Zentralabiturkino

Am 12.2. kommt – oh Wunder –  eine neue „Effi Briest“-Verfilmung ins Kino, rechtzeitig genug, um sämtliche Zentralabikurse und Deutsch-Fachseminare in NRW dort hineinjagen zu können. Langsam aber sehr sicher entsteht eine Zentralabi-Industrie, die mit Feuereifer aus allen medialen Rohren Schützenhilfe zu leisten versucht. Da hatten sich die städtischen Theater gerade gefreut, dass ihnen das Bildungsministerium Unterstützung bei der Erstellung eines lukrativen Schauspiel-Programms bietet, schon kommen diese Kino-Regisseure um die Ecke und graben ihnen das Wasser ab. Mir soll’s recht sein, solange da keine billigen Albibi-Filmchen verbraten werden, weil ja sowieso die stille Verpflichtung besteht, dass alle Abiturienten hinein müssen.

Wie den (Material-)Überblick behalten?

Mal eine Frage an die erfahrenen Lehrer unter Euch Lesern (ich greife aber auch gerne auf Tipps von anderen Lesern zurück): Wie behaltet Ihr die Übersicht über Euere Materialien?

Mir passiert es doch in letzter Zeit häufiger, dass ich nach einer absolvierten Unterrichtsreihe zur Recherche einer anderen Reihe meine Materialsammlung durchforste und mir dabei dutzend tolle Sachen in die Hände fallen, die ich für die vorige Reihe hätte gebrauchen können! Folien, Texte, Tafelbilder, Schaubilder; einiges aus Zeitschriften, anderes aus Materialsammlungen von Kollegen, aus Raabits-Ordnern, Zeug vom Fachleiter – was hätte ich das nicht gut einsetzen könne, wenn ich nur gewusst hätte… mich erinnert hätte… dran gedacht hätte…

Wie handhabt Ihr das? Legt Ihr Euch eine Art Bibliographie an? Ein Verzeichnis, in dem alles aufgelistet ist? Alles in einen Ordner? Oder bekommt man den Überblick mit der Zeit bzw. hat sich so fokussiert, dass man sich um das richtige Material keine Sorgen mehr macht?

Ach… der Ritterbach-Verlag…

Der Ritterbach-Verlag. Dort hat man gefälligst in NRW seine Lehrpläne zu beziehen. Gegen einen kleinen Obulus von um die 10 Euro bekommt dort jeder Lehrer seine Arbeitsgrundlage. Okay, man darf die Pläne auf der Ritterbach-Seite auch kostenlos herunterladen, wenn… ja, wenn… der Ritterbach-Server sich zur Mitarbeit überreden ließe:

Der Ritterbach-Verlag – ein ärgerliches Trauerspiel.

Comics im Geschichtsunterricht?

Nun ja, ich gebe zu, ich war ein wenig skeptisch, als mir dieses Thema für ein Referat angeboten wurde. Und so richtig grün werde ich dem Thema auch nicht, aber meine Skepsis ist doch einiger Neugier gewichen. Können Comics als Medium einen Platz im quellenbetonten Geschichtsunterricht finden?

Klar, zum Aufpeppen von Arbeitsblättern, hätte ich vor ein paar Wochen noch gesagt. Als Stundeneinstieg natürlich. Aber als Medium zur primären Bearbeitung? Niemals! Bis ich mir das Comic „MausGeschichte eines Überlebenden“ bestellt habe.

„Maus“ stellt anhand der Thematik der Judenverfolgung im Dritten Reich eindrucksvoll dar, wie man Geschichte im Gewandt eines Comics präsentieren kann, ohne dabei zu verniedlichend oder das Niveau zu verfehlen. Puristisch und minimalistisch, in einfach gehaltener Schwarz-Weiss-Färbung erzählt der(! – muss ich mich noch dran gewöhnen) Comic die Geschichte des Comicautors Art Spiegelman, der seinen Vater nach dessen Erlebnissen während des Dritten Reiches befragt. Statt diesen Bericht wie üblich als Tondokument oder Monographie aufzuarbeiten, wählt Spiegelman dazu die Comicform.

Tatsächlich erweist sich diese als vielschichtiger als vermutet. Spiegelman wechselt mehrfach die Perspektive: Mal erzählt er aus der Sicht seines Vaters, was Einblicke in dessen Erinnerungen gibt, mal erzählt er aus seiner Sicht, in der er sein Verhältnis zum Vater reflektiert und auch dessen eigenen Rassismus und Fehler zur Sprache bringt. Manchmal wechselt er in eine Meta-Perspektive, aus welcher er sogar das Comiczeichnen über die Erlebnisse seines Vaters verarbeitet. So erreicht der Comic eine Vielschichtigkeit, die mit Augenzeugenbefragungen oder gar Autorentexten in Schulbüchern nur schwer und mühselig zu erreichen wäre. Im bildbasierten Comic dagegen bleibt der Zeitaufwand, um diese Vielschichtigkeit zu rezipieren, verhältnismäßig gering.

Zwar kann man „Maus“ nicht als Quelle im Geschichtsunterricht verwenden (höchstens als Quelle über den Diskurs über „Maus“, wie Christine Gundermann in „Jenseits von Asterix“ vorschlägt), aber als Alternative zu Autorentexten könnte „Maus“ durchaus Verwendung finden oder in Auszügen den Umgang der Nazis mit den Juden illustrieren.

Wie gesagt, ich bin neugierig geworden. Wie ist es mit Euch? Habt Ihr Erfahrungen mit Comics im Unterricht und speziell im Geschichtsunterricht gemacht?

Lehrer-Tauschbörse irgendwo?

Kennt hier jemand irgendwelche „Tauschbörsen“ für Moodle-Materialien? Ich meine, diese LMS setzen ja alle auf die leichte Austauschbarkeit der Materialien, da liegt die Hoffnung nahe, dass es auch legale Angebote gibt, wo man Material untereinander austauschen können müsste. Quasi wie eine Riesenfachschaft, die die Möglichkeiten des Netzes nicht nur anpreist, sondern auch tatsächlich ausnutzt. 😉

Kennt jemand so etwas?

Kostenloses Material…

…im Kontext mit Preisausschreiben. Ich hatte ja schon einmal eine Idee zum Thema „kostenloses Material“. Auf den Nachdenkseiten gibt es analog dazu aktuell herbe Kritik an einem Lehrerpreis des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, der im Rahmen der Bildungsmesse Didacta verliehen wurde.

Kostenloses Material plus einen Preis von 10.000€(!) für den ersten Platz – das ist dann wohl Verlockung genug. Für 10.000€ verschachern wie die Kritikfähigkeit unserer Schüler…

Da wird mir wieder einmal deutlich, warum mein Fachleiter so viel Wert auf eine ausführliche Sachanalyse legt – leider fehlt meist die Zeit, um für jedes Material eine solche vorzunehmen, besonders, wenn man Fächer fachfremd unterrichtet.Bei solchem Material muss man die Augen allerdings weit öffnen: Als Lehrer muss man gerade geschenkten Gäulen tief ins und vor allem: aufs Maul schauen.

Spiegel Wissen

Ich schimpfe und meckere über Spiegel-Online ja genau so oft, wie ich darin lese. Mit dem neuen Angebot Spiegel-Wissen haben die Hamburger aber den Vogel abgeschossen. Große Klasse und aus Kulanz muss ich jetzt wohl den Ad-Blocker abschalten…

Das Popcornspiel

Das hier beschriebene Popcornspiel reizt mich ja… obwohl es für die Sechser vielleicht ’ne Spur zu hart sein könnte? Die haben einen nämlich einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Allerdings gefällt mir der schon ins projekthafte gehende Ansatz: ein Problem wird aufgeworfen (und dank des jungen Gerechtigkeitsempfindens ein sehr deutliches) und man muss gemeinsam nach Lösungen suchen. Dazu ist der Gegenwartsbezug augenfällig.

Und Popcorn habe ich auch noch im Schrank. 😀

Beleidigte Eltern

Ja. Stimmt. Ich geb’s ja zu. Es war keine gute Idee, das Schwoiser-Bild „Heinrich vor Canossa“ in meiner Ausbildungs-Sieben (bei der ich eine grauenhafte Kurzreihe zum Thema Herrschaft im Mittelalter gemacht habe…) nur schwarz-weiß auf Folie zu ziehen, da mir der gestrige Trick noch nicht in den Sinn gekommen war. Ich hab’s aber trotzdem eingesetzt.

Tags drauf liegt eine perfekte Farbfolie nebst zweier dicker Canossa-Schinken von der letztjährigen Ausstellung auf dem Lehrerpult. Dahinter J., dessen Eltern offensichtlich historisch interessiert sind. Also flugs einen OHP organisiert, die diesmal farbige Folie aufgelegt und das Bild unter Berücksichtigung der Farbgebung analysiert. Am Ende der Stunde ein Dankeschön an J., der die Folie auf keinen Fall wiederhaben möchte. Dafür bekommt er fünfzig Cent – so eine Folie kostet, das weiß der Referendar, der schon einschlägige Erfahrungen im lokalen Einzelhandel gemacht hat.

Eine Woche später, der Ausbildungsunterricht in der Sieben ist vorbei. Die Ausbildungslehrerin drückt mir in der großen Pause fünfzig Cent in die Hand. J.s Mutter sei, laut J., zutiefst empört gewesen und würde auf keinen Fall die fünfzig Cent zurückhaben wollen! Gut, denke ich mir, immer noch besser, als der Ausbeuterei bezichtigt zu werden.

Man merkt: J. ist sehr gut erzogen. Meinereins hätte die fünfzig Cent im gleichen Alter womöglich am Büdchen vor der Schule verjubelt… (für Lakritzbrezel… mhmm…)