Wir sollten uns langsam daran gewöhnen

Eine Studie wabert durch meine Filterbubble und durch die deutschen Medien. Ihre Aussage: Ein Verbot von Handys an Schulen fördere den Lernerfolg, so das Ergebnis: Die Schulleistungen verbesserten sich um 6,41%, wenn die Schüler auf das Handy verzichteten, was etwa dem Lerneffekt einer zusätzlichen Woche entspreche.

Das ist harter Tobak für uns medienaffine Lehrer, die neue Medien eher als Chance denn als Gefahr begreifen. Grund genug, sich die Studie etwas genauer anzuschauen, eine Aufgabe, der sich schon Herr Larbig angenommen hat.

Offene Fragen

Einige Fragen stellen sich beim flüchtigen Lesen der Studie. Zum Beispiel trennt sie begrifflich nicht zwischen Handys und Smartphones (in der Studie wird nur unscharf von “mobile phones” gesprochen). Die Studie bezieht sich auf Daten von 2001 bis 2011. Kaum eine Technik hat in dieser Phase eine rasantere Entwicklung miterlebt als die Welt der Handys und Smartphones (Nokia galt 2001 noch als Branchenriese, heute gehört Nokias Handysparte Microsoft). Inwiefern hat dieser durchaus gewaltige Unterschied zwischen Handys und Smartphones Niederschlag gefunden in den Ergebnissen der Studie? Inwiefern schulische Konzepte zur (Nicht-)Nutzung von Handys / Smartphones?

Medien verbinden Menschen

Bei all dem Genöle über die Studie möchte ich noch auf einen wunderbaren Artikel in der ZEIT verweisen: Kilian Trotier berichtet dort von dem Anthropologen Daniel Miller, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, zu untersuchen, „was Soziale Medien mit Menschen machen. Und was Menschen mit Sozialen Medien machen.“ Und er kommt zur gelasseneren Einsichten:

Das Leben wird durch Technik vermittelt. Miller kann daran nichts Schlechtes finden. Jedes persönliche und direkte Gespräch sei mediatisiert, es folge impliziten Regeln und Konventionen. Nur seien sie so tief in den Habitus eingelassen, dass niemand sie mehr als Regeln und Konventionen wahrnehme.

Technik entfremdet, macht einsam, verstört, steht zwischen Individuen. Miller hasst diese Sätze. “Menschen sind durch digitale Technologien nicht einen Deut stärker mediatisiert”, sagt er. Ein koreanischer Computerspieler sei nicht mehr und nicht weniger authentisch als ein Stammespriester in Ostafrika. “Kultur ist doch immer vermittelt!”

[…]

Es rege ihn auf, sagt er, wenn Wissenschaftler eine Studie über Freundschaft auf Facebook mit 300 amerikanischen Collegeschülern machten und die Ergebnisse auf japanische Hausfrauen übertrügen.

Wir sollten uns daran gewöhnen, dass unsere Kultur sich, wie eigentlich immer, gerade im Wandel befindet. Und wie so oft katalysiert durch Technik, vermittelt durch Medien, diesmal eben digitale.

Ob’s uns nun gefällt oder nicht. Wir sollten uns langsam daran gewöhnen.

Vor dem Podium

Wenn das nicht mal ein Fehler war, die Heizung auszuschalten. Brrrr. Schnatter.

Smartphone vs. ReclamGestern Abend eine Podiumsdiskussion der Grünen zum Thema „Smartes Lernen – Zwangsdigitalisierung des Unterrichtes?“ besucht, welche von der didaktischen Leiterin einer Bielefelder Schule, einem Schülervertreter, einer Medienwissenschaftlerin und dem Sprecher für Netzpolitik und Datenschutz der Grünen bestritten wurde. Letztlich drehte sich die Diskussion (vor allem innerhalb des Plenums) überwiegend darum, ob man mit Smartphones überhaupt ordentlich recherchieren könne und ob der Brockhaus(!) nicht doch…. Und dass man auf Smartphones doch keine Romane lesen könne, weil die Schrift zu klein… orrr (siehe Bild)!

Die meisten Anwesenden waren sich aber einig, dass die neuen Medien aus der Schule nicht mehr wegzudenken sind und dass das Urheberrecht einer dringenden Reform bedarf. Auch, dass es eine alle Jahrgänge betreffende Medienbildung geben sollte, war Konsens. Nur ein Biokollege wetterte über die Ausfälle der Technik und die hohen Kosten („Dann lieber das veraltete Schulbuch!“ – Schüler: „In meinem Geschichtsbuch ist noch Helmut Kohl der aktuelle Kanzler!“) – was tatsächlich ein neuralgischer Punkt ist, denn allzu langlebig ist die Technik nicht. Und ob man alle vier Jahre einen neuen Satz Smartgeräte anschaffen will, ist eine nicht zu vernachlässigende Frage. Dass die Tablets und Smartphones hingegen ganze Batterien von alten Medien (Fotokameras, Videokameras, Mikrophone, Taschenrechner etc.) ersetzen, wurde nur am Rande gestreift, es wurden eher die Gefahren betrachtet als der Nutzen. Dabei spielen die Geräte ihre Stärke besonders dann aus, wenn man sie produktiv einsetzt.

Sehr angenehm auf dem Podium fiel mir Prof. Dorothee Meister von der Uni Paderborn (Medienpädagogik und empirische Medienforschung) auf, deren Position ich nahezu vollumfänglich teilen konnte. Nur die Frage, ob man eher auf BYOD oder eine leichter zu integrierende „Das-gleiche-Gerät-für-alle-Schüler“-Lösung setzen sollte, könnte ich noch nicht für mich beantworten, da beide Ansätze ihre jeweiligen Vorzüge und Schwächen haben. Frau Meister entschied sich für die Einzelgerätelösung.

Video Kills The Classroom-Star?

Auf Twitter geben sich regelmäßig mehr oder weniger große und kleine Hypes die Klinke in die Hand. Aktuell ist der “Flipped Classroom” in meiner Bubble en vogue. “Flipped Classroom” bedeutet, dass die Schüler zuhause Erklärvideos schauen und dafür die Unterrichtszeit zum Üben, Diskutieren und Anwenden nutzen. (Polemisch formuliert: Statt der herkömmlichen Lesehausaufgabe schaut man nun Videos. Falls ich hier ungenau bin, dann mögen die passionierten Flipper gerne in den Kommentaren korrigierend eingreifen. 😉 ). 

Und so kam es, wie es kommen musste, vor einigen Tagen auf Twitter zu einer polemisch angehauchten Auseinandersetzung, ob Text nicht doch etwas “old school” wäre, und ich wollte schon twittermäßig voll reingrätschen, alleine schon, weil “old” nicht gleichzusetzen ist mit “schlecht” und wegen der einhundertausend Vorteile von Text, aber dann… nutze ich nicht auch andauernd irgendwelche Videos, um mir Dinge erklären zu lassen? Und lernen nicht andauernd alle möglichen Menschen um mich herum Neues aus YouTube-Videos? 

Youtubifizierung des Lernens 

Das Lernen mit Video ist nichts Neues. Schüler werden schon seit Generationen vom Telekolleg, ratternden Videorollen, leiernden VHS-Videos oder DVDs begleitet. Und mit YouTube ist das doch noch besser geworden:

Erst letzte Woche noch hatte ich keine Ahnung, wie ich die Gangschaltung des Fahrrads meiner Tochter einstellen sollte. Schnell bei Google gesucht, und einen Haufen unverständlicher Texte gefunden. Schwupps – auf YouTube das passende Video gesucht: Nach nur fünf Minuten war mir halbwegs klar, was zu tun war. Die Schaltung funktioniert wieder. Ein weiteres Beispiel: Meine Frau hat gerade das Häkeln für sich entdeckt. Gelernt hat sie es nicht in teuren Kursen oder mit Büchern Aus der Bibliothek, sondern ganz einfach per YouTube. 

Auch den Song “Road Trippin'” der Red Hot Chili Peppers habe ich per Video gelernt. Was ich nämlich nicht gelernt habe, ist es, Noten zu lesen und dank YouTube kann ich trotzdem Gitarre spielen. Die Kombination von Hören und eingeblendeter Tabulatur machen das Nachspielen viel leichter. Wie beim Häkeln oder der Gangschaltung: Manchmal ist es eben einfacher, wenn man das Ergebnis sehen und hören kann. 

Besonders dann, wenn die visuelle Unterstützung sich direkt auf das Lernergebnis auswirkt, sind Videos hilfreich. Es ist also doch etwas dran am Lernen per Video. 

Zeit

Auf der Gegenseite steht die Ökonomie: Videos zu konsumieren dauert sehr viel länger, als die gesprochene Menge an Text zu lesen. Dabei rast der Inhalt auch noch in Echtzeit am Konsumenten vorbei: was verpasst wird, wird verpasst, das Zurückspulen kostet wiederum viel Zeit. In der Regel meide ich Lernvideos oder Videomitschnitte von Vorträgen, weil das Dargestellte oft schneller zu lesen wäre. Den Hanse-Mooc bei Iversity habe ich nach wenigen Videoschnipseln drangegeben, weil mir die Zeit am Ende einfach zu schade war. Ein Text zur Einführung in die Geschichte der Hanse wäre hier zielführender gewesen. 

Von der Zeit für das Erstellen eines guten Videos wollen wir gar nicht sprechen. Natürlich hätte ich diesen Text schnell in eine Kamera quatschen können, aber selbst dabei hätte ich mich zigmal versprochen und neu starten müssen. Ein gutes Video braucht Vor- und Nachbereitung, unter Umständen eine zweite Kamera, vielleicht sogar einen eigenen Kameramann oder jemanden, der visuelle Effekte gekonnt einarbeitet, denn wir sprechen ja von Lernvideos. In meinem Arbeitsalltag undenkbar. Und gekonnt sein, muss es auch. Und wenn es aus irgendeinem Grund Mist ist, kann man es nicht schnell korrigieren. Hm. 

To flip or not to flip?

Überträgt man das auf Schule im Ganzen, dann sehe ich da für mich wenig Möglichkeiten, den “Classroom” per Video zu “flippen” ohne dabei Unmengen an Zeit zu verbraten, und zwar sowohl meine Zeit als auch die Zeit der Schüler. 

Text hat eben seine eigenen unschlagbaren Vorteile. Man kann ihn im eigenen Tempo lesen, schnell vor- und zurückblättern, anmerken, hat Begriffe unmittelbar vor Augen und kann komplexe Sachverhalte schnell sowie gründlich erfassen. Fußnoten erlauben schnelle Ergänzungen, ohne vom Kern wegzulenken, und Komplexes darf komplex bleiben, weil der Leser ja alle Zeit der Welt hat, wieder und wieder zu lesen und nachzuvollziehen. Was einer in zehn Minuten in eine Kamera salbadert, habe ich in einem Drittel der Zeit weggelesen. Ich kann innehalten, wenn mir danach ist, Gedanken weiterspinnen oder in aller Ruhe Notizen machen. 

Und jetzt bin ich doch wieder beim Text gelandet. Bin ich etwa zu old school?

Von der Mühe des Eichhörnchens

Ein Desaster. Von wegen „kollaborativ“ arbeiten. Gelöschte Ergebnisse, stattdessen ist dummes Zeug dazwischen geschrieben. Um mich herum verzweifelte Schülergesichter und der oder die Täter nicht mehr aufzuspüren, obwohl er oder sie mit Unschuldsmiene nur zwei Meter von mir entfernt sitzen muss. Das war mein erster und letzter Versuch, die SuS Arbeitsergebnisse per Google Docs präsentieren zu lassen. Blamabel. Nicht mit einer Silbe bloggenswürdig. Und alleine die Zeit, die dafür aufgewendet worden war. Ich schweige lieber.

Ein Jahr später. Heute. Ein Teil der besagten Gruppe sitzt in meinem Diff-Kurs und versucht, den Weg zur amerikanischen Unabhängigkeit in einer Sonderausgabe einer fiktiven Zeitung darzustellen. Einige setzen auf rein handschriftliche Ergebnisse, andere brauchen noch Zeit im „Luiz“ (Lern- und – Informationszentrum), um ihre Texte dort am Computer zu schreiben. Und während ich im Laufe der Stunde zwischen zwei Räumen pendelnd an schon in der Vorstufe wunderschönen Plakaten vorbeikomme, sehe ich: Meine Schüler aus dem letzten Jahr, die gemeinsam an einem Dokument arbeiten – per Google Docs! “Damit haben wir schon gestern zu Hause angefangen, geht doch so viel einfacher.”

Verzeichnisdienste und Linius

Verzeichnisdienste

Und wo ich heute schon schrieb, dass ich bei Twitter kürzer treten möchte, da kann ich mein Blog wieder für kürzere Beiträge missbrauchen. Zum Beispiel, um auf einen Beitrag von Maik Riecken hinzuweisen, der zeigt, wie leicht das Leben mit Verzeichnisdiensten wäre. Ich zitiere einmal Maiks Beispielvision:

Die Schulsekretärin gibt einen neuen Schüler in die Schulverwaltung ein, der die Schule gewechselt hat. Gleichzeitig sind damit ein Account auf dem Schulserver, eine E-Mailadresse und ein WLAN-Zugang angelegt und sämtliche Zugänge und Zugriffsberechtigungen auf der alten Schule deaktiviert. Selbstredend ist unser Schüler damit auch gleich den richtigen Gruppen auf der Lernplattform der Schule zugewiesen, in die Schulstatistik eingepflegt und in der Lehrmittelverwaltung mit den korrekten Attributen versehen (z.B. Geschwisterermäßigung bei der Schulbuchausleihe).

Hach, schöne Utopie.

Linius

Herr Rau, der aus dem Lehrerzimmer, twitterte heute zu einem wordpress-basierten Storytelling-Werkzeug namens „Linius“. Die Homepage wirkt etwas sparsam und so gar nicht nach aufregendem Storytelling, aber die Ergebnisse können sich sehen lassen. Einfach schön. Damit ließe sich sowohl in Deutsch als auch in Geschichte was machen.

Angstbürger essen WLAN auf

Ach je, eigentlich braucht man sich nicht mehr zu wundern.

In der digitalen Welt ist schon längst genau das eingetreten, wovor sich die Deutschen doch am meisten fürchten: Sie sind abgehängt. Die Angstbürger siegen.

Während in den USA ein digitales Schwergewicht nach dem anderen erwächst und viele kleine Anbieter die Nischen dominieren, die das Netz noch nicht erreicht hat, klagt man in der alten Welt über Monopolstellungen, Marktmacht und mangelnde Alternativen. Denn es gibt nahezu keine bedeutende Software, die nicht aus den USA kommt. Doch anstatt den Fehdehandschuh aufzugreifen und produktiv darauf zu reagieren, übt man sich auf unserem Flecken der Erdkugel in Verbotsübertrumpfungen.

Die einen träumen im Großen von der Zerschlagung Googles (Nico Lumma dazu), und andere wüten im Kleinen erfolgreich gegen ein flächendeckendes WLAN an Schulen. Woanders kauft und verfilmt man die Biografien der Computer-Entrepreneure, hier bejubelt man die Scheuerls und Spitzers dieses Landes. Da möchte man sich an den Kopf packen, doch Vorsicht lieber Michel: Dein Aluhut könnte dabei verrutschen!

Wen wundert’s, dass aus Deutschland bestenfalls liederliche, schnell abgesoffene Copy&Paste-Startups stammen und die höchste Kompetenzstufe in der ICILS 2013 (pdf) kaum erreicht wurde? Die bis dato wichtigste Technologie des 21. Jahrhunderts – sie wird von deutschen Angstbürgern lahmgelegt.

Lernen2.0 ohne Internet

Vor einigen Jahren durfte ich bei einem Besuch in Oettingen das Albrecht-Ernst-Gymnasium und dessen „Triebkraft“ Günther Schmalisch kennenlernen. Damals wurde noch davon gesprochen, dass die Klassenräume weit geöffnet werden müssten, große Lernräume entstehen sollten oder dass Klassenarbeiten nicht zwingend gleichzeitig geschrieben werden müssten.

Das alles scheint Gestalt angenommen zu haben, wie man in dem begeisterten Bericht von Karlheinz Pape lesen kann. Der vielleicht wichtigste Satz in seinem Beitrag lautet:

Für Lernen 2.0 braucht man gar kein Internet.

Für uns Web2.0-Schnösel und Webversteher, die für alles und jedes das Netz benutzen wollen und gutem Unterricht ohne digitale Anbindung jede Berechtigung absprechen.

Lernlab KAS? Zu Hilfe!

Und da fragte die @Barfussprinzess doch glatt, ob ich auch in Köln beim Lernlab dabei sein werde. Öhm. Lernlab? In der KAS? Das war mal wieder an mir vorbeigezogen, obwohl ich bei Kubi doch schon einmal etwas über das Lernlab Berlin gelesen hatte. Und während ich zum Lernlab KAS recherchierte, wurde mir klar, dass ich lehrer2.0mäßig nichts zu bieten habe. Nix 2.0, eher Lehrer 0.0. Doppelnull. Zu Hilfe! Oder?

Lernlabs

Das Lernlab ist eine Veranstaltung, bei der Lehrer, wenn ich es richtig verstanden habe, quasi in bester Piratenmanier für einen Tag eine Schule „kapern“, dort nach Absprache (okay, nur so halb-piratig) den Unterricht übernehmen und dabei neue Konzepte des Lernens2.0 vorstellen. Zum Beispiel die von Kubiwahn erwähnten digitalen Backchannel von @Lammatini im allgemeinen Unterrichtsgespräch. Fünf interessierte Gäste hospitieren dabei zusätzlich.

Und ich so?

Und als ich so nach dem Hashtag des nächsten Lernlab suchte, fand ich diese Auflistung möglicher Aktivitäten für das nächste Lernlab im Oktober in der Kölner Kaiserin-Augusta-Schule. Während ich die Auflistung durchging, stellte sich mir die Frage, ob ich mich auch auf dieser Liste wiederfinden könnte und welchen Beitrag ich liefern könnte, das kleine Rädchen der digitalen Bildung in NRW ein klein wenig weiter zu drehen.

Zu allem Übel hatte ich dabei noch einen kritischen @ciffi und eine anspruchsvolle @lisarosa auf dem Screen. Der eine mokierte sich über die mangelnde digitale Praxis der Lehrerschaft, die andere betonte das andere, nicht allein auf neoliberal orientiertes Bulimielernen orientierte Lernen, ohne das alle 2.0-Bestrebungen sinnlos sein, was die eigene Einschätzung nicht leichter machte.

Nichts

Die beschämende Antwort war: Nichts. Da hatte ich nichts zu bieten. Wikis haben sich in meinem Unterricht nicht etablieren lassen, Moodle auch nur schleppend und mit Nachhaken. Klar, einzelne Tools lassen sich mal vermitteln (z. B. Prezi als PP-Ersatz), aber ein dauerhafter Einsatz, der Mehrwert oder sinnvollen Ersatz bestehender Methoden oder Werkzeuge versprach… da sah’s doch eher mau aus. Geocaching im Geschichtsunterricht? Noch nie. Der Einsatz toller Handy-Lernapps im Unterricht? Never.
Nun, ich scheue bewusst Dienste, die Anmeldungen verlangen, weil ich meine Schüler denen nicht aussetzen mag. Facebook ist für mich mittlerweile besonders persönlich ein No-Go, da will ich selbst nicht mehr hin. Seit meine Mobilnummer über die Telefonliste auch an die SuS „durchgesickert“ ist, versuchen manche Schüler, mich über WhatsApp zu erreichen, was in Einzelfällen hilfreich sein kann, aber im Großen und Ganzen von mir boykottiert wird (furchtbarer Lehrer, der ich bin, ich weiß schon…), weil eben das Gros der Schüler von der Kommunikation ausgeschlossen ist. Und von Lernen will ich gar nicht reden. Die mediale Ausstattung an meiner Schule ist, als dürre Entschuldigung eingeschoben, bescheiden. Beamer hängen in Fachräumen, die ich in der Regel selten betrete, und ein ganzes Exemplar für ca. 110 Kollegen kann man sich ausleihen. Aber anderen kann es ja nicht besser gehen. Und dennoch: Nichts, nichts, nichts, wohin ich auch blickte.

Dünn, mau, geradezu beschämend sah es also aus mit der Lehrer2.0fähigkeit meiner Wenigkeit. Obwohl…

Der letzter Rettungsanker: Weblogs

… Blogs, mit denen hatte ich schon mehrere 2.0-Versuche gestartet. Aber ob deren Ergebnisse wohl für eine Präsentation vor anderen Lehrern bestehen würden und ob der Einsatz wirklich den erhofften „Mehrwert“ gebracht hat? Davon mehr im nächsten Beitrag.

Schüler abholen

Man stelle sich vor: Eine Lehrerin begibt sich jeden Nachmittag zu den Stammtreffpunkten ihrer Schüler, z.B. zu dem abgelegenen Spielplatz, der Skaterbahn, dem Bolzplatz oder der schönen Liegewiese im Park, um dort ein wenig Smalltalk zu halten und mögliche Probleme bei den Hausaufgaben zu besprechen. Dann pinnt sie für die Schüler, die es in der Schule nicht mitbekommen haben, die aktuellen Hausaufgaben an den nächstgelegenen Baum, den Torpfosten oder an die Skaterramp, verabschiedet sich freundlich und fährt wieder nach Hause, um den Unterricht für den nächsten Tag vorzubereiten.
Die meisten Menschen würden sie sicherlich für übermotiviert und urlaubsreif halten, und niemand würde sich wundern, wenn die junge Frau nach einigen Wochen ihre Schüler nicht mehr an den gewohnten Plätzen finden würde, weil diese genervt den Treffpunkt geändert hätten.

So ungefähr ergeht es gerade Facebook, folgt man Daniel Miller, Professor am University College London und Leiter der Global Social Media Impact Study:

This month my focus has been on the sixth formers, that is 16-18 year olds at schools in The Glades, our UK fieldsite. For this group Facebook is not just falling, it is basically dead, finished, kaput, over. It is about the least cool thing you could be associated with on the planet. It has been replaced by a combination of four media, Twitter, Instagram, Snapchat and WhatsApp. (Quelle)

Miller sieht die Gründe darin, wie folgt:

Pretty much everyone remembers the shock of that moment when ‘my mother just asked to friend me on Facebook’, and that is probably the single major reason that it lost status. You just can’t be young and free while all the time Mum is watching you.

Und es dürften nicht nur die Mütter sein, die ihren Teenagern Facebook vermiesen. Das Gleiche dürfte für Lehrer gelten.

Schüler da abholen, wo sie sind

Aber bitte, mögen eifrige Netzdidaktiker entgegenhalten, man muss die Schüler doch abholenwo sie sind. Wenn die Schüler sich auf Facebook aufhalten, dann muss der up-to-date Lehrer auch auf Facebook sein. Facebookgruppen sind der letzte Schrei, völlig ungeachtet dessen, dass man nur Teile seiner Lerngruppe erreichen kann und uneingedenk der wider- und allgegenwärtigen Datenschutzproblematik.

Schüler abholen, wo sie sind. Gemeint ist damit, dass Schüler im Unterricht inhaltlich nicht über- oder unterfordert werden und dass Themen so aufbereitet werden, dass sie einen möglichst nahen Lebensweltbezug zu den Schülern aufweisen, dass Schülerinteressen beachtet werden. In den didaktisch-digitalen Netzdebatten jedoch hat man diese Wendung oft missverstanden und sich daraus das Recht gestrickt, als Lehrer möglichst in die digitalen Räume der Schüler einzudringen und diese in die Gestaltung des Unterrichts einzubeziehen. Dass das, wie die Studie nun andeutet, auf Dauer keine Werbung für gewisse soziale Netzwerke sein dürfte, war abzusehen. Schon 2011 hatte ich prophezeit:

Seht euch also vor, ihr sozialen Netzwerke. Wir haben [den Schülern] das Bücherlesen vermiest, wir werden ihnen auch soziale Netzwerke vermiesen können… (Lehrer2.0: Mediale Heuschrecken)

Verlässliche Orte schaffen

In der schnellen Web2.0-Welt kann aus dem „Abholen“ schnell ein rastloses Hinter-den-Schülern-her werden, gestern die siechende FB-Gruppe, heute WhatsApp und morgen Snapchat, übermorgen mit Sicherheit schon der nächste Dienst. Sinnvoller, auch im Sinne eines selbstständigen Lernens ist es, die Schüler nicht „abzuholen“ (bzw. ihnen hinterherzulaufen), sondern den Schülern einen verlässlichen und zuverlässigen Ort zu bieten, an dem sie Hilfe, Aufgaben etc. finden können. Der fehlt uns häufig noch. Wir sollten lieber daran arbeiten, als unsere Energie für das Hinterherhecheln hinter kurzlebigen Webmoden zu vertändeln.

The Future of Storytelling

The Future of Storytelling“ – So lautet der Titel eines interdisziplinären Moocs (Massive open online course) bei iversity.org. Gestaltet wird er auf Englisch von einem deutschen Team der Fachhochschule Potsdam und mir gefällt er wirklich gut. Vor allem, weil er recht kurzweilig ist, das Thema Storytelling zunächst einmal historisch aufrollt und besonders, weil die Kommentare und Beiträge der anderen Teilnehmer zum Weiterdenken anregen. Größere Texte und lange Videos sind ausgelagert, sodass man sich alles anschauen oder anhören kann, wenn man Zeit hat. (Sollte man allen Kolleginnen und Kollegen, Deutschbuchautorinnen und -autoren ans Herz legen, damit die endlich schnallen, dass spannende Geschichten nicht durch treffende Verben und Adjektive gestaltet werden. Versucht mal, Fünftklässlern zu erklären, dass die heilige Grundschullehrerin unrecht hat…). Kostet nichts, tut nicht weh und man lernt etwas dabei! :-)

Darauf gestoßen bin ich über den Mathe-Mooc von Christian Spannagel, aber ehrlich gesagt finde ich Storytelling persönlich spannender. 😉