Lehrer 2.0: Mediale Heuschrecken

Facebook wird jetzt offensichtlich immer öfter auch im Schulkontext verwendet. Unlängst bin ich da schon einmal drüber gestolpert und gerade eben tweetete Macmind auch:

statt magerer Kommunikation über Moodle-Kurs jetzt über Facebook-Gruppe, mal gespannt, wie das läuft.

Tja, und das dürfte dann wohl das Ende von Facebook einleiten. Was Datenschützer und erboste Politiker unter größtem medialen Druck nicht geschafft haben, wird nun quasi im Handstreich von graubärtigen Geschichtslehrern und medienmotivierten Referendaren bestellt, denn sollte es sich durchsetzen, dass neben den Facebook-Freunden nun bald auch jeder Fachlehrer  zur Facebook-Gruppe verpflichtet einlädt, in der trügerischen Hoffnung, das hippe Medium evoziere so etwas wie intrinsische Motivation bei den Schülern, dann muss Mark Zuckerberg wohl bald hilflos mitansehen, wie sein teures Netzwerk von Lehrern zugrunde gerichtet werden wird, denn welcher Schüler hat schon Lust, sich bei jedem Facebook-Besuch an seine nichtgemachten Hausaufgaben erinnert zu fühlen?

Und macht euch keine Hoffnungen, denn wir Lehrer sind wie münteferingsche Heuschrecken: Kaum haben wir ein tolles Medium hinabunterrichtet, schon stürzen wir uns auf das nächste. Seht euch also vor, ihr sozialen Netzwerke. Wir haben ihnen das Bücherlesen vermiest, wir werden ihnen auch soziale Netzwerke vermiesen können…

22 thoughts on “Lehrer 2.0: Mediale Heuschrecken

    • Also ich falle optisch eher in die Kategorie [stark nasaler Tonfall] langhaariger, alternativ angehauchter Ökofuzzi [/stark nasaler Tonfall], aber das ist meist ein Trugschluss. Der Graubart kommt aber unausweichlich, vermute ich – meine Hoffnungen gehen dahin, dass ich dann vielleicht an Ähnlichkeit mit Sean Connery gewinne…

      Also ich vermiese meinen Schülern morgen wieder das Bücherlesen. Magst du dann irgendwann mal berichten, wie’s läuft mit der Facebook-Gruppe?

  1. Jetzt schlägt’s aber dreizehn! Es kann ja wohl nicht sein, dass Du hier die geheimen Pläne der „Bruderschaft der Bildung“ kund tust. Unser Ziel ist es ja, den kapitalistischen Feind aka Zuckkerberg exemplarisch niederzuschmettern und den Kindern und Jugendlichen ein Leben neben den Medien zu erlauben.

    Mal ehrlich
    Ich habe für einige Klassen Gruppen eingerichtet und die Kommunikation verläuft auch dort schleppend, aber besser als in „künstlichen Netzwerken“ (moodle und Co.). Die SuS tauschen sich zu Hausaufgaben aus, stellen Fragen oder schnacken einfach…
    Wichtig ist für mich nur, dass diese Plattform nur ein Zubrot sein kann und nicht die Kommunikation im Unterricht ersetzen darf. Man kann und darf die SuS nicht dazu zwingen, sich bei FB anzumelden, um nur dann am unterrichtlichen Geschehen teilnehmen zu können.

    • Ich habe mal wieder etwas dick aufgetragen… Aber ich stelle mir das Schülerleben ehrlich gesagt mittlerweile wirklich sehr kompliziert vor, wenn ich für jeden Bio-, Mathe- und Wasauchimmer-Kurs noch täglich die entsprechenden Facebookgruppe, Moodlekurse, Blogprojekte etc. ansurfen muss, um fleißig zu kommentieren, mich zu zeigen, rückzumelden usw. Künstlich bleibt es alleine durch den Schulkontext letztlich doch, oder?

      Wer etwas will, kann mich jederzeit gerne schnell und unkompliziert erreichen, aber ich krabbele meinen Schülern nicht noch in den letzten Winkel des Netzes hinterher. Irgendwann ist auch mal Schluss mit Schule, finde ich.

  2. OK, dann kümmert Ihr Euch mal um FB. Ich mach derweil die Blogs schlecht. Abonnieren des Klassenblogs ist Pflicht, damit ich auch am Sonntagmittag noch die Hausaufgaben für Montag einstellen kann. Umfangreiche Texte, Links zu Fach-Seiten und Aufgaben für den Krankheitsfall sind alle hinterlegt. Das senkt prima die Kopierkosten und keiner kann sagen: „Hab das Blatt nicht mehr gefunden.“
    Und natürlich verlinke ich regelmäßig fachliche you.tube-Filme. 2 Fliegen mit einer Klappe kann ja nicht schaden. Dort erscheinen dann für alle als Startseite statt der gewünschten Comics gleich mal M. Montessori und M. Spitzer.

    🙂

  3. Ich bestehe darauf, dass bartlose Lehrkräfte mindestens so gute Vermiesungspower haben wie graubärtige. Außerdem gebe ich zu bedenken, dass Schüler einen eingebauten „sweat detector“ haben. Wenn etwas nach Arbeit riecht, dann merken die das – egal, ob es die schriftliche Hausaufgabe auf liniertem DIN-A4-Papier ist oder die schriftliche Hausaufgabe im Web5.0.
    Haupzach xund samma.

    • Bist du überhaupt grau oder ist das nicht eher silber? 😉
      Nein, das gilt für die stöckelschuhtragenden und mit gefärbtem Dutt versehenen Kostümträgerinnen natürlich ebenso wie für die auf Batikmode setzende Badelatschenfraktion. Das Langweilerpotenzial an Schulen geht sowieso gen Unendlich, meine Person miteingeschlossen. Frag‘ mal auf Facebook…

  4. Pingback: Facebook in der Schule: Chance oder Anfang vom Ende? « studiumdigital

    • Nun ja, ich übertreibe gerne und sehe mich und meinesgleichen nicht wirklich als „mediale Heuschrecken“. Aber ich finde eben, dass Lehrer weder im Klassen- noch im digitalen Raum omnipräsent sein müssen. Facebook ist für mich ein eher privates Netzwerk und eben kein Arbeitsnetzwerk. Ich will da keine Schülerfragen oder -kommentare bekommen und ich lasse auch meine Schüler dort in Ruhe. Per Mail, Moodle oder Blog (wenn in der Klasse eingeführt) bin ich aber gerne zu jeder Schandtat bereit.

      • Ich habe die Polemik deines Textes ja durchaus erkannt. Und wenn ich mir deinen Blog so anschaue, dann denke ich desöfteren, dass gerade du eben nicht zu den „medialen Heuschrecke“ gehörst, als die du die Lehrerschaft – oft leider zutreffend – charakterisierst.

        Sicherlich sollte Facebook nicht zum Schulnetzwerk werden. Aber wenn wir – und das bekomme ich bis heute in jedem Pädagogik-Kurs indoktriniert – den Schüler dort abholen sollen, wo er steht, dann könnte Facebook doch ein Anfang sein.

        Entscheidend ist dabei sicherlich, wie Facebook überhaupt im Unterricht benutzt wird. Wird es als Hausaufgabenreminder oder reines Kontrollmedium genutzt, würde ich deine Befürchtungen teilen. Nehmen wir aber eine kreative, langfristige Gruppenarbeit an, dann wäre Facebook doch ideal für einen öffentlichen Ideenaustausch unter den Schülern (wofür es ja auch längst gebraucht wird) und bei Bedarf auch mit dem Lehrer (wo meines Erachtens Nachholbedarf besteht). Dies bedeutet keinesfalls eine Omnipräsent des Lehrers. Diese würde stören, den Schüler abschrecken und ist auch von der Lehrkraft selbst gar nicht durchführbar. Eine fachliche Moderatorenfunktion in bestimmten Gruppen halte ich aber durchaus für machbar.

        Natürlich ist Facebook kein Allheilmittel und garantiert nicht von sich aus einen Lernerfolg. Es könnte aber – auch in der schulischen Lehre – Kommunikationswege verkürzen und den Gedankenaustausch erleichtern.

      • Entschuldige bitte die späte Antwort, leider bin ich nicht eher dazu gekommen. Dafür jetzt!

        Die Heuschrecken lasse ich jetzt einfach mal ziehen, sie werden schon irgendwo landen… umso interessanter finde ich die Frage nach der Schülerorientierung. Diese wird einem nicht nur im Studium, sondern auch im Referendariat eingebläut – wobei niemand jemals wirklich klärt oder definiert, was „Schülerorientierung“ eigentlich genau ist!?

        Ein Referendar hat es mal polemisch in Bezug auf Frontalunterricht in etwa so formuliert: „Ich weiß aufgrund meiner Lebenserfahrung, was die Schüler später brauchen und wissen müssen. Ich bestimmt darum, was hier wann wie unterrichtet wird. Das ist Schülerorientierung, wenn ich das Beste für meine Schüler erreichen will.“ Da hat er recht, oder? Oder doch nicht?

        „Die Schüler da abholen, wo sie stehen“ – das ist auch so eine Phrase. Ist sie nun inhaltlich gemeint, dass man also die Schüler im Stoff da abholt, wo sie individuell stehen? Den einen schon mit adverbialen Bestimmungen erfreuen, während der andere noch Subjekt und Prädikat bestimmen lernen muss? Oder heißt das, Themen zu finden, die Schüler interessieren, also z.B. nicht über Schuluniformen diskutieren (was allen Schülern zum Hals raushängt), sondern die Schüler eigene Debattenthemen finden lassen. Oder hat diese Phrase methodische Bedeutung? Oder gleich alles zusammen? Oder ist es einfach eine Hohlphrase, die jeder (auch der Uni-Dozent) so für sich füllt, dass es schon irgendwie passt? Also ich mache das so! Ich stopfe alle meine Ideale und Vorstellungen in diese Phrasen hinein und hoffe, dass damit alles gut wird.

        Aber muss ich als Lehrer dafür wirklich jedes zur Verfügung stehende Mittel nutzen? Bedeutet Schülerorientierung nicht auch, den Schülern eigenen (auch digitalen) Lebensraum zu lassen, der frei ist von Lehrern und Erziehern, von moralischen Zeigefingern und Belehrungen, wo man sich sicher sein kann, von pädagogischen Bemühungen verschont zu bleiben? Für mich hat Facebook einen stark privaten Charakter. Und so wenig ich mich nachmittags ins Jugendzentrum begebe, um meinen Schüler Gelegenheit zur Hausaufgabenbesprechung zu geben, so wenig werde ich sie auf Facebook damit nerven. Privat ist privat und Schule ist Schule. Und wenn wir digitale Medien benötigen, dann kümmere ich mich als Lehrer um eine entsprechende Umgebung, die aber immer klar vom Privaten getrennt bleibt.

  5. Ich bin absolut deiner Meinung! Stimme hundertprozentig zu! LehrerInnen glauben doch nur, das sie besonders cool sind, wenn sie ein junges Medium wie fb verwenden, seid doch mal ehrlich. Didaktisch bringt fb rein gar nichts.

    Wichtig ist doch der didaktische Mehrwert, und den erreicht man mit tausend anderen Medien um einiges besser. Dass SchülerInnen sich online über schulische Dinge wie Termine und HÜ’s austauschen ist super, aber ich verstehe nicht, was die Lehrenden dabei zu suchen haben? Außerdem ist der Hype um fb eh schon am abklingen! fb ist irgendwie schon fad geworden, finden auch schon viele Jugendlichen.

    Im Übrigen bin ich aber sowieso der Meinung, dass sich junge Menschen das Lernen bald selbst organisieren werden, wenn sich nicht etwas völlig Neues im Bildungsbereich entwickelt.

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