„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete und Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In vier Sprachen.“ Mit ihrem Tweet löste die Schülerin Naina anno 2015 ein kleines mediales Beben über den Sinn und Unsinn von Schulwissen aus, das auch die Bildungsministerien erreichte. Die Steuererklärung scheint das liebste Kind der Kritiker der formalen Schulbildung zu sein: 2023 griff der Landesschülerbeirat in Ba-Wü die Kritik auf und forderte: „Zum Leben gehören nicht nur Vektorrechnung und Gedichtanalyse, sondern auch steuerrechtlicher Unterricht und Analysestrategien“.
Die Sinnfrage, was in Schule unterrichtet werden sollte, begegnet uns jeden Tag. Sie wird nicht nur von Schülern gestellt, sondern auch von Eltern, die vielleicht Kunst, Sport oder Musik nicht so wichtig finden und ihren Kindern vermitteln, dass eine Vier in Kunst schon okay ist. Ist ja nicht wichtig. Und Gedichte analysieren fand man selber auch doof, aber die Rechtschreibung bitte!
Warum ich das schreibe? Die Kaltmamsell wies heute per Mastodon auf diesen wunderbaren Krautreporter-Artikel mit dem Titel „Es ist gut, dass du in der Schule Dinge lernst, die du nicht brauchst“ hin, der eigentlich alles beantwortet.