Post Twitter. Werbung mit Gefühlslagen.

Woche 3 post Twitter und ich vermisse nichts. Allerdings blogge ich auch nicht mehr, aber ich lese wieder mehr Blogs. Habe meinen Feedreader entstaubt und freue mich seitdem über die Beiträge von Bob Blume, der mich auf Twitter immer eher kekste. Den aktuellen Beitrag zur Interpretation könnte man ruhig mal lesen.

Eigentlich wollte ich aber nur fix auf den Beitrag „Facebook helped advertisers target teens who feel ‚worthless‘“ (via Fefe) hinweisen, weil der mal so richtig schön deutlich macht, wie die Datenmacht sozialer Netzwerke so richtig schön klischee-kapitalistisch zu Ungunsten der Schwächeren missbraucht werden kann:

Facebook’s secretive advertising practices became a little more public on Monday thanks to a leak out of the company’s Australian office. This 23-page document […] details in particular how Facebook executives promote advertising campaigns that exploit Facebook users‘ emotional states—and how these are aimed at users as young as 14 years old.

According to the report, the selling point of this 2017 document is that Facebook’s algorithms can determine, and allow advertisers to pinpoint, „moments when young people need a confidence boost.“ If that phrase isn’t clear enough, Facebook’s document offers a litany of teen emotional states that the company claims it can estimate based on how teens use the service, including „worthless,“ „insecure,“ „defeated,“ „anxious,“ „silly,“ „useless,“ „stupid,“ „overwhelmed,“ „stressed,“ and „a failure.“

Würde meinen emotional state gerne mal Mr Zuckerberg übermitteln. Bin aber nicht mehr in seinem Laden.

Buddenbohm. Bäume pflanzen.

Da es hier nichts Besonderes zu erzählen gibt, verweise ich einfachheitshalber auf das Blog von Buddenbohm, in dem es sich heute mal um den Deutschunterricht an der Grundschule seines Sohnes dreht. Auch ohne Lehrercontent: Den Buddenbohm sollte man sowieso im Feedreader haben.

Ansonsten prokrastiniere ich gerade aktiv (sonst würde ich ja jetzt nicht hier tippen). Um mich moralisch zum Korrigieren zu zwingen, habe ich gestern die witzige App „Forest“ entdeckt, die dabei helfen soll, konzentriert und unabgelenkt zu arbeiten. Dabei stellt man eine gewünschte Zeit ein und während die Zeit abläuft, wächst ein kleiner virtueller Baum. Hält man die eingestellte Zeit vollständig durch, ergänzt der Baum einen kleinen Wald, der mit der Zeit immer größer wird (und natürlich kann man noch Punkte sammeln und andere Bäume freischalten). Bedient man jedoch während der Arbeitsphase sein Smartphone, stirbt der kleine Baum – und das kann ja keiner wollen. Angeblich kann man sogar echte Bäume pflanzen lassen, wenn man ausreichend Punkte zusammengearbeitet hat, aber so weit bin ich noch lange nicht.

So. Fertig prokrastiniert. Jetzt werden weiter virtuelle Bäume gepflanzt.

 

Prokrastination nach Twitter.

Werde Twitter mal für ein paar Tage den Rücken kehren. Also bitte nicht wundern, wenn hier wieder etwas häufiger geschrieben wird und sich dabei viel Nonsens ansammelt. Und nicht wundern, wenn ich da drüben nicht reagiere. Sämtliche Apps sind deinstalliert und kurz habe ich darüber nachgedacht, den Account ganz zu löschen. Für einen Menschen, der in der Regel soziale Ereignisse >4 Personen meidet, sind soziale Medien wie Twitter wahrscheinlich die falsche Plattform.

Dumm nur, dass ich nun nicht mehr per Twitter prokrastinieren kann. Daher verbessere ich gerade „fehlerhafte“ Formatierungen in anderer Leut’s Dokumente. Mein innerer Monk lässt das nicht zu, dass Zeilenabstände oder An- und Abführungszeichen falsch gesetzt sowie Aufzählungszeichen mit Gedankenstrichen verwechselt worden sind. Und das zu verbessern dauert… und mir fällt auf, dass ich mein Arbeitszimmer mal umgestalten könnte…

(Eine leichte Staubdecke legt sich auf die 85 Klassenarbeiten und Klausuren.)

Termine von Abi-Streichen

Habe gerade beim Aufräumen ein altes Foto meines Abitur-Jahrgangs vor unserem Abi-Streich gefunden. Man sieht die komplette Jahrgangsstufe in weißen T-Shirts vor dem Arnsberger Brunnen in der Altstadt, bewaffnet mit Wasserpistolen und bereit, den allerletzten Schultag zu gestalten. Die Details habe ich nicht mehr im Kopf, aber es wurden bunte Plakate gestaltet und das Foyer der Schule wurde sehr eindrucksvoll zu einem ägyptischen Tempel umgestaltet, in dem auf einer Säule Süßigkeiten gespendet wurden. Es war ein schöner Tag für die ganze Stufe, besonders weil alle unseres kleinen Jahrgangs ihr Abitur bestanden hatten, wie der kleine Zeitungsartikel unter dem Foto verrät. Der Termin des Abi-Streichs lag nämlich nach der Bekanntgabe der Abiturergebnisse.

Hier in Bielefeld finden Abitur-Streiche allerdings schon vor den Osterferien statt, die Schüler feiern ihren letzten Schultag, wobei einige schon wissen dürften, dass sie ihre Zulassung nicht schaffen, und andere werden das Abitur nicht bestehen. Warum feiert man das Abitur schon vor den Prüfungsterminen? Ist das überall so? Hat das Gründe im Verhalten vorangegangener Abi-Jahrgänge, weil man sich Sanktionsmöglichkeiten / mehr Kontrolle offenhalten will?

WhatsApp und Schule

Dieser Beitrag wurde inspiriert durch eine Twitter-Debatte, bei der mir einmal mehr deutlich wurde, dass man auf Twitter nicht debattieren kann. Ich habe ich mich darum aus der Debatte zurückgezogen und beschlossen, meine Gedanken hier zu verbloggen.

Es begann alles mit folgendem Tweet:

Ich antwortete negativ, da ich die konkrete Unterrichtssituation eine Einstieges vor Augen hatte, bei dem etwas per Schere ausgeschnitten werden sollte. Das wäre mit einer WhatsApp-Nachricht schlicht nicht möglich gewesen. Dieser Mangel an Information war jedoch kein Grund, nicht polemisch über mein uncooles Nichts-WhatsApp-Einsetzen herzuziehen. Der Verweis darauf, dass überdies nicht alle Kinder der besagten Klasse ein Handy besitzen, wurde mit Verweisen auf Statistiken abgeschmettert („Alle Kinder haben ein Handy!“). Zu guter Letzt ist an meiner Schule die schulische Nutzung sozialer Netzwerke ausdrücklich (und ich meine damit ausdrücklich) untersagt, aber, so im Twitter-Stream: „Wer nicht will, findet Gründe“.

WhatsApp nicht zu nutzen sei ignorant, der Ausgangstweet Gejammer obendrein, jedes Kind habe ein Handy, schließlich müssten die Kinder den Umgang damit auch lernen, und das Mobbing verlagere sich sowieso anderswo hin.

Irgendwann hatte ich dann die Schnauze voll und habe beschlossen, das Thema lieber zu bebloggen, denn eine ernsthafte Auseinandersetzung war leider nicht möglich. Nun denn, hier kommt meine Perspektive.

Meine persönliche Haltung zu WhatsApp

Ich bin kein Freund von WhatsApp und nutze es nur, wenn mein Kontakt keine adäquate Alternative nutzt. Ich habe dem Facebook-Kosmos den Rücken gekehrt (Facebook- und Instagram-Account gelöscht) und würde lieber heute als morgen WhatsApp den Rücken kehren, weil ich mich nicht freiwillig der Datensammelwut von Facebook hingeben möchte. Es gibt allerdings leider Menschen, zu denen ich nur per WhatsApp Kontakt halten kann. Kinder dazu zu bringen, eine Software zu nutzen, die ich selbst nicht nutzen möchte, halte ich für widersprüchlich.

Ein weiterer Aspekt ist die permanente Erreichbarkeit. Ich versuche, sehr bewusst mit meiner Zeit umzugehen und habe konkrete Zeiten, in denen ich nicht erreichbar bin. Für ca. 120 bis 180 Schüler permanent per WhatsApp erreichbar sein zu können, halte ich nicht für erstrebenswert. Gleiches gilt für die Schüler: Die schlechte Unterrichtsvorbereitung des Lehrers per WhatsApp ausbaden zu müssen, weil der noch schnell seine Hausaufgaben hinterherschickt, kann auch nicht Sinn der Sache sein.

Man muss den Kindern doch den Umgang beibringen!

Meiner Erfahrung nach lernen Kinder den handelsüblichen Umgang mit WhatsApp ziemlich schnell: Texte zu schreiben, Videos zu schicken, Akronyme und Emojis zu verwenden, Bilder einzufügen, Gruppen anzulegen – ein Leichtes für herkömmliche 10-11-Jährige. Da ist keine besondere Herausforderung zu erkennen.

Weniger lehrreich ist es hingegen, wenn ach so medienreflektierte Lehrer die ihnen anvertrauten Kinder zu einem unreflektierten Umgang mit globalen Datenkraken wie Facebook nötigen. Wo, wenn nicht bei Schulkindern, könnte Facebook sein erstes großes Ziel, eine umfassende Abbildung der Soziostruktur seiner Nutzer zusammenzusammeln, am leichtesten erreichen? Die Kinder nutzen WhatsApp arglos – umso mehr, wenn auch der coole Lieblingslehrer / Schuldirektor das wie selbstverständlich im Unterricht benutzt. Reflektierter Umgang? Fehlanzeige! Wenn der Lehrer zum Gebrauch von WhatsApp einlädt, dann hilft am Ende auch keine wohlgemeinte superkritische Klassenleiterstunde mehr. Zumal das Kernproblem der WhatsApp-Nutzung bei jungen Menschen im Unterstufenalter ganz woanders liegt.

Mobbing

In der Altersgruppe der Zwölf- bis 19-Jährigen gibt jeder Dritte (34 %) an, dass in seinem Bekanntenkreis schon einmal jemand im Internet oder per Handy fertig gemacht wurde. […]

Setzt man die Schwelle der Beeinträchtigung etwas niedriger und unterstellt nicht explizit die Absicht, jemanden gezielt fertig zu machen, sondern fragt nach, ob über die befragte Person schon einmal beleidigende, falsche oder peinliche Sachen im Internet oder per Handy verbreitet wurden, so sieht sich jeder Fünfte als Betroffener. (JIM Studie 2016)

Und das ist der Kontext, in dem mir WhatsApp im Schulkontext überwiegend begegnet: Als Mobbing-Medium (und Nerv-Medium). Spricht man mit den SuS, so bemängeln diese, dass in Klassengruppen viel unnützes Zeug gepostet werde (300x „Hi“, ellenlange sinnlose Zeichenkombinationen, zeitfressende Sprachnachrichten, „lustige“ Bilder, etc.) und man phasenweise sein Handy stummschalten müsse, weil es unaufhörlich bimmelt. Fragt in euren Klassen doch einfach mal nach.

Noch ärger ist jedoch das Mobbing. Dieses hat es schon immer gegeben und es ist auch immer schon ein typisch schulisches Problem; die mittlerweile auch nicht mehr allzu frische Erkenntnis ist aber, dass Mobbing mit WhatsApp eine neue Qualität hinzugewonnen hat, denn das Mobben findet nun zeitlich und örtlich uneingeschränkt statt. War früher nach Schulschluss zunächst einmal phasenweise Ruhe vor den Mobbern, so können diese bis in den freien Nachmittag, bis ins Wochenende und sogar über die Ferienzeit ihr mieses Spiel weitertreiben. Und das tun sie auch. Fleißig und emsig.

„Aufklärung!“, rufen in solchen Fällen die Apologeten. Die Kinder müssten ja den Umgang mit modernen Medien noch lernen – und verweisen (auch im Twitter-Dialog) gerne auf eine Sammlung hohler Arbeitsblätter, die aber im Fall der Fälle nichts bewirken. Und auch so manche Eltern kümmern sich einen feuchten Kehricht um die WhatsApp-Nutzung ihrer Kinder, wenn man sieht, was diese so an Frivolem und Gewaltverherrlichendem über ihr Smartphone versenden. Nicht zuletzt wir Medienfuzzis schließen gerne die Augen vor diesen Problemen, denn sie passen so gar nicht in unsere schöne neue Medienwelt. Den Umgang lernen sollen sie, doch sind die meisten meiner Meinung nach noch viel zu jung dafür, um distanziert und souverän mit komplexen Kommunikationssituationen, wie sie sich auf WhatsApp darstellen, umzugehen. Wie auch, das Leben an sich ist in diesem Alter doch schon kompliziert genug.

Umbruchssituationen

Kommen Kinder an die weiterführende Schule, sind sie meist zwischen 10 und 12 Jahren alt, verlassen ihre vertraute Grundschulumgebung und treffen auf eine völlig neue Klasse, in der sie viele neue Lehrer und Mitschüler kennenlernen. Das geht nicht nahtlos vonstatten, sondern ist immer begleitet von Brüchen und Schmerzen: Die liebgewonnene junge Klassenlehrerin wird ersetzt durch einen grummeligen Oberstudienrat, die meisten guten Freunde gehen auf eine andere Schule und plötzlich hat man nur noch zwei bis drei bekannte Bezugspunkte in der Klasse, zum Glück ist die beste Freundin auch dabei. Dann kommt die Phase der Annäherung und Neuordnung – und plötzlich ist die beste Freundin jemand anderes beste Freundin. Neue Cliquen bilden sich, und was hier in zwei, drei Sätzen abgehandelt wird, ist in Wirklichkeit ein monatelanger, teils jahrelanger, Prozess, der oft mit extremen Höhen und Tiefen, Freude, Hoffnung und Enttäuschung verbunden ist.

In diesen Situationen ist WhatsApp Gift fürs Klassenklima. Kinder, die mit den vielfachen Herausforderungen der schriftlichen Kommunikation heillos überfordert sind, treffen dann auf eine komplexe Klassensituation, die sie selbst gar nicht einordnen können. Als Kind will man einfach nur dazugehören. Das zeigt sich in WhatsApp-Gruppen, die von nutzlosen und in die hunderte gehenden „me too“-Beiträgen nur so wimmeln, und in denen der Enttäuschung über alte oder neue (Nicht-)Freunde lautstark oder auch subtil Luft gemacht wird, flankiert von weiteren Anheizer-WhatsApp-Gruppen, die sich zusätzlich noch strategisch drumherum gebildet haben. Und das kann übel enden – die Ratgeberliteratur ist mannigfaltig, ein Gespräch mit dem zuständigen Schulpsychologen erhellend.

Es ist natürlich schön, wenn die Kinder miteinander den richtigen Umgang mit Messenger-Apps wie WhatsApp lernen, aber reichlich zynisch aus der Perspektive eines betroffenen Kindes, das täglich die „Lernversuche“ der anderen ertragen und dabei selbst erlernen muss, dass es jederzeit und an jedem Ort das Opfer seiner Mobber sein muss.

Kein Messenger, nie?

Auch ich finde Messenger großartig, nutze sie oft und gerne. Am liebsten solche, die nicht mein Adressbuch filzen und ohne meine Handynummer auskommen. Am liebsten Ende-zu-Ende verschlüsselt. Am liebsten nicht in den Händen großer Datensammler, gerne auch gegen Geld. In Schule kann ich mir Messenger als große Bereicherung vorstellen: Als konkreten Schulmessenger mit klaren Regeln, klar definierten Gruppen, und je älter und reifer die Kinder werden, umso offener kann man den Umgang damit gestalten. Natürlich ändert das nichts an all den Problemen, die über private Messenger wie WhatsApp entstehen, jedoch ist dann niemand gezwungen, diese schulisch zu nutzen.

Denn am Ende ist der tollste Unterrichtseinstieg per WhatsApp nichts wert, wenn Kinder seelisch zu Schaden kommen.

Meckern und Mosern. Referendarsgejammer.

Man mag es manchmal wirklich nicht glauben. Da kommt eine Bundesministerin auf die Idee, ihren Länderkollegen unter Rückgriff auf eine nicht unbeträchtliche Finanzspritze ein wenig auf die Sprünge zu helfen – und was tut der Präsident des Lehrerverbandes, der allzu oft fälschlicherweise als Stellvertreter der meisten Lehrerinnen und Lehrer angesehen wird? Anstatt sich zu freuen, dass endlich jemand einmal Geld in die Hand nehmen und Schulen modernisieren will, meckert und mosert er!

Und natürlich könnte man das Geld auch in die Sanierung von Gebäuden stecken. Man könnte es aber auch in neue Schulpyschologen investieren. Mehr Stellen für Sonderpädagogen damit schaffen. Das Essen in Schulmensen gesünder machen. Schulwege besser absichern. Schulhöfe neu gestalten. Jeder Schule einen Schulgarten bescheren. Man könnte die Schule aber tatsächlich mal aus den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts abholen, wo sie – zu Kraus‘ Blütezeit – leider stehengeblieben ist. Gegenwind bekommt Kraus allerdings von allen Seiten.

Josef Kraus steht stellvertretend für den Philologenverband, den Verband der Realschullehrer und die Bundesverbände der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen e. V. und der Berufsschulen e. V.

Was für ein Glück, dass ich keinem dieser Verbände jemals beitreten werde! Und wenn doch, dann wäre jetzt der Moment auszutreten.

Jammernder Referendar.

Aber nicht nur ehemalige Schuldirektoren mosern. Auch Referendare. Heute ein besonders prachtvolles Exemplar in der ZEIT. Zu Studienzeiten haben mich solche jammerhaften Artikel das Fürchten gelehrt, im Referendariat selbst habe ich dann langsam aber sicher an Verachtung gewonnen für dieses Herumgeheule. Vorab: Das Referendariat ist durchaus kein Zuckerschlecken, die Unterrichtsbesuche durchaus kritisierenswert, die Abhängigkeit von der Qualität der Fachleiter bemerkenswert und die Prüfung am Schluss nichts weiter als eine gefährliche Farce.

Und doch: Wer behauptet, er bekäme vor Unterrichtsbesuchen nur drei Stunden Schlaf und hätte permanent 60-Stunden-Wochen, um sich damit den Stundenlohn auf 4,50€ herunterrechnen zu können, der hat offensichtlich ganz andere Probleme als das Referendariat. Und ja, ein UB wird halt etwas aufwändiger vorbereitet als der Rest. Im Handwerk reicht es ja auch nicht, für die Meisterprüfung einfach etwas aus der laufenden Produktion herauszunehmen, das muss schon etwas sein, was die Fähigkeiten des Meisters abbildet. Schon mal ’ne Kolumne eines jammernden Handwerkermeisters gelesen?

Der Gipfel ist dann, darauf zu hoffen, dass man irgendwann die Kunst der „Türschwellenpädagogik“ erlernt habe und mit Unterricht aus dem Buch endlich den Status des lang ersehnten „’gut bezahlte[n[ Halbtagsjob[s]’“ erreiche, an dessen Nachmittagen man nur noch ein paar Klassenarbeiten korrigieren müsse. Ich echauffiere im Quadrat!

Dem Fazit kann man darum nur zustimmen:

Sofort in den Schuldienst einzutreten kann ich mir nämlich gerade beim besten Willen nicht vorstellen.

Ja bitte! Für die zukünftigen Kollegen wäre es das beste!

Die grauen Herren der digtalen Bildung

Wanka wirkt nach. Auf Twitter Diskussionen über ihren „Daddel-Kommentar“. Dazwischen Bemerkungen wie (sinngemäß) „Sie hat doch recht, unsere Kinder daddeln nur! Welches nutzt denn Evernote, Blogs oder Wikis?“. Oh weh! Digitales darf und soll also immer nur nützlich sein, der Zeitoptimierung dienen, der Allgemeinheit nutzen oder Bildung repräsentieren. Goodbye bunte Teenagerzeit, welcome du graue Welt der Erwachsenen!

Die selbsternannte digitale Lehrereelite überträgt ihre eigene Internetnutzung schlicht auf die folgende Generation. Nur, wer das Netz so nutzt wie wir im Berufsleben stehenden alte Säcke, der ist „digital gebildet“. Die selbstgestaltete Kultur der Jüngeren wird schlicht übergangen. Von Entwicklungspsychologie ganz zu schweigen. Und ohne zu erwähnen, dass das Digitale sich auf Abermillionen andere Arten und Weisen nutzen lässt, auch ohne Wikibloggetwitterzeug.

Ich stürze mich heute gerne auf jedes digitale Tool, aber mein 25 Jahre jüngeres Ich hätte gewiss kein größeres Interesse an langweiligen digitalen Werkzeugen zur Arbeitsorganisation: Es wollte zocken. Und das entweder am Computer oder auf dem Basketballplatz. Was hätte ich als Teenager bitteschön mit Evernote oder Wikis anfangen sollen? Jeden Abend eine Stunde ins Wiki schreiben? Strafarbeit! Ein privates Blog vielleicht, aber dann auch nur, weil ich schon immer gerne herumgeschrieben habe. Aber dann, worauf ich Bock gehabt hätte, und nicht das, was meine gouvernantenhafte Deutschlehrerin für sinnvoll gehalten hätte.

Übersehen wird dabei, dass die Teenager von heute schon längst aktiv sind. Und ja, sie lernen an Wisch-Geräten tatsächlich nicht, wie man Computer programmiert oder wie die Hardware aufgebaut ist. Dafür produzieren sie YouTube-Videos (lernen dabei autodidaktisch einiges über Schnitt, Ton, Spannungsbögen) und setzen dabei neue Formate durch (professionelle, erwachsene TV-Konsumenten wundern sich regelmäßig, wieso schon wieder so ein Pickelgesicht stundenlang beim Computerspielen in bräsigem Tonfall in eine Kamera quatschen kann und dabei Millionen Viewer hat) und gestalten eine völlig neue – ich hätte fast „TV-Kultur“ geschrieben, aber die lösen sie ja gerade ab – Videokultur. Professionelle Gamer verdienen auch ohne Evernote Beträge, von denen graue Bildungsherren nur träumen können, und jeder kleine Vorstadtrapper beatboxt ganz ohne Wiki in sein Handy. Wo früher einmal pro Woche einer kleinen Schar Auserlesener die Foto-AG das Fotografieren nahebrachte, steht heute das Experimentieren einer ganzen Generation mit der Handy-Cam und ihren zahllosen Apps. Und das Kollaborieren per Minecraft macht überdies viel mehr Spaß als lahme Evernote-Notizen zu teilen.

Das ist im Großen und Ganzen alles nicht professionell. Muss es auch gar nicht. Auf dem Bolzplatz haben wir früher auch nur just for fun gespielt und nicht, um den Ernst des Lebens zu erproben oder um für die Bundesliga zu trainieren. Natürlich müssen auch Kinder erst einmal ihr Gerät und dessen Möglichkeiten erkunden. Und natürlich wird ein Zehnjähriger mit seinem ersten Smartphone zunächst einmal Spiele spielen. Und das vermutlich sogar lange Zeit, bis er Lust bekommt, etwas Weiterführendes damit zu machen. Das entspricht einfach seinem Alter. So what? Müssen wir ihn gleich mit sperrigen Wikis, Twitterwalls, Edu-Apps und Optimierungstools quälen, bis es ihm mit Vierzehn zu den Ohren wieder rauskommt?

Das muss man als graubärtiger Studienrat (der den Umgang mit Taschenkalender und ToDo-Liste ja auch nicht mit zehn erlernte), dessen Kinder selbst schon lange erwachsen sind, gar nicht mitbekommen, dass junge Menschen immer ihre (digitale) Umwelt erschließen, neue Wege gehen, eigene Wege gehen und vielleicht auch mal eine Weile ihre Zeit verdaddeln müssen, um irgendetwas hinterher furchtbar langweilig, überflüssig und doof zu finden. Aber auch diese Erfahrung gehört zum digitalen Gebildetsein dazu.

Wir sollten bisweilen einfach mal gelassen bleiben und den Kindern ihre Zeit lassen.

 

Daddeln

Bildungsministerin Wanka plant DigitalPakt#D“ titelt man bei tagesschau.de und eigentlich sollte man sich ja ein bisschen freuen, dass endlich ein wenig Bewegung in die lahme digitale Bildungswelt kommt. Man sollte sich freuen, dass da endlich mal jemand ein wenig Geld in die Hand nehmen will. Aber, aber…

… was soll man von einer Bildungsministerin halten, die so zitiert wird: „Schülerinnen und Schüler müssen heute auch digital lernen und arbeiten können, statt nur zu daddeln.“

Ich weine still. Erinnere mich an meine Zeit als „Daddler“. An die Zeit, in der ich so ziemlich alles über Computer gelernt habe, was ich heute weiß. Durch das „nur zu daddeln“ habe ich gelernt und praktisch erfahren, was RAM bedeutet; wie man im laufenden Computercode cheaten kann; habe autodidaktisch kleine Programme zu programmieren gelernt. Ohne das Daddel und Filesharen mit Freunden bei Netzwerksessions hätte ich mir keinerlei Kenntnisse über den Aufbau kleiner Netzwerke erworben und nur, weil wir die grafisch anspruchsvollen Ballerspiele gedaddelt haben, konnte ich mir beim Übertakten das Innenleben meines Computers erschließen. Das half mir dann später, die Infrastruktur des Internets leichter zu verstehen und die Logik von den typischen Computersprachen des Internets war mir nicht unbekannt. Die großartigen Momente, wenn man beim Daddeln durch Teamplay etwas wirklich unerreichbar Scheinendes erreicht hatte… das kennt eine Wanka alles nicht.

Ich kann darum heute meine Computer bis zu einem gewissen Punkt selbst reparieren; verstehe in der Regel, warum etwas falsch läuft; kann mir selbst helfen, wenn an meinen Blogs geschraubt werden muss; verstehe die Transportwege des Internets sowie grob wie man verschlüsselt. Ich habe keine Angst vor der Konsole (aber doch Respekt) und wenn mal das WLAN zusammenbricht, weiß ich, wo mein LAN-Kabel liegt. Ich haue nicht noch fünfzigmal die Maustaste, wenn der Computer lahmt, und ich weiß, warum ich als Erstes den Einschaltknopf am Monitor drücke, wenn im Computerraum der Rechner angeblich nicht läuft.

Für Leute wie Wanka ist das einfach „nur […] daddeln“. Computerzeug.  Kann auf keinen Fall etwas mit Lernen zu tun haben, und was soll schon Gutes dabei herauskommen! (Und ich befürchte aufs Schlimmste: Wankas „lernen und arbeiten“ bezieht sich lediglich auf PowerPoint, Word, Excel und wenn’s hoch kommt, auf ’ne am Tablet gewischte Whiteboardpräsentation!). Hoffen wir, dass das Geld an den richtigen Stellen ankommt.

Und jetzt wird erst einmal gedaddelt.

 

Geheimtradition

Da denkt man immer, man müsse an einem traditionsreichen englischen Privat-Internat unterrichten, um an Geheimgänge, als Bibliotheksregale getarnte Geheimgänge oder ähnliches zu geraten, doch weit gefehlt! Denn letzte Woche fand ein Schüler folgende Geheimtradition:

zettel

Er musste natürlich sofort seinen Namen darauf schreiben und ihn wieder gut verstecken.

Habe gleich mal das Gerücht gestreut, dass das Schulgespenst davon besser nichts erfahren sollte…