Frei.

Sitze gerade am Schreibtisch, die Sonne scheint, der Rasen ist frisch gemäht, lediglich einige nachmittägliche organisatorische Vorbereitungen stehen auf dem Plan.

Auch das gehört zum Lehrerleben, dass der Nachbar einen morgens um 9.00 Uhr bei strahlendem Sonnenschein begrüßen kann, weil man den Rasenmäher über die grüne Wiese schiebt. Heute entfällt wegen Konferenzen der Nachmittagsunterricht und die neuen Fünftklässler werden am ersten Schultag nur von ihrem Klassenleitungsteam begrüßt. Ich bin darum an diesem Donnerstag „fein“ raus. (Fein in Anführungszeichen, weil mir die entfallenden Stunden angerechnet werden: Das bedeutet, ich muss sie ggf. in Form von Vertretungsstunden nacharbeiten, die mir dann auch nicht bezahlt werden. Die erste erwartet mich morgen.)

Die ersten Tage bestehen aus Orga. Listen abtippen (jaja, man könnte digitale Listen… CSV… seufz), Halbjahresplanung, Kolleginnen und Kollegen beim Einrichten ihrer neuen Mailadresse helfen. Besprechungen in den Fachschaften: Änderungen an den Stundentafeln, neue Konzepte zur Förderung (irgendwer hat die Mathematik kaputt gemacht), grobe Einordnungen in das lokale schulpolitische Ganze (die anderen Schulen werben jetzt damit, dass sie keinen Ganztag haben; wir damit, dass wir… seufz2), erste Beschwerden an den Lehrerrat, Tränen. Drei Tage fühlen sich an, als hätte man schon die Fülle eines ganzen Halbjahres erlebt.

Der angenehme Teil ist immer der Unterricht. Neue Kurse kennenlernen, unbekannte und bekannte Schüler begrüßen, Namenslisten abgleichen, Bücher austeilen, Themen vorstellen, Bewertungsmaßstäbe erläutern, Kennenlernspiele spielen, Reaktionen beobachten. Vorfreude („Wir machen Lyrik!“), Genöle („Och nöö, Kurzgeschichten!“). Erstaunlich, denn eigentlich fallen die Reaktionen genau umgekehrt aus. Der Unterricht hat mich insgesamt von den ca. 21h Arbeitszeit in dieser Woche bis heute nur 180 Minuten gekostet. Morgen kommt noch einmal etwas drauf, aber es überwiegt die Orga. Logo.

Arbeitszeit messen, das möchte ich in diesem Halbjahr möglichst regelmäßig. Ich bin daran schon oft gescheitert, weil es mir nach ein paar Tagen dann doch zu umständlich wurde. Aber ich möchte doch gerne einmal wissen, wieviel Zeit ich wirklich für Schule aufwende; Lehrer meckern ja zu Stoßzeiten gerne und viel und dabei gibt es ja auch immer wieder so Tage wie heute: Wo man dank günstiger Umstände nicht in die Schule fahren muss und bloggen kann.

Veränderung

Beschwerde auf Twitter über Kindle-lesende Kinder. Lieber ein Papierbuch und so. Große Empörung auf der Gegenseite, wie praktisch das doch sei und so. Hm. Finde beides richtig. Tochter 1 liest derweil den 5. Band einer mir unbekannten Autorin, die im Selbstverlag im Google Playstore 800-seitige Romane veröffentlicht. Ich gucke mittlerweile regelmäßig meine YouToube-Kanäle durch, nachdem ich jahrelang die Youtuber belächelt und mich gefragt habe, was der ganze Blödsinn mit den Laien vor der Webcam soll.

Die Welt verändert sich, ob uns das gefällt oder nicht. Mit den neuen technischen Möglichkeiten produzieren mehr Menschen Medien und werden wahrgenommen. Sie verändern die Welt. Da hilft auch kein Meckern. Oder Unsinn in Feuilletons.

Schulstart 2016

Tja, so schnell kann’s gehen: Morgen geht die Schule schon wieder los. Frühstück, Konferenz, Arbeitstreffen. Schon gestern das erste Mal den Kaffee auf gehabt wegen des neuen Stundenplans. Entwickele mich immer mehr zum vehementen Ganztagsfeind. In Kombination mit dem Doppelstundenmodell und immer mehr geblockten Angeboten (bestimmte Kurse nur in 8./9. Stunde, festen Teamzeiten) kommen da für Vollzeitkräfte Stundenpläne zustande, die man eher als Arbeitszeitvernichtungspläne bezeichnen sollte. Da ist Frust schon vor der ersten Stunde im Schuljahr vorprogrammiert. Werde, wenn sich das nicht bessert, mein Engagement auf Sparflamme herunterfahren und ab den Herbstferien auch Referendare und Praktikanten ablehnen. Keine Zeit dafür. Im schlimmsten Fall werde ich auch AG und Förderkurs an den Nagel hängen. Das wäre sehr bedauerlich, würde aber die Chancen erhöhen, einen Stundenplan zu bekommen, mit dem ich die Pension (mit 70?) gerade noch erreichen kann.

Aufregend wird es werden, in der neuen Inklusionsklasse zu unterrichten. Wir werden dort in Doppelbesetzung unterrichten, d. h. (in der Regel) eine Fachlehrkraft und eine Sonderpädagogin. Hinzu kommen dann noch die Inklusionshelfer, die bestimmten Kindern zugewiesen sind. Summa summarum könnten es bei uns bis zu fünf erwachsene Personen sein, die bisweilen den Unterricht begleiten. Referendare, Praktikanten oder interessierte Besucher noch nicht mitbedacht. Für mein Fach Deutsch werde ich besonders damit kämpfen müssen, wie ich es schaffe, noch frühes Grundschulniveau in das gymnasiale Spektrum zu inkludieren. Vermutlich: viele Bilder, noch mehr Bilder und verdammt viel Austausch mit der Sonderpädagogin. Auch Phasenwechsel sollten immer bildlich begleitet werden. Mein erster Klangstab kommt gerade per Post. Die netteste Tischnachbarin der Welt hat mir ihr Material aus dem letzten Durchgang überlassen; wir werden irgendwie dafür sorgen müssen, dass alle Materialien in den nächsten Schuljahren wiederverwendbar sind und gut archiviert werden.

Wir haben zwei Räume zur Verfügung. Einmal einen normalen Klassenraum, wie man ihn kennt, und einmal den Inklusionsraum. In diesem steht ein großes Sofa, eine große Gruppentischanordnung zum Arbeiten, drumherum viele Fächer mit Arbeitsmaterial und Spielen. Im Unterricht können wir den Raum nutzen, um die inklusiven Kinder in bestimmten Situationen mit anderen Aufgaben zu versorgen, sie nicht neun Stunden am Stück mit Unterricht zu quälen und ihnen auch in den Pausen einen eigenen Rückzugsraum zu ermöglichen. Auch wenn der Raum hauptsächlich für die Inklusionskinder gedacht und eingerichtet ist, kann und soll er auch mit den anderen Kindern genutzt werden. Gerade für Gruppenarbeiten oder auch als Möglichkeit zur ruhigen Partner- oder Einzelarbeit kann man diesen Raum gut nutzen. Darauf freue ich mich, denn einen solchen Raum sollte jede Klasse haben.

Es fällt mir jetzt schon schwer, nicht über gewisse Umstände (die allerdings nicht-schulischen Ursprungs sind) zu schreiben und meiner Fassungslosigkeit freie Bahn zu lassen. In der Realität werden sich die Wogen hoffentlich glätten. Es wird auf jeden Fall ein sehr spannendes Schuljahr.

Eine Lanze für die Digitalisierung

Wahnsinn. Dirk von Gehlen bricht eine Lanze… nein, eigentlich schlägt er im Alleingang eine Bresche,  versucht förmlich, im Alleingang einen ganzen Wall an Vorurteilen niederzureißen.

Zum einen formuliert er „Fünf Fragen zur angemessenen Smartphonenutzung“ auf seiner eigenen Homepage. Zum anderen stellt er in seinem Artikel auf Süddeutsche.de  („Digitalisierung: Keine Panik!“) die Spitzers dieser Welt in Frage. Für Menschen, die Computer schon vor Vollendung ihre 30-ten Lebensjahres kennengelernt haben nichts Neues (Douglas Adams grüßt), alle anderen sollten beides mal gelesen haben.

(Und ja, das ist Altersdiskriminierung. Aus Gründen. Niemand muss sich angesprochen fühlen…)

Arbeitszeitstudie der GEW

Nur kurz der Verweis auf die Ergebnisse einer Studie der GEW zur Arbeitszeit von Lehrkräften in Niedersachsen. Ich glaube, die Studie gehört in den Kontext der Arbeitszeiterhöhung für Lehrkräfte in NDS, welche dort mit sehr großem Unmut aufgenommen wurde und wegen der auch Klassenfahrten abgesagt wurden. Die Ergebnisse scheinen mir aber durchaus seriös und könnten so oder so ähnlich auch für NRW-Lehrer gelten.

Einfach hier für eine Zusammenfassung klicken: 50.000 Stunden unbezahlte Mehrarbeit pro Woche an Gymnasien

Müsste man auch mal mit der „freien Wirtschaft“ vergleichen. Wir jammern ja gerne und laut und auf hohem Niveau. Wichtiger als das Diskutieren von Durchschnittswerten wäre mal der Blick auf besondere Belastungsphasen (z. B. Abitur) und Fächergruppen sowie verbindliche Regelungen für sämtliche Konferenzen (Anzahl, Dauer).

Lesetipp

Sommerferienzeit. Arbeitszimmerausmistzeit. Wer jedoch ein wenig Zeit zum Lesen mitgebracht hat, der sollte unbedingt bei Damian Duchamps rüberschauen, der hat nämlich einen wunderbaren Artikel gebloggt, in welchem er das deutsche Schulsystem aufs Korn nimmt. Er spricht mir damit förmlich aus der Seele!

Zitat des Tages

Mein Zitat des Tages:

Deshalb sorgt ein cleveres Unternehmen in seinen Arbeitsräumen für einen Wechsel von An- und Entspannung. Es motiviert Mitarbeiter enorm, wenn sie Wahlmöglichkeiten haben. Und Menschen brauchen Rückzugsräume, in denen sie die Kontrolle über Lautstärke, Geräuschkulisse und einprasselnde Informationen haben. Alles andere führt dauerhaft zu Stress, kann krank machen – und zerstört mehr Leistung. Besonders da, wo geistig gearbeitet wird. Unternehmen tun gut daran, eine Kultur und eine Arbeitsumgebung zu schaffen, in der effizientes und gesundes Denken gefördert wird. (Zeit.de)

Und dass es durchaus auch stressige Situationen gibt, dazu vielleicht mal im nächsten Blogbeitrag.

Blogparade: Bloß kein Stress – persönliche Strategien

Herr Mess ruft zu einer Blogparade mit dem Titel „Nur kein Stress“ und fragt, welche Situationen wir Lehrerblogger als stressig empfinden und was wir dagegen unternehmen. Hier sind meine 2 Cent zum Thema.

Fühle mich aktuell dem Stress gegenüber gut gewappnet, wobei aber folgende Eckpunkte zu beachten sind: Ich mache eine volle Stelle (25,5h), bin gerade aber mit nur wenigen Korrekturgruppen gesegnet und konnte mich bis vor Kurzem nahezu vollständig auf die Arbeit konzentrieren, da meine Frau sich vollständig um die häuslichen Belange gekümmert hat. Das ändert sich gerade. Vielleicht ist in drei Monaten, wenn das neue Schuljahr gestartet ist, schon wieder alles ganz anders.

Es ist überhaupt immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich „Stress“ wahrgenommen wird. Ich bin oft bass erstaunt, wenn ich sehe, was Kollege X wieder an diversen Arbeiten weggewuppt hat, als wäre das nichts, während ich schon wieder über eine Vertretungsstunde maule. Auch die Gründe für Stress können grob unterschiedlich sein und bedürfen einer unterschiedlichen Herangehensweise: einer stressige Elternschaft muss man anders begegnen als stressigen Klassen, Kollegen oder Herausforderungen, die oft urplötzlich von diversen Behörden angeleiert auf Schule herabregnen. Systemische Ansätze könnte man diskutieren und über Strategien der Teamarbeit, gemeinsamer Unterrichtsvorbereitung oder sich über innerschulische Entlastungsmöglichkeiten austauschen. Ich möchte aber gerne zunächst meine persönlichen Strategien zu Vermeidung von Stress beschreiben.

Gute Organisation hilft zu entspannen

Was mir besonders zu Beginn am meisten Stress verursacht hat, war schlechte Organisation. Wenn man Termine aus den Augen verliert, auf den letzten Drücker Vorbereitungen treffen muss, Aufgaben vergessen hat – das führt zu Stress in Reinform. Bestes Beispiel wäre meine ersten beiden Unterrichtsbesuche, die ich mir – aus Versehen und unorganisierterweise – beide auf denselben Tag gelegt hatte.

Ich musste im Laufe der Zeit folgende Dinge lernen:

  • einen Kalender zu führen
  • eine To-Do-Liste zu führen
  • eigene Arbeitszeiten festzulegen

Endlich ein Kalender

Ohne die Erfindung des iPhones wäre ich wahrscheinlich noch heute aufgeschmissen, denn es gab immer ein Problem mit all meinen Lehrerplanern: Ich hatte sie immer am falschen Ort! Entweder waren es riesige A4-Kladden, schwer, unhandlich und immer in irgendeiner Tasche oder auf irgendeinem Schreibtisch, aber nie an dem Ort, wo ich mich gerade aufhielt. Auch das Wechseln auf einen kleinen A6-Kalender half nicht, diese blöden Dinger waren nie bei mir – und alle Eintragungen letztlich oft nutzlos.

Dank des iPhones habe ich aber nun seit 2009 meinen Kalender immer dabei. Immer, immer, immer! Und ich trage alles ein und gleiche den Schulkalender automatisiert mit der Homepage ab. Zwar ist die Übersicht weniger gut, als bei einem Papierkalender, aber ich habe ihn immer dabei und es steht vom Stundenplan und Schulkonferenzen bis hin zu Ferienterminen alles drin!

Den Fokus bewahren – To-Do-Listen führen

Es mag Menschen geben, die ohne To-Do-Liste auskommen können; ich gehöre nicht dazu. Ich würde lediglich alles vergessen, selbst wichtige Dinge. Und auch hier gilt: Dank sei Apple! Papierene To-Do-Listen sind mir ein Graus! Ich bin eh‘ kein Listenmensch und alle Versuche herkömmlicher To-Do-Listen scheiterten kläglich. Beginnt man seine erste To-Do-Liste noch recht entspannt und voller Zuversicht, so endet das Ganze in einer ellenlange Liste, auf der alles Mögliche kunterbunt durcheinander steht, leider aber null Prioritäten zu erkennen sind und irgendwo oben noch etwas offen ist, während zwischendrin schon fünfzehn Punkte durchgestrichen sind. Ein befriedigendes „Jetzt ist alles abgearbeitet“ will sich so nicht einstellen. Und wie schon bei den Kalendern: Listen sind grundsätzlich nie da, wo ich gerade bin, was schlechterdings dazu führte, dass ich bisweilen zwei oder drei doofer Listen hatte, was die Sache nicht einfacher machte, aber auch dafür gibt es ja Smartphones…

OmniFocus

Vorausschau

Komplex, aber dennoch erleichternd.

Meine Rettung heißt „OmniFocus“ und kostet für iOS und Mac OS X bestimmt um die 80€ für die Mac und die iOS-Version, aber diese 80 Euro würde ich jederzeit wieder bezahlen. Ich nutze gewiss nur 10% der Möglichkeiten des Programms, aber folgende Punkte liebe ich:

  • To-Dos bekommen ein Datum+Uhrzeit und ich werde an sie erinnert. Dabei trägt OF die Aufgaben auf Wunsch in meinen iPhone-Kalender ein und synchronisiert zwischen Mac und iPhone.
  • Aufgaben kann man einen Kontext zuweisen, wie z. B. „Arbeitszimmer“, „Kopierer“ oder „Schulgebäude“. Wenn ich also in einer Freistunde Luft habe, schaue ich im Kontext „Schulgebäude“ nach, welche Aufgaben noch offen sich und erledigt werden können.
  • Aufgaben können zusätzlich einem Projekt zugewiesen werden. Z. B. „Klassenlehrer“, „Lehrerrat“ oder „Privat“. Alle Aufgaben die diese Projekte betreffen, werden denen zugeordnet. Wenn ich also zuhause sitze und mir Zeit für meine Klasse nehme, schaue ich im Projekt „Klassenlehrer“, was erledigt werden muss.
  • Ich habe immer den Fokus auf das Wichtige! Keine unübersichtlich vollgestopfte Liste, sondern nur die Aufgaben, die in dem Moment wichtig sind, wenn ich auf die Liste schaue.

Das Programm kostet zugegebenermaßen ein wenig Einarbeitungszeit, aber wenn es einmal läuft, dann entstresst es, weil ich immer weiß, dass ich nahezu nichts vergessen kann.

Arbeitszeiten einhalten

Mal ehrlich: Es gibt immer etwas zu tun. Mein OmniFocus platzt aus allen Nähten und Routineaufgaben wie Korrekturen trage ich da gar nicht erst ein. Da ist es wichtig, den Schlusspunkt zu finden. Ich orientiere mich dafür, auch wenn mir das nicht immer gelingt, an den Tipps von Carl Newport (via):

  1. To-do lists are evil. Schedule everything.
  2. Assume you’re going home at 5:30, then plan your day backwards.
  3. Make a plan for the entire week.
  4. Do very few things, but be awesome at them.
  5. Do less shallow work — focus on the deep stuff.

Besonders wichtig finde ich: Ein Ende festlegen, danach ist Schluss. Zum ersten Mal vor einigen Jahren bei Herrn Rau davon gelesen, der beschrieb, immer zur Tagesschau aufzuhören. Den Samstag halte ich mir grundsätzlich vollständig von Arbeit frei, wenn es nicht gerade lichterloh brennt.

Um auch nicht zu schnell den Verlockungen des Internets zu verfallen und die Zeit gut zu nutzen, hilft mir bisweilen die Pomodoro-Technik, für die es natürlich auch diverse Apps gibt. Besonders bei langweiligen Aufgaben wie Korrekturen hilft das sehr. Aber natürlich nicht immer… 🙄

Arbeit und Privates trennen

Es war ein sehr schöner Samstag gewesen, abends nur noch schnell die Mails checken – und plötzlich war die Laune im Keller. Ein Mail, geschickt zur Unzeit, ungeschickt formuliert: Kopfkino, Stress, der Abend war gelaufen. Seitdem rufe ich private und dienstliche Mails immer auf getrennten Clients ab und dienstliche Mails werden samstags und an Ferien- oder Feiertagen gar nicht mehr abgerufen. Dienstliche Anrufe schicke ich sowieso schon immer auf ein eigenes Telefon ohne Anrufbeantworter, die Mobilnummer gebe ich nur an Kollegen heraus. Auch kommunikativ „frei“ zu haben, ist wichtig – und nicht bei jedem Mailabruf böse Überraschungen befürchten zu müssen, hilft Stress zu vermeiden.

Last but not least: Hobbys nicht vergessen

Wenn es einem gelingt, den Tag zu einem bestimmten Zeitpunkt zu beenden, dann kann man auch Sport und andere Hobbys einplanen. In meinem Plan steht einmal pro Woche irgendwann „Bouldern“ auf dem Programm, und nach einem Schultag befreit nichts mehr den Kopf, als joggen zu gehen. Ich bin auch nicht bereit, meine Gitarren zu verfeuern, nur weil anderer Leut’s Kinder ihre Klassenarbeiten nach einem Wochenende korrigiert zurück haben wollen und manche Kollegen das schon nach einem Tag schaffen. Ist mir wumpe. Da müssen sie halt warten. Im Gegenzug bin ich dafür auch in der Regel entspannt und ausgeglichen – auch meinen Schülerinnen und Schülern gegenüber.

(Und, ja, ich weiß: Es gibt in jedem Kollegium diesen einen Kollegen, der es schafft, nach einem Tag zurückzugeben und entspannt zu sein! 😉 )

In die Inklusionsklasse – ja oder nein?

Große Pause, noch ca. 2 Minuten bis zum Klingeln, ich bin schon auf dem Sprung, als eine Kollegin mich anspricht. Sie sehe, ich hätte gerade keine Zeit, aber ob ich denn nicht Lust hätte, Deutsch in ihrer neuen Inklusionsklasse im nächsten Schuljahr zu unterrichten? Eine zweite Kollegin, mutmaßlich die Co-Klassenleitung, kommt hinzu, beide schauen mich erwartungsvoll an.

So langsam habe ich gelernt, dass man nie, nie und niemals unüberlegt zu irgendetwas – und sei es nur indirekt – sein Einverständnis ausdrücken sollte. Also sage ich nur, dass ich darüber gerne nachdenken würde und auf keinen Fall ad hoc entscheiden werde.

Die Herausforderung

Und da sitze ich nun schon das liebe lange Wochenende und grübele, ob ich da nun zu- oder absagen soll. Da ist auf der einen Seite die arme Kollegin, der man offensichtlich die Verantwortung zugeschoben geraten hat, sich ein Team zusammenzustellen, mit dem sie sich eine gute Zusammenarbeit vorstellen kann. Die würde eine Absage unter Umständen in Schwierigkeiten bringen. Da ist ferner die Herausforderung der Inklusion und Unterricht einmal völlig anders gestalten zu müssen. Und wäre es nicht auch einmal reizvoll in einer permanenten Doppelbesetzung zu arbeiten?

Andererseits…

Andererseits dräuen zusätzliche „Teamzeiten“ – und zwar richtig schön ganztagslehrerfreundlich von 15.40 bis 17.15 Uhr. Da winkt entweder ein sehr langer Tag oder massenweise halbtote Zeit. Und wer holt währenddessen meine Tochter aus der KiTa?

Direkte Erfahrungen mit der sogenannten „Inklusion“ habe ich zumindest im sehr kleinen Rahmen schon sammeln können. Solange alles läuft, ist es anstrengend, aber machbar. Muss man improvisieren, kann das aber schnell kippen. Situation: Computerführerschein, Internetzugang defekt, die reguläre Zweitbesetzung musste vertreten werden, die Stimmung unter den Jungs war aus Gründen schon vor der Stunde kurz vorm Kochen. Musste mehrfach körperlich dazwischen gehen. Nichts Dramatisches, aber über eine Doppelstunde hinweg doch sehr nervenaufreibend. Muss ich mir das nun unter Umständen jede Deutschstunde 90 Minuten lang antun? Und was, wenn noch mal ganz andere Kaliber dazwischen sitzen?

Dazu befürchte ich, dass die Doppelbesetzung am Ende mehr Zeit kostet, als sie spart: Jede Unterrichtsentscheidung, jede Planung muss abgesprochen werden, neue Arbeitsmaterialien müssen für die Inklusions-SuS, neben der sonstigen Differenzierung, gesondert gestaltet werden. Kolleginnen berichten darüber hinaus davon, dass sie in mühevoller Arbeit (ziel-)differenzierte Materialien erstellt haben, deren Bearbeitung dann am Ende schlicht verweigert wird: arbeiten für den Eimer.

Und die positive soziale Wirkung auf die anderen Schüler, von der man ja immer wieder berichtet, die kann ich auch nicht beobachten. Mag sein, dass es den sozialen Zusammenhalt stärkt, wenn man sich gemeinsam die Unpässlichkeiten körperbehinderter Kinder auffängt, doch nach meiner Beobachtung mutieren irgendwann auch die nettesten Jungs zu wutentbrannten Schlägern, wenn sie von einem besonderen Kind permanent lauthals beschimpft werden und Schläge angedroht bekommen.

Magerer Informationsfluss, fette Gerüchte

Genauere Informationen als „Deutsch“ und „du“ gibt es leider nicht, stattdessen bleibt mir nur die Gerüchteküche. Und deren Türen schließe ich lieber schnell, denn was da an Düften herauswabert, das lässt mich nicht gerade zu einem „Ja“ tendieren. (War übrigens eine tolle Idee der Landesregierung, alle möglichen Förderschwerpunkte ausgerechnet an Schulen zusammenzuführen, wo kein einziger Lehrer adäquat ausgebildet ist. Abgesehen von freiwilligen Erste-Hilfe-Kursteilnehmern.) Felsenfest sicher ist nur, dass unser für Inklusion ausgebildetes Personal langsam knapp und immer knapper werden wird. Wird die mir heute versprochene Doppelbesetzung dann im nächsten und übernächsten Schuljahr noch Bestand haben oder darf ich dann im Alleingang vor die Wand laufen?

Aber vielleicht bin ich mittlerweile auch einfach viel zu vernagelt! Vielleicht habt ihr ja noch ein paar aufmunternde Argumente, Perspektiven und Ideen, warum man unbedingt einmal inklusiv Deutsch unterrichtet haben sollte?

 

Smartphone vs. Reclam

Die Kontraproduktivität des Hypes

Nur ganz schnell verbloggt: Andreas Hofmann schreibt darüber, warum das ganze Gehype des digitalen Lernens sich kontraproduktiv auswirkt. Sehr bedenkenswert.

Warum stammen die besten Medienberater eigentlich alle aus Niedersachsen? Kenne nun schon zwei, die die Wucht sind. (Im „Schlusslicht-bilden“ ist NRW aber auch ungeschlagen, ich mache mir da keine Hoffnung mehr…)