Verlag20 – Andere arbeiten lassen…

… alleine kassieren. Vermutlich jeder Lehrer-Blogger dürfte diese E-Mail bekommen haben, die im Disclaimer halbgrau auf weiß mit einer „Geheimhaltungspflicht“ droht, und mit deren Inhalt Maik Riecken sich in seinem aktuellen Blogbeitrag auseinandersetzt. Besonders spannend ist Maiks Beitrag, weil er sich nicht nur die Mail, sondern auch die AGB des Verlag20 angeschaut hat, der Initiator dieser Mail ist und darum wirbt, dass man sich „in unserer Lehrer-Community Verlag20“ engagiere und vernetze. Dabei kommt wenig Schönes zutage, letztlich soll der depperte Lehrer, der stundenlange Arbeit in sein Material gesteckt hat, dieses quasi für lau an den Verlag abtreten:

(5) Sämtliche Rechte an dem Portal (insbesondere Marken- und Urheberrechte) liegen bei dem Verlag. Das Mitglied ist verpflichtet, dies zu berücksichtigen und verpflichtet sich, keinerlei Inhalte gleich welcher Art über die dem Mitglied im Rahmen der Nutzung des Portals eingeräumten Möglichkeiten hinaus selbst – privat oder gewerblich – zu nutzen. (…)

(…)

(2) Das Mitglied räumt dem Verlag einfache, räumlich, zeitlich und inhaltlich unbeschränkte Nutzungsrechte an den Werken ein. Die Rechtseinräumung erstreckt sich auf die Verwertung der Nutzungsrechte sowohl im eigenen Verlag als auch durch entgeltliche oder unentgeltliche (auch teilweise) Vergabe von Rechten an Dritte sowie auf alle Ausgaben und Auflagen und in allen Sprachen, insbesondere auf die folgenden Rechte: (…)

(Quelle: AGB des Verlag20, Stand 11.4.2010)

Ich werde den Teufel tun und meine Arbeit an solche Verlage verschenken. Dann lieber im kleinen Face-to-Face-Netzwerk bleiben, ergänzt um Bekanntschaften per Twitter, Facebook oder die Blogosphäre. Danke an Maik für den Hinweis!

Smartphone statt Lehrerkalender

Ivo hatte in einem Kommentar danach gefragt, wie ich den klassischen Lehrerkalender durch ein Smartphone ersetze, und da das Ganze mit Bildern und Erläuterungen für einen Antwortkommentar zu lang sein würde, antworte ich in einem neuen Beitrag. Vorab: Vieles, was ich im Folgenden erläutern werde, hat René Scheppler schon auf seiner Lernwolke in dem Beitrag „Die papierfreie Schultasche“ beschrieben. Es dürfte also nicht schaden, einen Blick dort hinüber zu wagen.

Der Klassische
LehrerkalenderDen klassischen Lehrerkalender brauche ich hier wohl kaum zu beschreiben, da ich aber die Hoffnung hege, dass sich ab und an auch lehrerferne Menschen hierhin verirren, trotzdem ein kurzer Überblick. Lehrerkalender gibt es in verschiedensten Ausführungen und auf dem folgenden Foto sieht man letztlich nur zwei Typen: den großen DIN-A4-Kalender und die kleinere DIN-A6-Variante.

Allen ist, unabhängig von ihrer Größe, gemeinsam, dass sie dem Lehrer einen schnellen Jahresüberblick gewähren, Ferientermine anzeigen und den Stundenplan bereithalten. Manche bieten auch andere Extras, wie z.B. juristische Tipps für Referendare oder Hinweise zum deutschen Schulsystem. Abseits davon haben Lehrerkalender aber eigentlich nur zwei Hauptaufgaben: Erstens gewähren sie dem Benutzer einen tagesgenauen Überblick über anstehende Aufgaben, Termine, Deadlines etc. und dienen zweitens als Werkzeug zur Notenübersicht, indem sie fertige Notenspalten bereithalten, in die nach jeder Schulstunde Bemerkungen, Tendenzen, Noten etc. eingetragen werden können. Wer als Schüler einen Lehrer hatte, der sich diese Notizen unmittelbar nach Stundenende eingetragen hat, weiß diese Büchlein zu fürchten…

Möglichst alle dieser Aufgaben sollen nun von einem Smartphone geleistet werden. In meinem Fall ist das ein iPhone, jedoch kann man viele Dinge, die ich im Folgenden beschreibe, auf einem weitaus günstigeren iPod touch genausogut erledigen, oder auch auf andere Smartphones ausweichen, die ähnliche Möglichkeiten bieten. René beispielsweise kombiniert den iPod mit einem Samsung Omnia und kann damit das Beste aus zwei Welten (Apple, Microsoft) vereinen, und ich vermute, dass man notfalls auch „nur“ mit einem alternativen aktuellen Smartphone zurechtkommen kann.

Wichtigste Aufgabe: Der Kalender
Schon die ersten „Hundeknochen“ unter den Handys beherrschten diese Funktion, wenn auch nicht so schön und intuitiv: Die Kalenderfunktion. Was mich am herkömmlichen (Papier-)Kalender stört, ist, dass ich nie reinschaue, wenn ich soll. Sprich: Zig Termine sind eingetragen und doch wieder einer verbaselt, weil ich nicht rechtzeitig hineingeschaut habe. Das ist mir mit dem digitalen Kalender noch nicht passiert, da ich sowieso das Gerät oft benutze, schaue ich auch öfter in meinen Kalender, der analogerweise einfach in der Schultasche verstauben würde.Und das Schöne am Smartphone-Kalender ist: Er erinnert mich! Darüber hinaus kann ich farbig zwischen verschiedenen Terminarten unterscheiden. Ob ein Termin privater oder beruflicher Natur ist erkenne ich ebenso am Farbcode, wie, ob es sich bei dem Termin um einen Geburtstag oder einen Feiertag handelt. Apropos Feiertag: Da teure Sekretärinnen für Lehrer immer noch nicht steuerlich absetzbar sind, ist die über das Internet mögliche Ergänzung des Kalenders um z.B. deutsche Feiertage (oder andere abonnierbare Kalender) eine große Erleichterung, auch muss man nicht jedes Jahr aufs Neue die Geburtstage seiner Schüler von Hand eintragen – ein digitaler Kalender übernimmt diese einfach auch für Folgejahre.

Übersichtlich bleibt das Ganze trotz des kleinen Displays und wem die Monatsübersicht zu gedrängt ist, der kann auf eine Tagesansicht oder eine reine Terminliste umschalten.

Aufgaben im Blick behalten
Auch die Aufgabenverwaltung ist bei mir mit dem Kalender gekoppelt, damit ich Deadlines nicht aus dem Auge verliere. Ich setze dazu auf Things, das sich auf Wunsch mit iCal (der Mac-Kalender-Software) synchronisiert. Warten im Lehrerbuch, im Postfach oder sonstwo neue Aufgaben auf mich, trage ich sie sofort per Things ein, dieses schickt diese an meinen Kalender, und ich weiß, welche Aufgaben noch erledigt werden müssen. Dazu können Deadlines eingetragen und Aufgaben, für die noch etwas Zeit ist, aus dem aktuellen Aufgabenpool herausgehalten werden, sodass diese erst auf dem Display erscheinen, wenn es wirklich wichtig ist. Dabei ergänzen sich Kalender und Things: Wenn ich im einen eine Aufgabe eintrage, wird sie automatisch auch dem anderen Programm mitgeteilt. Die Bedienung erfolgt intuitiv: Erledigtes wird abgehakt und verschwindet im Archiv. Als Unterstützung dient mir hier ergänzend die Kamera, mit der ich umfangreichere Texte aus dem Lehrerbuch bspw. einfach abfotografiere, damit ich auch in zwei Wochen noch weiß, was ich genau wann wie und warum erledigt haben sollte.

Notenverwaltung

Kursübersicht TT

Okay, dass man mit einem ordentlichen Kalender auf einem Smartphone den klassischen Kalender ersetzen kann, das kann sich wohl jeder vorstellen, aber wie verhält es sich mit der Notenverwaltung? Für diese Aufgabe gibt es auf dem iPhone / iPod das TeacherTool. Wie auf den Screenshots zu erkennen, lassen sich damit mehrere Klassenlisten anlegen, verwalten, mit Fotos versehen und Noten zu unterschiedlichsten Zwecken (Notenstufen und -punkte; Klassenarbeiten, sonstige Mitarbeit, Referate,…) mit unterschiedlicher Gewichtung eintragen. Ich möchte hier (aus Faulheit und weil ich das Tool selber noch nicht zu 100% ausnutze) nicht auf alle Möglichkeiten des TeacherTool eingehen, aber es lassen sich entschuldigte und unentschuldigte Fehlzeiten von Schülern ebenso damit verwalten wie Inhalte einzelner Stunden. Letzteres ist mir am Smartphone dann aber doch zu umständlich – eine entsprechende Desktop-Software soll aber in der Planung sein, was das Eingeben erleichtern würde. Natürlich wird jetzt der Kritikpunkt kommen, dass eine Liste auf einem Smartphone nicht besonders übersichtlich ist. Wer die Ergebnisse jedoch auf seinen Computer exportiert und ausdruckt, der bekommt binnen weniger Sekunden eine Liste, die handgeschriebenen in nichts nachsteht.

Checklist Wrangler
Wer darüber hinaus die Listen seines Lehrerkalenders dazu nutzt, den Überblick über eingesammelte Schnipsel, Blätter, Geld o.Ä. zu behalten, der kann auf ChecklistWrangler zurückgreifen (mein ausdrücklicher Dank für den Hinweis auf dieses Tool geht an René!), der es ermöglicht, dass man schnell und unkompliziert Schülerlisten anlegen kann, die sich, als Vorlage gespeichert, immer wieder verwenden lassen, sodass man binnen Sekunden eine neue angelegt hat. Das Abhaken funktioniert dann genauso wie bei Things: Schülernamen antippen, das Häkchen ist gesetzt und ich weiß, dass der wichtige Rücklauf bei mir angekommen ist. Praktisch ist, dass ChecklistWrangler anzeigt, welche Liste schon zu wieviel Prozent abgehakt ist, sodass man mit einem Blick erfassen kann, was noch eingesammelt werden muss. In der Handhabe folge ich René und schicke den Einsammeldienst mit dem Smartphone durch die Klasse. Der Dienst hat dadurch schwer an Beliebtheit gewonnen…

Da es hier nur um den Ersatz des Lehrerkalenders ging, lasse ich andere Möglichkeiten, wie den Zugriff auf Mails und Dateien, außen vor. Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass ich, je mehr ich die ersten Berührungsängste, das iPhone im Unterricht aus der Tasche zu ziehen, abgelegt habe, den Lehrerkalender nicht mehr brauche. Das große gelbe Monster aus dem ersten Bild liegt nahezu jungfräulich in meinem Regal und belastet meine sowieso zu volle Schultasche nicht zusätzlich. Ich bin überzeugt, dass Smartphones in Zukunft auf beiden Seiten des Lehrerpultes im Unterricht zum Einsatz kommen werden – wieso sich also nicht jetzt schon daran gewöhnen?

Modrige Pilze im Mund

Ach, es will einfach nicht enden. Die Worte zerfallen mir im Mund wie modrige Pilze, um es mal mit Hofmannsthal zu sagen. Deshalb lösche ich meinen Kommentar bei Bluemac und verweise einfach auf den dortigen Blog-Artikel. Es geht um einen zarten Aufbruch, die Verwendung von IKT und Motivation.

Das papiergefüllte Büro…

…hat manchmal eben doch Vorteile und ist zumindest bis zur flächendeckenden Einführung von Laptopipadsalleskönnergeräten umweltschonender als das papierlose. Einfach in einen Ordner greifen und die schon verwendete Kopiervorlage herausziehen geht einfach schneller und spart neben Strom auch Tinte und Zeit. Ich drucke mir in letzter Zeit auch häufig E-Mails aus. Muss beim Tippen gerade an den aktuellen Artikel bei Lernen heute über „digital natives“ und „digital immigrants“ denken, gibt es eigentlich auch „digital emigrants“ und „digital exiled persons“?

Emigration. Ist leider keine Alternative. Beobachte zur Zeit die das Aggressive sanguinisch verpackenden Horden im manchen Netzwerken und sympathisiere immer mehr mit Schirrmacher, dessen Thesen durchaus nicht so dumm und von Ahnungslosigkeit gebeutelt sind, wie von manchen behauptet wird. Ich fühle mich nicht gut in gewisser Gesellschaft, der Bauch entscheidet: bald endgültiger Rückzug aus der Enge des Netzes. Auch aus der Dauerkontrolle, dem Ewigaufpassenmüssen, der impliziten Ersatzzensur. Ausbruch aus dem dauernden Eingekesseltsein von „Freunden“. Die Nase ist voll vom Pflegen eines digitalen Vorgartens, dessen Rasen immer kurz geschnitten, gebürstet und nach neuester Mode mit massentauglicher Föhnfrisur ausgestattet sein muss; dem Nachkriechen in neue Netzwerke,  dem Hinterherhecheln nach digitalen Trends.

Hier im Blog werde ich bleiben, wer mich sucht, wird mich hier finden. Ansonsten werde ich jetzt partiell digitalen Selbstmord begehen und mich aus den Bildungsnetzwerken weitgehend zurückziehen.

Karten selbst erstellen

Bin gerade über Lehrerrundmail auf Stepmap gestoßen worden und habe das gleich mal ausprobiert. Gefällt mir und bietet gewiss viele Möglichkeiten für den Geschichtsunterricht, analog wie auch besonders digital.

Hokeys Arbeitsplatz
Landkarten erstellen mit StepMap

Hier ein schon fertige Beispiel, brauchbar für den Deutschunterricht:
Goethes Italienreise
Landkarten erstellen mit StepMap

StepMap

Goethes Italienreise

Überlebenskampf

Ein schneller Hinweis auf einen langen Artikel auf Spiegel-Online:

Aber man mache sich nichts vor. Der darwinistische Überlebenskampf ist im Begriff, auf das Leben des Einzelnen überzugreifen, auf seine Kommunikation mit anderen, sein Erinnerungsvermögen, das der größte Feind neuer Informationen ist, auf sein soziales Leben, auf seine Berufs- und Lebenskarriere, die längst Bestandteil des digitalen Universums geworden ist. (Frank Schirrmacher)

Es erleichtert mich doch ungemein, dass ich nicht der Einzige bin, der das Gefühl hat, in Informationen zu ersaufen. Doch auch für die Wissensgesellschaft hat Schirrmacher etwas bereit:

Die Antwort lautet nicht, dass Powerpoint-Präsentationen und Computer der Ausweg sind, sie sind noch nichts anderes als Folterinstrumente, solange unsere Vorstellung vom Lernen weiter so funktioniert, als stünde einer an der Tafel und verbreitete Informationen. Die Informationen hat jeder. Aber was Menschen verzweifelt lernen müssen, ist, welche Information wichtig und welche unwichtig ist. Das ist womöglich die große Stunde der Philosophie.

Wenig vornehme Zurückhaltung

Heute lief bei WDR5 ein Beitrag zu dem wenig bekannten Musikinstrument Schalmei (welches übrigens einen wunderschönen Klang hat) und heute besonders für mittelalterliche Musik eingesetzt wird. Zur Information zitierte der Moderator Folgendes:

Die Schalmei (…) ist ein Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt und konisch gebohrter Röhre. Sie besitzt meist sieben vorderständige Grifflöcher. Ein Daumenloch für den linken Daumen kann ebenfalls vorhanden sein. Der Klang ist sehr laut, scharf und vor allem in der tiefen Lage nasal.

Woher ich das noch so genau und buchstäblich weiß? Ich habe es – wie auch der Moderator – bei Wikipedia nachgelesen. So schön und wichtig die Informationen der Wikipedia im Alltag sind, so heiß scheint es dort aktuell in Zusammenhang mit der Löschung eines Artikels herzugehen. Interessant sind besonders die Relevanzkriterien, die ein Artikel erfüllen soll und die Diskussion darüber, ob man in einem postmodernen Medium überhaupt noch moderne Relevanzkriterien braucht.

Eine überflüssige Diskussion, wie ich finde. Schon längst hätte man endlich ein wirkliches Universallexikon verwirklichen können, stattdessen ergeht man sich im Klein-Klein x-beliebiger Kriterien und versucht meinungsmächtig zu sein, indem man Wissen zurückhält, statt es zu publizieren. Dabei ist die Masse doch schon längst nicht mehr das Problem, seit wir die Buchdeckel abgeschafft haben!

Bildungssuche

Bin gerade an „meine“ Bildungssuchmaschine erinnert worden. Müsste ich mal wieder ein wenig befüllen und man könnte ja mal überlegen, wie man diese spezifizierten Suchmaschinen weiterhin verwenden und in welche Richtung ausbauen könnte. Vielleicht eine Suchmaschine für Unterrichtsmethoden? Für Material? Für historische Quellen? Für Literatur?

Ich „pinne“ es mal hier hin, damit ich es nicht wieder vergesse…

Unfollow monday – Welcome back „Kreide fressen“

Wollte gerade einen Beitrag schreiben zu einem Artikel, der eine Hörbuch-Lyrik-Sammlung bepreist, bejubelt, unverhohlen bewirbt, ohne auch nur irgendwo das Wörtchen „Anzeige“ in Schriftgröße 2 zu verbergen. Wollte schreiben, dass mich das ärgert und über dieses Projekt, das von den Autoren selbst gelesene Gedichte gesammelt hat, herziehen, wollte schreiben, wie schlecht die Autoren oft ihre eigenen Gedichte lesen, wie sie wunderbare Texte zu leblosem Halskratzen verarbeiten, wie sie liebliche Klänge lieblos krächzen und wogende Wellentäler tonlos herausleiern, wollte Kurt Schwitters gegen Otto Sander aufrechnen.

Und dann ist mir eingefallen, wie schwer diese Arbeit gewesen sein muss, wie viele Stunden die Verlagsmitarbeiter gewühlt, gefragt, telefoniert und geschrieben haben müssen, wieviele Briefe sie getippt, wie viele Bitten an fremde Menschen gerichtet haben, wie viel Juristendeutsch sie ertragen mussten und wie viele Nackenschläge ihnen heute Haltungsstörungen verursachen.

Das sollte man nicht schlechtreden, das ist verdienstvolle Arbeit. Aber schlecht kaschierte Werbung von sogenannten Journalisten sollte man anprangern. Jeden Tag. Ich wünsche mir ein Netzwerk „MeinJourni.de“. Da könnte man dann Journalisten bewerten (und mit großem Interesse abwarten, wie sie darüber in ihren Zeitungen schreiben!).

Trotzdem empfehle ich die WDR-Produktion „Lieblingsgedichte der Deutschen„, gelesen von hervorragenden professionellen Sprechern und einem Otto Sander, auf dessen Schuleinsatz von „An Anna Blume“ ich mich jetzt schon freue.

Unfollow monday
Apropos Netzwerke: Aktuell erfasst mich wieder die Twitter-Müdigkeit. Ja, es ist ja nützlich. So nützlich. So total nützlich. So wahnsinnig nützlich. So unendlich nützlich. Weil bestimmt wieder jemand einen guten Link hinwirft. Man lernt ja so wahnsinnig viel dabei und man diskutiert so unglaublich tiefsinnig.

Dabei ist Twitter die organisierte Ignoranz: Wer nicht schnell und permanent schluckt, wird auf der Strecke liegengelassen mit den letzten Info-Bröckchen, ist nicht mehr up to date, muss sich durch einen Haufen Fallengelassenes der vergangenen Nacht wühlen. Dabei immer wieder Links auf eigene Blogbeiträge, Werbung in eigener Sache. Werbung in fremder Sache für Gewinnspielchen und dergleichen Firlefanz. Nur ab und zu, das nimmt schon keiner krumm, wir sind doch alle Freunde.

Twitter ist ein großartiges Manipulationswerkzeug mit eingebauter Hintenrum-Funktion, ein strategisches Mittel für Informations-Feldherren und ihre Soldaten. Geregelter Sturm von Diskussionen ist schnell organisiert, optische Meinungsführerschaft schnell hergestellt, der Mob fix organisiert.

Es ist vielleicht unklug, Twitter zu meiden; man könnte etwas verpassen, man könnte den Anschluss verlieren, man könnte strategisch auf verlorenem Posten stehen. Den Mut habe ich, ich verlassen den geweihten Zirkel, begebe mich auf den Pfad der Fortschrittslosen, der Ausgestoßenen, der Abgehängten.

Bleibt unter euch, ihr Kommunikationsrambos, tragt eure Kommunikationsschlachten ohne mich aus. Ich habe fast fertig mit Twitter. Adios Tweetdeck und Co. Heute ist großer „unfollow“-Monday.

Welcome back „Kreide fressen“!

(Keine weiteren Kommentare meinerseits.)

Von sehr Altem und sehr Neuem

Zunächst einmal das Alte. Gestern konnten wir in der „Zurück-in-die-Steinzeit“-AG zum ersten Mal draußen die Steinzeit erforschen. Das bedeutete: Keine Mittagspause für mich, denn für eine archäologische Ausgrabung mussten einige Vorbereitungen getroffen und die Sprunggrube okkupiert werden:

Eingrabungsstelle

Netterweise haben mir ein paar Mädchen aus meiner Klasse geholfen, sodass die ganze Graberei viel schneller vonstatten ging als erwartet – und Spaß hatten die auch dabei! Die Ergebnisse der Ausgrabung nehme ich hier noch nicht vorweg, die sind eher für die Schulhomepage gedacht, aber es ist wohl nicht zuviel verraten, wenn ich erwähne, dass ich einem Kollegen noch einen Faustkeil und eine Kopie der Venus von Willendorf aus den Rippen leiern konnte. Die gefundenen Gegenstände werden uns jetzt Anlass bieten, tiefer in das Leben der Steinzeitmenschen einzudringen.

Nun das Neue. Wie ich festgestellt habe, wurde mein Beitrag im D21-Blog als harsch aufgefasst, und das sollte er durchaus auch sein, weil ich nichts lähmender finde, als wohlabgewogene Diskussionen, wo man sich durch gegenseitiges Schulterklopfen permanent der gemeinsamen Überlegenheit vergewissert. Und dieses kollektive Überlegenheitsgefühl ist in meinen Augen ein großes Problem, will man wirklich etwas verändern.

Da kommentieren lauter geschulte und gebildete Menschen, geübt im kritischen Lesen von Texten und doch stört sich keiner an der Web2.0-Wortwahl, die mich zunehmend erschrocken und skeptisch macht gegenüber denen, die sie verwenden. Wie im D21-Kommentar schon bemerkt: Man reißt alleine durch die Wortwahl Gräben auf, anstatt sie mit Brücken zu versehen. Ob wir „uns“ nun als „web-residents“ oder „digital natives“ oder „digital inhabitants“ bezeichnen – jede Bezeichnung definiert „uns“ als Gruppe, die sich von den anderen abgrenzt. Und zwar auf exklusive Weise. Die Gefahr ist nun, dass wir „uns“ als exklusives Clübchen betrachten, das zwar Offenheit einfordert, tatsächlich jedoch Geschlossenheit demonstriert – eben durch die ausgrenzende und teilweise herabsetzende Wortwahl.

Man stelle sich vor, man hat einen Kollegen neugierig gemacht auf dieses Projekt D21, auf Blogs, auf Moodle und andere Web2.0-Themen, und dieser Kollege stöbert nun durchs Lehrernetz und versucht sich in die Themen einzulesen und Eindrücke zu gewinnen. Was muss diesem durch den Kopf gehen, wenn er sich als „Abgehängten“ bezeichnet sieht? Er, der doch jeden Tag seine ganze Kraft in seine Schüler investiert, der abwechslungsreichen Unterricht halten möchte und der einen Berg an Aufgaben noch nebenbei zu bewältigen hat? Effektive Werbung sieht anders aus. Wir sollten anderen nicht Defizite aufzeigen, sondern Chancen deutlich machen. Da gilt es, behutsam mit Worten und Bezeichnungen umzugehen.

Enttäuscht war ich über den Kommentar von Sami. Kritik ignorierend und den Graben eher vergößernd als Brücken bauend. Auch hier gibt es nur Gut und Böse, pardon: „positive“ und implizit dann auch „negative“ Lehrer. Gute Eltern sind „kritische Eltern“ und die anderen? Wer nicht für uns ist, ist gegen uns – so kommt es bei mir an. Ein kurzer Hinweis auf Lobbybestrebungen und Pressearbeit –  ich muss zugeben, dass ich mich beim Lesen dieses Kommentars gefragt habe, wofür das Projekt D21 wirklich steht und wer aus welchen Gründen dieses betreibt.

„Best practice“ ist nun das neueste Buzzword. Wieder sehr polarisierend, alles andere muss dann ja „worst“ sein… wenn ihr diese Gräben weiter schaufeln wollt, bitte sehr. Aber wundert euch nicht über harsche Kommentare. Ich muss leider schließen,

Hokey
analog and digital inhabitant,
best and worst practitioner