Als Buch hat man es neuerdings nicht leicht. Amazon verkauft Ebook-Reader und prahlt mit gigantischen Verkaufszahlen, die denen des altbekannten Handels überlegen seien. Doch geht es längst nicht nur um die äußere Form des Buches, sondern auch die Struktur, in der es typischerweise Inhalte präsentiert, wird kritisiert. Auch Lehrer philosophieren mittlerweile über das Ende der „Buchgesellschaft“.

Armes Buch! Angefangen hatte alles vor einigen Jahren mit den Zeitungen. Mit dem Aufkommen der Blogs, die sich nach und nach als unabhängige und scharfzüngige Alternative zu den oft eher blutarmen Online-Angeboten der etablierten Zeitungen erwiesen, spürten die alten Leitwölfe den kalten Wind der neuen Zeit und überzogen die neuen Meinungsmacher im Gegenzug mit Häme. Die höhnische Reation auf die sich mitten in einer Umstrukturierung befindlichen Zeitungen waren entsprechend: Als „Holzmedium“ oder gerne auch als „Totholz“ bezeichneten Blogger die gedruckte Konkurrenz. Blogger und Zeitungsjournalisten waren sich spinnefeind. Die erste größere, gesellschaftsrelevante ideologische Kluft zwischen digitaler und analoger Welt war aufgetan.

Diese Kluft scheint nun im Bildungsbereich angekommen, liest man den Beitrag „Schule und die Buchgesellschaft“ auf EduShift, in dem Felix eine Abschaffung der „Buchkultur“ fordert. Die These lautet, dass das Buch durch seine Linearität und seine normierende Kraft sowohl Wirkung auf die (Klassen-)Gesellschaft im Allgemeinen und damit auch auf die „Konstruktion von Schule“ hat. Letztere, funktionierend nach dem Prinzip Frontalunterricht, sei überholt und müsse ersetzt werden durch ein neues Lernen, das sich auf Kommunikation in Verbindung mit dem neuen Leitmedium, dem Internet, berufe. Dieser Erfordernis eines Lernens durch Kommunikation stehe aber das Buch entgegen, da es verbindliche Interpretationen erfordere und eine Einweg-Kommunikation darstelle.

Mich überzeugt diese Kritik an der Buchkultur nicht und auch der Ausblick auf eine irgendwie kommunikativ lernende neue Gesellschaft wirkt wenig reizvoll.

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… das Planspiel Börse?
Der Protest der „Occupy Wall Street“-Bewegung weitet sich stetig aus und soll heute auch in stärkerer Form in Deutschland ankommen. Die Wall Street ist heute weniger denn je Symbol für den American Dream und scheint in der öffentlichen Wahrnehmung eher zur Brutstätte des Antisozialen, des elitär-monetären Zirkels mutiert zu sein. War der Berufswunsch „Banker“ in den 90ern noch mit Adjektiven wie smart, dynamisch und erfolgreich beschreibbar, so sitzen heute graue Männer wie der Sprecher des Bankenverbandes mit tiefen Augenringen und dauerhaft blasiertem Lächeln in den Talkshows der Nation.

Und während die Kurse wegen der umtriebigen Banken und der verschuldeten Staaten an den Börsen so dahinpurzeln, habe ich mich gefragt, was nun die armen Schüler machen, die am alljährlichen Planspiel Börse beteiligt sind? Wer gewinnt da nun den Preis? Der mit dem geringsten Verlust? Der, der alles konservativ auf Apple gesetzt hat? Ich erinnere mich noch gut an mein Planspiel Börse, diesem Werbewettbewerb für asoziales Finanzwesen: Niemand, auch kein Sowi-Lehrer, hat uns über den moralischen Faktor von Aktien aufgeklärt, über die Bedeutung von Arbeitsbedingungen hinter den Aktien, über den Unterschied zwischen Werterschaffung durch Produktion und den vernichtenden Pseudowerten, die die Fierberkurven an den Börsen widerspiegeln. Langfristige Investments? Pustekuchen! Kurz anlegen und in wenig Zeit das Maximale aus den Aktien herausquetschen. Pennystocks gab es damals noch. Stattdessen hat man uns Roulette spielen lassen, gesetzt wurde hier und dort, der Glücklichere bekam einen Preis, fühlte sich wie ein drei-viertel Börsenguru und irgendwie war doch alles ganz nett. Schön unkritisch, beste Werbung für eine Branche, die nun verbrannte Erde in der westlichen Hemisphäre hinterlässt.

… Matheunterricht?
Ich beziehe mich im Folgenden auf den Artikel „Wozu braucht man das eigentlich?“ im (wunderbaren) Halbtagsblog. Jan-Martin weist auf das Problem hin, dass viele Schüler bezweifeln, dass sie gewisse Inhalte des Matheunterrichts für ihr späteres Leben benötigen und geht dieser Frage nach. Seine Antwort lautet:

Die Mathematik aber zwingt die Schüler zum Nachdenken. Und zwar kontinuierlich. Man sitzt vor einem Problem und muss es lösen. Dieses “Problemlösen” ist als Kompetenz in keinem anderen Fach (wenn überhaupt) so stark ausgeprägt. Selbstveständlich sind die Probleme sowohl künstlich als auch abstrakt: “Wie lauten die Nullstellen dieser Funktion?” 

Nun ja. Hrm. Da sträubt es sich gleich doppelt in mir. Zum einen, weil ich durchaus hoffe, dass ich das Problemlösen gelernt habe, obwohl ich meine Fünf in Mathe bis in die Oberstufe vor mir hergeschoben habe. Und zum anderen, weil ich mich durchaus bemühe, meine Fächer Deutsch und Geschichte problemorientiert zu unterrichten.

Das Errechnen von Nullstellen ist für mich kein Problem, es ist eine Aufgabe. Und eine sinnlose dazu, das ist ja das Problem der Schüler (und meines ebenfalls). Wie berechne ich die Summe meines Einkaufs? Wie das Wechselgeld? Ich will mein Geld beim Planspiel Börse anlegen und dabei den Vorjahressieger übertrumpfen – welche Rendite muss ich dafür erwirtschaften? Das sind Probleme, und das begreifen alle Schüler. Aber warum sollen sie Nullstellen von Funktionen berechnen? Wofür benötigt man diese Fähigkeit? Ich weiß es bis heute nicht. Vielleicht, wenn man Informatiker oder Statistiker werden will. Oder Mathelehrer.

Ich erinnere mich an meinen Geometrieunterricht: Dreiecke türmten sich an der Tafel, flankiert von Kreisen und Quadraten, massenweise Formeln, Pi und Hypotenusen. Alles abstrakt: Unser einziges „Problem“ waren die Fragen unserer Lehrer: Wie lang ist die Hypotenuse… Wie lautet der Satz des… Irgendwann in meinem Studium habe ich dann japanischen Matheunterricht anschauen dürfen. Der Mathelehrer erklärte den Schülern anhand der Gestaltung eines Grundstücks, wofür Geometrie nützlich ist. Mit „echten“ Alltagsproblemen wie: Wie groß darf der runde Teich werden, wo kann ich eine Grube für den Schuppen ausheben, usw. usft. Das war einfach, unaufwendig und plausibel! Warum haben meine Mathelehrer das nicht gemacht? Warum haben sie sinnentleerte Übungen mit uns vollführt?

Haben wir dadurch das Denken gelernt? Kein Stück. Ich habe gelernt, Unzulänglichkeiten zu kaschieren und auf den Boden zu schauen, statt Fragen zu stellen. Ich habe gelernt, dass man dumm ist, wenn man Nullstellen nicht richtig berechnet und dass man mit Problemen alleine gelassen wird. Ich habe gelernt, wie man mathematische „Probleme“ liegen lässt. Und etwas später habe ich gelernt, dass ich all das als sinnlos Empfundene wirklich nicht brauche. Nicht einmal zum Problemlösen. Aber zu den Problemen vielleicht an anderer Stelle mehr… (muss jetzt leider weg…)

 

Nur ein kurzer Softwaretipp: Wer eine kostenlose Texterkennungssoftware sucht und es für ausreichend befindet, nur je eine Seite einfachen Fließtext pro Dokument erkennen zu lassen (z.B. für Klausuren), dem rate ich zu PDF OCR X. Diese hat bei mir soeben eine bei 300 DPi gescannte Din-A4-Seite so fehlerlos erkannt, das ich nur zweimal(!) nachkorrigieren musste. Man kann mit der kostenlosen Version nicht in Einem scannen und erkennen, sondern gibt schon gescannte PDFs oder Bild-Dateien an das Programm weiter, die dann erst erkannt werden, aber das kostet kaum Mehrzeit und rentiert sich im Vergleich zum Abtippen von Texten.

Wer noch Besseres kennt, möge sich in den Kommentaren verewigen. ;-)

 

Das hätte ich nicht erwartet. Wirkich erstaunlich. Was das ausmacht, zwei Stunden weniger zu unterrichten. Lächerliche zwei Stunden weniger. Damit aber auch eine Lerngruppe weniger. Und auch eine Korrektur weniger. Das bedeutet über den Daumen gepeilt: 30 (Schüler) x6 (Klassenarbeiten pro Schuljahr) x 30 Minuten (nett veranschlagte Korrekturzeit für eine Arbeit) = circa 90 Stunden weniger Korrekturzeit. Dazu die entfallende Belastung durch Stundenvorbereitung. Ich komme mir vor wie im Schlaraffenland, obwohl ich immer noch 23 Stunden habe. „Überhang abbauen“ nennt man das bei uns und ältere Kollegen hatten gemahnt, das möglichst zügig zu machen, da es durchaus zu politischen Konstellationen kommen kann, in denen auch zweistellige Überhänge einfach mal verfallen können. Wie auch immer: Sogar einen freien Freitag habe ich alle zwei Wochen, trotz voller Stelle. Wahnsinn.

Montag kommen die ersten Klausuren, bin mal gespannt, wie ich dann über den Überhangabbau schreibe. ;-)

 

Beim Lesen von Artikel wie diesem hier über das Thema Geschlechtertrennung im Unterricht wird mir ganz mulmig. Ich habe dann immer das Gefühl, dass unter der Oberfläche unserer sowieso schon deformiert-reformierten Bildungslandschaft ein kalter Kampf um die Koedukation brodelt, und mir böse Mächte bald entweder die Mädchen oder die Jungs aus meinen Klassen rauben möchten. Das fände ich mehr als fatal.

Rückwärts gewandt seien die Vertreter der Monoedukation, so behaupten gerne diejenigen, die den gemischten Unterricht befürworten, aber das trifft nicht den Punkt. Im Gegenteil: So sehen sich die Monoedukanten eher dem Fortschritt verschrieben und führen eben nicht die alten und prüden Begründungen für die Geschlechtertrennung an. Sie gehen utilitaristisch an die Bildung ihrer Kinder heran und wollen den vermeintlich bestmöglichen Nutzen aus diesen herausschlagen, denn die Forderung nach einer Trennung der Geschlechter in den Schulen wird mit einem angeblich größeren Lernerfolg begründet. Schule wird so zur reinen Optimierungsanstalt, zur einer Institution, die das Optimale aus den Kindern herauswirtschaften muss, damit sie in Zukunft bestmögliche Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Nicht fürs Leben, für den Arbeitgeber lernen sie. Immer das Maximum, immer am Limit. Als Preis dafür mit Tunnelblick, mit Scheuklappen für das andere Geschlecht.

Wie schlimm muss die Angst vorm sozialen Abstieg in dieser Gesellschaft sein, wenn sogar die eigenen Kinder dem Paradigma der absoluten Leistungsmaximalität unterworfen und den Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht beraubt werden sollen?

 

Es gibt wirklich so viele tolle Ideen, wie man den Unterricht abwechslungsreicher und interessanter gestalten könnte. Meistens haben diese Ideen jedoch den „Pferdefuß“, dass man sie im Rahmen normaler (d.h. ministerial vorgesehener) Unterrichtszeit kaum einsetzen kann. So bin ich schon öfter auf die Idee gestoßen, dass man im Geschichtsunterricht doch bestimmte Themen von den Schülern im Rahmen des Fernsehformats Tagesschau oder Ähnlichem umsetzen lassen könnte. Eine Redaktion erarbeitet dann ein fest umgrenztes Thema und gestaltet dazu eine vollständige Moderation mit Kartenmaterial, erklärenden Grafiken und selbstverständlich sollte alles sachlich geprüft und nichts erfunden sein. Um das Ganze spannender und multiperspektivischer zu machen, könnte man sogar das gleiche Thema von verschiedenen „Tagesschauen“ (z.B. den Ausbruch des Ersten Weltkrieges aus österreichischer und russischer Sicht)  erklären und einordnen lassen. Klar ist das anachronistisch, aber vor meinen Schülern bin ich eben nicht nur Historiker, sondern als Erstes(!) Pädagoge und Didaktiker. Wenn ich also die sonst bei politischen Themen wegschnarchenden drei-viertel der Desinteressierten mit einem solchen Konzept motivieren kann, ist es mir den Anachronismus wert.

Bleibt – besonders in der SekII –  der verdammte Pferdefuß! Ich habe schlicht keine Zeit für solche Sperenzchen! Das Abitur drückt, die Vorgaben scheinen endlos und die Klausurtermine sind immer viel zu knapp gelegt. Wie in drei Teufels Namen soll ich so abwechslungsreichere Methoden als das übliche Karikaturen-Auflegen oder das Textquellen-Analysieren einsetzen? Am Ende des Schuljahres, wenn noch Zeit sein sollte, quasi als „Zugabe“, als „Bonbon“ – wenn schon der letzte Rest an Motivation hinwegunterrichtet wurde? Das Einzige, was mir heute dazu einfällt, ist, dass man solche Projekte eventuell aus dem Unterricht hinausverlagern und die Schüler solches in ihrer Freizeit umsetzen lassen muss. Das hätte dann den Charakter von Referaten oder Facharbeiten, die ja auch zu Hause erarbeitet werden. Oder hat jemand von euch eine andere Idee, wie man kreativere, zeitaufwändigere Unterrichtsvorhaben im Unterricht umsetzen kann?

Oder muss man tolle Ideen einfach zwangsläufig verschütt gehen lassen?

 

Trinken im Unterricht ist ein leidiges Thema, ein pädagogisches Minenfeld, was sage ich: Ein Schlachtfeld! Fordernde Schüler prallen, flankiert von empörten Eltern, auf eine Phalanx verweigernder Lehrer, die trotz aller Studien und besseren Wissens das wertvolle Gut versagen, das stille Wasser verbieten.

Stilles Wasser – da mag so manch Kollege hohnlachen: Knackende Plastikflaschen, provoziert von gelangweilten Lippen, die das Prinzip des Unterdrucks als Mittel zur Lehrernervenbekämpfung entdeckt haben, lange bevor die Physikkollegen ihnen das sachliche Wissen dazu vermitteln können; stürzende Wasserbäche im Klassenraum, durchweichte Klassenbücher; angespießte PET-Flaschen, die aufgrund ihres Streuvermögens weniger den Durst als vielmehr Brände löschen könnten; Leere Pullen, deren Resonanzkörper wunderbare Percussioninstrumente abgeben oder – ebenfalls fleißig resonierend – als Fußballersatz herhalten müssen. Doch auch das Benehmen der Trinkenden lässt zu Wünschen übrig: Da wird geschmatzt, geschlürft, geschlurpt, gezischt und genuckelt, was das Zeug hält. Und manch einer nutzt die Unterrichtszeit gleich dazu, die Kraft seiner Kaumuskulatur auszutesten, indem er das für seine Konzentration so dringend benötigte kühle Nass unter Verzicht auf Zuhilfenahme seiner beiden Hände durch die Kehle gluckern lässt.

Ich gestatte das Trinken im Unterricht und gebe zu, dass ich trotzdem das ein oder andere Mal schon sehr gerne die ein oder andere PET-Flasche mitsamt anhängenden Lippen aus der Reichweite meiner Ohren befördert hätte. Aber mit dem anstehenden Schuljahr wird alles gaaanz anders. Ich werde nämlich darauf bestehen, Trinkregeln einzuführen, die wie folgt aussehen:

  • Trinken ist bei Stillarbeitsphasen, bei Klassenarbeiten, Gruppen- oder Projektarbeit erlaubt
  • Trinken ist nicht gestattet bei Frontalunterricht oder im Unterrichtsgespräch
  • Trinken ist während der ersten zehn Minuten einer Schulstunde gestattet
Die Regeln habe ich in einer Broschüre auf der Seite www.trinken-im-unterricht.de (jaja, eine Propagandaseite des Verbandes deutscher Mineralbrunnen) gefunden, und ich hoffe, dass Trinken in dieser Form im Unterricht erträglicher sein wird als in der ungeregelten. Hat jemand noch Ergänzungen oder weitere Tipps?
 

Da wären wir, Mittwoch geht es hier in NRW wieder los. Meine Unterrichtsverteilung sieht ganz gut aus: Nur vier Korrekturgruppen erwarten mich und ich darf mich auf eine neue fünfte Klasse freuen, die ich als Co-Klassenleitung in den nächsten Jahren begleiten darf.

Erster Grundkurs 12 in Geschichte
Besonders spannend wird ein Grundkurs 12, den ich in Geschichte bekomme, denn weil ich bisher sooo wenig Geschichte unterrichtet habe, komme ich mir fast schon wieder wie ein Neuling vor. Andererseits kann ich mir nichts Schlimmeres vorstellen, als dauerhaft dasselbe Fach unterrichten zu müssen – es gibt ja durchaus Kollegen, die auf nur ein Fach „gebucht“ sind, und nach einigen Jahren ist diesen das zweite Fach dann doch so fremd, dass sie es gar nicht mehr gerne unterrichten möchten. Das möchte ich nicht, ich will schon gerne beide Fächer unterrichten und das liegt nicht nur an der Korrekturbelastung, die man über Deutsch ja immer hat. Und da wir eine riesige Fachschaft Geschichte haben, bin ich gar nicht böse über einen GK 12.

Rituale Treffen
Heute waren die ersten Fachgruppentreffen (die Deutschlehrer treffen sich, die Mathelehrer…) und wir haben Inhalte des kommenden Schuljahres grob abgestimmt. Eigentlich bräuchte man dafür keine Treffen, weil alles Nötige in den schulinternen Lerhplänen steht, aber für neue Kollegen ist das eine gute Gelegenheit, vorgestellt zu werden, und ich vermute insgeheim, dass der rituelle Aspekt bei diesen Treffen wichtiger ist als der sachliche. Man kann sich so schon ein wenig auf das kommende Schuljahr einstimmen und die Ferienerlebnisse bequatschen, womit der Quatschbedarf der ersten Schulwoche erheblich entlastet wird und alle sich brav auf ihre Arbeit konzentrieren können… ;-)

Wünsche allen NRW-Kollegen einen guten Start ins neue Schuljahr (und auch denen aus anderen Bundesländern…)

 

Herr Larbig macht sich in einem langen Artikel Gedanken über den Stellenwert von Blogs in Zeiten von Twitter, Facebook und Google+. Was haben Blogs zu bieten, angesichts relativ geringer Nutzerzahlen, sprich: weniger Öffentlichkeit und der Konzentration von Debatten auf große Social Networks? Eine gute Frage, die ich mir in letzter Zeit auch immer wieder gestellt habe. Ist es heutzutage noch sinnvoll, ein Blog zu führen? Bitte nicht enttäuscht sein: Ich habe keine Antwort, nur meine Sichtweise.

Von Öffentlichkeit, Offenheit, Reichweite und Authentizität
„Öffentlichkeit“ wird in Diskussionen dieser Art meist mit „Reichweite“ verwechselt. Dieses Blog hier ist viel öffentlicher als mein Facebook-, Google- oder Twitterprofil. Und auch viel offener, denn dank des Archives, das teilweise bis in meine Studienzeit zurückreicht (leider ist durch Bloganbieterpleiten und Systemwechsel einiges verloren gegangen), kann man zumindest in Ansätzen Aspekte meine Persönlichkeit erahnen, politische Haltungen herauslesen, Entwicklungen nachvollziehen, Vorlieben und Abneigungen erkennen. Das wird wohl Facebook und Google selbst dank ihrer unglaublichen Vernetzung mit diversen anderen Diensten gelingen können, kaum aber den einzelnen Lesern bei Facebook oder Google. Und dass ich hier etwas von mir preisgebe, ist auch schon der ganze Sinn der Übung: Ich schreibe zeitweise ganz gerne und da ich kaum zum großen Romancier tauge, schreibe ich hier eben vor kleinem Kreis über einen bestimmten Aspekt meines Lebens. Irgendwann hat meine Bloggerei schließlich damit begonnen, dass ich auf der Suche nach einer Tagebuchsoftware war und bei 20Six gelandet bin und erst später meine Lehramtsinhalte hierhin ausgegliedert habe. Anderen Bloggern wird es ähnlich gegangen sein, zumindest gefühlt habe ich den Eindruck, jemandem in dem, was er schreibt, mehr vertrauen zu können, wenn ich ihn per Blog kenne und nicht nur per Twitter oder Google+. Blogger wirken auf mich authentischer.

Der kleine Kreis
Die Reichweite meines Blogs ist verglichen mit Twitter oder Google+ lächerlich gering. Jedoch sind die Leute, die ich hier erreichen kann, genau die Richtigen. Auch die Suchmaschinen scheinen mir immer präziser die Menschen hier hinzuschicken, die mit meinen Beiträgen wirklich etwas anfangen können. Herrn Larbigs langen Artikel hätte ich auf Google+ wegen seiner Länge in der großen Masse vermutlich einfach überscrollt, so wie ich es heute schon mit einem halben Dutzend mehr oder weniger sinnvoller und sinnloser längerer Beiträge dort gemacht habe. Aber wenn jemand einen Beitrag in seinem Blog postet, dann scheint ihm der Inhalt so wichtig zu sein, dass er ihn nicht im flüchtigen Meer eines Social Networks verschütten möchte.

Dabei ist der „kleine Kreis“ die sichere Bank, eine Gruppe Gleichgesinnter, die, einmal auf den Lehrerberuf bezogen, nicht nur fachlich, sondern auch persönlich etwas mit dem Geschriebenen anfangen kann. Während man bei den Social Networks mit zunehmendem Wachstum zusehen muss, Aufmerksamkeit im doch mehr oder weniger anonymen Tohuwabohu zu erheischen, habe ich hier viel mehr den Eindruck, meine Leser zu kennen, sie einschätzen zu können und bei Debatten entsprechend reagieren zu können. Blogs bieten hier gerade aufgrund ihrer geringen Reichweite vielleicht sogar eine Art „familiären“ Schutzraum, der es eben auch leichter macht, zu diskutieren, strittige Themen anzuschneiden und dem anderen zuzuhören.

Und darum sind und bleiben für mich Blogs die wahren Perlen des Internets, weil ihre Nutzer sich durch ihre in Artikeln gebundene Persönlichkeit (und nicht durch Klarnamen, Profession oder Geburtsurkunde) „authentifizieren“, weil sie Überlegtheit und Ruhe in Produktion und Rezeption zulassen, dabei weniger flüchtig sind,  und weil der Leserkreis, obwohl immer dynamisch, so doch immer irgendwie überschaubar bleibt oder wenigstens scheint.

Im Ergebnis lese ich trotz der Einführung von Google+ seit einigen Wochen wieder viel mehr in „meinen“ Blogs und nehme die flüchtigen Netzwerke eher flüchtig wahr. Und wenn in zehn Jahren die Menschen ihre Twitter-Accounts gelöscht oder Facebook den Rücken gekehrt haben sollten, weil die Karawane ja immer weiter zieht, und Google von Baidu aufgekauft wurde, dann werde ich in diesem Blog immer noch für meine fünf Leser Artikel tippen. Ohne große Reichweite, aber mit großer Freude.

 

Sonntagabends an einem Ferientag, dem letzten vor Schulstart. Das Telefon klingelt. Am anderen Ende eine mir unbekannte weibliche Stimme, die mich um einen Tipp für eine Vertretungsstunde bittet. Eine neue Kollegin also. Sie müsste mich gleich am ersten Schultag in Klasse 9 vertreten und da sie das noch nie gemacht hätte. „Unterrichten Sie denn Deutsch?“ „Nein, [etwas Naturwissenschaftlich-Mathematisches].“

Ich riet ihr dann das, was ich in überraschenden Vertretungsstunden auch manchmal mache: Kreatives Schreiben. Es gibt da ein Reclam-Bändchen mit Anregungen zum kreativen Schreiben, aus dem ich die Idee entnommen habe, drei Satzanfänge an die Tafel zu schreiben, die die Schüler dann in eine vollständige Geschichte ausarbeiten müssen. Das Reclam-Bändchen liefert dafür Beispiele, die ich der Kollegin diktierte, aber wenn es gerade nicht anders geht, kann man sich auch selber drei Satzanfänge ausdenken oder gemeinsam mit den Schülern überlegen. So richtig sicher, ob das eine gute Idee für eine Vertretungsstunde mit einer unbekannten Kollegin war, war ich mir nicht – schließlich hassen Schüler das handschriftliche Schreiben –  aber als ich die Kollegin später auf die Stunde ansprach, erzählte sie, dass die Schüler mit Feuereifer und in absoluter Ruhe geschrieben hätten, die Ergebnisse lägen nun auf meinem Platz. Und tatsächlich lagen da teilweise wahre Epen…

Dass Schüler dieser Altersgruppe sehr positiv auf kreatives Schreiben reagieren, bestätigte sich dann in meiner zweiten neunten Klasse, wo ich gleich eine Kurzreihe dazu durchgeführt habe. Schüler, die ansonsten den Füller meiden als verbreite er die Pest, schrieben auf einmal wie die Teufel. Keine Spur von Vermeidungsstrategien und drei mühsamen Zeilen in zehn Minuten.

Kreatives Schreiben also! Leider hat man nicht immer seine Reclam-Bibliothek parat, aber wie es der Zufall will, gibt es auch für kreative Schreibanlässe mittlerweile eine App! Fürs iPhone heißt sie einfach „writing prompts“. Mit „writing prompts“  lassen sich durch Schütteln des iPhones verschiedene Schreibanlässe per Zufallsgenerator generieren, so auch Satzanfänge, aber es lassen sich auch Orte, Charaktere, Gegenstände und Sinneseindrücke vorgeben, die in den Geschichten vorkommen müssen. Witzig auch die Idee, Bilder vorzugeben, was man in einer Schulklasse durch die Tafel und die eigenen Zeichenkünste kompensieren müsste. ;-)

Die App ist auf Englisch, sodass man zunächst übersetzen müsste und ich habe sie noch nicht „life“ ausprobiert, aber großartig schiefgehen kann da eigentlich nichts. Auf jeden Fall hat man immer eine gute Vertretungsstunde in der Tasche.

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