Wie ein bunter Hund

Was man mit der Zeit akzeptieren muss: Als Lehrer kennt dich jeder. Sogar und besonders Menschen, die du nicht kennst und mit denen du gar nicht rechnest.

Es gibt da diesen Zebrastreifen an meiner Schule, den zu erreichen man von der Bushaltestelle aus etwa eine Strecke von 100 Metern überwinden muss. Das ist kein allzu großer Umweg, aber wenn man die Straße direkt überquert, ist man natürlich noch schneller. Wenn ich morgens mit den Schülern komme, nehme ich immer brav den Zebrastreifen und nehme den kleinen Umweg in Kauf, denn als Lehrer bin ich ja Vorbild.

So ungefähr sah das der freundliche Herr am heutigen Nachmittag so gegen 16.45 Uhr auch, als er mich, während ich fix über die Straße wollte, mit mildem Vorwurf in der Stimme ermahnte: „Na, als Lehrer müssen Sie doch den Zebrastreifen nehmen.“ Nun ja, weit und breit waren keine Schüler zu sehen, der Feierabendverkehr aber schon im Gange und so begleitete ich ihn ein paar Meter bis zum Zebrastreifen. Auf meine Frage, woher er wisse, dass ich Lehrer sei, antwortete er nicht etwa, dass er ein mir unbekanntes Elternteil sei oder dass er das aus meinem Weg in Richtung Schulgebäude geschlossen habe, sondern er erzählte mir, dass er mich und meine Klasse kürzlich auf dem Wandertag gesehen habe. Und da bin ich ihm wohl im Gedächtnis geblieben.

Wir haben uns dann einen schönen Abend gewünscht, und ich frage mich seitdem schon, wie viele mir anonyme Menschen mich täglich in meiner Rolle als Lehrer beobachten.

6 Gedanken zu „Wie ein bunter Hund

  1. Tja, als Lehrer muss man die oft sinnlosen Regeln selbst einhalten, die man den Schülern gibt. Man könnte den Schülern ja sagen, dass so ein Streifen schon sinnvoll ist. Gerade bei viel Verkehr. Aber nein, man sagt: „Benutz‘ ihn immer!“.

    Lieber mal eine Regel/ein Verbot/eine Vorschrift/ein Gesetz zu viel, als ein(es) zu wenig.

    BTW: Handys in der Schule sind schlimm. Immer. Verbot. Und ich laufe mit meinem Smartphone über den Gang und schaue vor der Stunde noch einmal schnell in mein Wiki. Aber bei Schülern ist das etwas anderes. Die sind eh nur bei fb und youtube.

    Eigenverantwortung lernen geht anders. Statt Vorbote vorzugeben, sollten wir den SuS zeigen, wie man verantwortlich/kreativ/produktiv handelt, statt nur Regeln zu befolgen.

    BTW: Habe gerade Frust wegen genau so einem Fall. Und ich weiß natürlich, dass Regeln sein müssen. Manchmal. Nicht so viele. Im Konsens.

    • Ich schätze, ich kann mir grob vorstellen, warum. Diese Handy-Regeln lassen sich ja nur unter unglaublicher Anstrengung aufrecht erhalten; ich bin ganz froh, dass wir eine relativ liberale Handy-Regelung an unserer Schule haben und ich nicht andauernd in Verlegenheit komme, Regeln brechen zu müssen. Regeln müssen sein, keine Frage, aber Rollenspieler kennen ja die Gesinnung „chaotisch gut“, manchmal ist es besser, sinnlose Regeln zu ignorieren. Wenn die Schule keine fünfzehn funktionierende Aufnahmegeräte hat, dann dürfen meine SuS selbstverständlich das Handy stattdessen verwenden. Und zum Glück ist das an meiner Schule auch ‚legal‘.

  2. >>Wenn die Schule keine fünfzehn funktionierende Aufnahmegeräte hat, dann dürfen meine SuS selbstverständlich das Handy stattdessen verwenden. Und zum Glück ist das an meiner Schule auch ‘legal’.

    Das dürfte an jeder Schule legal sein. Zumindest an jeder Schule in Bayern… Problematisch ist das nur außerhalb des Unterrichts, aber dass Schüler außerhalb des Unterrichts lernen, ist eh nicht vorgesehen – und leider auch nicht wahrscheinlich, so wie sie es gewöhnt sind.

    • Ich meinte, innerhalb der Schulordnung / -regeln / -vereinbarungen legal. Darum auch die An- und Abführungszeichen. Außerhalb des Unterrichts haben wir auch eine liberale Regelung und die Befürchtungen der Pessimisten sind meines Wissens noch nicht eingetreten. Der Kreis dieser wird mit zunehmender Verbreitung von Smartphones auch immer kleiner.

      Bei den Oberstufenschülern habe ich schon den Eindruck, dass die ihre Handys auch zum Lernen verwenden.

  3. >Ich meinte, innerhalb der Schulordnung / -regeln / -vereinbarungen legal.

    Ich schon auch. Gibt es das tatsächlich irgendwo, dass ein Lehrer seinen Schülern nicht erlaubten darf, ihr Handy im Unterricht zu benutzen?

    • Davon habe ich noch nichts gehört. Zu Beginn war ich mir aber unsicher, wie man den Wortlaut unserer alten Hausordnung verstehen sollte – galt das Handyverbot generell, also auch im Unterricht, denn eine dortige Benutzung würde ja die bestehende Regelung unterminieren, oder nur in den Pausenphasen. Das war damals nicht explizit geregelt und kann unter Kollegen dann schon zu Spannungen führen, wenn der eine Handys kategorisch ausschließt, der andere sie aber gestattet.

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