Verzeichnisdienste und Linius

Verzeichnisdienste

Und wo ich heute schon schrieb, dass ich bei Twitter kürzer treten möchte, da kann ich mein Blog wieder für kürzere Beiträge missbrauchen. Zum Beispiel, um auf einen Beitrag von Maik Riecken hinzuweisen, der zeigt, wie leicht das Leben mit Verzeichnisdiensten wäre. Ich zitiere einmal Maiks Beispielvision:

Die Schulsekretärin gibt einen neuen Schüler in die Schulverwaltung ein, der die Schule gewechselt hat. Gleichzeitig sind damit ein Account auf dem Schulserver, eine E-Mailadresse und ein WLAN-Zugang angelegt und sämtliche Zugänge und Zugriffsberechtigungen auf der alten Schule deaktiviert. Selbstredend ist unser Schüler damit auch gleich den richtigen Gruppen auf der Lernplattform der Schule zugewiesen, in die Schulstatistik eingepflegt und in der Lehrmittelverwaltung mit den korrekten Attributen versehen (z.B. Geschwisterermäßigung bei der Schulbuchausleihe).

Hach, schöne Utopie.

Linius

Herr Rau, der aus dem Lehrerzimmer, twitterte heute zu einem wordpress-basierten Storytelling-Werkzeug namens „Linius“. Die Homepage wirkt etwas sparsam und so gar nicht nach aufregendem Storytelling, aber die Ergebnisse können sich sehen lassen. Einfach schön. Damit ließe sich sowohl in Deutsch als auch in Geschichte was machen.

Hattie, Klagen von Eltern und Storytelling, Teil2

Podcast-Tipps

Nur ein paar knappe Links. Ich bin ja schon lange passionierter Podcast-Hörer und der SWR 2 Wissen-Podcast fällt für mich in die Top-5 der Wissens-Podcasts. Darum verlinke ich heute gleich zwei Beiträge.

Wer sonntags ein wenig Muße hat, kann sich damit die Zeit vertreiben.

Storytelling-Mooc, Teil2

Gestern ist der Storytelling-Mooc in die zweite Runde gegangen und beschäftigt sich nun mit TV-Serien und wohin sich deren Erzählweise aktuell entwickelt. Für Serien-Fans ein Muss, denn es kommen besonders auch Menschen aus der Branche zu Wort – dieser Mooc ist kein professorales Uni-Format und auch nicht die Verlängerung des Hörsaals ins Internet! Wer also Serien wie „Breaking Bad“ und „Dexter“ verschlingt, sich über „How I met your Mother“ schlapp lacht, Krimiserien wie „Bones“ schaut oder allgemein am Wochenende „binge watching“ betreibt, der sollte in den Kurs mal hineinschauen.

Den Soziopod hören!

Der mit dem Grimmepreis prämierte und von Patrick Breitenbach und Nils Köbel gestaltete aktuelle Soziopod ist (wie immer) sehr empfehlenswert. Es geht um Bourdieu und den Fluch der sozialen Ungleichheit. Ist mir alles schon mal fragmentarisch über den Weg gelaufen, und die beiden schaffen es mal wieder, den Bourdieu schön kompakt auf den Punkt zu bringen.

Meine Lieblingsaussage (möglicherweise paraphrasiert):

Bildung ist: Verwendung des Wissens zu Arbeit an der eigenen Persönlichkeit.

Warum ist der Podcast über dieses Zitat hinaus im Bildungskontext interessant? Weil er auf einfache Weise einleuchtend bewusst macht, wie komplex und schwierig es ist, soziale Gleichheit herzustellen, wenn Menschen mit unterschiedlichem sozialen, kulturellen oder ökonomischen Kapital ausgestattet sind; sich im Habitus unterscheiden und erkennen, und auch bestrebt sind, bestehende Grenzen nach unten hin aufrecht zu erhalten. Das finden wir alles auch in der Schule und zwar unter Lehrern, Schülern und Eltern. Man muss es sich nur eben immer wieder vor Augen halten.

Der schwitzende Lehrer (Update)

Was hier klingt wie der Titel einer fiesen Kurzgeschichte, ist letztlich nichts anderes als meine Alltagserfahrung. Ja, ich bin ein schwitzender Lehrer, und zwar nicht einer der harmlosen Sorte, wo alle paar Wochen mal ein Schweißrändchen unter dem dünnen Hemd zu sehen ist, sondern einer von der Hardcore-Sorte, dessen widerlicher Schweiß auch vor dicken Pullovern nicht Halt macht. Dabei spielt es keine Rolle, ob nun die Sonne in den auf der Südseite gelegenen zweiten Stock meiner Klasse brennt (mein Dank an den Architekten!) oder ob im Winter Schneegewusel die Schüler an die Fensterscheiben lockt: Schwitzen kann ich immer.

Dauerschwitzen

Es macht keinen Unterschied, ob ich sitze, stehe, wie ein Irrer durch die Gegend renne oder in sengender Sonne Zehnkampf betreibe (was ich schon bei angenehmen Temperaturen kategorisch ablehne); auch beim harmlosen Surfen am heimischen Schreibtisch erwische ich meine schamlosen Schweißdrüsen bei ihrer peinlichen Arbeit. Und es ist schon sehr peinlich, wenn man wieder einmal mit nassen Achseln vor der Klasse steht oder sich arglos nach einer anstrengenden Stunde auf dem Stuhl im Lehrerzimmer reckt. Doch es ist nicht zu ändern, da müssen alle Beteiligten durch. Neben der unangenehmen Außenwirkung vermitteln nasse Achseln auch körperlich kein gutes Gefühl, schon gar nicht, wenn die Außentemperaturen sogar eher kühl als warm sind. Doch was tun?

Das Gegenmittel

Die handelsüblichen Deodorants hatten außer leeren Werbeversprechen nichts zu bieten, bestenfalls verfärbten sie meine T-Shirts, welche dann gar nicht mehr zu tragen waren. Irgendwann hatte ich dann genug und habe Internetforen durchstöbert. Pads unter die Achseln zu schnallen hielt ich jedoch für unpraktisch, weniger Kaffee zu trinken konnte keine gute Lösung sein und von einer Drüsenverödung wollte ich mich auch nicht so recht überzeugen lassen.
Am Ende stand ich dann in der Apotheke meines Vertrauens und habe nach einem „Deo gegen Schwitzen“ gefragt. Die freundliche Dame hinter der Theke verschwand kurz hinter den Regalen und überreichte mir ein namenloses, selbstgemischtes Deo. Es kostet stolze zwölf Euro, hält aber gut ein halbes Jahr, da man es nur einmal wöchentlich aufträgt, und vor allem: es wirkt!

Seitdem habe ich keine Probleme mehr mit schweißgetränkter Oberbekleidung und kann mich ungeniert im Lehrerzimmer räkeln. Sogar in so schönen heißen Sommerferien wie in diesem Jahr.

Update (Fotos)

Wegen Nachfrage:

Zufallsgenerator

Im Unterricht kommt man ab und an in die Verlegenheit, Schüler per Zufall auswählen zu müssen. In meiner Schulzeit nutzten dazu mehrere Lehrer unabhängig voneinander die „Rutsche-mit-dem-Stift-durch-die-Klassenliste-bis-der-Klassensprecher-Stopp-sagt-Methode“. Da man in etwa abschätzen konnte, wo der Stift stoppen würde, und da die äußersten Enden kaum zu erreichen waren, war von einer gerechten Chance nicht wirklich zu sprechen.

Doch damit ist nun Schluss! Dank der iPhone-App „ZGenerator“ kann jeder Lehrer schnell und unkompliziert bis zu sechs Nummern in einem selbst bestimmten Zahlenraum von 1 bis 100 gleichzeitig generieren lassen. Mithilfe der nummerierten Schülerliste des Klassenbuchs ist die Auswahl der Schüler dann ein Klacks.

Podcast: Der gute Ton des Lernens

Das kennt wohl jeder Lehrer, besonders nach den Sommerferien, dass die Stimme sich erst wieder an den Unterrichtsalltag gewöhnen muss oder dass die Stimme an irgendeinem Punkt an ihre Grenzen kommt. Dazu passt ein SWR2-Podcast, der sich mit dem Thema „Lehrerstimme“ beschäftigt:

Der gute Ton des Lernens (mp3)

Es geht im Podcast um die Stimme als Werkzeug des Lehrers, den Einfluss auf den Unterricht und um bewusste und unbewusste Stimmprobleme. Ich wollte eigentlich schon längst mal eine Fortbildung dazu gemacht haben, aber das habe ich bisher verpasst.

Von einem Sklaven und Heldenreisen

Am Dienstag „Django unchained“ gesehen. Intensiv, blutig und mit einem großartigen Christoph Waltz, der in „Django unchained“ so ganz anders wirkt als in „Inglourious Basterds“. Und wie es der Zufall will, kann man sich aktuell das Drehbuch von „Django unchained“ für einige Zeit  herunterladen, nebst 29 weiteren Drehbüchern. Angeblich legal, im Kontext der Academy-Awards. Wann hat man schon einmal Gelegenheit, Drehbuchautoren in die Karten ihres Geschichtenerzählens zu schauen?

Erzählen im SchulbuchApropos „Geschichtenerzählen“: Ich erlaube mir einen kurzen Verweis auf eine schöne Podcastserie von Bayern 2, in der es vor einigen Tagen um das Erzählmuster der „Heldenreise“ ging. Gerade das kreative Schreiben betreffend finde ich Deutschunterricht oft unglaublich schlecht und die Schulbücher unzureichend. Schüler glauben nicht selten, eine gute Geschichte bestehe aus „treffenden Adjektiven“ oder man müsse einen geheimnisvollen „Spannungsbogen“ einweben. Aber wie Spannung erzeugt wird, das beschreibt kein Schulbuch, da muss dann das gottgegebene schriftstellerische Talent herhalten. Erzählmuster wie die „Heldenreise“ dagegen können helfen, zielorientiert stringentere und spannendere Geschichten zu verfassen. Ganz nebenbei kann man auch umgekehrt versuchen, das Muster der Heldenreise in verschiedenen anderen Filmen oder Geschichten zu entdecken. Zum Beispiel in „Django unchained“. Dann aber besser ohne Schüler. 😉

Bildarchiv Westfalen

Ein schneller Linktipp für die (westfälischen) Geschichtslehrer unter uns: www.bildarchiv-westfalen.lwl.org

Habe ich heute während einer Fachgruppensitzung erfahren und da stößt man wirklich auf schöne Bilderschätzchen. Man kann eine Suchmaschine bemühen oder sich thematisch durch die Bilder klicken und z.B. nach „Arbeit und Beruf“ suchen, „Alltagsgegenstand“, „Architektur“ usw. Das ist toll, wenn man sich überlegt, wie teuer ein Bild aus einem normalen Archiv ist, da bezahlt man schon stolze Sümmchen. Betrachtet man die Konditionen des Archivs, so sind diese nicht minder teuer, aber zumindest die Verwendung im Unterricht ist gestattet:

Kostenloser Download

Für Unterricht und Bildungsveranstaltungen gestatten wir den Gratis-Download als JPG-Datei in 72 dpi mit integriertem Wasserzeichen „© LWL-Medienzentrum für Westfalen“. Dieser Bildquellennachweis ist bei jeder Bildnutzung mitzuführen. Ein Genehmigungsantrag oder Nutzungsbeleg (Pkt. 2, 6) ist für obigen Nutzungszweck nicht erforderlich. Ein Anspruch auf den kostenfreien Bezug höherwertiger Bildreproduktionen besteht nicht.

Texterkennung für den Mac

Nur ein kurzer Softwaretipp: Wer eine kostenlose Texterkennungssoftware sucht und es für ausreichend befindet, nur je eine Seite einfachen Fließtext pro Dokument erkennen zu lassen (z.B. für Klausuren), dem rate ich zu PDF OCR X. Diese hat bei mir soeben eine bei 300 DPi gescannte Din-A4-Seite so fehlerlos erkannt, das ich nur zweimal(!) nachkorrigieren musste. Man kann mit der kostenlosen Version nicht in Einem scannen und erkennen, sondern gibt schon gescannte PDFs oder Bild-Dateien an das Programm weiter, die dann erst erkannt werden, aber das kostet kaum Mehrzeit und rentiert sich im Vergleich zum Abtippen von Texten.

Wer noch Besseres kennt, möge sich in den Kommentaren verewigen. 😉

Trinken im Unterricht

Trinken im Unterricht ist ein leidiges Thema, ein pädagogisches Minenfeld, was sage ich: Ein Schlachtfeld! Fordernde Schüler prallen, flankiert von empörten Eltern, auf eine Phalanx verweigernder Lehrer, die trotz aller Studien und besseren Wissens das wertvolle Gut versagen, das stille Wasser verbieten.

Stilles Wasser – da mag so manch Kollege hohnlachen: Knackende Plastikflaschen, provoziert von gelangweilten Lippen, die das Prinzip des Unterdrucks als Mittel zur Lehrernervenbekämpfung entdeckt haben, lange bevor die Physikkollegen ihnen das sachliche Wissen dazu vermitteln können; stürzende Wasserbäche im Klassenraum, durchweichte Klassenbücher; angespießte PET-Flaschen, die aufgrund ihres Streuvermögens weniger den Durst als vielmehr Brände löschen könnten; Leere Pullen, deren Resonanzkörper wunderbare Percussioninstrumente abgeben oder – ebenfalls fleißig resonierend – als Fußballersatz herhalten müssen. Doch auch das Benehmen der Trinkenden lässt zu Wünschen übrig: Da wird geschmatzt, geschlürft, geschlurpt, gezischt und genuckelt, was das Zeug hält. Und manch einer nutzt die Unterrichtszeit gleich dazu, die Kraft seiner Kaumuskulatur auszutesten, indem er das für seine Konzentration so dringend benötigte kühle Nass unter Verzicht auf Zuhilfenahme seiner beiden Hände durch die Kehle gluckern lässt.

Ich gestatte das Trinken im Unterricht und gebe zu, dass ich trotzdem das ein oder andere Mal schon sehr gerne die ein oder andere PET-Flasche mitsamt anhängenden Lippen aus der Reichweite meiner Ohren befördert hätte. Aber mit dem anstehenden Schuljahr wird alles gaaanz anders. Ich werde nämlich darauf bestehen, Trinkregeln einzuführen, die wie folgt aussehen:

  • Trinken ist bei Stillarbeitsphasen, bei Klassenarbeiten, Gruppen- oder Projektarbeit erlaubt
  • Trinken ist nicht gestattet bei Frontalunterricht oder im Unterrichtsgespräch
  • Trinken ist während der ersten zehn Minuten einer Schulstunde gestattet
Die Regeln habe ich in einer Broschüre auf der Seite www.trinken-im-unterricht.de (jaja, eine Propagandaseite des Verbandes deutscher Mineralbrunnen) gefunden, und ich hoffe, dass Trinken in dieser Form im Unterricht erträglicher sein wird als in der ungeregelten. Hat jemand noch Ergänzungen oder weitere Tipps?