Das erste Mal Sommerferien

Okay, okay, ich gebe ja zu, ich hatte schon mehr als einmal Sommerferien, aber seit heute das erste Mal als Referendar. Mein Bedauern gilt übrigens den Bayern, die jetzt noch einmal richtig loslegen und erst Ferien machen, wenn die Nordrhein-Westfalen wieder die Schulbänke drücken müssen. Wer jetzt geschickt umzieht, kann also zwölf Wochen Ferien machen… 😉

Warum behellige ich die Welt überhaupt mit meinen Sommerferien? Will Hokey jetzt seine langweilige Urlaubsplanung breittreten? Die arbeitende Bevölkerung mit seinem Freizeitgelulle nerven? Alles Quatsch: Sommerferien schreien natürlich nach einem ersten Fazit. Welche Zensur würde ich meinem ersten Halbjahr an meiner Schule geben? Welche Schlüsse aus den gewonnenen Erfahrungen ziehen?

Sorgenkind
Bislang war alles nur halb so schlimm wie in berüchtigten Jammerforen für Refrendare „beweimert“ wird. Ja, viel Fontane habe ich gemacht dieses Halbjahr und kenne „Irrungen, Wirrungen“ nun wie meine Westentasche. Nebenbei ist mir aufgefallen, wie ungenau oft die für Lehrer verfügbare Sekundärliteratur ist und wie wenig man Internetgeschreibsel vertrauen darf. Wenn die Leute in wissenschaftlichen Arbeiten nicht mal „Magdalene“ von „Helene“ unterscheiden können, dann finde ich das sehr beschämend.

Mein größtes Sorgenkind in Deutsch, der Literaturunterricht, hat seinen Schrecken verloren. Das Erstellen einer Unterrichtsreihe zu einem literarischen Werk dürfte mir jetzt ohne Not ganz gut gelingen und ich freue mich auf „meine“ 11, mit der ich die ganze Bandbreite machen darf und soll.

Auch das sogenannte Handlungswissen ist beträchtlich gewachsen. Zerbricht man sich anfangs noch den Kopf über Fragen, ob Gruppenarbeit oder doch lieber Stillarbeit, so entscheiden sich solche mittlerweile recht zügig und unkompliziert. Auch Aufgabenstellungen sind recht fix gefunden und formuliert, obwohl ich da noch an der Präzision arbeiten muss. Im Übrigen musste ich keine Stunde vorzeitig beenden, weil uns der (Diskussions-)Stoff ausgegangen wäre – ein Schreckgespenst, das mir zu Anfang doch immer wieder vor Augen geisterte. Entgegen aller Erwartungen avanciere ich langsam zum Folien-Fan, weil die Dinger, zwar teuer, aber dafür so schön unkompliziert und multipel einsetzbar sind. Geschmolzen ist übrigens (noch) keine. 😉

Gejammere
Um noch einmal auf die Jammerforen zurückzukommen: Kein Lehramtsstudent oder Referendar sollte sich dort von dem Gejammere schon vorab den Mut nehmen lassen. Bislang (ich rede natürlich nur von einem Halbjahr) sieht die Aufgabe sehr lösbar aus. Natürlich ist dabei viel von der Schule, der Schülerschaft, den Lehrern und den Seminarmenschen abhängig, aber richtig derbe Beschwerden habe ich bislang noch von keinem meiner Mitreferendare vernommen. Aus Fachleiterkreisen ließ sich jedoch vernehmen, dass auch im Vorgängerjahrgang die „Stabileren“ zu kämpfen hätten. Wait and see.

Am Schlimmsten wird in meiner aktuellen Lage das nun Folgende sein: Nämlich meinen im Chaos versinkenden Schreibtisch aufzuräumen, das heillose Zettel- und Blätterunkraut zu jäten und das daraus zu rettende Material zu sammeln und sinnvoll zu ordnen. Das wird noch eine elende Fudelei, aber ich will ja nicht jammern…

Zum guten Schluss noch einmal ein Danke an Lisa, deren Materialspende mir in Gschichte verdammt(!) viel Recherche und Bibliotheksbesuche erspart hat! Ach, und Ferien bedeuten natürlich nicht, dass hier eine Blogpause eingelegt wird! Hier wird munter weitergebloggt. Und wenigstens für alle mitlesenden NRW-Kollegen noch eines: Frohe Ferien! 🙂

5 Gedanken zu „Das erste Mal Sommerferien

  1. Frohe Ferien! Ich bin ja einer der Bayern, die noch warten müssen. Die letzten Wochen sind nur noch Noteneinholerei. Ich gratuliere, dass das erste halbe Jahr so gut herumging. Ich fand meines damals auch nicht so schlimm – denke ich heute. Meine Frau erinnert mich gerne daran, dass ich allerdings sehr wohl ein bisschen mitleidheischend geguckt hätte.
    Das mit dem Schreibtisch kenne ich. Ich räum’s aber gerne auf, weil ich dabei soviel wegwerfen darf, und jedes Jahr auch ein bisschen mehr vom Vorjahr. (Weil ich doch nicht mehr alles aufhebe und immer mehr nur digital archiviere.)

  2. Auch ich wünsche schöne erste Sommerferien. Bei mir an der bayrischen Realschule haben heute erst die Abschlussprüfungen begonnen…
    Es freut mich, wenn dein erstes Halbjahr so erfreulich war. Meines war es im Referendariat leider nicht. Es hängt eben viel von der Schule, den Kollegen und vor allem den Seminarlehrern ab. Dabei kann auch schon ein unangenehmer Zeitgenosse die Gesamtbilanz mehr verderben als mehrere andere ausgleichen können.
    Aufräumen und Ausmisten am Schuljahresende finde ich auch immer prima. Vor allem alte Listen in den Aktenvernichter zu entsorgen hat fast etwas von innerer Reinigung vor dem Neuanfang. 🙂

  3. Vielen Dank Ihr beiden!

    @Herr Rau
    Den ein oder anderen mitleidheischenden Blick werde ich wohl auch geworfen haben, denn bis zur Tagesschau war ich meistens nicht fertig. 😉

    @Kurt
    Das ist schon wahr. Wenn man da permanent mit einer Person im Clinch liegt, belastet das gleich alles. Ich habe mir erst mal nur Personen ausgesucht, mit denen ich – vom ersten Eindruck ausgehend – auch wirklich gut klarkommen konnte.

  4. Also mein Referendariat läuft auch ganz gut, und ich bin froh, dass es trotz des Stresses immer wieder auch kurze Verschnaufpausen gibt, wenn man sie sich nur nimmt. Wir hatten in diesem Halbjahr ein sehr schönes (unbewertetes) Seminar, was sich mit Gestaltpädagogik und damit auch mit Stressbewältigung, Phantasiereisen und Meditation für Lehrer und Schüler beschäftigt – das hat mir echt gut getan und mir geholfen, Auszeiten zu nehmen, wo ich sie brauche. Deswegen bin ich grad auch echt ausgeglichen, obwohl ich wirklich genug zu tun hab 😉 Dir schonmal schöne Ferien, genieß sie!! Bei mir ist es in 2 Wochen auch soweit (Hessen)…

  5. Stressbewältigung stand bei uns nicht auf dem Programm, aber ich denke, dass ich bisher – auch dank der vielen Feiertage in diesem Halbjahr – ganz gut ohne ausgekommen bin.

    Stressfreie zwei Wochen wünsche ich Dir dann noch! 🙂

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