Die frohe Botschaft vorab: Es ist vollbracht! Ich habe eine Stelle an einem Bielefelder Gymnasium angenommen und brauche im Untertitel des Blogs nicht das Prädikat “arbeitsloser Lehrer auf Jobsuche” zu führen! Die Zusage war eine große Erleichterung, denn es hätte die festliche Vorweihnachtsstimmung doch um einiges getrübt, wenn die Unsicherheit der Arbeitslosigkeit fürs Jahr 2009 [...]
Es ist immer wieder erleichternd, wenn Unterrichtsbesuche, die Unzufriedenheit bei mir hervorgerufen haben, von den Beobachtern dann doch positiv eingeschätzt werden. Und wenn die geplante Reihe honoriert wird, in der eine Menge Mühe und Vorbereitung steckt. Manche Reihen werden gerne mal dahinphantasiert (was sich auch gar nicht vermeiden lässt, wenn man Ausbildungsunterricht bei fremden Lehrern [...]
Was mir heute im Bus einfiel: Kaum ein Schüler fragt mich noch, ob er auf Toilette darf. Das Bedürfnis zu urinieren, hat mit Voranschreiten des Schuljahres merkwürdigerweise nachgelassen… Ich muss bei meinen Sechsern nicht mehr laut werden. Das ist wunderbar. Nach manchmal eher mulmigen Tagen am Anfang (Stimmt mein Konzept? Habe ich das richtige Material? [...]
Ich bin gerade in einem Forum über einen Satz gestolpert, der Robert Schumann zugeschrieben wird. Nein, falsch. Vielmehr bin ich über ein Wort gestolpert, nämlich über das Wort “Einbildungskraft”, dem Schumann eine völlig andere Bedeutung beizumessen scheint als ich. In meiner kleinen und beschränkten Welt bedeutet Einbildungskraft die Fähigkeit, sich im negativen Sinne etwas vorstellen [...]
Peter (Name geändert) ist eher ein zurückhaltender Schüler. Einer, der nicht viel sagt. Einer, der sich nur vorsichtig in das Unterrichtsgeschehen einbringt. Einer, der eher vorliest, als den Unterricht durch Beiträge voranzutreiben. Bis ich versuche, Figurenträume psychoanalytisch zu betrachten. Schon bei der Einführung der Theorie der Psychoanalyse fällt Peter durch eine ungewohnt häufige Beteiligung auf, [...]
Bei Störungen sollen wir immer möglichst alle Involvierten ansprechen, hat man uns im Hauptseminar geraten. Ich halte mich fest daran. Doch nicht in allen Klassenstufen ist dieses Vorgehen von Erfolg gekrönt. Ein im kouninschen Sinne gehauchtes “Tina! Max!” führt unweigerlich weg vom Unterrichtsgegenstand und hin zu wilden Spekulationen über künftige Eheanbahnungen, Kinderzahl und enttäuschte potenzielle [...]
Wir wissen von Referendaren, dass sie ihren Schülern nach der Stunde sagen: »Denkt dran, aktualisiert eure Noten bei spickmich.de.« Das ist ein unkompliziertes Feedback. (Zeit.de) Mit Verlaub, aber die tun mir leid. Und als Argument für besseren Unterricht kann ich das auch nicht werten. Dann statt eines unkomplizierten Feedbacks lieber den komplexen, aber sinnvollen Wertungsbogen.
Ich hasse sie. Sie bedeuten (sinnlose?) Zeitverschwendung, weil man seine Kräfte und Gedanken alleine auf eine einzige Stunde in der Woche richtet, plant, grübelt, überlegt, entwirft, verwirft, umbaut, kritisiert, neu beginnt, plant, grübelt, überlegt, etc. etc. Grauenhaft. Am Tag vor Unterrichtsbesuchen bin ich dann ein Nervenwrack, habe mindestens zwei Nächte schlecht geschlafen, bekomme Geistesblitze grundsätzlich [...]
Eien rhetorische Analyse, die im formalen Nachweis von Techniken und Figuren beharrt, kommt nicht ans Ziel. (Norberto42) Schreibe ich mir hinter die Ohren. Ich habe in den letzten Wochen vor den Weihnachtsferien sowieso zu oft das Ziel der Stunde, sprich: die Tranferphase, aus den Augen verloren. Und bei einer rhetorischen Analyse ist genau das, was [...]
Lehrer können wie Tischtennisplatten sein. Wie diese hochklappbaren, auf die man stundenlang einprügelt und bei denen jeder Ball, der Formel Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel folgend, wohlberechenbar zurückkommt. Langeweile vorprogrammiert. Keine noch so teure Tischtennisplatte kann einen Gegner auf Augenhöhe ersetzen, an dem man sich abarbeiten kann, der Finten setzt, unerwartete Stopps spielt, Fehler mit Schmetterbällen bestraft [...]