Das eigene Tempo

Der Unterricht der Zukunft“ lautet der Titel eines aktuellen FAZ-Artikels, in welchem die Autorin die potentiellen Segnungen des digitalen Unterrichts beschreibt. Im Kern wiederholt sie die alte Leier vom Lehrer, der als „Kurator“ seinen Schülerinnen beisteht. In Deutschland lerne man ja noch „im Akkord“ und „gleichgeschaltet“. Ich spare mir jetzt böse Anmerkungen zu den in Anführungszeichen markierten Begriffen und bleibe beim Thema „eigenes Tempo“.

Habe gerade eine Reihe hinter mir, in der ich als „Kurator“ für Wortarten tätig war und die Schülerinnen überwiegend im eigenen Tempo habe lernen und üben lassen. Mit Checklisten, Selbstüberprüfung und abgestuften Aufgabentypen und eigenem Tempo, aber auch mit instruktiven Phasen. Zugute kommt diese Arbeitsweise jedoch eher den Schülerinnen, die sowieso schon in der Lage sind, eigenständig zu arbeiten, schulischen Ehrgeiz zeigen, darüber hinaus den Mut haben, Fragen zu stellen und die zügig arbeiten können. Allen anderen fällt das „eigene Tempo“ eher auf die Füße als dass es hilft, solange wir alle bis zu einem Zeitpunkt X alle Klassenarbeiten geschrieben haben müssen. Denn bei der Zeugniskonferenz akzeptiert niemand, wenn ich sage, dass leider die Noten von zehn Schülerinnen noch fehlen, weil sie noch in Ruhe die Zeitformen des Verbs erarbeiten wollen oder weil eine Schülerin extrem getrödelt hat. Mit Deadlines zur Leistungsüberprüfung bleibt „Lernen im eigenen Tempo“ eine Farce.

Oder wie löst ihr das?

Der Digital Education Day 2015 – #ded15

IMG_6985Voll, voller, Domplatte am Samstag! Was für ein Gedränge, was für Menschenmassen. Da kommt man sich als Bielefelder „Großstädter“ ganz klein mit Hut vor. Bevölkere nun unzählige Selfies fremder Menschen, habe einem Pärchen zum Küssen verholfen und war währenddessen auf der Flucht vor unzähligen Jungesellinnenabschieden, denn 30% der auf der Domplatte befindlichen Frauen schien mit Vierzigprozentigem angefüllt. Aber alles harmlos, was ein Glück, dass die Hogesa-Spinner erst Sonntag kommen!

Doch eigentlich war ich nicht in Köln, um mir die Menschen auf der Domplatte anzuschauen, sondern um mich über digitale Medien zu informieren, denn man hatte zum „Digital Education Day 2015“ gerufen, und da Köln in Schlagweite liegt, war ein Besuch mehr als angebracht… und lohnend!

Das liegt zum einen am offenen Format des Barcamps, das ja auch „Unkonferenz“ genannt wird, wobei man ihm mit der Vorsilbe „Un“ aber Unrecht tut. Neben schon gesetzten Veranstaltungen kann jeder Teilgeber spontan seine eigene Session anbieten und sich so auch aktiv mit eigenen Themen einbringen. Auf diese Weise kommen schnell bis zu 40 Sessions zusammen und jeder Besucher kann sich seinen eigenen Sessionplan zusammenstellen. Ich entschied mich für die Schwerpunkte BYOD, iPads im Unterricht, Elternarbeit und digitale Medien sowie Inklusion und iPads.

BYOD oder Office365

Das Thema BYOD begann mit einer schönen Übersicht der technischen Infrastruktur des Erich-Gutenberg-Berufskollegs in Köln, mutierte dann aber schnell zu einer überwiegenden Werbeveranstaltung für Microsofts Office365 (und einem beeindruckenden Touch-Tisch), welches unbestreitbar seine Vorzüge hat. Angeblich gebe es keine Probleme mit dem Datenschutz wegen der Serverstandorte in Irland und Holland, jedoch verzichte man vollständig darauf, personenbezogene Daten mit Office365 zu verarbeiten.

Microsoft scheint alles daran zu setzen, dass potenzielle Kunden sich frühestmöglich an seine Office-Suite gewöhnen, denn das Angebot für Schulen ist gewaltig: Von kostenlosen Office-Lizenzen für über 2500 Schüler und die Lehrer, dem Vorhalten von Backups bis hin zu kostenlosen Fortbildungen gibt Microsoft so einiges, damit wir Schulen möglichst unsere Schüler auf seine Office-Suite konditionieren.

Am Berufskolleg setzt man mittlerweile vollständig auf BYOD, die Schüler dürfen über die Geräte frei entscheiden, der Großteil der Schüler bringt jedoch sein Notebook mit. Schön war es hier, mal Einblick in die Medieninfrastruktur und die Probleme anderer Schulen bei der Medienentwicklung zu bekommen und zu sehen, dass nicht immer, nein, nie! alles glatt läuft.

iPads im Unterricht

Die Session zu iPads im Unterricht verließ ich nach der Hälfte der Zeit, weil ich die Möglichkeiten meines iPads und diverse mögliche Präsentations-Apps schon kannte. Wer sich damit noch nicht beschäftigt hatte, konnte hier wertvolle Tipps zum Umgang und Einsatz mit den Geräten im Unterricht bekommen.

Elternarbeit – Bleiben Sie dran

In einer sehr kleinen Session intensiven Austausch mit Matthias Felling von der AG Kinder- und Jugendschutz (AJS NRW) gehabt. Mitgenommen habe ich neue Links, z. B. zu www.schauhin.info und www.elternundmedien.de, wo man auch Referenten finden kann, die für Informationsabende zur Verfügung stehen. Klicksafe.de kannte ich schon, das ist ja schon lange etabliert. Schöne und eigentlich naheliegende Ideen brachte Felling ein: Zum Beispiel, dass man den SuS doch vorschlagen könne, bei WhatsApp Gruppen, die Organisatorisches zum Inhalt haben (z.B. Hausaufgaben), von privaten Tratsch-Gruppen zu trennen. Analog zu den Gesprächsregeln im Klassenraum müsse man auch Umgangsformen im Netz mit den SuS entwickeln.

Eltern mal nach ihren Medienerfahrungen zu befragen, das werde ich beizeiten auch mal machen. Diese geraten dann schnell ins Schwärmen, erzählen vom Sandmännchen und den schönen Samstagabenden mit „Wetten dass…?” und langen Radiositzungen. Dagegen sähen Eltern die heutigen Medien mit ganz anderen Augen – das bietet schöne Gesprächsanlässe. Fazit: Viele Anregungen!

Inklusion und iPads

Gut gefiel mir auch die Session zu „Inklusion und iPads“, denn so hatte ich mein iPad noch nicht kennengelernt. Es ist wirklich beeindruckend, was man aus den Bedienungshilfen für körperversehrte Menschen alles herausholen kann. Ein nahezu blinder, anwesender Kollege erzählte begeistert, dass die Entdeckung der Tablets für ihn bahnbrechend gewesen sei. Seine 2% Sehkraft könne er nun mithilfe der neuen technischen Möglichkeiten kompensieren und auch selbst wieder kreativ arbeiten. Dass man auch Hörgeräte und Joysticks für Menschen, die nicht touchen können, mit den Pads koppeln kann, war mir ebenfalls neu. Zudem stellte die Referentin einige Apps vor, die sowohl im DaZ-Bereich als auch im klassischen Inklusionsbereich eingesetzt werden können. Auch der Hinweis, dass Krankenkassen bisweilen die Kosten für die Tablets übernehmen, kann mal nützlich sein.

Ein Wermutstropfen

Einen Wermutstropfen muss ich aber auch vertröpfeln. Zu oft standen in den Sessions die technischen Möglichkeiten der Geräte oder mancher Apps im Vordergrund, wenig Worte wurde über konkrete Unterrichtssituationen, technische Probleme oder best practice verloren. Für schon medienaffine Lehrer, die gerne ihre Geräte ausprobieren, springt bei solchen Sessions nicht viel heraus, wir müssen vielleicht demnächst mehr in die Breite gehen, die Mediennutzung einzelne Fächer thematisieren oder einfach mal zeigen, was man so im Unterricht mit den Geräten gemacht hat.

Auch pädagogische Probleme wurden eher am Rande behandelt, dabei macht das doch den Kern unseres „Geschäftes“ und unseres Alltages aus. Sehr schade darum, dass die Session zum Thema Elternarbeit von nur drei Personen bestritten wurde, wo doch gerade die „digital education“ abseits von iPads und Office für Vermittlungsbedarf zwischen Schulen und Elternhäusern sorgt und ich das immer wieder als brennendes Thema wahrnehme.

Vielleicht demnächst, beim DED16 als Teilgeber?

Video Kills The Classroom-Star?

Auf Twitter geben sich regelmäßig mehr oder weniger große und kleine Hypes die Klinke in die Hand. Aktuell ist der „Flipped Classroom“ in meiner Bubble en vogue. „Flipped Classroom“ bedeutet, dass die Schüler zuhause Erklärvideos schauen und dafür die Unterrichtszeit zum Üben, Diskutieren und Anwenden nutzen. (Polemisch formuliert: Statt der herkömmlichen Lesehausaufgabe schaut man nun Videos. Falls ich hier ungenau bin, dann mögen die passionierten Flipper gerne in den Kommentaren korrigierend eingreifen. 😉 ). 

Und so kam es, wie es kommen musste, vor einigen Tagen auf Twitter zu einer polemisch angehauchten Auseinandersetzung, ob Text nicht doch etwas „old school“ wäre, und ich wollte schon twittermäßig voll reingrätschen, alleine schon, weil „old“ nicht gleichzusetzen ist mit „schlecht“ und wegen der einhundertausend Vorteile von Text, aber dann… nutze ich nicht auch andauernd irgendwelche Videos, um mir Dinge erklären zu lassen? Und lernen nicht andauernd alle möglichen Menschen um mich herum Neues aus YouTube-Videos? 

Youtubifizierung des Lernens 

Das Lernen mit Video ist nichts Neues. Schüler werden schon seit Generationen vom Telekolleg, ratternden Videorollen, leiernden VHS-Videos oder DVDs begleitet. Und mit YouTube ist das doch noch besser geworden:

Erst letzte Woche noch hatte ich keine Ahnung, wie ich die Gangschaltung des Fahrrads meiner Tochter einstellen sollte. Schnell bei Google gesucht, und einen Haufen unverständlicher Texte gefunden. Schwupps – auf YouTube das passende Video gesucht: Nach nur fünf Minuten war mir halbwegs klar, was zu tun war. Die Schaltung funktioniert wieder. Ein weiteres Beispiel: Meine Frau hat gerade das Häkeln für sich entdeckt. Gelernt hat sie es nicht in teuren Kursen oder mit Büchern Aus der Bibliothek, sondern ganz einfach per YouTube. 

Auch den Song „Road Trippin'“ der Red Hot Chili Peppers habe ich per Video gelernt. Was ich nämlich nicht gelernt habe, ist es, Noten zu lesen und dank YouTube kann ich trotzdem Gitarre spielen. Die Kombination von Hören und eingeblendeter Tabulatur machen das Nachspielen viel leichter. Wie beim Häkeln oder der Gangschaltung: Manchmal ist es eben einfacher, wenn man das Ergebnis sehen und hören kann. 

Besonders dann, wenn die visuelle Unterstützung sich direkt auf das Lernergebnis auswirkt, sind Videos hilfreich. Es ist also doch etwas dran am Lernen per Video. 

Zeit

Auf der Gegenseite steht die Ökonomie: Videos zu konsumieren dauert sehr viel länger, als die gesprochene Menge an Text zu lesen. Dabei rast der Inhalt auch noch in Echtzeit am Konsumenten vorbei: was verpasst wird, wird verpasst, das Zurückspulen kostet wiederum viel Zeit. In der Regel meide ich Lernvideos oder Videomitschnitte von Vorträgen, weil das Dargestellte oft schneller zu lesen wäre. Den Hanse-Mooc bei Iversity habe ich nach wenigen Videoschnipseln drangegeben, weil mir die Zeit am Ende einfach zu schade war. Ein Text zur Einführung in die Geschichte der Hanse wäre hier zielführender gewesen. 

Von der Zeit für das Erstellen eines guten Videos wollen wir gar nicht sprechen. Natürlich hätte ich diesen Text schnell in eine Kamera quatschen können, aber selbst dabei hätte ich mich zigmal versprochen und neu starten müssen. Ein gutes Video braucht Vor- und Nachbereitung, unter Umständen eine zweite Kamera, vielleicht sogar einen eigenen Kameramann oder jemanden, der visuelle Effekte gekonnt einarbeitet, denn wir sprechen ja von Lernvideos. In meinem Arbeitsalltag undenkbar. Und gekonnt sein, muss es auch. Und wenn es aus irgendeinem Grund Mist ist, kann man es nicht schnell korrigieren. Hm. 

To flip or not to flip?

Überträgt man das auf Schule im Ganzen, dann sehe ich da für mich wenig Möglichkeiten, den „Classroom“ per Video zu „flippen“ ohne dabei Unmengen an Zeit zu verbraten, und zwar sowohl meine Zeit als auch die Zeit der Schüler. 

Text hat eben seine eigenen unschlagbaren Vorteile. Man kann ihn im eigenen Tempo lesen, schnell vor- und zurückblättern, anmerken, hat Begriffe unmittelbar vor Augen und kann komplexe Sachverhalte schnell sowie gründlich erfassen. Fußnoten erlauben schnelle Ergänzungen, ohne vom Kern wegzulenken, und Komplexes darf komplex bleiben, weil der Leser ja alle Zeit der Welt hat, wieder und wieder zu lesen und nachzuvollziehen. Was einer in zehn Minuten in eine Kamera salbadert, habe ich in einem Drittel der Zeit weggelesen. Ich kann innehalten, wenn mir danach ist, Gedanken weiterspinnen oder in aller Ruhe Notizen machen. 

Und jetzt bin ich doch wieder beim Text gelandet. Bin ich etwa zu old school?

The Future of Storytelling

The Future of Storytelling“ – So lautet der Titel eines interdisziplinären Moocs (Massive open online course) bei iversity.org. Gestaltet wird er auf Englisch von einem deutschen Team der Fachhochschule Potsdam und mir gefällt er wirklich gut. Vor allem, weil er recht kurzweilig ist, das Thema Storytelling zunächst einmal historisch aufrollt und besonders, weil die Kommentare und Beiträge der anderen Teilnehmer zum Weiterdenken anregen. Größere Texte und lange Videos sind ausgelagert, sodass man sich alles anschauen oder anhören kann, wenn man Zeit hat. (Sollte man allen Kolleginnen und Kollegen, Deutschbuchautorinnen und -autoren ans Herz legen, damit die endlich schnallen, dass spannende Geschichten nicht durch treffende Verben und Adjektive gestaltet werden. Versucht mal, Fünftklässlern zu erklären, dass die heilige Grundschullehrerin unrecht hat…). Kostet nichts, tut nicht weh und man lernt etwas dabei! 🙂

Darauf gestoßen bin ich über den Mathe-Mooc von Christian Spannagel, aber ehrlich gesagt finde ich Storytelling persönlich spannender. 😉

Trotz Apple ein Gewinn

The same procedure as every time: Ein positives Vermerken Apples und schon kommen die Beschwerden. Ihr habt ja recht! Apple ist ein kapitalistischer Scheißladen, der proprietäre Software unters Volk verteilt, um dumme Apple-Fanboys an sich zu binden und sie zu melken, zu knechten, zu binden und überall zu finden. Oder um geschälte Mandarinen zu verteilen.

Ja, ja, ja – eine proprietäre Authoring-Software wie iBooks Author ist mit diesen EULA die Pest in Tüten, wenn man Geld mit seiner eigenen Hände Arbeit verdienen will. Niemand würde mit Word Romane schreiben, wenn diese dann über Microsoft vertrieben werden müssten, niemand Photoshop verwenden, wenn die bearbeiteten Bilder anteilig Adobe Geld in die Kasse spülten. Überhaupt diese Format-Phobie bei Apple: Bei allem Komfort nutze ich weder Pages, noch Numbers, noch Keynote – das geschlossene Apple-Format verbietet mir die Bearbeitung auf anderen Plattformen und ist damit automatisch indiskutabel. Dass Apple nicht begreift, dass genau das seine Stellung schwächt, wird auch bei iBooks Author ein Fehler sein.

Und doch ist es einmal mehr Apple, das den Markt vor sich herzutreiben versucht und so für Bewegung, vielleicht sogar Innovation sorgt – von den „Guten“ (wo ist Google, wo Microsoft, wo Samsung, wo Intel?) sehe ich weit und breit nichts, nichts, nichts! Wer will den Verlagen entgegentreten, wer das Eis brechen, wenn nicht ein milliardenschwerer Konzern, dem die Kungeleien zwischen Politik und Verlagswesen ganz einfach egal sein können?

Ich fände es auch toll, wenn ich einfach ein offenes Authoring-System und dazu eine tolle, offene, betriebssystemunabhängige  Vertriebsplattform hätte, aber ich kann mich nur über das freuen, was es gibt. Bei aller Kritik am Apple-Korsett: Apple steht mal wieder auf weiter Flur alleine da.

Aber die anderen werden folgen! Und das ist der Gewinn des gestrigen Apple education announcement!

Apple drängt in die Bildung

Felix berichtet und kommentiert in seinem Blog ausführlich Apples education announcement. Sehr lesenswert und ich war verblüfft, was sich heute im App-Store alles unbemerkt von mir getan hatte. Ich bin nun sehr gespannt auf die Reaktionen in der analogen Verlagswelt – und da ich morgen ein Gespräch mit zwei Klett-Mitarbeitern habe, kann ich denen vielleicht per iPad gleich demonstrieren, woher der kalte Windhauch plötzlich weht. Besonders gut gefällt mir, dass Apple mit iBooks Author gleich die Software zum Bücherschreiben mitliefert – da haben nun sowohl Lehrer als auch Schüler die Gelegenheit, Kapitel bzw. ganze Lehrwerke zu schreiben.

Man stelle sich vor: Die Schüler lesen z.B. den Woyzeck und können sich gleich ausgewählte Szenen als Filmausschnitt anschauen ob nun zur zur Verständnissicherung oder um sie dem Text gegenüberzustellen… Schaubilder können nun bewegt statt statisch sein… Bücher lernen sprechen…

Siehe auch:

Nur Windows: Cornelsen-CDs in den gelben Sack

Hui – schon seit einigen Tagen brodelt die Debatte um den sogenannten „Schultrojaner“, hat sich wieder etwas entspannt und offensichtlich hat sich nun ein Grüppchen gebildet, das die Erstellung von „OER“ (open educational resources, sprich: frei verfügbaren Materialien, Lehrbüchern etc.) vorantreiben will. Ich finde diese Bewegung sehr spannend, bin aber zum banalen Korrigieren im analogen Lehrerleben ausgestiegen und muss nun erst wieder den Weg hinein finden. Das ist übrigens der Nachteil – nein – das Kreuz mit Twitter: Es geht schön schnell, ist aber auch schön flüchtig. Da eine Debatte nachzuvollziehen ist mühseliger als ein pompejanisches Bodenmosaik zusammenzuflicken…

Und mittenrein glänzt der Cornelsen-Verlag postalisch und buchstäblich mit einem in Glanzpapier eingewickelten Lehrwerk. Schmuck, denke ich mir, packe es aus und finde eine Neuauflage des alten Deutschbuch 5. Mit allem Pipapo wie Handreichungen und Schülerarbeitsheft und letzteres mit CD. Insgesamt finde ich viele Bücher zu „unruhig“ gestaltet, mit viel Bildchen hier, Tabellchen da und Infokästchen zwischendrin – ich mag klare Strukturen und wenig Ablenkung, aber es muss ja gehaltvoll wirken. So auch dieses, aber für eine fundierte Kritik fehlt mir jetzt die Zeit, denn eigentlich geht es mir um die beiliegende CD.

Start.exe - Windows only

Denn wie immer schiebe ich diese CD erwartungsfroh in mein Laufwerk, und wie immer ist die CD so konzipiert, dass man sie nur als Windows-Benutzer einsetzen kann. Also Pustekuchen für Mac-User wie mich, CD-Ausschluss für Freunde freier Linux-Software. Von Schülern mit Netbook ohne CD-Laufwerk spreche ich mal lieber gar nicht. Einen Warnhinweis findet man nirgendwo – Windows setzt man bei Cornelsen stillschweigend voraus; Pech für den, der nicht das „richtige“ System benutzt. Statt, wie bei den aus gleichem Hause stammenden Fördermaterialien Deutsch, auf HTML zu setzen, schiebt man dem Nicht-Windows-User einfach die proprietären Riegel vor.

So wandert die CD nun dahin, wo sie hingehört: In den gelben Sack. Da schaue ich lieber, was die OER-Gruppe bisher so erarbeitet hat… an das Material sollte man in jedem Fall kommen.

Karten selbst erstellen

Bin gerade über Lehrerrundmail auf Stepmap gestoßen worden und habe das gleich mal ausprobiert. Gefällt mir und bietet gewiss viele Möglichkeiten für den Geschichtsunterricht, analog wie auch besonders digital.

Hokeys Arbeitsplatz
Landkarten erstellen mit StepMap

Hier ein schon fertige Beispiel, brauchbar für den Deutschunterricht:
Goethes Italienreise
Landkarten erstellen mit StepMap

StepMap

Goethes Italienreise

Bildungssuche

Bin gerade an „meine“ Bildungssuchmaschine erinnert worden. Müsste ich mal wieder ein wenig befüllen und man könnte ja mal überlegen, wie man diese spezifizierten Suchmaschinen weiterhin verwenden und in welche Richtung ausbauen könnte. Vielleicht eine Suchmaschine für Unterrichtsmethoden? Für Material? Für historische Quellen? Für Literatur?

Ich „pinne“ es mal hier hin, damit ich es nicht wieder vergesse…

Von sehr Altem und sehr Neuem

Zunächst einmal das Alte. Gestern konnten wir in der „Zurück-in-die-Steinzeit“-AG zum ersten Mal draußen die Steinzeit erforschen. Das bedeutete: Keine Mittagspause für mich, denn für eine archäologische Ausgrabung mussten einige Vorbereitungen getroffen und die Sprunggrube okkupiert werden:

Eingrabungsstelle

Netterweise haben mir ein paar Mädchen aus meiner Klasse geholfen, sodass die ganze Graberei viel schneller vonstatten ging als erwartet – und Spaß hatten die auch dabei! Die Ergebnisse der Ausgrabung nehme ich hier noch nicht vorweg, die sind eher für die Schulhomepage gedacht, aber es ist wohl nicht zuviel verraten, wenn ich erwähne, dass ich einem Kollegen noch einen Faustkeil und eine Kopie der Venus von Willendorf aus den Rippen leiern konnte. Die gefundenen Gegenstände werden uns jetzt Anlass bieten, tiefer in das Leben der Steinzeitmenschen einzudringen.

Nun das Neue. Wie ich festgestellt habe, wurde mein Beitrag im D21-Blog als harsch aufgefasst, und das sollte er durchaus auch sein, weil ich nichts lähmender finde, als wohlabgewogene Diskussionen, wo man sich durch gegenseitiges Schulterklopfen permanent der gemeinsamen Überlegenheit vergewissert. Und dieses kollektive Überlegenheitsgefühl ist in meinen Augen ein großes Problem, will man wirklich etwas verändern.

Da kommentieren lauter geschulte und gebildete Menschen, geübt im kritischen Lesen von Texten und doch stört sich keiner an der Web2.0-Wortwahl, die mich zunehmend erschrocken und skeptisch macht gegenüber denen, die sie verwenden. Wie im D21-Kommentar schon bemerkt: Man reißt alleine durch die Wortwahl Gräben auf, anstatt sie mit Brücken zu versehen. Ob wir „uns“ nun als „web-residents“ oder „digital natives“ oder „digital inhabitants“ bezeichnen – jede Bezeichnung definiert „uns“ als Gruppe, die sich von den anderen abgrenzt. Und zwar auf exklusive Weise. Die Gefahr ist nun, dass wir „uns“ als exklusives Clübchen betrachten, das zwar Offenheit einfordert, tatsächlich jedoch Geschlossenheit demonstriert – eben durch die ausgrenzende und teilweise herabsetzende Wortwahl.

Man stelle sich vor, man hat einen Kollegen neugierig gemacht auf dieses Projekt D21, auf Blogs, auf Moodle und andere Web2.0-Themen, und dieser Kollege stöbert nun durchs Lehrernetz und versucht sich in die Themen einzulesen und Eindrücke zu gewinnen. Was muss diesem durch den Kopf gehen, wenn er sich als „Abgehängten“ bezeichnet sieht? Er, der doch jeden Tag seine ganze Kraft in seine Schüler investiert, der abwechslungsreichen Unterricht halten möchte und der einen Berg an Aufgaben noch nebenbei zu bewältigen hat? Effektive Werbung sieht anders aus. Wir sollten anderen nicht Defizite aufzeigen, sondern Chancen deutlich machen. Da gilt es, behutsam mit Worten und Bezeichnungen umzugehen.

Enttäuscht war ich über den Kommentar von Sami. Kritik ignorierend und den Graben eher vergößernd als Brücken bauend. Auch hier gibt es nur Gut und Böse, pardon: „positive“ und implizit dann auch „negative“ Lehrer. Gute Eltern sind „kritische Eltern“ und die anderen? Wer nicht für uns ist, ist gegen uns – so kommt es bei mir an. Ein kurzer Hinweis auf Lobbybestrebungen und Pressearbeit –  ich muss zugeben, dass ich mich beim Lesen dieses Kommentars gefragt habe, wofür das Projekt D21 wirklich steht und wer aus welchen Gründen dieses betreibt.

„Best practice“ ist nun das neueste Buzzword. Wieder sehr polarisierend, alles andere muss dann ja „worst“ sein… wenn ihr diese Gräben weiter schaufeln wollt, bitte sehr. Aber wundert euch nicht über harsche Kommentare. Ich muss leider schließen,

Hokey
analog and digital inhabitant,
best and worst practitioner