Vom Verlinken

Ich blogge jetzt schon seit 2004 und habe mit dem Verlinken von Blogs folgende Erfahrung gemacht: Es ist ganz einfach. Man setzt einen Link und gut is‘. Vielleicht wird der andere aufmerksam und linkt zurück oder er lässt es bleiben. Ersteres freut natürlich, zweiteres geht völlig in Ordnung.

Misstrauisch werde ich grundsätzlich dann, wenn mich jemand per E-Mail nach einem Link fragt, und sei es nur auf indirekte Art und Weise a’la „Find Dein Blog doll, soll’n wa uns nich‘ gegenseitig verlinken?“. Da gucke ich dann doch etwas genauer hin. Eben, weil’s ja eigentlich so einfach ist. Und stelle einige Merkwürdigkeiten fest.


Erstens verschaukelt…
In diesem Blog hier verlinke ich grundsätzlich nur Lehrerblogs bzw. Blogs, die sich um die Thematik Lehren, Lernen, Lehramt drehen. Sieht man ja rechts in der Leiste. Wenn dann jemand, der mich derart um einen Link bittet, den Eindruck erweckt, einem Lehrerteam anzugehören und nachweislich nicht mal ein Lehramtsstudium absolviert hat, dann komme ich mir schon ein wenig verschaukelt vor.

Wenn ich dann bei weiterem Suchen feststelle, dass hinter dem dollen neuen Lehrerblogprojekt ein Verlag steckt, werde ich doppelt misstrauisch. Besonders dann, wenn exakt zur selben Zeit, als die Mail verschickt wurde, Zugriffe vom Verlagsserver aus erfolgt sind. Müssen Mainzer Lehrer erst zu Universum fahren, um mein Blog „entdecken“ zu können?

Um es kurz zu machen: Wenn ich derart plump von der Seite angekumpelt werde und dabei gleichzeitig das Gefühl bekomme, verschaukelt zu werden, werde ich natürlich nicht verlinken.

…zweitens zur Sache
Ich verlinke gerne Blogs. Lesenswerte. Wie zum Beispiel das von Jochen mit seinen vielen nützlichen Beiträgen, wie das von Herrn Rau mit seiner Bandbreite an verschiedenen Themen, wie das von Lisa, die kein Blatt vor den Mund nimmt oder wie das von Norberto42, der in Sachen Zentralabi ebenfalls kein Blatt vor den Mund genommen hat. Ich könnte beliebig weiterführen, dass der teacher (fast) jeden Tag einen seiner feinen Beiträge online stellt, dass man bei Augenbloglich zwar selten, aber dann richtige Brüller serviert bekommt und so weiter und so fort. Allesamt Lehrerblogkleinode in der Leiste dort rechts.

Was ich nicht gerne verlinke, sind halbfertig hingeschlunzte Blogprojekte, bei deren Qualität ich stark daran zweifeln (bzw. hoffen) muss, dass wirklich Lehrer dort mitarbeiten. Halbfertig, weil in der Seitenleiste Lehrertyp „Michael“ ganz alleine vor sich hingammelt, während claude und krieger (nicht Lehrerin) schon „fleißig“ gebloggt haben, aber unter „Autoren“ nicht vertreten sind. Michael hat übrigens noch nichts gebloggt.

Fleißig. Ein gutes Stichwort, denn warum in aller Welt sollte ich ein Blog verlinken, in dem von April bis heute ganze 6 (in Worten: sechs) Beiträge geschrieben, pardon: veröffentlicht wurden. Denn das Witzbildchen und das Harald-Schmidt-Zitat von April sind ja nicht wirklich geschriebene Beiträge, sondern eher Verlegenheitscontent.

Und trotzdem bin ich ein wenig gespannt. Zum Beispiel ob man wirklich versuchen wird, das Boygroupkonzept weiter durchzuziehen. So findet man bei Michael (der ja nicht schreibt) bspw. eine hübsche Typenbeschreibung:

Michael: Pädagoge an einer Gesamtschule, Streitschlichter, Multi-Tasker und manchmal kurz vor dem Delirium.

Jetzt fehlen nur noch eine autoritäre Gymnasialdomina, ein engagierter Hauptschulsozialarbeiter und der entspannte Realschulkollege, Typ: Mir gehört der Nachmittag. Finden sich schon. Was sich jedoch nicht finden wird, ist ein direkter Link aus diesem Blog. Auch ich verzichte dankend.

11 Gedanken zu „Vom Verlinken

  1. Würde denn der IBASS-Blog den Link-Ansprüchen genügen?

    Immerhin ist IBASS die vor vielen Jahren gefundene Abkürzung für „Informations- und Kommunikationstechnologischer Bereich der Ausbildung an Studienseminaren“; so wurde einmal in NRW eine Ergänzung zum Hauptseminarplan bezeichnet.

    Wenn ja, der blog ist zu finden unter:

    http://www.ibass.nrw.de

  2. Ach, das ist ja interessant.
    Ich erhielt gestern eine ähnliche Email einer angeblichen Kollegin, die mir ganz kumpelhaft anbot, meinen „guten“ Blog zu verlinken, sofern ich ihren „guten“ Blog verlinke.
    Nach einem ersten Blick auf „die Anstalt“ – wie mir das Blogprojekt angepriesen wurde, las oder sah ich jetzt erstmal nichts Außergewöhnliches, nichts Wesentliches, nichts, was ich unbedingt verlinken müsste.

    Und nun finde ich Deinen Eintrag hier.
    🙂

    Liebe Grüße
    suan

  3. Da bin ich jetzt in einer Zwickmühle: Die Fischigkeit des Ganzen hast du mir gerade glaubhaft bewusst gemacht, andererseits habe ich gestern auf die immerhin nett formulierte Mail ebenso nett eine Zusage zurückgeschrieben, weil mir das Projekt – wenn auch noch nicht sehr Content-reich und tatsächlich „nix Besonderes“, weil ja angeblich brandneu und somit noch kaum bekannt – nicht wirklich „verkehrt“ erschien. Hmmm…

  4. Vielleicht wirds ja auch noch was. Vielleicht schreiben die wirklich schöne Beiträge und „fresse hauen“ war nur ein Ausrutscher. Ich werde auch weiterhin ein Auge drauf haben und mir das Dingen angucken. Aber solange das „Mainzer Lehrerteam“ nicht klar macht, dass Universum dahintersteckt, bleibe ich kritisch. Wenn nämlich die ersten Beiträge auftauchen a’la „Heute mit Lehrmaterial XYZ dollen Unterricht gemacht“, dann ist’s Zeit…

  5. Von „Lehrerblogs“ habe ich solche Anfragen noch nicht bekommen, da ich aber auf meiner andereen Website u.a. über Webdesign schreibe, fragt fast wöchentlich jemand an, ob ich sein „brandneues Webdesignprojekt“ nicht verlinken könne. Oft geht das soweit, dass der Anfrager sich vorher über meinen Google Pagerank informiert hat — womit dann die Zweifel an der „Fischigkeit“ ganz ausgeräumt sind. Die beste Mail kam neulich: da argumentierte jemand damit, dass „beim nächsten Google Pagerank Update“ (wovon kein Mensch sagen kann, wann das statt findet), seine Site „mindestens“ eine „5“ sein wird…. — na ja, auf solche Mails antworte ich inzwischen gar nicht mehr.

  6. Hallo allerseits, die „Übeltäterin“ war ich!

    Wow, das ist ja echt ein bisschen fies, wie man hier gleich fertig gemacht wird! Der Blog „Die Anstalt“ ist völlig harmlos und gut gemeint. Er wird tatsächlich von Mainzer Lehrern betrieben, die auch die Idee zu dem Blog hatten und sich derzeit gerade zu einem Team formieren (einer davon ist „claude“). Das Ganze ist noch ein bisschen Baustelle und läuft gerade erst an.

    Die Verbindung zum Universum Verlag ist ganz einfach: Der Verlag realisiert als Dienstleister die Homepage der Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung e. V.. Meine Kollegin und ich arbeiten beim Universum Verlag und kennen die Lehrer privat, und durch unsere Initiative kam es auch dazu, dass die Arbeitsgemeinschaft den Lehrer-Blog nun unterstützen will.

    Der Blog ist aber ganz bewusst nicht in die die Homepage der Arbeitsgemeinschaft integriert und läuft separat. Er soll auch keine Werbeseite sein, sondern von Lehrern für Lehrer betrieben werden, der freien Kommunikation dienen und Spaß machen. Alle Beteiligten sind Blogger-Anfänger, inklusive mir, dieich privat ein bisschen mitblogge, und wir sind gespannt, wie sich das weiter entwickelt.

    Dass ich am Ende eines Arbeitstages und – wie heute – am Wochenende von meiner privaten E-Mail-Adresse aus ein bisschen versuche, die Verlinkung zu unterstützen, ist reines Privatvergnügen und doch wirklich kein Verbrechen, für das man mich hier öffentlich „massakrieren“ muss! Bin jetzt echt ein bisschen geschockt über die Heftigkeit der Reaktionen auf meine Mails. Naja, hab auf jeden Fall draus gelernt …

    Beste Grüße aus Mainz!

  7. Liebe Frau Rieger,
    Sie bewegen sich hier, wie man so schön sagt, im „social web“. Auch, wenn vieles sich mehr oder weniger anonym abspielt und man die Menschen nur schemenhaft hinter ihren Blogs wahrnehmen kann, so spielen wie immer zwei Faktoren eine wichtige Rolle: Ehrlichkeit und Vertrauen. Sollte das stimmen, werden Sie wunderbare Erfahrungen mit Blogs machen können.

    Ich habe oben dargelegt, wie ich es mit Verlinkungen halte: Wenn mir ein Blog gefällt, mich berührt, mich einnimmt, dann linke ich auf Deubel komm raus. Aber warum um alles in der Welt, soll ich ein Blog verlinken, dass ich gar nicht kenne? Ich hatte schon öfter Anfragen, ob ich nicht mal auf dieses oder jenes Blog einen Blick werfen möchte, was ich auch gerne tue. Aber sofort einen Link zu setzen, das widerläuft meiner Vorstellung vom sozialen Netz.

    Und im Rahmen dessen weise ich natürlich auch meine Mitblogger öffentlich darauf hin, dass mir einiges an ihrem Projekt nicht koscher vorkommt – nicht, um Sie fertigzumachen, sondern um anderen den Hinweis zu geben, dass das „fischig“ riecht, um die Wortwahl meiner Kommentatoren aufzugreifen.

    Vertrauen gehört nun mal auch dazu, wenn man Kontakte knüpft. Und das ist nicht einfach vorhand, das baut sich auf. Jetzt stellen Sie sich mal vor, ich sehe, dass zwischen dem ersten Zugriff vom Universum-Server und dem Eintrudeln der Mail keine zehn Minuten liegen. Und dann schreiben Sie etwas von: „Beim Umherstreifen in der Blogosphäre habe ich auch deinen Blog entdeckt und finde ihn total gut“.
    Na, wieviel von meinem Blog haben Sie denn da gelesen, um es „total gut“ zu finden? Das erweckt bei mir eher den Eindruck, dass Sie mal schnell geschaut haben, wer denn alles für einen Link in Frage käme. Und diese Vermutung bestätigt sich umso mehr, als ich bemerken muss, dass Sie so ziemlich jedes mir bekannte Lehrerblog angemailt zu haben scheinen, „Bcc“ sei Dank! Sorry, aber das ist nicht „social“ wie ich es definiere. Als „Linkkuh“, die man bei Bedarf melken kann, gebe ich mein Blog nicht her. Solcherart Vertrauen aufzubauen, ist schlichtweg nicht möglich.

    Was der Verlag da macht, wie irgendwelche Personen involviert sind und welche Zielsetzungen da verfolgt werden, ist mir ehrlich gesagt völlig schnuppe. Aber wenn ein Verlag ein Projekt aufzieht, sollte er das transparent machen, eben um Situationen wie diese zu vermeiden. Denn dass der Link zum Universum-Unterrichtsmaterial Ihnen nur zufällig dahingerutscht, ist jetzt – unabhängig davon, ob Spaßprojekt oder nicht – wenig glaubwürdig.

    Wenn Sie Ihr Blog wirklich nur aus Spaß an der Freude machen wollen, sollten Sie bedenken, dass man solche zwiespältigen Dinge schnell in den falschen Hals bekommen kann. Sie sollten dann sauber zwischen Job und Spaß trennen. Ziehen Sie das Dingen ruhig kommerziell auf, dann habe ich nichts dagegen und komme auch genauso gerne herbeigesurft, wie bei allen anderen kommerziellen Onlineprodukten. Aber sollte sich der Verdacht erhärten, dass Sie unter Umständen kommerzielle Angelegenheiten unter dem sozialen Deckmantel des Web 2.0 tarnen wollen, sprich: das Vertrauen, dass meine Besucher in meine Blogroll haben, ausnutzen wollen, dann werde ich kein Blatt vor den Mund nehmen.

    Das Schöne am sozialen Netz ist, dass Sie nicht stumm zusehen müssen, sondern hier freimütig antworten können. Von „Massaker“ kann also keine Rede sein, besonders unter Berücksichtigung von Kommentar Nummer 5. Ich werde weiterhin ein Auge auf Ihr Blog haben und wenn ich es für angemessen halte, auch verlinken. Und wenn Sie neu in der Blogosphäre sind und beobachten wollen, wo wirklich „massakriert“ wird, dann werfen Sie mal ein paar Blicke in die Blogbar.

  8. Ich hatte auch den schönen Satz in der Mailbox, “Beim Umherstreifen in der Blogosphäre habe ich auch deinen Blog entdeckt und finde ihn total gut”. Gleich in den Orkus, gar nicht erst geguckt, wer dahinter steckt. So mache ich das mit allen Serienbriefen, die so tun, als wendeten sie sich an mich persönlich. Fühle mich dann verarscht.
    Interessant ist ja, daß sich jetzt herausstellt, daß es eigentlich „nur gut gemeint“ war. Ja. Aber die Blogosphere funktioniert eben nicht als einfache Warenbeziehung. Es ist noch nicht alles vollständig unter dem Tauschwert verwurstet. Gut finde ich die Erklärung von Hokey, daß Ehrlichkeit und Vertrauen eine wichtige Rolle im Web 2.0 spielen.

  9. Ich kenne die Mainzer Lehrer, die für den Universum Verlag noch heute (BEZAHLT) bloggen. Gerade bin ich zufällig auf diesen Blog gestoßen und wundere mich über Frau R., die es ja auch damals hätte wissen müssen.

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