Fernsehtipp, Negerkönige und eine Prüfstelle

Fernsehen
Heute um 22:30 Uhr auf Phönix: Lehrerzimmer. Ein Schuljahr. Eine Beobachtung eines Lehrerzimmers über den Zeitraum eines Jahres hinweg. Bestimmt interessant für Menschen, die ein Lehrerzimmer noch nie von innen gesehen haben, aber ich spinxe auch immer gerne in fremde Lehrerzimmer.

Der „Negerkönig“
Im Halbtagsblog macht sich Jan-Martin Klinge Gedanken zum „Negerkönig“. Ich hatte schon einen kompletten Blogbeitrag dazu eingehackt, ihn dann aber wieder verworfen, weil man bei diesem Thema aus dem Bermudadreieck der Political Correctness nicht heil herauskommt. Man merkt beim Schreiben sehr schön die Zwickmühle eines aus der Mehrheitsgesellschaft Stammenden, der sowohl ein väterlich-herablassendes „Ist doch alles gar nicht so gemeint“ dahinlächeln als auch besorgt-faltenstirniges Verständnis aufbringen kann, ohne selbst ernsthaft betroffen zu sein. Irgendwo zwischen Sprachwandel, Respekt und verlorengehender Historizität; sich Achtung in die Tasche lügen und kleine Zeichen des Entgegenkommens senden schwebt diese Entscheidung, das Wort „Neger“ zu bannen.

DGB fordert Prüfstelle für freie Unterrichtsmaterialien
Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert eine „Prüfstelle für freie Unterrichtsmaterialien“. Ganz unbegründet ist diese Idee nicht, entbehrt aber auch nicht einer gewissen Dämlichkeit. Die Sorge des DGB ist berechtigt, nämlich dass interessierte und finanziell starke Wirtschaftsverbände ihre Sicht auf Wirtschaft und Gesellschaft durch kostenfreie Unterrichtsmaterialien befeuern könnten. Das ist nicht von der Hand zu weisen und ich habe mir schon 2007 einmal Gedanken dazu gemacht, warum man als Politiklehrer mit hübschen Broschüren und tollen Unterrichtsvorschlägen förmlich zugekleistert wird. Dämlich ist, das der DGB glaubt, eine Prüfstelle würde etwas nützen: Wer um alles in der Welt will Unternehmen davon abhalten, kostenlos Materialien auf ihren Sites zu veröffentlichen, und wer will Lehrer davon abhalten, diese herunterzuladen? Was ich wie im Unterricht einsetze, kontrolliert letztlich niemand. Und das ist auch gut so – unter Umständen kann gerade das perspektivisch vorgefärbte Material nützlicher sein als das vermeintlich neutrale, glattgebügelte. Um auf den Begriff „Neger“ zurückzukommen: Man kann an ihm leichter Kolonialismus und gesellschaftlichen Bewusstseinswandel zeigen als an aktuellen politisch korrekten Begrifflichkeiten.

Herr Larbig weist darüber hinaus darauf hin, dass der besorgte Vorschlag des DGB auch „OER“ (Open Educational Ressources) betreffen und deren Verbreitung damit erschweren könnte. Es gehe dem DGB um Arbeitsplätze in den Verlagen:

Ein Schelm, wer glaubt, es ginge Gewerkschaften um die Qualität von kostenlosen Lernmaterialien und nicht zuerst um die Erhaltung der Arbeitsplätze in den Schulbuchverlagen.

Ich denke eher, es geht dem DGB um politische Deutungshoheit, und wie gesagt, nicht ganz unbegründet. In meiner kurzen Phase als fachfremder Politiklehrer habe ich schon gemerkt, wie sehr man von den Unternehmen betüddelt wird. So toll aufbereitetes Material zur Aufarbeitung des Holocaust bekommt man von Unternehmen nicht so leicht…

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