An der Säge

Jedes Halbjahr aufs Neue: Ein etwa 11-jähriges Mädchen schaut mich zweifelnd an, die große Säge in der einen, das Bambusrohr oder Sperrholz in der anderen. Ein Schwirrholz soll es dann meist werden oder eine Panflöte. Die ersten Züge gelingen noch recht grob, die Säge rutscht ab. Sie zweifelt sichtbar. Dann ist der Anfang gemacht, das Blatt zersägt leichtlaufend das Holz. Geschafft. Stolz. Von nun an werde ich nicht mehr gebraucht.

Die Arbeiten meiner letzten Mädchengruppe waren sehr schön, sehr sorgfältig und oft präziser gesägt als die der Jungen. Die sind manchmal zu ungestüm. Manche gestehen traurig, dass sie noch nie gesägt hätten. Die Sorgen der Väter sind dabei unbegründet: Verletzt hat sich in drei Jahren noch niemand. Sie sollten lieber sehen, mit welchem Feuereifer ihre Kinder zu Werke gehen, wenn sie mit eigenen Händen eigene Instrumente bauen dürfen. Ohne Notendruck, einfach nur mit einem Ziel.

Wann habe ich eigentlich das letzte Mal mit meiner Tochter gesägt?

3 Gedanken zu „An der Säge

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