Im Tiefschlaf alle Veränderungen verpennt

Dass Schule eine statische Institution sei, in der sich schon seit der Kaiserzeit nichts mehr getan habe, ist einer der dauerhaftesten und ermüdendsten Vorwürfe, denen man als Lehrer regelmäßig begegnet. Aber über die gammelige Schule zu meckern ist immer schön schnell erledigt und man bekommt Likes, Likes Likes!

Und da gerade dieser Tweet in meiner Timeline herumgeistert, dachte ich mir, ich erläutere mal, was sich aus meiner Perspektive geändert hat, seit ich die Schule verlassen habe, denn das sind mittlerweile ziemlich genau zwei dieser vergangenen Jahrzehnte.

Das Erste, was mir im Referendariat auffiel, war, dass die Schüler viel mehr präsentierten, wie selbstverständlich Referate hielten und sogar den Unterricht selbst gestalteten. Referate waren in meiner Schulzeit (an drei verschiedenen Gymnasien) nur Sonderaufgaben für unter Notendruck geratene Schüler oder Strafaufgabe gewesen. Die Schüler, denen ich begegnete, lernten hingegen systematisch, Inhalte aufzubereiten und zu präsentieren. Und nicht nur das: Die heute so selbstverständliche Facharbeit in der Oberstufe gab es in meiner Schulzeit überhaupt nicht. Eine längere schriftliche Arbeit, in der man wissenschaftliche Arbeitsmethoden anwenden lernen sollte, eigene Thesen formulieren und Literaturrecherche betreiben sollte – das gab es vor wenigen Jahrzehnten nicht. Mir gefiel diese Entwicklung, hatte ich doch in meinem ersten Semester an der Universität noch mit der wissenschaftlichen Arbeitsweise zu kämpfen gehabt. Das Einüben des wissenschaftlichen Arbeitens konnte nur eine positive Neuerung sein.

Weniger gefiel mir die im Zuge der PISA-Studie aufkommende Entwicklung hin zur zentralisierten Testung der Schulen. Auch die hatte es vor zwanzig Jahren nicht gegeben, doch plötzlich waren PISA und IGLU tonangebend. Das Zentralabitur wurde eingeführt und VERA 8 sowie zentrale Abschlussprüfungen an anderen Schulformen eingeführt. Alles neu und letztlich einschneidende Veränderungen, von denen man annehmen muss, dass sie noch nicht am Ende sind – blickt man z. B. auf ein bundesweit vereinheitlichtes Abitur.

Nebenher zerfiel und zerfällt die altbekannte Schullandschaft. Die Eltern meldeten ihre Kinder nicht mehr an den Hauptschulen an, die mit ihrem zunehmend schlechten Ruf als „Resteschulen“ zu kämpfen hatten. Neue Modelle werden gesucht, die Realschule verliert mittlerweile als „Ersatzhauptschule“ ähnlich an Wertschätzung wie die Hauptschule zuvor, und der Trend zum zweigliedrigen, vielleicht sogar lokal eingliedrigen Schulsystem ist absehbar. Das sind eklatante Umbrüche im Schulsystem, die eigentlich jeder beobachten kann, der mit halbwegs offenen Augen der Tagespresse folgt.

Schule war in meiner Schulzeit eine Halbtagsangelegenheit, heute ist es das erklärte Ziel, möglichst viele Ganztagsschulen zu etablieren. Ein Ganztagsgymnasium war in den 90ern undenkbar, ich hingegen arbeite heute in einem. Wir haben den 45-Minuten-Rhythmus dankenswerterweise abgeschafft und nutzen ein 90-Minuten-Modell. Andere Schulen, auch das erfuhr ich staunend im Referendariat, haben sich auf ein 60-minütiges Modell geeinigt. Auch das sieht man nicht so schnell, wenn man es im eigenen Umfeld nicht erlebt, aber Schule ist nicht so statisch, wie man sich das gerne einredet.

Dank Ganztag haben wir eine Reihe weiterer Neuerungen, die vor zwei Jahrzehnten an meinen Schulen nicht zu denken gewesen wären: Direkt in meinem Schulgebäude haben mittlerweile zwei SchulsozialarbeiterInnen ihren Arbeitsplatz gefunden, und jede Klassenleitung hat alleine für Klassenbelange ausgewiesene Klassenleitungsstunden zur Verfügung. Meine Klassenlehrer haben das noch alles vom ihrem Fachunterricht abgeknapst. Auch neu sind sogenannte „Lernbarstunden“, die im Prinzip Freiarbeitsstunden sind, in denen die Schüler klassenweise an eigenen Arbeitsschwerpunkten arbeiten. Dabei ist es hilfreich, dass nicht alle Arbeitsphasen im Klassenraum stattfinden müssen, denn an meiner Schule (und auch an anderen, die ich besucht habe) gibt es mittlerweile zahlreiche Arbeitsflächen außerhalb des klassischen Klassenraumes. So kann man im Foyer, auf dem Flur oder auch in der Cafeteria, im Schulgarten oder auf der Außenterrasse arbeiten. Völlig undenkbar in meiner Schulzeit!

Wen das eigene Arbeiten nicht weiterbringt, der muss sich nicht mehr, wie in meiner Schulzeit, alleine auf die Nachhilfe verlassen. Schulinterne Fördersysteme sorgen dafür, dass auch Kinder aus weniger betuchten Elternhäusern die Möglichkeit fachlicher Förderung bekommen: dafür gibt es bspw. von Fachlehrern betreute Lernbüros (kostenlos), fachspezifische Förderkurse (kostenlos) oder das Modell „Schüler fördern Schüler“ (günstig). Solche tollen Einrichtungen gab es an meinen Schulen nicht.

Jemand, der aus den 90ern kommend durch meine Schule laufen würde, würde schnell feststellen, dass sich in einigen Klassen bis zu fünf Erwachsene gleichzeitig aufhalten – und sich niemand daran stört. Die Inklusion ist bei uns angekommen und zieht sich durch fast alle Klassenstufen. Eine Klasse, aber zwei Klassenräume, viel Grundschulmaterial, Klassenteamtreffen oder das Unterfangen, zielgleiche und zieldifferente Kinder an einem Gymnasium gleichzeitig zu unterrichten, das würde, davon bin ich überzeugt, einen Zeitreisenden mehr als verblüffen.

Integrationsklassen lernte ich zwar schon Anfang der 2000er kennen, da waren sie allerdings Metier der Hauptschule. Mittlerweile machen wir auch das an meinem Gymnasium – und Kinder, die nahezu kein Wort Deutsch können, werden so gut wie möglich in unseren fachlich orientierten Unterricht und die soziale Gemeinschaft integriert. Auch das etwas, dass ich an meinen Schule so nie erlebt habe.

So. Das waren meine 2 Cent. Ich finde, es hat sich während der letzten Jahrzehnte verdammt viel verändert in der Schullandschaft, und es gäbe bestimmt noch weitaus mehr, das man hier aufzählen könnte. Das hier habe ich jetzt spontan heruntergeseiert, obwohl heute Samstag ist und ich an diesem Tag eigentlich keine unnötige Sekunde an „Schule“ verschwenden möchte. Man kann all diese Veränderungen ignorieren, hat dann aber wohl eher selbst die letzten Jahrzehnte im Tiefschlaf verbracht. Und – uh, oh, ich habe ja noch gar nichts über Technik geschrieben…

Nachtrag

Eine entscheidende Veränderung habe ich ganz vergessen, die aber nur für gebundene Ganztagsschulen gilt: Die Abschaffung der Hausaufgaben! Noch so eine „unerhörte“ Veränderung, die einen Zeitreisenden in pures Erstaunen (und vielleicht sogar Entsetzen) versetzt hätte.

Autorität im Wandel

Adam Neely hat einen sehr erfolgreichen YouTube-Kanal. Er beschäftigt sich dort mit allem, was mit Musik und Musiktheorie zu tun hat, und verkörpert dabei alle Attribute, die man so als YouTuber braucht: Er wirkt engagiert, authentisch, glaubwürdig und er demonstriert immer wieder profundes Wissen, was ihm mittlerweile fast 300.000 Abonnenten beschert hat. Ich bin seit Neuestem auch einer von ihnen.

Adam kommentiert auf Anfrage auch immer wieder Videos, die seine Zuschauer ihm schicken. Sie wünschen sich einen Tipp, wie sie ihr Spiel verbessern können, erhoffen sich kompositorische Impulse oder einfach einen kritischen Blick auf ihre Handhabung des Instruments. Denn Adam Neely hat immer einen guten Rat, auch wenn Musiker durchaus Beeindruckendes zu bieten haben. Das scheint nicht allen Kommentatoren zu gefallen. In einer Episode stellt sich Adam einem provokanten Kommentar eines Zuschauers:

„Who made this guy an authority, about what is good and what isn’t.“

Die Antwort, die Adam gibt, bringt ein Legitimationsproblem unseres (eigentlich jedes) Bildungssystems auf den Punkt:

Auf Sog setzen

Mit dem Netz und den Lehrer scheint es so eine Sache. Schaue ich in meiner Twitter-Blase herrscht zunehmend Unmut darüber, dass sich in Sachen Bildung und Digitalität nur wenig bewegt, oft irgendwo einsame Leuchttürme strahlen und ansonsten Unterricht unter medialen Bedingungen von 1980 durchgeführt wird. Dabei könnte doch gerade die Digitalisierung helfen, neue Prüfungsformate, offene Unterrichtsformen, passgenaue Binnendifferenzierung, bessere Kollaboration, Kommunikation oder das Teilen von Arbeitsergebnissen zu erleichtern, zu verbessern, zu reformieren.

Dennoch scheinen die Ergebnisse im Jahr 2017 eher mau. Während wir auf Schülerseite mit eine Vielzahl von Problemen im Kontext der Internetnutzung zu kämpfen haben, scheinen die Lehrerkollegien kaum vom Fleck zu bewegen.

Eine wunderbare Sammlung, wie das trotzdem gelingen kann, hat Dejan Mihajlovic in seinem Beitrag „Den Weg ins Netz vorleben“ zusammengestellt. Die Sammlung reicht von handfesten Vorschlägen und Erfahrungen bis hin zu eher ironischen Kommentaren, aber Dejan bringt die Quintessenz seiner Erfahrung in wenigen Worten auf den Punkt:

Deshalb habe ich vor einiger Zeit aufgehört, Mitmenschen aktiv zu ermutigen, sich am Web zu beteiligen und setze nun auf Sog und nicht auf “Druck“.

Inklusion – ein positives Zwischenfazit

So richtig wohl war mir damals nicht: kaum fortgebildet, mit null Erfahrung ausgestattet, aber dafür im Blindflug mit vollem Schub voraus. Seit über einem Jahr unterrichte ich nun in einer inklusiven Klasse an einem Gymnasium und ziehe mittlerweile ein positives Fazit – unter Vorbehalt. Dass das Fazit positiv ausfällt, liegt daran, dass die Schulleitung dafür Sorge trägt, dass die Rahmenbedingungen stimmen.

Zwei Klassenräume

Wir schaffen es aktuell noch, jeder Inklusionsklasse zwei nebeneinander liegende Klassenräume zur Verfügung zu stellen. Einer ist der klassische Klassenraum, der andere dient als Ausweichort, wenn Stoffe schlecht inklusiv unterrichtet werden können und wird in allen anderen Situationen als Möglichkeit zur Öffnung des Unterrichts und zur Entzerrung der gesamten Lerngruppe genutzt. So kann man z. B. trennen in einen stillen Raum für konzentrierte Einzelarbeit und einen Raum, in dem man sich mit dem Partner austauschen darf.

Der größere Raum ist eingerichtet wie ein typischer Klassenraum, wogegen der kleinere auf die Bedürfnisse der I-Kinder zugeschnitten ist. Dort befinden sich mehrere bunte Schubladenschränke mit Lernmaterialien, Aufbewahrungskisten für die Kinder, eine Couch und mittlerweile drei Computer.

Die Inklusionshelferinnen berichten, dass sie solche räumliche Strukturen so noch nicht gesehen hätten. In anderen Schulen hätten die I-Kinder sich in einer getrennten Phase oft schlicht in eine besondere Ecke des Klassenraums zurückziehen müssen.

Doppelbesetzung und Sonderpädagogin

Ich unterrichte gerne in der I-Klasse und freue mich auf jede Stunde. Oft sind die Stunden dort viel entspannter als in anderen Klassen. Trotzdem würde ich ohne die viele Unterstützung durch Integrationshelfer und Sonderpädagogin gewiss jede Stunde „schwimmen“. Die gute Arbeitsatmosphäre resultiert insbesondere aus dem Zusammenspiel mit der Sonderpädagogin, ohne die vieles im Argen liegen würde. Sowohl für die I-Kinder als auch für mich als Fachlehrer ist es von unschätzbarem Wert, dass sie in allen Hauptfächern und auch darüber hinaus in der Klasse ist und so deren Probleme und Sorgen gut kennt und die den Kindern bekannte Rolle der sich kümmernden, permanent ansprechbaren Grundschullehrerin übernehmen kann. Zudem hat sie Erfahrung damit, bei wem sie die Zügel besonders straff halten muss: Während ich noch grübele, ob ich nun einschreiten muss oder ob das juristisch gestattet ist, packt sich eine Sonderpädagogin den betreffenden Schüler auch mal unterm Arm und trägt ihn unter Umständen dahin, wo es für ihn und die Allgemeinheit am besten ist. In meiner Klasse war das aber bislang noch nicht nötig.

Sie kennt auch Spiele, von denen ich noch nie gehört habe, ist immer lustig mit den Kindern, gibt mir Tipps zu besseren Differenzierung und sorgt dafür, dass ich auch die „normalen“ Kinder mit anderen Blick sehe, denn letztlich kümmert sie sich nicht nur um „ihre“ I-Kinder, sondern um den ganzen, großen Haufen. Viele Probleme des Schulhofs können dann schnell am Rande der Stunde gelöst werden – es ist ja immer eine zweite Person da, die sich um die anderen kümmern kann.

Unterstützung durch I-Helfer

Zwei der Kinder werden von Integrationshelferinnen begleitet, da diese Kinder viele Dinge nur mit großer Mühe schaffen und eine besondere Betreuung brauchen. Unsere I-Helferinnen sind „gold“, denn sie nehmen ihre Aufgabe sehr ernst, unterstützen sowohl uns als auch die Kinder durch ihrer Arbeit und haben die Kinder so gut im Blick, dass ich oft bei den I-Helferinnen nachfrage, ob mein Material nun vielleicht zu schwer, zu lang oder zu leicht ist. Die I-Helfer wissen, wann ein Kind eine Pause braucht (die Couch!) und wann es sich vor der Arbeit drückt, obwohl es eigentlich gut arbeiten könnte. Wenn ich gerade mit anderen Kindern beschäftigt bin, hilft die I-Helferin auch bei inhaltlichen Unklarheiten und ganz manchmal auch den anderen Kindern.

Kooperation

Mein Nebenfach unterrichte ich nicht gemeinsam mit der Sonderpädagogin, denn dafür reichen im gebundenen Ganztag die Stunden nicht. Damit wir dennoch nicht alleine stehen, versuchen wir, auch dann die Doppelbesetzung durchzuhalten, weshalb ich mit einer Kollegin gemeinsam unterrichte. Und plötzlich steht man in einer klassischen Team-Teaching-Situation, bereitet den Unterricht gemeinsam vor, gestaltet Arbeitsblätter, teilt Arbeit auf und profitiert von den Ideen des anderen. Ich kann mit Gewissheit sagen, dass das im klassischen Setting so niemals stattgefunden hätte, weil jeder von uns alleine im Klassenraum vor sich hingewurschtelt hätte. Und spannend ist es sowieso, mal andere Kollegen über längere Zeit bei der Arbeit zu beobachten.

Auch im Kollegium insgesamt nehme ich wahr, dass die Kolleginnen und Kollegen der I-Klassen zusammenrücken und auch systemisch stärker kooperieren, Absprachen treffen, über den Etat beraten und sich bei Problemen offen austauschen.

Alle profitieren

Wenn man schon zu zweit im Klassenraum steht (und noch zwei sehr fähige I-Helfer dabei hat), dann gewinnt man plötzlich viel Zeit, um sich zu den Kindern zu setzen (es ist ja Platz!) und mit diesen individuelle Probleme zu aufzuarbeiten. Da kann man wirklich mal in Ruhe Texte lesen, Rückmeldungen geben und tatsächlich Arbeitsprozesse begleiten. Die Klasse profitiert vollständig, denn sowohl die I-Kinder als auch die anderen kommen in den Genuss eines angemessenen Personalschlüssels, besonderer Materialien (es ist erstaunlich, wieviele Kinder freiwillig Ohrschützer nutzen, um in absoluter Ruhe arbeiten zu können) und wenn die I-Kinder aus dem lebenspraktischen Unterricht Waffeln mitbringen, dann schmecken die allen.

Es ist dann oft ein kleiner Schock, wenn ich nach einer Doppelstunde in meiner I-Klasse wieder alleine in meine eigene Klasse komme, wo 30 Kinder wie im Hühnerstall zusammengepfercht auf ihren Stühlen den größten Teil der Stunde im viel zu engen Klassenraum verbringen müssen. Natürlich gibt es auch in meiner unmittelbaren Nähe die weniger angenehme Seite der Inklusion, trotz der vielen Vorteile, die ich oben aufgezählt habe, aber bei mir ist es aktuell sehr angenehm.

Wollte ich nur mal gesagt haben, nach den vielen kritischen Artikeln meinerseits.

Start ins neue Jahr. Hospitation. Eine Stunde History.

Ein neues Schuljahr steht vor der Tür, der Wahnsinn geht schon wieder los. Vermerke auf meiner Lehrer-verrichten-viele-Berufe-Liste den Möbelpacker als neue Errungenschaft.

Ansonsten erwarte ich ein spannendes Schuljahr. Die Landesregierung hat uns G9 versprochen (natürlich mit Ausnahmen), noch ist mir aber unklar, wie das umgesetzt werden soll und vor allem: Wer entscheidet darüber, welche Schule eine G9 (bzw. eine Ausnahme-G8-)Schule wird und welche Beteiligungsmöglichkeiten die Betroffenen haben, an denen das Ganze dann umgesetzt wird.

Ferner wird nun an unserer Schule Stück für Stück die sogenannte „kollegiale Hospitation“ eingeführt, ein Verfahren, welches der Qualitätssicherung an Schule dienen soll. Dabei hospitiert ein Kollege, den man sich selbst aussucht, den eigenen Unterricht und gibt am Ende zu einem ausgewählten Schwerpunkt (z. B. Umgang mit Unterrichtsstörungen) eine Rückmeldung. Dieses, an das Referendariat erinnernde Verfahren, wird durchaus kontrovers betrachtet und bereitet einigen sichtbar Bauchgrummeln. Bin mal gespannt, wie sich das entwickelt. In ein paar Jahren schmunzeln wir vermutlich über unsere Sorgen. (Mal abgesehen davon, dass die Inklusionslehrer sowieso permanent zu zweit im Klassenraum stehen…)

Und für die Historiker noch ein Tipp: Der Podcast „Eine Stunde History“ von Deutschlandfunk Nova bietet wirklich gut gemachte Podcasts zu diversen historischen Themen und wirkt auf jugendliche Hörer vermutlich tausendmal ansprechender als das altbekannte Zeitzeichen. Reinhören lohnt sich!

Wechsel. Abgesang auf die Inklusion.

Die Unzufriedenheit mit der Schulpolitik hat in NRW zu nicht unerheblichen Anteilen zur Abwahl von Rot-Grün beigetragen. Nun werden wir hier emnächst vermutlich von schwarz-gelben Reformen gebeutelt, denn wie immer ist die Schulpolitik der Platz in der Republik, auf dem man am liebsten seine ideologischen Spleens pflegt.

Dank Inklusion, Integrationsklassen und dem gebundenen Ganztag mit all seinen Vor- und Nachteilen ist es nun schon gehörig eng in unserem Gebäude. Sollte demnächst noch das G9 dazukommen, bin ich mal gespannt, wie wir das räumlich schaffen wollen.

Immerhin mehren sich die kritischen Stimmen zur Hals über Kopf eingeführten Inklusion. Heike Schmoll verweist aktuell in der FAZ mit einem Bericht („Lehrer stellen Inklusion vernichtendes Zeugnis aus„) und einem Kommentar auf die Lage der Inklusion. Endlich wird auch in der Presse wahrgenommen, dass nicht die körperbehinderten Kinder uns im Unterricht vor Schwierigkeiten stellen:

Körperbehinderte Schüler zu integrieren gehört noch zu den leichteren Übungen. Doch die Gruppe derer, die am meisten Aufmerksamkeit braucht, wird immer größer. Das sind Kinder mit emotional-sozialer Entwicklungsstörung, die man früher als schwer erziehbar bezeichnet hätte.

Recht hat sie. Und auch das Einbeziehen von Kindern mit dem Förderschwerpunkt Lernen oder dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung schütteln wir uns nicht mal eben aus dem Handgelenk. Wie soll ich inklusiven Deutschunterricht mit Kindern machen, von denen 80% dem gymnasialen Stoff folgen können, ein Zehntel eventuell mit Ach und Krach und viel, viel Arbeit den Hauptschulabschluss schaffen kann, das letzte Zehntel aber gerade mal eine halbe Seite in leichter Sprache lesen und ein Kind nicht einmal lesen oder schreiben kann? Würde gerne den Kultusminister sehen, der mir das ein Halbjahr lang vormacht und nebenbei den normalen gymnasialen Alltag bewältigt. Abgesehen davon, dass es die Arbeitsbereiche, die diese Kindern auf eine selbstständige Zukunft wirklich vorbereiten könnten (z.B. Küche, Hauswirtschaft, Werkstatt) an unserer Schule gar nicht gibt. An Gymnasien gibt es eben massig Kopfunterricht, aber außer in Kunst oder in AGs wenig Praktisches. Statt auf kleine, überschaubare Strukturen treffen diese schnell überforderten Kinder auf große Systeme mit ständig wechselnden Akteuren und Regeln. Hilfreich ist das nicht.

Post Twitter. Werbung mit Gefühlslagen.

Woche 3 post Twitter und ich vermisse nichts. Allerdings blogge ich auch nicht mehr, aber ich lese wieder mehr Blogs. Habe meinen Feedreader entstaubt und freue mich seitdem über die Beiträge von Bob Blume, der mich auf Twitter immer eher kekste. Den aktuellen Beitrag zur Interpretation könnte man ruhig mal lesen.

Eigentlich wollte ich aber nur fix auf den Beitrag „Facebook helped advertisers target teens who feel ‚worthless‘“ (via Fefe) hinweisen, weil der mal so richtig schön deutlich macht, wie die Datenmacht sozialer Netzwerke so richtig schön klischee-kapitalistisch zu Ungunsten der Schwächeren missbraucht werden kann:

Facebook’s secretive advertising practices became a little more public on Monday thanks to a leak out of the company’s Australian office. This 23-page document […] details in particular how Facebook executives promote advertising campaigns that exploit Facebook users‘ emotional states—and how these are aimed at users as young as 14 years old.

According to the report, the selling point of this 2017 document is that Facebook’s algorithms can determine, and allow advertisers to pinpoint, „moments when young people need a confidence boost.“ If that phrase isn’t clear enough, Facebook’s document offers a litany of teen emotional states that the company claims it can estimate based on how teens use the service, including „worthless,“ „insecure,“ „defeated,“ „anxious,“ „silly,“ „useless,“ „stupid,“ „overwhelmed,“ „stressed,“ and „a failure.“

Würde meinen emotional state gerne mal Mr Zuckerberg übermitteln. Bin aber nicht mehr in seinem Laden.

Buddenbohm. Bäume pflanzen.

Da es hier nichts Besonderes zu erzählen gibt, verweise ich einfachheitshalber auf das Blog von Buddenbohm, in dem es sich heute mal um den Deutschunterricht an der Grundschule seines Sohnes dreht. Auch ohne Lehrercontent: Den Buddenbohm sollte man sowieso im Feedreader haben.

Ansonsten prokrastiniere ich gerade aktiv (sonst würde ich ja jetzt nicht hier tippen). Um mich moralisch zum Korrigieren zu zwingen, habe ich gestern die witzige App „Forest“ entdeckt, die dabei helfen soll, konzentriert und unabgelenkt zu arbeiten. Dabei stellt man eine gewünschte Zeit ein und während die Zeit abläuft, wächst ein kleiner virtueller Baum. Hält man die eingestellte Zeit vollständig durch, ergänzt der Baum einen kleinen Wald, der mit der Zeit immer größer wird (und natürlich kann man noch Punkte sammeln und andere Bäume freischalten). Bedient man jedoch während der Arbeitsphase sein Smartphone, stirbt der kleine Baum – und das kann ja keiner wollen. Angeblich kann man sogar echte Bäume pflanzen lassen, wenn man ausreichend Punkte zusammengearbeitet hat, aber so weit bin ich noch lange nicht.

So. Fertig prokrastiniert. Jetzt werden weiter virtuelle Bäume gepflanzt.