Dritter Medienbildungstag – Nostalgie.

Gestern fand der dritte Medienbildungstag meiner alten Alma Mater, der Uni Bielefeld, statt. In den letzten Jahren habe ich die Uni auch immer wieder einmal aus unterschiedlichen Gründen besucht, aber dieses Mal war mir wirklich etwas nostalgisch zumute. Da mag zum einen daran liegen, dass ich ausnahmsweise ohne marodierende Schülergruppe im Schlepptau da war und zum anderen daran, dass mir zum ersten Mal bewusst wurde, dass ich mittlerweile nahezu doppelt so alt wie die Erstsemester bin. Hilfe, ist das alles lange her, obwohl es mir vorkommt, als wäre das alles erst gestern gewesen!

Und da ich ca. 40 Minuten zu früh da war, habe ich mir erst einmal wieder in Ruhe die Uni angeschaut. Es hat sich doch einiges verändert – und das durchaus zum Positiven.

Nostalgie

Die gute alte Unihalle. Wie immer hässlich, von Plakaten diverser Interessensgruppen behangen, das Rattern der Tassenwagen auf dem schwarzen Noppenboden, der Bäcker, der Schreibwarenladen – alles noch an seinem Platz. Tauben im Dach gurren so laut, dass es die ganze noch spärlich besetzte Halle erfüllt. Die Sparkasse, in meiner Anfangszeit noch mit Personal besetzt, ist schon vor einigen Jahren durch Automaten ersetzt worden. Gott sei Dank gab es früher noch Menschen in der Filiale, denn ohne diese hätte ich meine Kaution für meine erste Wohnung nicht so schnell bekommen, wie es hätte sein müssen. Das ging nämlich plötzlich ganz schnell.

Auf der Suche nach der Uni-Bücherei werde ich jedoch jäh enttäuscht: Statt der kleinen Bücherhöhle, in der stapelweise die Semesterliteratur vorgehalten wurde, treffe ich nur auf einen seelenlosen Arbeitsraum, der unfreiwillig an diese Begegnungsräume im Knast erinnert, die man aus Fernsehserien kennt. Was haben sie mit der Bücherei gemacht? 😢

Schöner arbeitet es sich da auf der Galerie, die natürlich keine Ruhe bietet, dafür aber direkt am Puls der Uni schlägt. Freies Internet gibt es hier, jedoch ist das nur vor acht Uhr nutzbar, im Workshop war ein Umstieg auf das eigene mobile Netz nötig. Beim Gang über die Galerie begegnen mir alte Bekannte, natürlich das Büro des AStA und das des Schwulenreferats. Als ich als Erstsemester da das erste Mal vorbeigegangen bin, wären mir fast die Augen ausgefallen, denn dort hing ein Plakat, das zwei Männer bei der Fellatio zeigte. Ich konnte das damals gar nicht glauben, dass man solch ein Plakat aufhängen darf und war reichlich verunsichert. Gestern habe ich mich aufrichtig gefreut, dass das Plakat immer noch hängt. Es gehört einfach zum Uni-Inventar.

Die Aufwertung der Toiletten ist augenfällig. Statt der stinkenden Pissrinne und der löchrigen Toilettenwände setzt man auf ein schickes Design und klare Struktur. So saubere Toiletten habe ich in dieser Uni noch nie gesehen. Noch ein kurzer Besuch im Audimax und ein Foto von der kritischen Kunst vor dem Audimax – und dann ging die Begrüßungsveranstaltung auch schon los. 

Verstärkt wurde meine Nostalgieaufwallung dann auch noch im sicheren Hörsaal, als Frau Prof. Josting in die Veranstaltung eingeführte, denn an Frau Josting habe ich ausnahmslos positive Erinnerungen. Meine zweite Hausarbeit habe ich bei ihr geschrieben und ich weiß noch genau, was sie mir sagte, als sie mir diese zurückgab.

Später, nach der Einführung und dem ersten Workshop bei Ricarda Dreier, habe ich noch nachgeschaut, ob es die mega Frikadellen-Fladenbrote mit Krautsalat noch gibt – zu Studi-Zeiten quasi Grundnahrungsmittel – es gibt sie! Zu den Inhalten des „Mebit“ gibt es später mehr, erst einmal musste ich hier Grundbedürfnisse befriedigen. 😉

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