Lernen2.0 ohne Internet

Vor einigen Jahren durfte ich bei einem Besuch in Oettingen das Albrecht-Ernst-Gymnasium und dessen „Triebkraft“ Günther Schmalisch kennenlernen. Damals wurde noch davon gesprochen, dass die Klassenräume weit geöffnet werden müssten, große Lernräume entstehen sollten oder dass Klassenarbeiten nicht zwingend gleichzeitig geschrieben werden müssten.

Das alles scheint Gestalt angenommen zu haben, wie man in dem begeisterten Bericht von Karlheinz Pape lesen kann. Der vielleicht wichtigste Satz in seinem Beitrag lautet:

Für Lernen 2.0 braucht man gar kein Internet.

Für uns Web2.0-Schnösel und Webversteher, die für alles und jedes das Netz benutzen wollen und gutem Unterricht ohne digitale Anbindung jede Berechtigung absprechen.

Wie „Aschaffenburg“ mir einmal kurz den Unterricht sprengte

Dass man in gewissen Klassenstufen als Lehrer vorbereitet sein muss, welche Begriffe in den Texten auftauchen, das ist jedem Deutschlehrer spätestens dann klar, wenn er einmal in einer siebten oder achten Klasse unbedacht das Wort „Satzglied“ verwendet hat oder in ebengleicher Klassenstufe Texte austeilt, in denen unverfänglich scheinende Begrifflichkeiten wie „Teil“, „Fahrradständer“, „Sack“ usw. (die Liste lässt sich nahezu unüberschaubar weit fortführen) aufgeführt sind. Da hilft oft nur pure Ignoranz.

Als ich jedoch heute in meiner 6 die schöne Sage vom Wasserneck austeilte, war mir nicht klar, dass ich damit ebenfalls mittelschwere Tumulte auslösen würde. Wie konnte ich auch bei aller Antizipation, Vorherschau, Erfahrung und Kompetenz auch übersehen, dass sich im Namen der Stadt „Aschaffenburg“ eine wundervolle phonetische Doppeldeutigkeit verbirgt.

Und während die vorlesende Schülerin noch bei „Arschaffenburg“ von mittelschweren Kicherkrämpfen erschüttert wurde, brüllte von hinten links der nächste ein begeistertes „Arsch-Affenburg“ in den Raum, womit die Disziplin fürs Erste völlig außer Kraft gesetzt war. Erst, nachdem alle einmal gemeinsam laut „Arsch-Affenburg“ gesagt hatten, konnten wir den Unterricht wieder aufnehmen.

Vogelperspektive gewinnen durch LDL?

Maik Riecken und Jean-Pol Martin haben aktuell zwei interessante Impulse in diese Debatte um der, die, das richtigste, wichtigste und beste Methode, Konzept und Ideengebilde gegeben. Letztlich kommen beide zum (altbekannten) Ergebnis, dass man Gelerntes konzeptualisieren können muss. Maik verwendet in seinem Artikel „Was bedeutet für mich Bildung?“ die Metapher des Lagers für das Lernen und argumentiert, dass man insbesondere zwischen Struktur und „Paketen“ (Inhalten) trennen müsse, und dass der Strukturerwerb ebenso wichtig sei wie der Erwerb von Inhalten. In meinen Worten zusammengefasst sagt Maik, dass einzelne Inhalte („1871 besiegt der Norddeutsche Bund Frankreich“) wertlos sind, solange diese Inhalte nicht strukturell eingebettet sind (z.B. in die europ. Ereignisgeschichte des 19.Jh., Mentalitätsgeschichte, Selbstbilder/Fremdbilder usw. ). Mein alter Lateinlehrer nannte das immer „Vogelperspektive“ einnehmen. Von oben auf die Dinge schauen, Distanz wahren und Zusammenhänge wahrnehmen, was aber beileibe nicht trivial ist.

Konzeptualisieren mit LDL
Auch Jean-Pol Martin verweist in seinem Beitrag auf diesen Zusammenhang zwischen Inhalt und Struktur und behauptet, ein Flow-Erlebnis sei nicht allein durch das Verarbeiten von  Informationen, sondern nur durch die Kontrolle über die Information möglich, welche sich in gelungener Konzeptualisierung ausdrücke. Also wieder die Vogelperspektive, und Jean-Pol gibt ein schönes Beispiel, wie man die Vogelperspektive auf Hegel gewinnt. Doch wie soll man das im Unterricht fruchtbar machen?

An dieser Stelle kommt vielleicht das besonders von Jean-Pol Martin propagierte „Lernen durch Lehren“ (LDL) ins Spiel. Auf die Schwierigkeit des selbstständigen Konzeptualisierens in Schule angesprochen antwortete Jean-Pol auf Twitter:

Man kann an Jean-Pols fünf Punkten gut nachvollziehen, wie das Konzeptionalisieren ablaufen kann; wichtig ist dabei, dass es am Ende „zur Handlung dräng[t]“, im Kontext des LDL also in das Bedürfnis mündet, das eigene Wissen weiterzugeben, anzuwenden, auszuprobieren. Und das nicht nur für eine Prüfung, sondern bestenfalls in Auseinandersetzung mit der Welt.

Daniel Bernsen zieht in seinem Blog gerade ein durchaus positives Fazit bezüglich seines LDL-Versuchs in einer 8.Klasse. Ob LDL Schülerinnen und Schülern eher dabei hilft, die Vogelperspektive zu gewinnen, wird sich wohl nur dann zeigen, wenn man es einmal ausprobiert. Daniel Bernsen zeigt, dass es funktionieren kann.

Lose Fäden
Ein paar lose Fäden / Anmerkungen hätte ich noch:

  • „Konzeptualisieren“ ist ein alter Hut. 😀
  • Fehlt in Schule das Konzept „fächerübergreifender Unterricht“, dass so wenig konzeptualisiert wird? Wäre nicht sogar ein Auflösen des Fachunterrichts nötig für eine Konzeptualisierung? Oder müsste gar stärker im Fachunterricht von Lehrerseite diese Konzeptualisierung vorgeführt werden? Oder von Schüler zu Schüler unterschiedlich? Liegt es nicht auch an der entwicklungspsychologischen Entwicklung der SuS, ob sie in der Lage sind, Inhalte aus der Vogelperspektive zu betrachten und zu verbinden? Alte Fragen, aber klar ist da noch nichts (auch wenn einige den Stein der Weisen gefunden zu haben vermeinen).
  • Wenn man „rastlos“ konzeptionalisiert, was schulisch bedeuten würde, in allen Fächern die Vogelperspektive einzunehmen, käme man dann nicht wieder zu einem „Universalwissen“, würde man nicht Jugendliche (und Erwachsene) mit diesem Anspruch heillos überfordern, lauter Leonardo da Vincis und Wilhelm v. Humboldts des 21. Jahrhunderts zu sein?
  • Daran schließt wieder die Frage an, was zu lernen denn nun nötig ist. Antwortet man nun mit dem Radikalen: Das, was Sinn stiftet! Oder mit dem Radikalen: Das, was für nötig erachtet wird!

Nix Kafka, Superman! Oder: Auf die Verpackung kommt es an.

Ja, ich lebe noch und dieses Blog wird weitergeführt, auch wenn ich in den letzten Wochen einfach keine Kraft, Ideen, Energie hatte, hier irgendetwas zu schreiben. Vieles ist an mir vorbeigezogen – plötzlich geisterte dieses LSR durch meine Twittertimeline, die ich zunehmend passiv konsumiere – und ich hatte keine blasse Ahnung, was das sein sollte. Korrekturen, Abiturklausuren, mündliche Prüfungen, Abschiedsfeste, Begrüßungsfeste und nebenbei auch noch die neue Schule für die eigene Tochter, zwischendurch noch eine zweite Tochter (jetzt schon 12 Tage alt 😉 )… uff!
 

Eigentlich wollte ich mir hier nur eine Idee notieren, die mir heute in einer Stunde kam, in der meine Fünftklässler Plakate zu ihren Lieblingstieren / besonderen Tieren gestalten sollten. Da saßen plötzlich zwei Jungs „arbeitslos“ herum, weil sie sich (gegen die Vorgabe) ihre Texte zum besonderen Tier „Chamäleon“ am Computer fertiggestellt und die Ausdrucke auf ihr Plakat geklebt hatten. Die beiden neigen bei Unterbeschäftigung gerne dazu, als „freie Radikale“ den Raum aufzumischen, weshalb sie dringend eine Beschäftigung brauchten – und als Deutschlehrer liegt einem ein kreativer Schreibauftrag meist nahe.

Die Idee, eine Geschichte aus der Sicht eines Menschen zu gestalten, der nach dem Aufwachen plötzlich die Fähigkeiten eines Chamäleons hat, stieß auf seeehr lange Gesichter. „Geschichte schreiben? Uäääh…“ – Die beiden haben dann notgedrungen ein paar Tropfen Tinte aus dem Füller gequetscht („Als Chamäleon findet meine Mutter mich morgens nicht im Bett und ich kann den Media-Markt ungesehen ausräumen…“), aber so richtig motiviert waren sie nicht. Logisch – da bereitet man zuhause vor, ist zügig fertig und wird mit einer „Geschichte“ bestraft. Vielleicht hatte ich mich aber auch nur ungeschickt ausgedrückt…

… denn als eine zweite Jungengruppe ihr Plakat zum Thema „Elefant“ fertig hatte, wobei einer der beiden sich als großartiger Zeichner herausstellte, schlug ich den beiden vor, doch eine Comicfigur á la Spiderman zu entwerfen, die Elefantensuperkräfte hat, von der ein Bild zu zeichnen und eine Geschichte dazu zu entwerfen. Begeisterung! Super! Sofort! Und die Chamäleon-Jungs gleich mit! Chamäleon-Man! Der könnte doch mit der langen Zunge Gegner heranziehen, sich immer gut tarnen… und – schwupps – saßen vier Jungs begeistert bei einer neuen Arbeit. Manchmal kommt es einfach nur auf die Verpackung an.

Wozu braucht man eigentlich…

… das Planspiel Börse?
Der Protest der „Occupy Wall Street“-Bewegung weitet sich stetig aus und soll heute auch in stärkerer Form in Deutschland ankommen. Die Wall Street ist heute weniger denn je Symbol für den American Dream und scheint in der öffentlichen Wahrnehmung eher zur Brutstätte des Antisozialen, des elitär-monetären Zirkels mutiert zu sein. War der Berufswunsch „Banker“ in den 90ern noch mit Adjektiven wie smart, dynamisch und erfolgreich beschreibbar, so sitzen heute graue Männer wie der Sprecher des Bankenverbandes mit tiefen Augenringen und dauerhaft blasiertem Lächeln in den Talkshows der Nation.

Und während die Kurse wegen der umtriebigen Banken und der verschuldeten Staaten an den Börsen so dahinpurzeln, habe ich mich gefragt, was nun die armen Schüler machen, die am alljährlichen Planspiel Börse beteiligt sind? Wer gewinnt da nun den Preis? Der mit dem geringsten Verlust? Der, der alles konservativ auf Apple gesetzt hat? Ich erinnere mich noch gut an mein Planspiel Börse, diesem Werbewettbewerb für asoziales Finanzwesen: Niemand, auch kein Sowi-Lehrer, hat uns über den moralischen Faktor von Aktien aufgeklärt, über die Bedeutung von Arbeitsbedingungen hinter den Aktien, über den Unterschied zwischen Werterschaffung durch Produktion und den vernichtenden Pseudowerten, die die Fierberkurven an den Börsen widerspiegeln. Langfristige Investments? Pustekuchen! Kurz anlegen und in wenig Zeit das Maximale aus den Aktien herausquetschen. Pennystocks gab es damals noch. Stattdessen hat man uns Roulette spielen lassen, gesetzt wurde hier und dort, der Glücklichere bekam einen Preis, fühlte sich wie ein drei-viertel Börsenguru und irgendwie war doch alles ganz nett. Schön unkritisch, beste Werbung für eine Branche, die nun verbrannte Erde in der westlichen Hemisphäre hinterlässt.

… Matheunterricht?
Ich beziehe mich im Folgenden auf den Artikel „Wozu braucht man das eigentlich?“ im (wunderbaren) Halbtagsblog. Jan-Martin weist auf das Problem hin, dass viele Schüler bezweifeln, dass sie gewisse Inhalte des Matheunterrichts für ihr späteres Leben benötigen und geht dieser Frage nach. Seine Antwort lautet:

Die Mathematik aber zwingt die Schüler zum Nachdenken. Und zwar kontinuierlich. Man sitzt vor einem Problem und muss es lösen. Dieses “Problemlösen” ist als Kompetenz in keinem anderen Fach (wenn überhaupt) so stark ausgeprägt. Selbstveständlich sind die Probleme sowohl künstlich als auch abstrakt: “Wie lauten die Nullstellen dieser Funktion?” 

Nun ja. Hrm. Da sträubt es sich gleich doppelt in mir. Zum einen, weil ich durchaus hoffe, dass ich das Problemlösen gelernt habe, obwohl ich meine Fünf in Mathe bis in die Oberstufe vor mir hergeschoben habe. Und zum anderen, weil ich mich durchaus bemühe, meine Fächer Deutsch und Geschichte problemorientiert zu unterrichten.

Das Errechnen von Nullstellen ist für mich kein Problem, es ist eine Aufgabe. Und eine sinnlose dazu, das ist ja das Problem der Schüler (und meines ebenfalls). Wie berechne ich die Summe meines Einkaufs? Wie das Wechselgeld? Ich will mein Geld beim Planspiel Börse anlegen und dabei den Vorjahressieger übertrumpfen – welche Rendite muss ich dafür erwirtschaften? Das sind Probleme, und das begreifen alle Schüler. Aber warum sollen sie Nullstellen von Funktionen berechnen? Wofür benötigt man diese Fähigkeit? Ich weiß es bis heute nicht. Vielleicht, wenn man Informatiker oder Statistiker werden will. Oder Mathelehrer.

Ich erinnere mich an meinen Geometrieunterricht: Dreiecke türmten sich an der Tafel, flankiert von Kreisen und Quadraten, massenweise Formeln, Pi und Hypotenusen. Alles abstrakt: Unser einziges „Problem“ waren die Fragen unserer Lehrer: Wie lang ist die Hypotenuse… Wie lautet der Satz des… Irgendwann in meinem Studium habe ich dann japanischen Matheunterricht anschauen dürfen. Der Mathelehrer erklärte den Schülern anhand der Gestaltung eines Grundstücks, wofür Geometrie nützlich ist. Mit „echten“ Alltagsproblemen wie: Wie groß darf der runde Teich werden, wo kann ich eine Grube für den Schuppen ausheben, usw. usft. Das war einfach, unaufwendig und plausibel! Warum haben meine Mathelehrer das nicht gemacht? Warum haben sie sinnentleerte Übungen mit uns vollführt?

Haben wir dadurch das Denken gelernt? Kein Stück. Ich habe gelernt, Unzulänglichkeiten zu kaschieren und auf den Boden zu schauen, statt Fragen zu stellen. Ich habe gelernt, dass man dumm ist, wenn man Nullstellen nicht richtig berechnet und dass man mit Problemen alleine gelassen wird. Ich habe gelernt, wie man mathematische „Probleme“ liegen lässt. Und etwas später habe ich gelernt, dass ich all das als sinnlos Empfundene wirklich nicht brauche. Nicht einmal zum Problemlösen. Aber zu den Problemen vielleicht an anderer Stelle mehr… (muss jetzt leider weg…)

Trinken im Unterricht

Trinken im Unterricht ist ein leidiges Thema, ein pädagogisches Minenfeld, was sage ich: Ein Schlachtfeld! Fordernde Schüler prallen, flankiert von empörten Eltern, auf eine Phalanx verweigernder Lehrer, die trotz aller Studien und besseren Wissens das wertvolle Gut versagen, das stille Wasser verbieten.

Stilles Wasser – da mag so manch Kollege hohnlachen: Knackende Plastikflaschen, provoziert von gelangweilten Lippen, die das Prinzip des Unterdrucks als Mittel zur Lehrernervenbekämpfung entdeckt haben, lange bevor die Physikkollegen ihnen das sachliche Wissen dazu vermitteln können; stürzende Wasserbäche im Klassenraum, durchweichte Klassenbücher; angespießte PET-Flaschen, die aufgrund ihres Streuvermögens weniger den Durst als vielmehr Brände löschen könnten; Leere Pullen, deren Resonanzkörper wunderbare Percussioninstrumente abgeben oder – ebenfalls fleißig resonierend – als Fußballersatz herhalten müssen. Doch auch das Benehmen der Trinkenden lässt zu Wünschen übrig: Da wird geschmatzt, geschlürft, geschlurpt, gezischt und genuckelt, was das Zeug hält. Und manch einer nutzt die Unterrichtszeit gleich dazu, die Kraft seiner Kaumuskulatur auszutesten, indem er das für seine Konzentration so dringend benötigte kühle Nass unter Verzicht auf Zuhilfenahme seiner beiden Hände durch die Kehle gluckern lässt.

Ich gestatte das Trinken im Unterricht und gebe zu, dass ich trotzdem das ein oder andere Mal schon sehr gerne die ein oder andere PET-Flasche mitsamt anhängenden Lippen aus der Reichweite meiner Ohren befördert hätte. Aber mit dem anstehenden Schuljahr wird alles gaaanz anders. Ich werde nämlich darauf bestehen, Trinkregeln einzuführen, die wie folgt aussehen:

  • Trinken ist bei Stillarbeitsphasen, bei Klassenarbeiten, Gruppen- oder Projektarbeit erlaubt
  • Trinken ist nicht gestattet bei Frontalunterricht oder im Unterrichtsgespräch
  • Trinken ist während der ersten zehn Minuten einer Schulstunde gestattet
Die Regeln habe ich in einer Broschüre auf der Seite www.trinken-im-unterricht.de (jaja, eine Propagandaseite des Verbandes deutscher Mineralbrunnen) gefunden, und ich hoffe, dass Trinken in dieser Form im Unterricht erträglicher sein wird als in der ungeregelten. Hat jemand noch Ergänzungen oder weitere Tipps?

Motivation

Vorletzte Woche zweimal „hinterm Rücken“ von Schülern aus Unter- und Oberstufe bei anderen Kollegen für meinen Unterricht gelobt worden, die es mir netterweise auch mitgeteilt haben. Das motiviert viel mehr als fragwürdige Bonuszahlungen, auf die ich gerne verzichte. Wüsste nur gerne, was denen genau gefallen hat, denn auch zahlreiche Evaluationen haben mir da noch nicht wirklich weitergeholfen. Muss ja nicht heißen, dass der Unterricht wirklich gut ist, sondern nur gut ankommt… Besonders wenn Referendare dabei sind, habe ich immer das Gefühl, einen  f u r c h t b a r e n  Unterricht zu machen. Nun ja, noch eine Woche, dann beginnen in NRW die Osterferien und diesmal habe ich die wirklich dringend nötig…

P.s.: Habe wohl gerade wieder eine Intensivschreibphase… das legt sich erfahrungsgemäß bald wieder… 😉

Was wäre ich ohne Herrn Rau?

Und schon wieder habe ich mich heute schamlos aus der reichhaltigen Ideensammlung von Herrn Rau bedient! Das war aber auch… also.. man muss sich vorstellen, dass ich gerade einiges um die Ohren habe und meinen Fokus auf den „fremden“ LK lege, der ja mit Buddenbrooks gefüttert werden möchte. Ich betrete heute also gut auf meinen Leistungskurs vorbereitet Raum 250, präge mir feste ein, dass ich die Schüler duzen muss, um dem verwetteten Kuchenbacken zu entgehen, und schaue verdutzt in die Gesichter meines Grundkurses!

Tjoa. In solchen Situationen heißt es schnell und gewitzt handeln! Sofort alles zugeben, dann aber schnell die Buddenbrooks auf den Tisch gewuchtet, das schindet Eindruck und man erntet ehrfürchtige Blicke, was von der eigenen Fehlplanung ablenkt, und man kann den Schülern zeigen, was ihnen entgangen ist. Autorität wieder hergestellt, aber was nun? Okay, der obligatorische Hausaufgabenvergleich, literarischer Salon, Schleiermacher…. und nun? Material hatte ich nicht mit, keine Kopiervorlagen, kein Unterrichtsmodell. Das war guter Rat teuer, aber kein Unterrichtsmodell der Welt hätte mir jetzt geholfen – da blieb nur Trick 17, der Rückgriff auf das Lehrerzimmer von Herrn Rau.

Dieser hatte vor knapp zwei Wochen einen Beitrag über eine Unterrichtsstunde mit gefälschten expressionistischen Gedichten verfasst, in welcher die Schüler selber expressionistische Gedichte schreiben sollten, welche dann mit echten expressionistischen Gedichten vermischt und vorgelesen wurden. Die Schüler sollten dann erraten, welche Gedichte gefälscht und welche echt waren. Was für ein Ansporn, ein Gedicht zu schreiben!

Und was mit expressionistischen Gedichten gut ist, kann für romantische Liebeslyrik nicht schlecht sein! Gedacht, getan. Selten habe ich Schüler so akribisch überm Metrum brüten sehen oder Liedstrophen erjamben hören. Romantische Motive wurden in Partnerarbeit gegeneinander abgewogen und alle formalen Herausforderungen angenommen, bis wir am Ende ca. 13 Gedichte vorstellen konnten. Und zwei Gedichte waren am Ende der doch recht kurzen Zeit so gut, dass über die Hälfte des Kurses drauf „hineingefallen“ ist. (Auch barocke und expressionistische Gedichte fanden sich darunter…) Und Spaß gemacht hat es auch noch!

Danke, Herr Rau! Sie haben mir heute wirklich die Stunde gerettet!

Hokey klaut bei Herrn Rau

Heute war ein Paket mit schönem Inhalt in der Post. Denn ich habe in puncto Unterrichtsvorbereitung schon vor laaaanger Zeit einmal bei Herrn Rau gespickt, der einst einen Beitrag über Kamishibais geschrieben hat. Und diese Kamishibais spukten mir seitdem permanent im Kopf herum, sodass ich mir (endlich!) letzte Woche eines bei KreaShibai.de bestellt habe. Ja, ich war zu faul, es selber zu bauen und ich hatte auch überhaupt keinen Bock darauf! Dafür habe ich jetzt ein funktionierendes Kamishibai, das optisch ein wenig an einen Fernseher erinnert (Tochter: „Papa, da hast du ja ein Computer-Theater!“) und mit einem Satz stimmungsvoll bemalter A3-Karten zu einer Geschichte bestückt ist, die ich gleich zum Einstieg einsetzen werde. Unsere Sagen-Reihe kann also nächste Woche starten, und auch für eine Märchen-Reihe wird das Kamishibai hoffentlich gute Dienste leisten. Ein weißes Blatt zum Präsentieren von Schattentheater liegt übrigens auch bei.

Jetzt fehlen nur noch mehr gute Ideen. Abgesehen davon, dass man Sagen „einfach“ (wie in den Beispielen bei Herrn Rau) künstlerisch gestalten und nacherzählen lassen könnte (Kooperation mit Kunst?), könnte man auch Sagen bis zu einem gewissen Punkt verbindlich erzählen und die Schüler verschiedene Enden zu gleichen Sagen gestalten und präsentieren lassen. Oder zu bekannten Sagen moderne „Parallelsagen“ erfinden und diese auch bildlich modern interpretieren lassen?

Nebenbei eine kleine Preisfrage ohne Preis: Wer findet heraus, um welche Geschichte es sich auf dem Bild handelt?