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	<title>Kreide fressen &#187; Reflexion</title>
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	<description>Gedanken eines jungen Lehrers aus Bielefeld</description>
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		<title>An der Säge</title>
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		<pubDate>Wed, 09 May 2012 07:30:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hokey</dc:creator>
				<category><![CDATA[aus dem Alltag]]></category>
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		<category><![CDATA[Reflexion]]></category>

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		<description><![CDATA[Jedes Halbjahr aufs Neue: Ein etwa 11-jähriges Mädchen schaut mich zweifelnd an, die große Säge in der einen, das Bambusrohr oder Sperrholz in der anderen. Ein Schwirrholz soll es dann meist werden oder eine Panflöte. Die ersten Züge gelingen noch recht grob, die Säge rutscht ab. Sie zweifelt sichtbar. Dann ist der Anfang gemacht, das <a href='http://www.kreidefressen.de/2012/05/09/an-der-sage/' class='excerpt-more'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jedes Halbjahr aufs Neue: Ein etwa 11-jähriges Mädchen schaut mich zweifelnd an, die große Säge in der einen, das Bambusrohr oder Sperrholz in der anderen. Ein Schwirrholz soll es dann meist werden oder eine Panflöte. Die ersten Züge gelingen noch recht grob, die Säge rutscht ab. Sie zweifelt sichtbar. Dann ist der Anfang gemacht, das Blatt zersägt leichtlaufend das Holz. Geschafft. Stolz. Von nun an werde ich nicht mehr gebraucht.</p>
<p>Die Arbeiten meiner letzten Mädchengruppe waren sehr schön, sehr sorgfältig und oft präziser gesägt als die der Jungen. Die sind manchmal zu ungestüm. Manche gestehen traurig, dass sie noch nie gesägt hätten. Die Sorgen der Väter sind dabei unbegründet: Verletzt hat sich in drei Jahren noch niemand. Sie sollten lieber sehen, mit welchem Feuereifer ihre Kinder zu Werke gehen, wenn sie mit eigenen Händen eigene Instrumente bauen dürfen. Ohne Notendruck, einfach nur mit einem Ziel.</p>
<p>Wann habe ich eigentlich das letzte Mal mit meiner Tochter gesägt?</p>
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		<title>Acta, der zweite Teil</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Feb 2012 20:19:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hokey</dc:creator>
				<category><![CDATA[aus dem Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Reflexion]]></category>
		<category><![CDATA[Schüler]]></category>
		<category><![CDATA[ACTA]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute sollte es dann so weit sein, heute wollten zwei Schüler einer siebten Klasse, wie schon beschrieben, den anderen ACTA präsentieren und ehrlich gesagt war ich mehr schlecht als recht vorbereitet. Zumindest gefühlt hatte ich noch nicht genug gelesen und die Abiturvorbereitung nebst Organisation eines Förderkurses raubte dann doch die Zeit, die ich für eine <a href='http://www.kreidefressen.de/2012/02/23/acta-der-zweite-teil/' class='excerpt-more'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute sollte es dann so weit sein, heute wollten zwei Schüler einer siebten Klasse, <a href="http://www.kreidefressen.de/2012/02/20/medienbildung-ist-politische-bildung/">wie schon beschrieben</a>, den anderen ACTA präsentieren und ehrlich gesagt war ich mehr schlecht als recht vorbereitet. Zumindest gefühlt hatte ich noch nicht genug gelesen und die Abiturvorbereitung nebst Organisation eines Förderkurses raubte dann doch die Zeit, die ich für eine gründliche Recherche benötig hätte. So harrte ich gespannt der Dinge, die da kommen sollten &#8211; im Zweifel hätten wir alles Unklare gesammelt und zur weiteren Bearbeitung vertagt. Es kam letzlich aber doch sowieso ganz anders.</p>
<p><strong>Das Monster ACTA</strong><br />
Einer der beiden Referenten war nämlich erkrankt und so mussten wir den Vortrag verschieben. Während ich mit dem verbliebenen Referenten das weitere Vorgehen abklärte, ging aber ein Raunen durch die Klasse: <em>Was ist eigentlich dieses ACTA? Wir müssen unbedingt über ACTA reden! ACTA muss gestoppt werden.</em> Der Gesprächsbedarf lag so deutlich in der Luft, dass ich mich entschloss, erst einmal die Stimmung einzufangen, das Vorwissen abzuklopfen sowie Sorgen und Ängste aufzunehmen.</p>
<p>Auf meine Nachfrage schossen gleich um die zwölf Finger in die Luft: Die meisten Schüler hatten sich über die Anonymous-Video per Youtube informiert und zu Beginn gab ausgerechnet mein stillstes(!) Mädchen ein anderthalbminütiges, emotionales Statement ab, warum ACTA gefährlich sei. Sie wiederholt das aus <a href="http://www.youtube.com/watch?v=9LEhf7pP3Pw">dem Anonymous-Video</a> bekannte Bild des Rezepts, das man zuhause nur noch unter Gefahr einer Strafe der Mutter weitersagen dürfe. Beliebte Webdienste wie Google, Facebook oder Youtube müssten abgeschaltet werden, sollte ACTA in Kraft treten. Sogar die Sprache würde sich durch ACTA verändern.</p>
<p>Eine der häufigsten Formulierungen in der folgenden Runde war „das wird dann an ACTA geschickt“. ACTA existiert in den Köpfen dieser Siebtklässler als Akteur, als Instanz, fast als Monster. Die Sorge vor der Überwachung des gesamten Lebens wurde formuliert; Angst davor, dass eine per Reply-Knopf kopierte Mail zur Strafe führen könnte, auch die Sorge vor Gefängnisstrafe wurde artikuliert.</p>
<p>Der verbliebene Referent trat dann erstaunlicherweise als besonnene Stimme im Anti-ACTA-Orkan auf: Es handele sich um ein Abkommen verschiedener Länder, und er wies sehr reflektiert darauf hin, dass Anonymous &#8216;Hacker&#8217; seien, denen etwas wie ACTA besonders ungelegen komme, weshalb man nicht einfach deren Sichtweise folgen dürfe. Er verwies aber auch auf das „three-strikes“-Modell mit der Konsequenz einer Netzsperre.</p>
<p>Zuletzt entwickelten sich die Äußerungen dahin, dass jede Kultur erstickt werden müsse, wenn das Kopieren völlig verboten werden würde. Wie sollte man noch Songs covern? Was wäre mit eigenen Videos, bei denen das Radio im Hintergrund liefe? Unschlüssig war man sich bei der Frage, ob ACTA „den Händlern“ eher nütze oder schade, da es doch für den Internethandel eigentlich das Ende bedeuten müsse.</p>
<p><strong>Fazit</strong><br />
Es war das Ende einer neunten Stunde in einer siebten Klasse, und es war die ganze Zeit mucksmäuschenstill, die Beteiligung engagiert und hoch. In den Äußerungen der Schüler kommt vieles zusammen, das aufgearbeitet werden muss. Manchen Schülern scheint nicht klar zu sein, wann eine Kopie unter Umständen wenig erfreulich für den Urheber sein kann und auf viele wirkt ACTA wie ein abstraktes Wesen (vielleicht kommt mir das aber auch nur so vor, weil Dreizehnjährige sich noch nicht auf gewohnte Weise politisch ausdrücken können). Die Verbindung mit politischen oder wirtschaftlichen Gruppen haben die Schüler nicht vorgenommen, für sie gibt es nur dieses böse ACTA. Das Verlagswesen ist ihnen logischerweise unbekannt, Vertriebswege, Verwertungsketten unklar. Die Rolle der Provider wurde nicht erwähnt. Es wird Zeit, dass wir dem unscharfen Monstrum bald mal ein Gesicht verleihen. Fürs zweite Halbjahr dürfte sich dann logischerweise eine intensive „Medienerziehung“ (&#8216;Erziehung&#8217; klingt hier furchtbar, oder?) anschließen.</p>
<p>Falls jemand von euch noch eine Ergänzung oder Anregung für mich hat, bin ich ihm mehr als dankbar!</p>
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		<title>Appetit bekommen</title>
		<link>http://www.kreidefressen.de/2011/06/12/appetit-bekommen/</link>
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		<pubDate>Sun, 12 Jun 2011 09:23:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hokey</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Methode]]></category>
		<category><![CDATA[Reflexion]]></category>

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		<description><![CDATA[Die letzten Wochen sind wie ein Schleier an mir vorbeigezogen. Im Netz bin ich gar nicht mehr so aktiv, Twitter lese ich vielleicht ein- bis zweimal am Tag, Blogs sehr sporadisch auf dem Mobiltelefon, vor dem Computer sitze ich eigentlich nur noch  zum Arbeiten. Oft ärgere mich über „verpasste“ Blog-Artikel &#8211; werde dem heute mit <a href='http://www.kreidefressen.de/2011/06/12/appetit-bekommen/' class='excerpt-more'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die letzten Wochen sind wie ein Schleier an mir vorbeigezogen. Im Netz bin ich gar nicht mehr so aktiv, Twitter lese ich vielleicht ein- bis zweimal am Tag, Blogs sehr sporadisch auf dem Mobiltelefon, vor dem Computer sitze ich eigentlich nur noch  zum Arbeiten. Oft ärgere mich über „verpasste“ Blog-Artikel &#8211; werde dem heute mit einem neuen Feed-Reader-Konzept entgegenzutreten versuchen, denn nach wie vor sind Blogs für mich die wahren Perlen des Internets, was auf Twitter an mir vorbeirauscht, interessiert mich nicht.</p>
<p>Habe in dieser Zeit viel mit Referendaren und Praktikanten gearbeitet und bin sehr froh über manche neue Impulse. Erst letzte Woche hat eine Referendarin ein einfaches Konzept zur <a title="Erklärung bei Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Binnendifferenzierung">Binnendifferenzierung</a> eingesetzt. Paradoxerweise hatte <em>ich</em> es ihr vorgeschlagen, aber <em>selber</em> noch nicht in dieser einfachen Form eingesetzt: Zur Erschließung eines literarischen Textes haben wir ganz simpel zwei Arbeitsblätter entworfen, eines mit der Schwierigkeitsstufe &#8220;normal&#8221; und eines &#8220;anspruchsvoll&#8221;. Der Effekt war, dass die meisten Schüler sich auf das anspruchsvollere Material stürzten (was so nicht gedacht war), einige aber durchaus und realistischerweise das einfachere Material nahmen. Nichtsdestotrotz war erstaunlich, wie motiviert auch ansonsten weniger fleißige Schüler waren, das anspruchsvolle Material zu bewältigten.</p>
<p>Warum mache ich das eingentlich nicht öfter und warum nicht schon seit einer halben Ewigkeit? Einfach: Ich verbringe meine Nachmittage mit dem Korrigieren von Klassenarbeiten und dem Vorbereiten von Unterricht im Groben (und eher selten im Detail). Das Erstellen von guten binnendifferenzierten Arbeitsaufgaben ist einfach so zeitaufwändig, dass ich immer wieder froh bin, wenn motivierte Referendare dabei sind, die sich Zeit dafür nehmen können und wollen. Gelobe aber Besserung und werde meine Unterrichtsreihen nun insgesamt stärker auf Differenzierung ausrichten. Wie so oft kommt der Appetit beim Essen und man kocht bekanntlich immer besser, je öfter.</p>
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		<title>Dahinüberlegt: Ein schulinternes „Curriculum“ für Referendare?</title>
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		<pubDate>Tue, 17 May 2011 19:54:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hokey</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beruf Lehrer]]></category>
		<category><![CDATA[Reflexion]]></category>

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		<description><![CDATA[Betreue aktuell mal wieder eine Referendarin im ersten Quartal und dabei fällt mir auf, dass es mir immer wieder schwerfällt, „richtig“ mit Referendaren umzugehen. Nicht im zwischenmenschlichen Sinne. Natürlich nehme ich gerne Referendare mit und zeige meinen Unterricht und bin auch immer ganz glücklich, wenn jemand sich entscheidet, eine meiner Lerngruppen übernehmen zu wollen, aber <a href='http://www.kreidefressen.de/2011/05/17/dahinuberlegt-ein-schulinternes-%e2%80%9ecurriculum%e2%80%9c-fur-referendare/' class='excerpt-more'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Betreue aktuell mal wieder eine Referendarin im ersten Quartal und dabei fällt mir auf, dass es mir immer wieder schwerfällt, „richtig“ mit Referendaren umzugehen. Nicht im zwischenmenschlichen Sinne. Natürlich nehme ich gerne Referendare mit und zeige meinen Unterricht und bin auch immer ganz glücklich, wenn jemand sich entscheidet, eine meiner Lerngruppen übernehmen zu wollen, aber irgendwie&#8230;</p>
<p>Ich sitze dann oft hinten in der Klasse und notiere mir Beobachtungen zum Unterricht. Wir reflektieren den Unterricht dann hinterher und ich teile ich den Referendaren dann in einer kurzen Nachbesprechung meinen Eindruck mit. Damit ist das Reflektieren aber nicht vorbei, denn dann kommt es bei mir zur Reflexion der Reflexion: Habe ich überhaupt auf das Richtige geachtet oder mich an Nebensächlichkeiten festgehalten? Bin ich überhaupt kompetent, Rückmeldungen zu geben, die den Referendaren dann bei ihren Unterrichtsbesuchen weiterhelfen? Hätte ich mich an bestimmten Stellen einmischen sollen? Ist es wichtiger, dass der Referendar aus einem Fehler lernt oder geht das zu sehr zu Lasten der Schüler?</p>
<p>Und aktuell überlege ich: Bräuchte man nicht ein Curriculum für Referendare &#8211; auch an den Ausbildungsschulen selber? In dem man z.B.  grob festlegt, dass man zunächst die Stundenplanung mit den Referendaren übt und zunächst auf das Erstellen von Reihen <em>verzichtet</em> und auch noch <em>kein</em> Material didaktisieren lässt, weil das ohne Unterrichtserfahrung eben noch sehr schwer ist. Das übt man dann eben im zweiten Quartal, oder dann, wenn das andere sicher läuft&#8230; hmm&#8230; das sind jetzt nur hingetippte Überlegungen, aber ich habe aktuell das Gefühl, das würde sowohl den Referendaren als auch den Ausbildungslehrern entgegenkommen. Mir würde es aktuell entgegenkommen und ich glaube, ich sollte so etwas wenigstens für mich privat einmal aufstellen.</p>
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		<title>Motivation</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Nov 2010 09:35:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hokey</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Reflexion]]></category>

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		<description><![CDATA[Im späten Alter von etwa 18 Jahren habe ich mir irgendwann die Gitarre meiner Tante geliehen und versucht, ein paar Akkorde darauf schrammeln zu lernen. Irgendwie ist daraus mehr geworden, ich habe mir ein Jahr darauf eine E-Gitarre gekauft, einen Verstärker dazu und autodidaktisch das Ganze vertieft, sodass ich halbwegs leidlich leichte und mittelschwere Gitarrenstücke <a href='http://www.kreidefressen.de/2010/11/26/motivation/' class='excerpt-more'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im späten Alter von etwa 18 Jahren habe ich mir irgendwann die Gitarre meiner Tante geliehen und versucht, ein paar Akkorde darauf schrammeln zu lernen. Irgendwie ist daraus mehr geworden, ich habe mir ein Jahr darauf eine E-Gitarre gekauft, einen Verstärker dazu und autodidaktisch das Ganze vertieft, sodass ich halbwegs leidlich leichte und mittelschwere Gitarrenstücke spielen kann. (Mehr als die eher bescheidene Kompetenz am Instrument ist jedoch das Interesse an der Musik selber gewachsen: An ihren Herstellungsprozessen von der Aufnahme bis zum Endmix; von der Instrumentierung bis hin zu komplexen Spieltechniken; von einfachen Intervallen bis hin zu Techniken des Songwritings.) Dabei kommt es immer wieder zu Höhen und Tiefen: Manchmal rühre ich meine Gitarre tage- oder sogar wochenlang nicht an, fehlen mir Antrieb und Energie zum Spielen. Aber eines ist mir dabei auch klar geworden: Nichts, aber auch gar nichts, ist so inspirierend und motivierend, wie andere Gitarristen live spielen zu sehen! Ob es am „rohen“ Live-Sound liegt, an dem Live-Erlebnis, das durch den direkten Kontakt zwischen Instrument und Gitarrist erzeugt wird, oder an etwas völlig anderem &#8211; sobald ich einen Gitarristen live spielen sehe, möchte ich auch spielen, am liebsten sofort. Die Motivation ist schlagartig wieder da und oft renne ich dann förmlich zu meiner Gitarre, um meinem Verstärker auch wieder diesen Sound zu entlocken, Dinge auszuprobieren oder einfach nur mal wieder einfache Achtelnoten runterzuhauen. Nichts ist so motivierend wie das direkte Aufeinandertreffen von Instrument, Spieler und Zuhörer.</p>
<p>Ähnliches gestern bei einer Besprechung mit Kollegen. Der ältere Kollege J. holt seine Materialien hervor und fängt an, sein Unterrichtskonzept zu beschreiben. Total chaotisch, aber mit Feuer und Begeisterung breitet er seine Unterrichtsmaterialien auf dem ganzen Tisch aus, erklärt, wie er den Schülern trotz dieses Wusts eigenbestimmtes Lernen ermöglicht, rennt zum Historiker-Schrank, zieht daraus einen abgewetzten Ordner mit einer Zeitleistensammlung heraus, breitet auch diese aus und erklärt, wie er diese für Vertretungstunden nutzt. Ich hatte plötzlich das Bedürfnis, in den Klassenraum zu rennen, um ein wenig Unterricht zu machen&#8230;</p>
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		<title>Privatleben reanimieren</title>
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		<pubDate>Mon, 03 May 2010 18:16:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hokey</dc:creator>
				<category><![CDATA[Pädagogik]]></category>
		<category><![CDATA[Reflexion]]></category>
		<category><![CDATA[flexibles Klassenzimmer]]></category>
		<category><![CDATA[Raumgestaltung]]></category>

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		<description><![CDATA[Hrmpf. Immer noch dieser deprimierende Verlag20-Artikel ganz oben. Aber leider ist bei mir zur Zeit Ideenflaute bzw. vielmehr Zeitflaute. Es ist deutlich zu merken, dass die Blogfrequenz in den Ferien ansteigt. Allerdings arbeite ich daran und versuche, mir Freiräume zurückzuerobern. Zum Beispiel habe ich angefangen, wieder zu joggen. Naja, bin erst zweimal gelaufen, aber heute <a href='http://www.kreidefressen.de/2010/05/03/privatleben-reanimieren/' class='excerpt-more'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hrmpf. Immer noch dieser deprimierende Verlag20-Artikel ganz oben. Aber leider ist bei mir zur Zeit Ideenflaute bzw. vielmehr Zeitflaute. Es ist deutlich zu merken, dass die Blogfrequenz in den Ferien ansteigt. Allerdings arbeite ich daran und versuche, mir Freiräume zurückzuerobern. Zum Beispiel habe ich angefangen, wieder zu joggen. Naja, bin erst zweimal gelaufen, aber heute wird es dann wohl das dritte Mal werden. Und eine Rollenspielgruppe scheint sich aufzutun, in der man dann mal tageweise in eine fantastische Welt abtauchen kann, in der keine Schulen und Klassenarbeiten existieren. Und wenn mir irgendein böser Magier einen Stapel Hefte in den Helden-Rucksack stopft, dann werfe ich ihn in den nächstbesten Fluss.</p>
<p>Gegen eine Ideenflaute hilft aber auch der Besuch fremder Schulen. So hat eine kleine Delegation unserer Schule incl. meiner Wenigkeit das <a href="http://vs1139051.vserver.de/">Albrecht-Ernst-Gymnasium</a> in Oettingen besucht und ich muss schon zugeben, dass das sehr anregend war. Man öffnet dort peu a peu die Raumstrukturen und kommt dadurch zwangsläufig zu einem offeneren Unterricht, der nicht auf die frontale Tafel ausgerichtet ist. Ähnliches überlegen wir jetzt auch, helfen sollen dabei Elemente des <a href="http://www.flexiblesklassenzimmer.de/">flexiblen Klassenzimmers</a>. Einiges davon verwenden wir schon, wie z.B. Tische und Stühle, über anderes denken wir nach. Das flexible Tafelsystem ist schon nicht schlecht und die Schüler haben immer wieder mal einen Grund, sich zu bewegen. Gerade bei unserem Doppelstundenraster fällt auch mein Unterricht oft viel zu stubenhockerisch aus. Bei so einem Besuch bekommt man nicht übel Lust, gleich mal die ganze Schule umzugestalten.</p>
<p>Naja, ich fange erst einmal im Kleinen an: Neue Ablagesysteme für Elternbriefe und Arbeitsblätter werde ich anschaffen und evtl. den Gardinentrick anwenden, so das bei unseren Wänden funktionieren mag&#8230;</p>
<p><em>(Entschuldigt diesen unzumutbaren Schreibstil, aber ich habe gerade keine Lust, alles umzuschreiben&#8230;)</em></p>
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		<title>Helden und Payback</title>
		<link>http://www.kreidefressen.de/2010/03/27/helden-und-payback/</link>
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		<pubDate>Sat, 27 Mar 2010 12:09:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hokey</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogosphäre]]></category>
		<category><![CDATA[Reflexion]]></category>
		<category><![CDATA[Praktikanten]]></category>
		<category><![CDATA[Referendare]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Osterferien beginnen und es schüttet aus Kübeln. „Der Held und sein Wetter“ &#8211; so lautet der Titel eines Bandes F.C. Delius zu dem wohl bekanntesten literarischen Gestaltungsmittel, und der Held dieses Blogs kann sich glücklich schätzen, dass er dem Regen, der da an die Scheiben prasselt, keine motivische Bedeutung beimessen muss, sonst wären Depressionen <a href='http://www.kreidefressen.de/2010/03/27/helden-und-payback/' class='excerpt-more'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Osterferien beginnen und es schüttet aus Kübeln. „Der Held und sein Wetter“ &#8211; so lautet der Titel eines Bandes F.C. Delius zu dem wohl bekanntesten literarischen Gestaltungsmittel, und der Held dieses Blogs kann sich glücklich schätzen, dass er dem Regen, der da an die Scheiben prasselt, keine motivische Bedeutung beimessen muss, sonst wären Depressionen vorprogrammiert. Man ist doch ein Held, wenn man ein Blog betreibt, oder? Zumindest im literarischen Sinn, außer Herr Rau, den darf man <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2006/07/mein-marvel-hemd.htm">wegen seines Outfits</a> ruhig auch als Superhelden bezeichnen. <img src='http://www.kreidefressen.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Um ein Held zu sein, muss man aber nicht durch besondere Kräfte glänzen; gerade für frische Junglehrer reicht es oft, Autoren und Herausgeber brauchbarer Unterrichtshilfen zu kennen oder in Schulbüchern wiederzufinden, um neue Helden zu finden. Darum freute ich mich heute ein kleines bisschen, als ich die Werbung von Krapp&amp;Gutknecht ihres Folienkleides entledigt hatte:</p>
<div id="attachment_738" class="wp-caption aligncenter" style="width: 135px"><a href="http://www.kreidefressen.de/wp-content/uploads/2010/03/tholen.jpg"><img class="size-medium wp-image-738" title="Norbert Tholen" src="http://www.kreidefressen.de/wp-content/uploads/2010/03/tholen-125x300.jpg" alt="Bitte großklicken!" width="125" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Bitte großklicken!</p></div>
<p>Jetzt bin ich ja schon versucht, zuzugreifen, nachdem ich schon des Öfteren auf Norberts Blogs sachlich hilfreiche und anregende Ideen, Hinweise und Überlegungen gefunden habe.</p>
<p><strong>Rückzahlung</strong><br />
Die letzten Wochen waren anstrengend und die ein oder andere Superkraft hätte ich da schon gerne zum Einsatz gebracht. Seit gut einem Jahr bin ich jetzt „voll“ dabei und zahle mittlerweile fleißig zurück, was ich im Referendariat bei meinen Ausbildungslehrern an Kredit eingefordert habe: Zwei Unterrichtsbesuche wollten letzte Woche, mit allem, was dazu gehört, betreut werden und zwei Praktikanten bekamen die Gelegenheit, Einblicke in den Unterrichtsalltag eines Deutschlehrers zu gewinnen. Dabei ist es immer wieder spannend, zu beobachten, wie unterschiedlich die jeweiligen Personen auf die Schüler reagieren und  umgekehrt. Eine noch sehr junge Praktikantin hatte schon einen sehr strammen Tonfall und eine (etwas zu) zielstrebige Stundenführung. Beruhigend war, dass die Referendarin alles hervorragend gemacht hat und die Nachsprechung, bei der ich auch anwesend sein sollte, sehr angenehm verlaufen ist, obwohl da im Vorfeld böse Gerüchte kursieren &#8211; aber das hatten wir ja schon öfter.</p>
<p>Als Ausbildungslehrer steckt man ja dann doch immer voll drin, immerhin gibt man hier und dort Hinweise und Tipps, überdenkt die Unterrichtsentwürfe und schwebt dabei immer scharf zwischen Hinweisen und Vorsagen, zwischen ins Messer laufen lassen und Raum für eigene Erfahrungen lassen. Das ist nicht immer leicht, denn ist es nicht auch meine Schuld, wenn die Referendarin einen schweren Patzer im Entwurf hat? Aber ist es noch ihr Entwurf, wenn ich ihr dazu den entscheidenden Hinweis gebe? Man balanciert als Ausbildungslehrer ganz schön zwischen Himmel und Hölle. Umso schöner ist es, wenn alles gut geklappt hat!</p>
<p>Die Ferien starten heldenhaft: Als Red-Pencil-Man werde ich jetzt den Horden blauer Klassenarbeitsstapeln zu Leibe rücken!</p>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Er hat Frontalunterricht gehalten&#8230;</title>
		<link>http://www.kreidefressen.de/2009/06/04/er-hat-frontalunterricht-gehalten/</link>
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		<pubDate>Thu, 04 Jun 2009 15:20:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hokey</dc:creator>
				<category><![CDATA[ichichich]]></category>
		<category><![CDATA[Reflexion]]></category>
		<category><![CDATA[Unterricht]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8230; steinigt ihn, steinigt ihn!&#8221; &#8211; Ich muss gerade dran denken, als ich Christians aktuelle Gedanken zum Frontalunterricht (eigentlich geht es um Vorträge in der Uni) lese. Ich will hier gar nicht auf den universitären Graben zwischen Theorie und Realität eingehen &#8211; Didaktik spielt bisweilen nicht einmal bei den universitären Fachdidaktikern eine Rolle. Nichtsdestotrotz bekommt <a href='http://www.kreidefressen.de/2009/06/04/er-hat-frontalunterricht-gehalten/' class='excerpt-more'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230; steinigt ihn, steinigt ihn!&#8221; &#8211; Ich muss gerade dran denken, als ich Christians aktuelle Gedanken zum <a href="http://cspannagel.wordpress.com/2009/06/04/der-vortrag-ist-tot-es-lebe-der-vortrag/">Frontalunterricht</a> (eigentlich geht es um Vorträge in der Uni) lese. Ich will hier gar nicht auf den universitären Graben zwischen Theorie und Realität eingehen &#8211; Didaktik spielt bisweilen nicht einmal bei den universitären Fachdidaktikern eine Rolle. Nichtsdestotrotz bekommt man auf der Universität mehr oder weniger vermittelt, dass Frontalunterricht Mist ist. Großer Mist. Geradezu lernbehindernd, ineffektiv, kinderfeindlich, schlecht. Offener Unterricht wird gepredigt (und &#8220;predigen&#8221; passt ziemlich gut: von oben herab hinabgepredigt hat man ihn), Stationenlernen angeregt, Portfolioarbeit beschworen, Gruppenarbeit stark gemacht, Lernen in Teams beworben, sodass man irgendwann voller guter Vorsätze ins Referendariat startete&#8230;</p>
<p>&#8230;und es jedesmal mit dem schlechten Gewissen zu tun bekam, wenn man frontale Phasen einbauen musste. Der Lehrervortrag &#8211; ein didaktisches No-Go, obwohl sogar von Fachleitern für gut befunden. Viel zu frontal, Schülerquälerei. Stundenlanges Überlegen, wie Schüler Dinge, die ihnen fern liegen, erdacht von Professoren in hohen Elfenbeintürmen, schnell selber &#8220;entdecken&#8221; können. Kopfzerbrechen. Schlechtes Gewissen. Kopfzerbrechen. Schlechtes Gewissen. Etc.</p>
<p>Heute in einer Klasse zwei frontal ausgerichtete Stunden gehalten. Eine &#8220;aus der Not heraus&#8221;, weil mehrere Schüler einen Schulbuchtext nicht verstanden hatten. Ich musste mein Programm umwerfen und wir haben den Text dann kleingehackt. Absatz für Absatz. Zeile für Zeile. Wort für Wort. Meine Herren &#8211; ich habe selten so eine hohe Schülerbeteiligung gehabt! Mit Diskussion unter den Schülern, die sich gegenseitig am Text be- und widerlegt haben, ohne mein Zutun. Als Ergebnis haben einige meiner schwächsten Schüler Dinge von sich gegeben, die stolz ihren Weg an die Tafel fanden. Desgleichen in Deutsch &#8211; die SuS haben Ergebnisse der Vorstunde zehn Minuten an die Tafel geschrieben, danach Unterrichtsgespräch zum deduktives Erarbeiten dramentheoretischer Begriffe. Wiederum: Eine Beteiligung, dass ich bald vom Pult gepurzelt bin.</p>
<p>Aus solchen Stunden kann ich einfach nicht mit einem schlechten Gewissen gehen. Und wenn mir eine wiederholungsgefährdete Siebtklässlerin ausgehend von einem Text von Pico della Mirandola in eigenen Worten(!) erklärt, dass die Humanisten zur Zeit der Renaissance wollten, dass der &#8220;Mensch sich selber modelliert&#8221;, dann bin ich überzeugt, dass nicht nur die Starken etwas aus dem Frontalunterricht mitgenommen haben. Klar, <a href="http://www.kreidefressen.de/2007/04/12/mischwald-ist-besser-als-monokultur/">Monokultur</a> und so, aber wir sollten uns als Lehrende nie Dogmen unterwerfen. Weder in die eine, noch in die andere Richtung. Und wer mir mit solchen um die Ecke kommt, den kann ich nicht ernst nehmen.</p>
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		<title>Sinalco statt Cola</title>
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		<pubDate>Sat, 23 May 2009 16:28:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hokey</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reflexion]]></category>
		<category><![CDATA[Schüler]]></category>

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		<description><![CDATA[Da stehe ich nun vor dem Colaautomaten im Herbergshaus. Sozialkram soll das hier werden, zur Stärkung der Klassengemeinschaft. Ich bin gespannt, aber skeptisch. Nur zwei Stunden Unterricht gebe ich pro Woche in dieser Klasse, aber dennoch bleibt mir nicht alles verborgen. Ob eine dreitägige Fahrt da wohl etwas nützt? &#8220;Psychoquatsch&#8221; hatten die Tonangebenden schon verlauten <a href='http://www.kreidefressen.de/2009/05/23/sinalco-statt-cola/' class='excerpt-more'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da stehe ich nun vor dem Colaautomaten im Herbergshaus. Sozialkram soll das hier werden, zur Stärkung der Klassengemeinschaft. Ich bin gespannt, aber skeptisch. Nur zwei Stunden Unterricht gebe ich pro Woche in dieser Klasse, aber dennoch bleibt mir nicht alles verborgen. Ob eine dreitägige Fahrt da wohl etwas nützt? &#8220;Psychoquatsch&#8221; hatten die Tonangebenden schon verlauten lassen. Der erste Tag ist halbwegs ordentlich über die Bühne gegangen, nun brauche ich ein eiskaltes Getränk für meinen trockenen Hals.  Ich werfe sechzig Cent ein und drücke auf den Knopf, der mir das Coca-Cola-Symbol zeigt. Es rumpelt. Eine Flasche Sinalco liegt im Fach.</p>
<p>In den folgenden Tagen werde ich meine Schüler von ganz anderen Seiten kennenlernen. Einige Einschätzungen werden Bestätigung finden, andere werden ausgeräumt oder durch neue Erfahrungen ergänzt. Einer gewinnt über seine bis dato wenig bekannte künstlerische Ader die Bewunderung seiner Mitschüler und Lehrer. Er scheint auch zu merken, dass er vor mir keine Angst zu haben braucht &#8211; er kann mir normal in die Augen schauen und duckt sich nicht weg. Warum das vorher so war &#8211; mir ein Rätsel. Ich lerne Gruppenhierarchien kennen und dabei auch etwas über funktionierenden Geschichtsunterricht.</p>
<p>Weiterhin lerne ich, dass Jungs anders zur Ruhe kommen, meditieren oder sich besinnen wollen als Mädels. Sie scheinen peinlich berührt, wenn Chöre Mia-Lieder singen und dazu in einer Kapelle Kerzen flackern und machen dies durch Gekicher und unbotmäßiges Flüstern deutlich. Die Mädchen starren ohne Ausnahme alle andächtig in die Flammen. Erst als die Feuerschale angezündet wird und eine atmosphärische Live-Aufnahme &#8220;Nothing else matters&#8221; aus den Boxen strahlt, verstummen auch die Jungs. Warum nicht gleich so? Warum immer dieses Kuschel-Gedöns? (Ich habe das als Schüler auch <strong>gehasst</strong>!)</p>
<p>Das Gelände, auf dem wir drei Tage wohnen, ist riesig und mit allem ausgerüstet, was man als Lehrer alltäglich erträumt. Schülergruppen können einfach in einen Musik-, Kunst- oder Theaterraum geschickt werden, können sich für Gruppenarbeiten wild verteilen, das große Plenum lässt genug Raum, dass dreißig Menschen sich frei bewegen können. Laptops, Beamer, Fernseher, Videokameras und mehr sind vorhanden, um den Schülern alle Möglichkeiten zu bieten. Ein Traum für den täglichen Unterricht. Drei Teamer kümmern sich um die Schüler &#8211; die Lehrer werden rausgehalten, was sich als sinnvoll erweist.</p>
<p>Dann ist es vorbei. Niemand spricht am dritten Tag von &#8220;Psychoquatsch&#8221;, alle sind begeistert. Die Unterrichtsbeteiligung hat sich spürbar verbessert. Das Klassenklima wohl auch (was aber weiterhin zu beobachten ist). Und Sinalco schmeckt besser als Coca-Cola.</p>
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		<title>Den Franken näher</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Feb 2009 17:34:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hokey</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Reflexion]]></category>
		<category><![CDATA[Schüler]]></category>

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		<description><![CDATA[Ausgerechnet in der Klasse, in der es in Sachen Disziplin am schwierigsten ist, habe ich einen Geschichts-Fan gefunden. Die Bio-Lehrerin steckte mir, dass eine Schülerin nach der Bio-Stunde meinte, Geschichte sei ihr Lieblingsfach. Strike! Sehr erfreulich, aber vor allem erstaunlich, weil diese Schülerin noch nicht allzu lange in Europa weilt und mich so das Interesse <a href='http://www.kreidefressen.de/2009/02/25/den-franken-naeher/' class='excerpt-more'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ausgerechnet in der Klasse, in der es in Sachen Disziplin am schwierigsten ist, habe ich einen Geschichts-Fan gefunden. Die Bio-Lehrerin steckte mir, dass eine Schülerin nach der Bio-Stunde meinte, Geschichte sei ihr Lieblingsfach. Strike! Sehr erfreulich, aber vor allem erstaunlich, weil diese Schülerin noch nicht allzu lange in Europa weilt und mich so das Interesse an europäischer Geschichte ein wenig wunderte. Doch im Gegenteil, trotz des sie persönlich nicht betreffenden Themas &#8220;Das Christentum als Säule des Mittelalters&#8221; ist sie hochinteressiert. Denn das Nichtbetroffensein ist nur <em>scheinbar</em> nicht vorhanden.</p>
<p>&#8220;Da treffen zwei Kulturen aufeinander!&#8221;, sagte sie heute in einer Stunde, die sich mit der Missionierung des Frankenreiches beschäftigte, und ich stutzte für eine Sekunde, denn wir hatten bisher eigentlich nicht von &#8220;Kulturen&#8221;, sondern von &#8220;Heiden&#8221; und &#8220;Christen&#8221; gesprochen, brav, so wie es auch im Buch steht. Doch natürlich hatte sie recht und genau da lag (und liegt) auch ihr Lebensweltbezug zum Thema &#8220;Christianisierung&#8221;: Fremde Kulturen prallen aufeinander. Ein Erlebnis, das jemand, der von einem anderen Kontinent, mit anderer Religion und anderen Wertesystemen nach Deutschland gekommen ist, offensichtlich sehr gut nachvollziehen kann. Sie ist den alten Franken vermutlich näher als wir eingeborene Europäer.</p>
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