Veränderung

Beschwerde auf Twitter über Kindle-lesende Kinder. Lieber ein Papierbuch und so. Große Empörung auf der Gegenseite, wie praktisch das doch sei und so. Hm. Finde beides richtig. Tochter 1 liest derweil den 5. Band einer mir unbekannten Autorin, die im Selbstverlag im Google Playstore 800-seitige Romane veröffentlicht. Ich gucke mittlerweile regelmäßig meine YouToube-Kanäle durch, nachdem ich jahrelang die Youtuber belächelt und mich gefragt habe, was der ganze Blödsinn mit den Laien vor der Webcam soll.

Die Welt verändert sich, ob uns das gefällt oder nicht. Mit den neuen technischen Möglichkeiten produzieren mehr Menschen Medien und werden wahrgenommen. Sie verändern die Welt. Da hilft auch kein Meckern. Oder Unsinn in Feuilletons.

Jubiläum und Kritik

50-jähriges Schuljubiläum überstanden. Ein kleiner Festakt mit Reden der üblichen Honoratioren und dankenswerterweise auch gespickt mit kritischen Spitzen in Richtung Schulträger und Bezirksregierung, sodass die ganze Veranstaltung in meinen Augen eher politisch als ein feierlicher Akt war. Unsere Schule hat in den letzten Jahren ja einige Päckchen aufgebürdet bekommen, die bitteschön ohne große Umstände im laufenden Betrieb mitgetragen werden sollen, welche reichlich Anlass für Kritik boten. Ein bitterböser Beitrag dazu liegt im Backend, ich fürchte aber, dass ich den so nicht veröffentlichen kann. Dabei sollten doch besonders Lehrer ihrem Protest am Bildungssystem Ausdruck verleihen, wie es hier bei Bildungslücken.net gefordert wird. Stimmt ja auch. 

Sehr nachdenklich machte der Beitrag eines Kollegen, der einige Anekdoten aus alten Klassenbüchern und Mitteilungsbüchern zum Besten geben durfte. Da hatte ich schon den Eindruck, dass man mit manchen Dingen vor zwanzig bis dreißig Jahren etwas weniger verkniffen umgegangen ist. 

Schadet nicht

„Es kann nicht schaden,wenn man gelernt hat, richtig zu arbeiten.“, so eine Kollegin, die selbst eine Ausbildung zur Bankkauffrau hinter sich hat. Sie hat nicht unrecht. Gewiss gewinnt man einen neuen Blickwinkel auf Arbeitsprozesse, lernt andere Ansprüche kennen, Stress auf andere Art und Weise zu bewältigen. Aber ist es nicht auch eines dieser typischen Klischees, die wir hier im „Westen“ so gerne verbeiten, weil „richtig arbeiten“ für uns irgendwas mit frühem Aufstehen, Ellbogen, Zähigkeit und guter Organisation zu tun hat?

Doch könnte man nicht genauso gut sagen, es kann nicht schaden, im Theater aufzutreten, oder könnte man nicht fordern, dass jeder sich einmal als Artist, Schauspieler oder Berufsmusiker versuchen sollte? Kreativ zu arbeiten, sich auf Ansprüche eines Publikums statt auf Vorgaben des Chefs einstellen zu müssen; im Team zu arbeiten, weil das Ergebnis nicht ein abstraktes Produkt, sondern unmittelbare Folge der gemeinsamen Arbeit ist; sich immer wieder neuen Themen zu widmen, statt in einer Endlosschleife Papierberge zu bewältigen; zu lernen, sich die Zeit über den Tag hinweg frei einzuteilen  – ist das schlechter als im Takt der Stechuhr Meetings und Vertragsabschlüsse zu absolvieren?

Schadet auch nicht, oder?

Wirkungsvoll

Herr Mess hat eine tolle Hommage  „Über Die Drei Fragezeichen“ geschrieben. Wer mal einen Lateinlehrer kennenlernen will, der neben Caesar, Cato und Vergil auch die ersten 25 Folgen der Detektive aus Rocky Beach frei zitieren kann, der sollte unbedingt mal in Herrn Mess‘ Blog schauen oder seinem Twitteraccount folgen.

Wirkung von Handlung

Jan-Martin Klinge erzählt im Halbtagsblog von den tollen Erfahrungen in seinem Technikkurs und berichtet, wie die Schüler Feuer fangen. Und während des Lesens finde ich es immer bedauerlicher, dass wir an den Gymnasien so wenig Unterricht mit den Händen stattfinden lassen. Ich merke das oft in meiner Steinzeit-AG, dass da die wilden Kerle plötzlich ganz normale Umgangsformen pflegen können und sogar das Prinzip der Leistungsorientierung für sich entdecken („Herr S., sieht das gut aus oder muss ich da noch nachfeilen?“ – „Darf ich XY beim Aussägen helfen, der ist noch nicht so weit?“ – Wenn sie das mal bei Textarbeit fragten!). Aber ab Klasse 6 ist damit mehr oder weniger Schluss, wenn sich nicht ab und an ein Bio- oder Physiklehrer erbarmt.

Wirkt beim Abi

Herr Rau erzählt in seinem Lehrerzimmer von einer sehr schönen Idee an seiner Schule:

Seit einigen Jahren – in Schulzeit umgerechnet: schon immer – wünschen Freunde und Verwandte den Abiturienten vor den Prüfungen mit Plakaten Glück.

Mit Fotos. Würde ich mir für meine Schule auch wünschen.

Präsentationen wirken

Dass das Halten von Präsentationen „eine völlig sinnbefreite Befriedigung der Erwartungen der Lehrperson“ darstellt und wie dämlich viele Vorgaben zur Foliengestaltung sind, wenn sie sich nicht an Wirkungsabsicht und Kontext orientieren, das demonstriert der Lehrerfreund in einem aktuellen Beitrag. Da fallen mir gerade zwei Schüler ein, die ihre Präsentation zum Berufswunsch „Pilot“ mit einer Begrüßung der Fahrgäste starteten und dann eine grandiose Präsentation abgefeiert haben. Die wussten, wo sie ihr Publikum abholen mussten. Hat gewirkt, ist lange her und ich hab’s bis heute nicht vergessen.

Fürs Protokoll

Sehr schlauchigen Elternsprechtag mit mehreren sehr schönen Momenten gehabt. 

Vernebelte Sonnenfinsternis und debattierende Jugend

Sitze, während ich dies schreibe, in der Bahn nach Bielefeld und steckt, wie auf eigentlich jeder Fahrt mit der Bahn irgendwo auf der Strecke fest. Um mich herum ist es in solchen Situationen entweder stockdunkel oder, wie jetzt, ganz fies neblig und der Bahnfahrer entschuldigt alle zehn Minuten die Verspätung, um gleich eine neue anzukündigen.

Eine Netzverbindung gibt es hier im Niemandsland auf den Gleisen im Ruhrgebiet natürlich nicht, sodass ich diesen Beitrag wie in den guten alten Zeiten offline tippen muss. Ein WLAN gibt es in der Regionalbahn nämlich auch nicht. Erstaunlich auch, dass alle Störungen prompt behoben sind, wenn ein ICE an uns vorbeigerauscht ist.

Jugend debattiert

Dabei komme ich gerade von der Landesqualifikation „Jugend debattiert“, an der ich zum ersten Mal als Juror teilnehmen durfte, was mir viel Freude gemacht hat. Das Thema der Hinrunde („Soll an nordrhein-westfälischen Grundschulen das Fach Demokratie mit dem Schwerpunkt Kinderrechte eingeführt werden?“) fand ich zwar nicht so glücklich gewählt, umso besser gefiel mir aber das Thema der Rückrunde: Soll in Deutschland die Vorratsdatenspeicherung wieder eingeführt werden.

Auch das Verhalten der anderen Gruppen zu beobachten, war äußerst spannend. Ein Gruppe, die gleichzeitig mit uns in der Bahn fuhr, wurde vom begleitenden Kollegen und einem Vorjahresveteranen noch in der Bahn regelrecht gebrieft, worauf sie während der Debatten noch zu achten hätten. (Die haben dann auch den ersten Platz gemacht 😉 ).

Die Debatten waren dann wirklich gut, aber bundesfinalreife Kandidaten habe ich leider nicht zu sehen bekommen. Oft wurde Kant zitiert, oft die moralische Ebene bemüht, aber am Ende zählen eben handfeste Argumente und nicht die Anzahl der Kant-Zitate. Erstaunlich aber auch die Beurteilung mancher Jury-Mitglieder, die bemängelten, dass Schüler ihre Eröffnungsreden einstudiert hätten. Joa mei! Da bereiten sich Schüler gut vor und dann wird es ihnen gleich angekreidet… aber wir waren ja immer zu dritt. 😉

Großen Dank verdient das Orga-Team, das für ein tolles Catering und eine entspannte Atmosphäre gesorgt hat, weil wirklich jederzeit sonnenklar war, wo man wann an welchem Ort was zu tun hatte. Austragungsort war übrigens das Studienseminar in Oberhausen, architektonisch mindestens drei Stufen über dem muffigen Bau in Bielefeld, mit viel Licht und hellen Glasfronten. Schade nur, dass den ganzen Tag eine fiese Nebelglocke über NRW lag, sodass wir keinen einzigen Sonnenstrahl zu Gesicht bekamen. Von Anweisungen, wie man sich bei einfallendem Sonnenlicht zu verhalten hatte, wurden wir verschont – eigentlich erstaunlich – immerhin hatten wir ja auch leibhaftige Schüler dabei.

Davon könnte sich Die Bahn gerne eine Scheibe abschneiden. Für die Strecke Oberhausen – Bielefeld (ca. 150 km) haben wir am Ende geschlagene vier Stunden gebraucht.

Rückblick, Karikatur und drei Gesetze

Heute gibt’s Vermischtes. Ein wenig Ferienrückblick, ein wenig Gedanken zum Elternsprechtag und ein paar lose Fäden zu den Gesetzten Shoshanna Zuboffs. Aber von allem nur ein Wenig.

Eingeschobener Rückblick

Während unseres Aufenthalts im hohen Norden besuchten wir auch Flensburg. Eine wirklich wunderschöne Stadt mit der höchsten Dichte an Tatoo-Studios, die mir je begegnet ist. Ob das wohl an den vielen Seebärinnen und -bären liegt, die sich einen Anker tätowieren lassen?

Karikatur zum Elternsprechtag

Herr Rau verwies vor einigen Wochen auf eine Karikatur mit dem Titel „Hopeful parents“, die darstellt, wie Eltern hinter ihrem anscheinend exzessiv Nintendo spielenden Sohn stehen und sich stolz Stellenanzeigen für professionelle Nintendospieler ausmalen. Ob man so etwas am Elternsprechtag mal außen an die Tür hängen sollte? Sorgt bestimmt für Diskussionsstoff bei den Wartenden. Vielleicht aber auch für schlechte Stimmung…

Drei Thesen

Vor einigen Wochen habe ich mir diese Thesen der Ökonomin Shoshana Zuboff der Universität Harvard notiert, die mir in diesem Artikel begegneten, bin aber noch nicht dazu gekommen, mir genauere Gedanken dazu zu machen. Der Artikel nennt ihre Thesen „Gesetze“, aber Gesetze kann ich in ihren Ideen nicht erkennen. Sie behauptet:

  1. Was automatisiert werden kann, wird automatisiert.
  2. Was in digitalisierte Information verwandelt werden kann, wird in digitalisierte Information verwandelt.
  3. Jede Technologie, die für Überwachung und Kontrolle genutzt werden kann, wird, sofern dem keine Einschränkungen und Verbote entgegenstehen, für Überwachung und Kontrolle genutzt.

Der verlinkte Artikel bezieht diese Thesen auf Moocs und die Frage, ob universitäre Lehre auch ohne Dozenten funktionieren kann, aber man könnte Zuboffs Thesen auch mal auf Schule ausdehnen. Gibt es eine Zwangsläufigkeit der Digitalisierung des Lehrens und des Lernens? Sind Lehrprozesse so gestaltbar, dass sie automatisierbar (und so letztlich von einer Lehrperson loslösbar) sind? Und wie sieht es mit der Kontrolle aus? Bedeutet ein erhöhte Einsatz von digitaler Technik auch automatisch ein erhöhtes Maß an Kontrolle und Überwachung der Nutzer respektive Schüler (und Lehrkräfte)? Wo bestehen da Reibepunkte zwischen der reformpädagogisch orientierten digital-pädagogischen Vorhut und der entpersonalisierten Automatisierung; wo werden Konflikte bei Entfaltung der Persönlichkeit, dem eigenen Lernprozess und der totaleren Kontrolle entstehen?

Bin sehr gespannt, wohin wir uns zukünftig entwickeln werden.

Ein erster Ferienrückblick

 

„Das Flenst“ – so steht’s auf dem Anhänger, der seine gekühlte Ware vor uns über die Landstraße transportiert. Auf meinen Protest hin meint die Frau auf dem Fahrersitz neben mir, ich sei eben kein Werbefachmann, doch, so meine ich, bin ich doch ein Verbenfachmann. „Das Flenst“ geht vom Standpunkt eines solchen aus gar nicht.

Das FlenstUnd während wir dem Biertransporter folgen, stellen wir fest, dass die nordische Landstraße als solche gesäumt zu scheint von unerwartet vielen kleinen Holzkreuzen, die ihre jungen Toten beklagen. Wenige Ampeln, kaum Kreuzungen und überschaubarer Verkehr mögen dazu beitragen, dass einige Fahrer ihre Künste überschätzen und vorzeitig bei überhöhter Geschwindigkeit das Zeitliche segnen. In Bielefeld undenkbar, die döselige Verkehrsplanung erstickt jeden Versuch flüssigen Verkehrs im Keim. Rasen unmöglich. Allerdings versperren auch nicht so häufig langsame und lange Traktoren die Sicht und die freie Fahrt; auch die unübersichtlichen Überholmanöver dürften das ein oder andere Kreuz gefordert haben.

Institut für BierologieDoch das Leben in den schleswig-holsteinischen Landen ist ein ländliches und für die Jugend abseits der Stoppelfeldfeten gewiss eine Herausforderung. Um zur nächsten außerdörflichen Attraktion zu gelangen, muss man zwangsläufig auf das schnelle Auto zurückgreifen, und wenn einige Fahrer etwas zu fleißig am „Institut für Bierologie“ studiert haben, das sich in der kleinen Stadt Kappeln befindet, dann endet das wohl manchmal böse.

Dabei ist die Welt ist hier noch in Ordnung, die Immobilienpreise sind für die von uns gewohnten Verhältnisse lächerlich niedrig, und die Dorfjugend grüßt jeden Fußgänger freundlich mit einem „Moin“. Menschen, die Strahlenbelastung fürchten, dürften sich hier mehr als wohl fühlen, denn die Erreichbarkeit per Mobilfunk oder gar über das mobile Internet ist nahezu ausgeschlossen und internetgewöhnte Touristen erkennt man daran, dass sie wie Wünschelrutengänger auf ihr Handy starren und im Zick-Zack nach einem Plätzchen mit Empfang suchen. Vergeblich.

Die nächsten Tage lassen wir das Dörfliche tageweise hinter uns. Es geht dann nach Flensburg. Hoffen wir, dass es flenst.

Die anderen bloggen, ich knipse

Heute zum Einstieg ein kleines Bilderrätsel. Was ist mir wohl heute widerfahren? Auflösung am Ende.

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Ansonsten bloggen eher die anderen:

  • Bob Blume erklärt, warum eigentlich das G5 Stand der Dinge sein müsste Auf Literatur und den ganzen weichen Scheiß verzichten! Peng! Klappe zu. Affe tot. Wirtschaft… brummt?
  •  Herr Rau lässt sich davon nicht beirren und widmet seine Freizeit dem automatisierten Nummerieren sinnloser Lyrik. Herausgekommen ist dabei ein WordPress-Plugin, das Gedichte mit Zeilennummern versieht. Für Deutschlehrer gewiss bald ein must-have, denn mit Herrn Raus Methode kopiert man die Zeilennummern nicht mit, sodass die Formatierung beim Copy&Paste erhalten bleibt und nicht durch ärgerliche Zeilennummern zerstört wird. Fein.
  • In der FAZ findet sich ein Rant wegen (über, gegen?) der schlechten Rechtschreibung der Studenten. Wiederholt sich auch alle Jahre, oder?

Des Rätsels Lösung

Da hat es mir heute morgen doch glatt das Fahrradschloss zerbröselt. Natürlich erst, nachdem das Schloss eingerastet war. So stand ich heute wie ein kleiner Depp vor meinem Fahrrad und kam nicht vom Fleck. Die Busse streikten, der Hausmeister ebenfalls. Also fix die Herzdame angerufen, in den Baumarkt gefahren, mich mit einem Bolzenschneider zum Fahrrad geschlichen und mit einem Knips war das Schloss Geschichte. Erschreckend, wie schnell so etwas geht… (und wie klein ein Bolzenschneider ist).

Leben am Limit – Der Linienbus

Ich muss mal dringend was loswerden. Um täglich pünktlich zu meiner Schule zu gelangen, verwende ich den Bus. Und ja, ich nutze gerne den ÖPNV, denn er ist in der Regel, wenn nicht pünktlich, so doch berechenbar, zuverlässig und mit den Jahren immer überschaubarer geworden. Hübsche Anzeigen verweisen auch im finstersten Dunkel auf die nächste Haltestelle und angenehme Ansagerstimmen erinnern den ins Handy vertieften Passagier auf die kommende Haltestelle. Die Ticketentwerter sind selten defekt, die hydraulischen Hebesysteme erlauben es, ältere Menschen und Kinderwägen ohne größere Komplikationen zusteigen zu lassen und das Experiment Radiobus hat sich nicht durchgesetzt. Alles bestens, könnte man denken.

Doch über eine Sache müssen wir reden. Da gibt es nämlich diesen fiesen Konstruktionsfehler, der sich in allen Linienbussen, die ich kenne, eingenistet hat, und der schon seit Jahrzehnten nicht behoben wird.

Jeden verflixten Morgen, wenn ich in meinen Bus einsteige, sehe ich schon von Weitem, dass er mal wieder rappelvoll ist: Jacken kleben an den Scheiben der Türen, entgeisterte Blicke panischer Fahrgäste signalisieren mir, doch verdammt noch eins draußen zu bleiben, es ist einfach kein Platz mehr. Die Tür zischt auf, die ruppige Stimme des schon am frühen Morgen im Endstadium der Genervtheit befindlichen Busfahrer knurrt ein raues „Durchgehen!“, und der murrende Menschenklumpen macht sich langsam auf den Weg in den hinteren Teil des Busses. Dabei ist das durchaus nicht ungefährlich.

Denn kaum sind die, goßteils jungen und körperlich noch nicht vollständig ausgewachsenen Fahrgäste vorgerückt, beginnt ein gefährliches Spiel um die Balance. Schwerbepackte Schulranzen schwanken im Rhythmus der Anfahr- und Bremsbewegungen des Busses hin und her, verfehlen die zarten Gesichter der arglos schlafenden Glückspilze auf den Sitzplätzen oft nur knapp. Unsichere Hände suchen Halt an der Jacke des Vordermanns, und wenn der Fahrer einmal unvorhersehbar auf die Bremse tritt, dann purzeln viele hilflos rückwärts durch den Bus, aufgehalten bestenfalls durch den nächststämmigeren Nebenmann.

Schuld sind die unseligen Viererplätze. Findet ein erwachsener Fahrgast normalerweise an den Griffen am Rand der Zweiersitze oder den Hängelaschen Halt, so fallen diese Möglichkeiten für kleine Fahrgäste mit kurzen Armen zwischen den Viererplätzen weg. Und so wundert es nicht, dass kaum ein kleiner Gast sich gerne zwischen diese halsbrecherischen Konstruktionen stellen mag, denn wer verzichtet schon freiwillig auf die sonst immer so hoch geschätzte Sicherheit im Bus? Dann lieber den Eingang verstopfen.