eine so völlig andere Art der Auseinandersetzung und Bewertung mit historischen Gegenständen ermöglichen als die „typischen“ Geschichtsquellen – und -texte. Gleichzeitig fordern sie durch die grafische Darstellung fast automatisch zur Bewertung auf: Ist das Thema angemessen umgesetzt oder zu provokant oder zurückgenommen? Zu realistisch oder zu abstrakt? Während Schrifttexte gerne als „Wahrheit“ gesehen werden, bieten Comics viel leicht nachvollziehbare Angriffsfläche, um über die Auseinandersetzung mit Geschichte nachzudenken und sind damit eigentlich perfekt geeignet für den Geschichtsunterricht!

Hier nun die Liste:

  • Äch bin wieder da! Text/Zeichnung: Walter Moers. Frankfurt a.M.: Eichborn Verlag, 1998.
  • Der Schrei nach Leben Band 2: Das Ghetto, Text: Patrick Cothias, Zeichnung: Paul Gillon, comicplus+ Verlag Sackmann und Hörndl, Hamburg 1988.
  • Der Weg des Königs Band 1: Vom Tod zum Leben, Text: Jean Annestay, Zeichnung: Jacques Armand. Hamburg: Carlsen Comics, 1992.
  • Auschwitz. Text/Zeichnung: Pascal Croci. Köln: Ehapa Verlag, 2005
  •  Zwischen den Fronten, Text/Zeichnung: Osamu Tezuka, Carlsen, Hamburg 2006.
  • Braun, Text/Zeichnung: Emmanuel Guibert. Sonneberg: Alpha Verlag, 1995

Einen Sammelband zur Ausstellung gibt es auch (für happige 36€):

Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Comics; Ralf Palandt (Hrsg.); Sammelband; Archiv der Jugendkulturen Verlag; Berlin 2011; 36,- Euro; ISBN 978-3-940213-62-4

Die bunte Mischung

Das Schöne an den Weihnachtsferien ist, dass man so von der Familie eingenommen wird, dass man – ungeachtet der Klausurenstapel –  keine Gelegenheit hat, an Schule zu denken. Das hat was, das gelingt mir in keinen anderen Ferien so gut und vollständig. Und nicht nur ich gebe mich dem faulen Weihnachtstaumel hin, auch die Publizisten frönen sentimentalen Erinnerungen an ihre Schulzeit. Schon seit etwa einer Woche verlinkt wird Charlotte Haunhorst auf jetzt.de mit ihrem Artikel „Sie haben uns völlig falsch aufs Studium vorbereitet“, die ihre vor drei Jahren beendete Schulzeit reflektiert und feststellt, dass in der Schule mehr Transfer gefordert war als beim Bulimie-Lernen in der Uni.

Etwas aktueller ist der schöne, achseitige Artikel bei Zeit.de. „Wir müssen die Welt retten“ lautet der Titel und der Autor erzählt mit ruhiger Stimme von einem „Schulbesuch“ seiner alten Schule, die nun, dreißig Jahre nach seinem Abitur, abgerissen wird. Im Zentrum steht jedoch nicht das Schulgebäude, sondern die alten Lehrer, die Sußebach besucht. Denn er gleicht die Bilder, die der junge Schüler hatte, mit denen, die der reife Mann von heute hat, ab und erkennt rückblickend:

Hier war so viel guter Wille. So viel Herzblut. So viel Kraft und so viel Kräfteverschleiß. Es gab ein Kollegium in einer bunten Mischung, wie sie heute selten ist. Es gab Verlierer, ausgerechnet unter den enthusiastischen Lehrern, die so viel von sich und uns erwartet haben. (Zeit.de)

Das Projekt Weltrettung ist unter Verlusten erfolgreich gescheitert. Aufschlussreich, wie immer, die Kommentare. Manche Kommentatoren scheinen der Idee anzuhängen, es gebe den „richtigen“ Lehrer, man müsste ihn nur finden, ausbilden, duplizieren und dann wäre… ja… dann hätten wir einen Weltenretter, der all die Gescheiterten vor ihm ersetzen könnte. Gestern und heute aber war und ist alles großer Mist. Die „Ideologien“ seien schuld, politische Strömungen verantwortlich, die „Linken“ und „die Konservativen“ hätten gleichermaßen versagt, die heutigen Lehrer seien unterqualifiziert oder gar durch und durch allesamt schizophren.

Was sie alle, die Lehrer in Sußebachs Text und die Kommentatoren, auf ihrer Suche nach dem Weltenretter übersehen, ist: die Vielfalt. Wir werden den einen Lehrer niemals finden, kein Sokrates wird uns retten, kein Rousseau uns erlösen. Kein Michelangelo wird unsere Kinder aus grobem Stein fein herausmeißeln und kein noch so geschickter Gärtner ihnen die wilden Triebe stutzen. Denn wir brauchen sie alle: Die Steinmetze und die Gärtner, die Folienaufleger und die Internetversessenen, die Feingliedrigen und die Grobschlächtigen, die Langweiligen und die Ausgeflippten; solange sie den Kindern nutzen, Reibungsfläche bieten, Interesse wecken, Widerstand hervorrufen, Lehrreiches bieten. Nicht wäre langweiliger als drei Dutzend geklonte Lehrer Dr. Spechts, Ms. Johnsons oder Mister Keatings in den Schulen hocken zu haben.

Sußebach gibt in seinem Fazit die Antwort. Die bunte Mischung ist ausschlaggebend und darum kann er auch Gewinner ausmachen:

Und es gab Gewinner, vor allem unter uns Schülern, die von all den Linken und Rechten, den Besorgten und Unbesorgten vorn an der Tafel mehr fürs Leben gelernt haben, als das unter einem grauen Heer gleichgültiger Lehrer der Fall gewesen wäre. (ebd.)

Es ist tröstlich, dass ehemalige Schüler aus unterschiedlichen Generationen so offen den Nutzen ihrer Schulen beschreiben. Und ein schöner publizistischer Jahresabschluss. Ich wünsche allen Lesern schon einmal im Voraus ein frohes neues Jahr!

Streiken nicht strafbar

Zumindest dürfen verbeamtete Lehrer nicht mit Sanktionen belegt werden, wenn sie streiken, sofern ich das richtig verstehe:

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf entschied, dass verbeamtete Lehrer trotz des geltenden Streikverbots für Beamte ohne disziplinarische Konsequenzen ihre Arbeit niederlegen dürfen. (Spiegel)

Die klagende Lehrerin musste die 1500 Euro Geldbuße nicht zahlen.

Was schreibt denn die Presse heute so…

Durchstöbere gerade einige Artikel zum Thema Schule. Folgt man dem, was „Die Presse“ aus Österreich berichtet, so scheinen die dortigen Bedingungen in Lehrerzimmern auch nicht besser zu sein als in Deutschland. Ein glasklarer Fall von Computermangel:

Von der Direktion sind es nur ein paar Schritte ins Konferenzzimmer, das einer Legebatterie für Menschen ähnelt. (…)

Mehr als 60 Lehrer teilen sich fünf Computer;

Naja, ein wenig besser schon. Ich toppe: 110 Kollegen : 5 Computer (und zwei davon existieren zwar, stehen aber in einem abgelegenen Arbeitszimmer, wo kaum jemand den Weg hinfindet). Wer kann das schlagen?

Doch trotz der Masse an Kollegen mangelt es uns auch an solchen, wie auch dieser Spiegel-Artikel deutlich macht. Das wird schmerzhaft deutlich, wenn die erfahrenen Kollegen nahezu gleichzeitig in einem Mangelfach in Pension gehen oder zwei „Veteranen“ gesundheitsbedingt dauerhaft ausfallen (Schaarschmidt lässt grüßen…). Da stehen dann plötzlich lauter „Frischlinge“ und müssen 13er-Leistungskurse unter sich aufteilen, die in wenigen Monaten prüfungsfit sein müssen. Von der Stundenverteilung ganz zu schweigen. Wenn dann noch die Quereinsteiger nach den ersten drei Wochen des Schuljahres abspringen, weil man sie nicht nur ins kalte Wasser springen, sondern förmlich darin ersaufen lässt, dann wird es gewiss nicht besser mit dem Lehrermangel in bestimmten Fächern. Von so nebensächlichen Dingen wie Arbeitsbelastung und Gesundheit rede ich gar nicht…

Bin mal gespannt, wie man das lösen will. Schlagen wir den Bogen zurück zu Österreich: Dort will man einfach die Stundenzahl der Lehrer erhöhen.

Niemand hat gestern etwas gewonnen

So, die Hamburger Schulreform ist „abgeschmettert“, titelt man drastisch bei den etablierten Medien, die Reformgegner hätten „gewonnen“. Gewonnen hat leider niemand etwas, denn es verändert sich ja nun nichts, die Verhältnisse bleiben einfach bestehen. Es herrscht Stillstand, niemand rührt sich, also gewinnt auch keiner. Die größte Motivation der Eltern der Elterninitiative schien ja auch eher die Angst zu sein, etwas zu verlieren.

Bis auf wenige Beiträge im Fernsehen und im Radio habe ich die Hamburger Primarstufenreform an mir vorbeiziehen lassen und auch der Ausgang ist mir herzlichst egal, gleichwohl ich mich über die arroganten Schnösel geärgert habe, die ihre abschätzigen Kommentare im Öffentlich-Rechtlichen abgesondert haben. Doch letztlich ist dieses Konzept einer verlängerten Primarstufe doch nichts weiter als ein bildungspolitisches Feigenblatt, das an der Situation kaum etwas verändert: Die Kinder aus den feinen Stadtvierteln gehen länger gemeinsam mit Kindern aus den feinen Stadtvierteln auf eine Schule, die Kinder aus den weniger feinen entsprechend länger mit Kindern aus weniger feinen. Prima(r)!

Ähnlich unglücklich verlief es hier in NRW mit den Gesamtschulen: Die Motive dahinter sind toll, in der Umsetzung ist in ihrere Konsequenz besser als jede verlängerte Primarstufe, doch leider hat man sie als Resteschule neben das dreigliedrige Schulsystem gestellt, sodass – je nach Gegend – der Ruf der Gesamtschule sehr gut oder absolut mies ist. Die Gesamtschule in meiner ehemaligen (rheinischen) Wohngegend war ein 2000 Schüler fassendes Sammelbecken für Neonazis und andere Schlägertypen, die ich nicht einmal gegen Bezahlung besucht hätte. Anders in Bielefelder Vororten: Gesamtschulen hier genießen durchaus auch einen guten Ruf. Wie auch bei der Primarstufe kommt es hier auf das Einzugsgebiet an, aus dem sich die Schülerschaft speist.

Deslhalb ist das viel Entscheidendere der Hamurger Schulreform, dass dort nun die Stadtteilschule als Pendant zur NRW-Gesamtschule eingeführt wird. Und diesmal nicht so halbherzig wie in NRW als Resteschule, denn die Stadtteilschule wird die einzige Schule neben dem Gymnasium bleiben. (Was nun auf keinen Fall passieren darf, ist, dass die Stadtteilschulen sich einen ähnlich desaströsen Ruf erwerben wie die Hauptschulen, denn dann kann Hamburg dicht machen.)

Politisches Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom?

Ich könnte mich jedesmal wieder ärgern… nein! Ich ärgere mich jedesmal aufs Neue, wenn politische Blindgänger wie Philip Mißfelder öffentlich ihre kruden Thesen verbreiten, um damit die dumpfesten Stammtisch-Instinkte zu wecken, um Stimmung zu machen, um einfach nur wieder einmal persönliche Publicity zu bekommen. Obwohl ich weiß, dass es nur um dämliches In-der-Presse-Sein, um ein politisches Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom geht, könnte ich jedesmal ganze Stücke aus meinem Schreibtisch beißen. So auch heute, nachdem ich in der Süddeutschen Folgendes lesen durfte:

Mißfelder: Ich finde, und das haben wir in Nordrhein-Westfalen teilweise auch etabliert, es soll kein Kind mehr eingeschult werden, wenn es nicht Deutsch sprechen kann.

Der freundliche Herr Mißfelder sollte einmal meine Klasse besuchen, dort würde ich ihm ein junges Mädchen im Alter von 11 Jahren vorstellen, das seit August 2009 in Deutschland lebt und kein(!) Wort Deutsch sprechen konnte. Die junge Dame, die man – Gott sei Dank – nicht auf eine Haupt-, Sonder- oder Förderschule, sondern direkt an unser Gymnasium geschickt hat, spricht mittlerweile fließend Deutsch, hat guten Anschluss gefunden und ist so fleißig, dass ich mir wenig Sorgen mache, dass sie in wenigen Jahren politische Heißluftbläser wie Herrn Mißfelder, auf dessen Hüftgelenk-Eskapaden ich einfach nochmal hinweisen muss, locker in die Tasche stecken wird. Intelligenter ist sie gewiss jetzt schon und ihr Potential nicht verschenkt, da es hier in NRW trotz einer niedergewählten CDU-Regierung Schulen gibt, an denen derartige Dummheiten  nicht etabliert sind.

Tröstlich

Ein Wirtschaftsvertreter gibt den Studenten noch mit auf den Weg, dass „nach zehn Tagen im Unternehmen ohnehin keiner mehr fragt, welchen Abschluss man hat.“ (Süddeutsche in einem Artikel zur Bologna-Konferenz)