Zufallsgenerator

Im Unterricht kommt man ab und an in die Verlegenheit, Schüler per Zufall auswählen zu müssen. In meiner Schulzeit nutzten dazu mehrere Lehrer unabhängig voneinander die „Rutsche-mit-dem-Stift-durch-die-Klassenliste-bis-der-Klassensprecher-Stopp-sagt-Methode“. Da man in etwa abschätzen konnte, wo der Stift stoppen würde, und da die äußersten Enden kaum zu erreichen waren, war von einer gerechten Chance nicht wirklich zu sprechen.

Doch damit ist nun Schluss! Dank der iPhone-App „ZGenerator“ kann jeder Lehrer schnell und unkompliziert bis zu sechs Nummern in einem selbst bestimmten Zahlenraum von 1 bis 100 gleichzeitig generieren lassen. Mithilfe der nummerierten Schülerliste des Klassenbuchs ist die Auswahl der Schüler dann ein Klacks.

Die Defizitsuchestärke

Oh Gott, es ist mal wieder so weit – die Melange auf Twitter changiert ja immer zwischen Genialismus und Wahnsinn. Manche Links, Diskussionen und Andeutungen können wirklich viel geben, andererseits strotzt Twitter auch vor pädagogischen Glückskekswahrheiten, die einen zur Verzweiflung treiben könnten.

Gerade eben:

Wenn Lehrer als erstes was zu Leserechtschreibschwächen u.ä. zum Kind erzählen, identifiziere auch eine Stärkenfindeschwäche beim Lehrer… (Playducation)

Würde auf Facebook viele „gefällt mir“s bekommen und bei Goolge gepluseinst werden, bis der Arzt kommt. Ist halt schön plakativ, Leserechtschreibschwäche ist ja irgendwie auch nicht so wichtig (es gibt ja Autokorrektur) und Lehrerbashing (zumindest das Bashing der bösen Lehrer, der unfähigen, unmodernen, nicht iPad-Lehrer, nicht Playducation-Lehrer) kommt immer gut. Wir sind gut, die anderen sind doof!

Stärkefindeschwäche
Ja, die attestiere ich mir. Die habe ich. Ich erinnere mich an die beiden Abiturienten, die in meinem Grundkurs saßen und nur das Nötigste gemacht haben. Das Allernötigste. Da fiel es mir wirklich schwer, Stärken auszumachen (abgesehen von beleidigenden „Trivialstärken“ – Welcher Schüler freut sich über ein „Prima! Du hast den ganzen letzten Absatz fehlerfrei geschrieben!“ oder „Fein, du hast dich in 90 Minuten zweimal beteiligt!“). Die beiden studieren jetzt Ingenieurswissenschaften, mit besonderen Stärken und Interessen in Mathe und Physik. Sorry, aber das erreichte meinen Horizont im Rahmen unseres Kurssystems einfach nicht. Auch dass es unter meinen Schülern einen gibt, der außergewöhnliche Fähigkeiten beim Speedskating hat oder einen, der Meisterstunden im Geigespielen nimmt, erfahre ich als Deutschlehrer in der Regel zufällig. Vielleicht sind mir da einige Twitterer aber auch weit voraus – dann bin ich für hilfreiche Tipps immer dankbar!

Elternsorgen
Gerade über den Hinweis auf die Rechtschreibschwäche habe ich mich geärgert, denn meiner Erfahrung nach sind insbesondere die Eltern sehr sensibel, was die Rechtschreibung ihrer Kinder anbelangt, denn die meisten können diesbezüglich die Fähigkeiten ihrer Kinder recht gut einschätzen. Da sitzen dann häufig Eltern, die sich (unnötig) große Sorgen um ihre Kinder machen und nicht selten sind es die Eltern, die auf mich zukommen und denen ich dann die Furcht nehmen muss, dass mit ihrem Kind irgendetwas nicht stimmt. Denn Eltern schätzen Rechtschreibung als etwas Triviales ein (schließlich beherrschen sie die ja) und tragen sich mit dem Ballast, ihr Kind sei schlichtweg zu dumm, um richtig zu schreiben. Wenn das Kind nach vier Jahren Grundschule immer noch „swimmen“ statt „schwimmen“ schreibt, dann haben Eltern gerade am Gymnasium Angst, dass ihr Kind schon an einer vermeintlich einfachen Grundfertigkeit scheitert. Und sie reagieren ausnahmslos verständnisvoll, wenn man ihnen vorschlägt, das Kind zu fördern.

Das Sprechen über Rechtschreibschwierigkeiten impliziert übrigens auch das Erkennen der Stärken der Kinder. Das Erste, was ich meinen Eltern bei einem Elternabend zum Rechtschreibförderunterricht erkläre, ist, dass ihre Kinder eben nicht dumm sind, sondern dass sie zumeist die Regeln logisch, nur eben nicht regelkonform anwenden. Es ist nämlich keineswegs dumm, „swimmen“ statt „schwimmen“ zu schreiben, wenn das bei Wörtern wie „springen“ oder „Stuhl“ doch auch funktioniert. Das erleichterte Durchatmen der Eltern kann man an dieser Stelle des Elternabends förmlich hören. Den Eltern ihre Sorgen nehmen, bedeutet auch, Druck von den Kindern zu nehmen, und dazu müssen Lehrer auch Schwächen ansprechen.

Gesprächsstrategien
Das getweetete „als erstes“ soll zeigen, wie gemein und defizitorientiert die bösen Lehrer sind, die sich quasi sofort und erbarmungslos auf die Schwächen ihrer arglosen Schutzbefohlenen stürzen. Ich verfahre tatsächlich in einigen Fällen so, dass ich Stärken gezielt erst am Schluss eines Elterngesprächs anspreche, um den Eltern zu zeigen, dass neben all den möglichen sozialen oder fächerbezogenen Problemlagen auch viel Positives zu finden ist. Das sorgt nämlich für einen positiveren und bestärkenderen Gesprächsausgang, als wenn ich den Eltern erst zum Schluss die Schwächen um die Ohren bolze. Was hilft’s, wenn ich all das Positive im Nachgang gleich wieder einreiße?

Also verschont mich bitte mit eurem vielleicht nett gemeinten, aber doch letztlich nur auf „Favs“, „+1“ oder „gefällt mir“ abzielenden Schmonz. Er zeigt letztlich nichts weiter als eine Defizitsuchestärke bei Lehrern. Hilfreiche Tweets zum Thema „Stärken herausstellen“ stelle ich mir eher so vor. Dank dafür an Herrn Larbig.

Trotz Apple ein Gewinn

The same procedure as every time: Ein positives Vermerken Apples und schon kommen die Beschwerden. Ihr habt ja recht! Apple ist ein kapitalistischer Scheißladen, der proprietäre Software unters Volk verteilt, um dumme Apple-Fanboys an sich zu binden und sie zu melken, zu knechten, zu binden und überall zu finden. Oder um geschälte Mandarinen zu verteilen.

Ja, ja, ja – eine proprietäre Authoring-Software wie iBooks Author ist mit diesen EULA die Pest in Tüten, wenn man Geld mit seiner eigenen Hände Arbeit verdienen will. Niemand würde mit Word Romane schreiben, wenn diese dann über Microsoft vertrieben werden müssten, niemand Photoshop verwenden, wenn die bearbeiteten Bilder anteilig Adobe Geld in die Kasse spülten. Überhaupt diese Format-Phobie bei Apple: Bei allem Komfort nutze ich weder Pages, noch Numbers, noch Keynote – das geschlossene Apple-Format verbietet mir die Bearbeitung auf anderen Plattformen und ist damit automatisch indiskutabel. Dass Apple nicht begreift, dass genau das seine Stellung schwächt, wird auch bei iBooks Author ein Fehler sein.

Und doch ist es einmal mehr Apple, das den Markt vor sich herzutreiben versucht und so für Bewegung, vielleicht sogar Innovation sorgt – von den „Guten“ (wo ist Google, wo Microsoft, wo Samsung, wo Intel?) sehe ich weit und breit nichts, nichts, nichts! Wer will den Verlagen entgegentreten, wer das Eis brechen, wenn nicht ein milliardenschwerer Konzern, dem die Kungeleien zwischen Politik und Verlagswesen ganz einfach egal sein können?

Ich fände es auch toll, wenn ich einfach ein offenes Authoring-System und dazu eine tolle, offene, betriebssystemunabhängige  Vertriebsplattform hätte, aber ich kann mich nur über das freuen, was es gibt. Bei aller Kritik am Apple-Korsett: Apple steht mal wieder auf weiter Flur alleine da.

Aber die anderen werden folgen! Und das ist der Gewinn des gestrigen Apple education announcement!

Apple drängt in die Bildung

Felix berichtet und kommentiert in seinem Blog ausführlich Apples education announcement. Sehr lesenswert und ich war verblüfft, was sich heute im App-Store alles unbemerkt von mir getan hatte. Ich bin nun sehr gespannt auf die Reaktionen in der analogen Verlagswelt – und da ich morgen ein Gespräch mit zwei Klett-Mitarbeitern habe, kann ich denen vielleicht per iPad gleich demonstrieren, woher der kalte Windhauch plötzlich weht. Besonders gut gefällt mir, dass Apple mit iBooks Author gleich die Software zum Bücherschreiben mitliefert – da haben nun sowohl Lehrer als auch Schüler die Gelegenheit, Kapitel bzw. ganze Lehrwerke zu schreiben.

Man stelle sich vor: Die Schüler lesen z.B. den Woyzeck und können sich gleich ausgewählte Szenen als Filmausschnitt anschauen ob nun zur zur Verständnissicherung oder um sie dem Text gegenüberzustellen… Schaubilder können nun bewegt statt statisch sein… Bücher lernen sprechen…

Siehe auch:

Wider Spott und Häme

Hui – die grauen Monate November und Dezember sind die ätzendste Zeit im Schuljahr. Klausuren und Klassenarbeiten stapeln sich, sämtliche Konferenzen müssen vollzogen, der Tag der offenen Tür vorbereitet und zu allem Überfluss kilometerweise Papiere für eine Qualitätsanalyse geschrieben werden. Wann soll ein normaler Mensch da noch zum Bloggen kommen?

Mittlerweile stapeln sich nämlich auch abseits des schnöden Alltags viele diskussionswürdige Themen: Twitter ist erbarmungslos und gibt einen gnadenlosen Takt vor, wer nicht dranbleibt, ist abgehängt – ich hänge gerade noch mit einem Zeigefinger am letzten Waggon und arbeite mich mit diesem Beitrag wieder ein Stück vor. Es folgen: Ein kurzer Rückblick aufs EduCamp 2011 und ein Kommentar zu Überzeugungsarbeit. OER schaffe ich gar nicht mehr… ich springe einfach auf den nächsten Zug auf…

EduCamp Bielefeld 
Das EduCamp (#ecbi11) war in zweierlei Hinsicht eine tolle Erfahrung: Erstens bot sich die Möglichkeit, neue Ideen zu diskutiere, Anstöße für einen neuen Unterricht zu bekommen und die Form eines Barcamps kennenzulernen. Zweitens konnte ich in Bielefeld endlich einmal diese vielen Menschen treffen, die ich zum Teil schon viele Jahre online kenne, aber noch nie „life“ sehen konnte und auch neue kennenlernen. Alle diese Begegnungen fand ich sehr angenehm und freue mich auf ein nächstes EduCamp.

Daneben bleibt besonders die Motivation, neue Ideen einfach anzupacken und umzusetzen. Dem Versuch, mit einer digitalen, möglichst papierfreien Schultasche „auszukommen“, unterziehe ich mich jetzt einfach, und in meinen Oberstufenkursen sind die wenigen neuen (und zum Glück(?) selten benutzten) Notebooks seit dem EduCamp im Dauereinsatz. Google und Etherpads sind eingeführt und die Schüler arbeiteten damit sofort sehr strukturiert und zielführend. Viel besser als Wikis (furchtbar! Da konnte mich auch das Camp nicht überzeugen…) oder das umständliche Moodle.

Um Überzeugung muss es uns gehen
Der „Ton“ auf dem EduCamp war auch viel angenehmer als es bei Twitter manchmal den Anschein hat. Alle Themen konnten sachlich und ohne persönliche Animositäten diskutiert werden, während ich zunehmend den Eindruck habe, dass sich Twitter zum pseudo-intellektuellen Schlachtfeld entwickelt (bzw. vielleicht noch nie etwas anderes war als ein Medium zur Selbstvergewisserung). Vieles wirkt auf Twitter radikal und modernistisch, technikgläubig. Das „Alte“ (bspw. die sog. „Buchkultur“, Handschrift, fremdbestimmtes Lernen) wird zum Teil sehr massiv in Frage gestellt, was, würde die Kritik konstruktiv geübt, durchaus sinnvoll sein mag, doch leider wird für meinen Geschmack zu oft gering geschätzt, abgewertet, gespottet.

Diese Grundhaltung drückt sich heute in einem Beitrag im Geschichtsblog Daniel Bernsens aus, der über das speedlab2 schreibt:

Es gibt eine wachsende Kluft zwischen einer veränderten und sich weiter verändernden Gesellschaft (und damit auch Lebenswelt der Lernenden sowie der Arbeitswelt) und einer sehr trägen Institution Schule. Problematisch finde ich allerdings, die auch heute wiederholt gehörte Formulierung bisher sei aller Unterricht „schlecht“, „öd“, „fad“, „langweilig“ gewesen (alles heute auf dem Podium heute ernsthaft so geäußert). Das ist schlicht falsch und führt nicht weiter. Viele Kollegen fühlen sich damit zu Recht angegangen, ungerecht und falsch beurteilt und verschanzen sich, wie zu erwarten, in einer Abwehr- und Verteidigungshaltung. (Hervorhebung von mir)

Damit trifft Daniel genau den Punkt! Niemand wird überzeugt, indem man ihm vorhält, wie überholt, veraltet oder rückständig er sei. Dass alles „Alte“ sinnlos gewesen sei, werden die Kollegen (zu recht!) brüskiert von sich weisen. Doch um das Überzeugen muss es uns gehen! Nicht um das zwangweise Einführen einer neuen Lernkultur – weil jeder, der nicht mitmacht, als altmodisch und doof dasteht  – sondern darum, dass eine neue Lernkultur aus der Überzeugtheit ihrer Akteure heraus entsteht. Aber dafür muss erst Überzeugungsarbeit geleistet werden, bei der Spott und Häme mehr als hinderlich sind.

Und wer das nicht im Auge behält, wird entweder (im warmen, kleinen, als elitär empfundenen Zirkel) scheitern oder sich des gleichen Mittels bedienen müssen, das er bei den anderen anprangert: Nämlich systemischem Zwang.

My teacher is an app

Matthias Heil verlinkte gestern einen Artikel eines amerikanischen Lehrers, der mich sehr nachdenklich gemacht hat. In kürzester Kürze zusammengefasst lautet die These des Artikels: Wenn wir in unseren Arsch nicht hochkriegen und langsam etwas Sinnvolles mit den neuen Medien anstellen, dann werden wir rechts und links von der Realität überholt und liegengelassen – aus Ignoranz und Geldmangel. „My teacher is an app“ lautet der Titel und Will Richardson beschreibt darin eine düstere Vision des Lernens mit neuen Medien, in der Lehrer mehr und mehr sowohl outgesourct als auch nahezu vollständig durch Computer ersetzt werden, und er beschreibt auch, wo das in den USA schon umgesetzt wird. Sein Fazit:

Look, not for nothing, but if we don’t start writing and advocating for a very different vision of learning in real classrooms, one that is focused not just on doing the things we’ve been doing better but in ways that are truly reinvented, one that prepares kids to be innovators and designers and entrepreneurs and, most importantly, learners, we will quickly find ourselves competing at scale with cheaper, easier alternatives that won’t serve our kids as well.

Bei allen Unterschieden, die das US-amerikanische und das deutsche Schulssystem haben mögen, sollten wir darüber ernsthaft nachdenken.

Nur Windows: Cornelsen-CDs in den gelben Sack

Hui – schon seit einigen Tagen brodelt die Debatte um den sogenannten „Schultrojaner“, hat sich wieder etwas entspannt und offensichtlich hat sich nun ein Grüppchen gebildet, das die Erstellung von „OER“ (open educational resources, sprich: frei verfügbaren Materialien, Lehrbüchern etc.) vorantreiben will. Ich finde diese Bewegung sehr spannend, bin aber zum banalen Korrigieren im analogen Lehrerleben ausgestiegen und muss nun erst wieder den Weg hinein finden. Das ist übrigens der Nachteil – nein – das Kreuz mit Twitter: Es geht schön schnell, ist aber auch schön flüchtig. Da eine Debatte nachzuvollziehen ist mühseliger als ein pompejanisches Bodenmosaik zusammenzuflicken…

Und mittenrein glänzt der Cornelsen-Verlag postalisch und buchstäblich mit einem in Glanzpapier eingewickelten Lehrwerk. Schmuck, denke ich mir, packe es aus und finde eine Neuauflage des alten Deutschbuch 5. Mit allem Pipapo wie Handreichungen und Schülerarbeitsheft und letzteres mit CD. Insgesamt finde ich viele Bücher zu „unruhig“ gestaltet, mit viel Bildchen hier, Tabellchen da und Infokästchen zwischendrin – ich mag klare Strukturen und wenig Ablenkung, aber es muss ja gehaltvoll wirken. So auch dieses, aber für eine fundierte Kritik fehlt mir jetzt die Zeit, denn eigentlich geht es mir um die beiliegende CD.

Start.exe - Windows only

Denn wie immer schiebe ich diese CD erwartungsfroh in mein Laufwerk, und wie immer ist die CD so konzipiert, dass man sie nur als Windows-Benutzer einsetzen kann. Also Pustekuchen für Mac-User wie mich, CD-Ausschluss für Freunde freier Linux-Software. Von Schülern mit Netbook ohne CD-Laufwerk spreche ich mal lieber gar nicht. Einen Warnhinweis findet man nirgendwo – Windows setzt man bei Cornelsen stillschweigend voraus; Pech für den, der nicht das „richtige“ System benutzt. Statt, wie bei den aus gleichem Hause stammenden Fördermaterialien Deutsch, auf HTML zu setzen, schiebt man dem Nicht-Windows-User einfach die proprietären Riegel vor.

So wandert die CD nun dahin, wo sie hingehört: In den gelben Sack. Da schaue ich lieber, was die OER-Gruppe bisher so erarbeitet hat… an das Material sollte man in jedem Fall kommen.

Aufregung um den Schultrojaner

Das Gespenst eines „Schultrojaners“ geistert durch die Netzwelt und provoziert große Aufregung unter den Lehrerbloggern, -twitterern und -undsoweiteren. Verständlich, ist doch „0zaptis“ noch in aller Munde – das Misstrauen des Staates gegen seine Bürger scheint maß- und grenzenlos. Da der Dachverband der Schulbuchverlage an dieser Idee maßgeblich beteiligt ist, um seine Interessen exektuiv durchgesetzt zu wissen, entlädt sich ein nicht unbeträchtlicher Teil der Aufregung an den Verlagen. Die Kritik ist mannigfaltig, ich gehe gar nicht erst weiter darauf ein, sondern verweise lediglich auf Blogs, in denen schon fleißig und produktiv dazu debattiert wird.

Um die Empörung verständlich zu machen sei zunächst der offene Brief Herrn Larbigs an die Schulbuchverlage  erwähnt. Dort listet Herr Larbig systematisch seine Kritikpunkte am Gebaren der Verlage auf, die meiner Einschätzung nach von vielen Lehrern und Nicht-Lehrern geteilt werden. Da diese Empörung immer auch als Motor zur Veränderung/Verbesserung dienen kann, wurde schnell der Ruf nach neuen Materialsammlungen laut:

Martin Kurz verweist auf die Notwendigkeit freier Inhalte im Bildungswesen und entwickelt Ideen und Kriterien für solche Bildungsinhalte. Das ist in meinen Augen sehr wichtig – bei so verdienstvollen Plattformen wie bpsw. 4teachers ist die Qualität des Materials doch sehr wechselhaft. Maik Riecken versucht, etwas Sachlichkeit in die aufgeregte Debatte zu bringen, verweist auf die durchaus sinnvolle Funktion der Verlage, die daran anschließende Debatte beschäftigt sich auch mit der Möglichkeit, Bildungsinhalte im Netz zu sammeln und zu verbreiten.

Lehrer 2.0: Mediale Heuschrecken

Facebook wird jetzt offensichtlich immer öfter auch im Schulkontext verwendet. Unlängst bin ich da schon einmal drüber gestolpert und gerade eben tweetete Macmind auch:

statt magerer Kommunikation über Moodle-Kurs jetzt über Facebook-Gruppe, mal gespannt, wie das läuft.

Tja, und das dürfte dann wohl das Ende von Facebook einleiten. Was Datenschützer und erboste Politiker unter größtem medialen Druck nicht geschafft haben, wird nun quasi im Handstreich von graubärtigen Geschichtslehrern und medienmotivierten Referendaren bestellt, denn sollte es sich durchsetzen, dass neben den Facebook-Freunden nun bald auch jeder Fachlehrer  zur Facebook-Gruppe verpflichtet einlädt, in der trügerischen Hoffnung, das hippe Medium evoziere so etwas wie intrinsische Motivation bei den Schülern, dann muss Mark Zuckerberg wohl bald hilflos mitansehen, wie sein teures Netzwerk von Lehrern zugrunde gerichtet werden wird, denn welcher Schüler hat schon Lust, sich bei jedem Facebook-Besuch an seine nichtgemachten Hausaufgaben erinnert zu fühlen?

Und macht euch keine Hoffnungen, denn wir Lehrer sind wie münteferingsche Heuschrecken: Kaum haben wir ein tolles Medium hinabunterrichtet, schon stürzen wir uns auf das nächste. Seht euch also vor, ihr sozialen Netzwerke. Wir haben ihnen das Bücherlesen vermiest, wir werden ihnen auch soziale Netzwerke vermiesen können…

Oh Gott… Lo-Net!

Ich war ja noch nie ein Fan des Lo-Net. Umständlich, behäbig, undurchsichtig. Ein Kotzbrocken Monolith von einem „Netzwerk“. Überflüssigerweise schicken die mir regelmäßig  Infopost, weil ich einmal geglaubt habe, das könnte nützlich sein (Irrtum!). Irgendwann hat man die Nase voll von der Infopost und will sie dauerhaft abbestellen, scrollt an das untere Ende der E-Mail und findet dort, anstelle eines handelsüblichen Links zum Abbestellen, folgenden Tipp:

Infomail automatisch löschen
Bei der Anmeldung zu lo-net² haben Sie eingewilligt, dass die Cornelsen Verlag GmbH Ihre lo-net²-E-Mail-Adresse nutzen darf, um Ihnen aktuelle Informationen über das lo-net²-Netzwerk zukommen zu lassen. Wenn Sie diese Informationen nicht lesen wollen, können Sie in Ihrem „Mailservice“ eine entsprechende Filterregel anlegen und die Infomails automatisch löschen lassen.

Da legst‘ dich nieder! Langsam muss ich annehmen, dass das „lo“ im Namen stellvertretend für „flach“ steht, lieber Cornelsen-Verlag. 👿