Meckern und Mosern. Referendarsgejammer.

Man mag es manchmal wirklich nicht glauben. Da kommt eine Bundesministerin auf die Idee, ihren Länderkollegen unter Rückgriff auf eine nicht unbeträchtliche Finanzspritze ein wenig auf die Sprünge zu helfen – und was tut der Präsident des Lehrerverbandes, der allzu oft fälschlicherweise als Stellvertreter der meisten Lehrerinnen und Lehrer angesehen wird? Anstatt sich zu freuen, dass endlich jemand einmal Geld in die Hand nehmen und Schulen modernisieren will, meckert und mosert er!

Und natürlich könnte man das Geld auch in die Sanierung von Gebäuden stecken. Man könnte es aber auch in neue Schulpyschologen investieren. Mehr Stellen für Sonderpädagogen damit schaffen. Das Essen in Schulmensen gesünder machen. Schulwege besser absichern. Schulhöfe neu gestalten. Jeder Schule einen Schulgarten bescheren. Man könnte die Schule aber tatsächlich mal aus den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts abholen, wo sie – zu Kraus‘ Blütezeit – leider stehengeblieben ist. Gegenwind bekommt Kraus allerdings von allen Seiten.

Josef Kraus steht stellvertretend für den Philologenverband, den Verband der Realschullehrer und die Bundesverbände der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen e. V. und der Berufsschulen e. V.

Was für ein Glück, dass ich keinem dieser Verbände jemals beitreten werde! Und wenn doch, dann wäre jetzt der Moment auszutreten.

Jammernder Referendar.

Aber nicht nur ehemalige Schuldirektoren mosern. Auch Referendare. Heute ein besonders prachtvolles Exemplar in der ZEIT. Zu Studienzeiten haben mich solche jammerhaften Artikel das Fürchten gelehrt, im Referendariat selbst habe ich dann langsam aber sicher an Verachtung gewonnen für dieses Herumgeheule. Vorab: Das Referendariat ist durchaus kein Zuckerschlecken, die Unterrichtsbesuche durchaus kritisierenswert, die Abhängigkeit von der Qualität der Fachleiter bemerkenswert und die Prüfung am Schluss nichts weiter als eine gefährliche Farce.

Und doch: Wer behauptet, er bekäme vor Unterrichtsbesuchen nur drei Stunden Schlaf und hätte permanent 60-Stunden-Wochen, um sich damit den Stundenlohn auf 4,50€ herunterrechnen zu können, der hat offensichtlich ganz andere Probleme als das Referendariat. Und ja, ein UB wird halt etwas aufwändiger vorbereitet als der Rest. Im Handwerk reicht es ja auch nicht, für die Meisterprüfung einfach etwas aus der laufenden Produktion herauszunehmen, das muss schon etwas sein, was die Fähigkeiten des Meisters abbildet. Schon mal ’ne Kolumne eines jammernden Handwerkermeisters gelesen?

Der Gipfel ist dann, darauf zu hoffen, dass man irgendwann die Kunst der „Türschwellenpädagogik“ erlernt habe und mit Unterricht aus dem Buch endlich den Status des lang ersehnten „’gut bezahlte[n[ Halbtagsjob[s]’“ erreiche, an dessen Nachmittagen man nur noch ein paar Klassenarbeiten korrigieren müsse. Ich echauffiere im Quadrat!

Dem Fazit kann man darum nur zustimmen:

Sofort in den Schuldienst einzutreten kann ich mir nämlich gerade beim besten Willen nicht vorstellen.

Ja bitte! Für die zukünftigen Kollegen wäre es das beste!

Im Plauderton

Hach, da ist es ja wieder, mein Lieblingsvorurteil gegenüber Lehrern:

 Egal, ob Sie die Französische Revolution oder Schiller behandeln, Sie wissen so viel darüber, dass Sie den Stoff mühelos im Plauderton vermitteln können. (Spon)

Dass Lehrer eigentlich nur ein wenig plaudern können müssen, das kenne ich schon. Dass auch Uni-Dozenten das denken, war mir neu; doch entspricht etwa dieser Haltung die Entgegnung eines Dozenten für Lehramtsstudenten auf einen Beitrag einer Lehramtsstudentin, die sich bei Spiegel Online über ihre mangelhafte Ausbildung beklagt hatte. Und wieder einer, der das Klischee vom dampfplaudernden Lehrer vermittelt, der sein persönliches Wissen quatschend in dreißig weit geöffnete Nürnberger Trichter fließen lässt. Nicht zu vergessen, dass beim Lehrer auf keinen Fall „Begeisterung für seine Themen“ fehlen dürfe.

Mein Gott, weiß der überhaupt, was man an Schulen heute so macht? Und verrät er uns, wie man binnendifferenziert und inkludierend parliert? Oder Elterngespräche verplaudert? Noten beschwatzt? Mit Schülern über deren persönliche Probleme schnackt?

Im Plauderton. Wenn er sich da mal nicht im Ton vergriffen hat.

(Ich gehe ja gerne d’accord, dass Fachwissen eher hilft als schadet, aber von einem Dozenten, der als vermeintlicher Fachmann eine öffentliche Replik formuliert, hätte ich mir mehr als Platitüden auf die durchaus ernsthaften Einlassungen der Studentin erwartet. Vielleicht sogar Fachwissen?)

Eine sinnlose Parade

Ich bin erstaunt. Bob Blume ruft zu einer Blogparade auf, die sich mit dem Thema „Versager im Schuldienst“ beschäftigt. Anlass war eine kurze Debatte in Bobs Blog mit einem der Diskutanten der ZDF-Talkshow Log in. Doch was soll das nützen?

Und so debattiert die Lehrersphäre nun darüber, ob und wie man „Versager“ aus dem Schuldienst entfernen kann, woran man sie erkennen kann oder auch nicht und und und.

Zwei Dinge sind dazu zu sagen:

  1.  Eine Blogparade ist nicht die richtige Form, um derart vielen komplexen Fragen auf den Grund zu kommen, auch wenn Bob darauf verweist, dass er gerne empirische Daten verarbeitet sehen würde. Woher sollen die kommen? Vorhersehbarerweise werden die Aussagen Banalcharakter haben.
  2. Not my job. Ich bin Lehrer und kümmere mich darum, dass mein Unterricht gut läuft. Wie mit Leuten zu verfahren ist, die keinen Bock haben oder die unfähig sind, ist Aufgabe anderer. Auch die Erforschung all dieser Fragen ist nicht meine Sache.

Just my 5 cent. Locker bleiben. Weiterbloggen.

Eine Klischeekaskade

In Bayern wird aktuell durch die CSU einmal mehr die Idee aufgeworfen, bayerischen Lehrern eine Präsenzpflicht an Schulen vorzuschreiben. Nikolaus Neumaier, Leiter der Redaktion Landespolitik, versucht es in einem Kommentar beim Radiosender „Bayern 2“ einmal mit Provokation:

Mach‘ einen Vorschlag, der von Lehrern etwas mehr Engagement fordert, und du wirst Sturm ernten.

Und dann bricht gleich eine ganze Lehrerklischeekaskade aus Neumaier heraus; eine nahezu vollständige Liste an Vorurteilen, die man so seit Jahrzehnten gegenüber Lehrern auffährt. Erster Punkt: Lehrer haben zu viel Freizeit und verbrauchen zu viel Platz an Badeseen und auf den Tennisplätzen! (Heute ist seit Weihnachten das erste Wochenende, an dem ich einmal  keine Korrektur zu erledigen habe und tatsächlich meinen Stehtisch Stehtisch sein lasse. Dafür sitze ich an meinem Schreibtisch, weil ich weiß, dass ich dieses Wochenende nicht viel sitzen muss. Ob den bayerischen Lehrern an ihren Präsenzarbeitsplätzen Stehtische angeboten werden, wenn sie Rückenprobleme haben?)

Dann konstruiert Neumaier einen Alterskonflikt: Schuld seien die Alten, die sich in ihrem Kuschelkokon so schön eingenistet haben, und er fantasiert von Junglehrern, die an Ganztagsschulen viel entspannter arbeiteten, weil man dann ja alle Probleme hintern den Schulmauern ließe. Ich kenne meinen Ganztags-Alltag sehr genau und weiß, dass ich auch nach meiner häuslichen Ankunft um 16.00 Uhr die Stunden des kommenden Tages vorzubereiten, Korrekturen vorzunehmen (was ich meist nicht schaffe, weshalb ich sie aufs Wochenende schiebe) und Organisatorisches nachzuarbeiten habe. Vor 20.00 Uhr bin ich meist nicht fertig (aber das wäre gewiss ganz anders, wenn ich noch vier Stunden in der Schule säße und mit den Kollegen quatschen könnte…).

Für eine Verlängerung der schützenden Schulmauern sorgen Telefon und E-Mail: Elterngespräche finden meist nach 18.00 Uhr statt, denn wie Herr Neumaier richtig bemerkt, arbeiten viele Eltern bis abends und 90% aller Elterngespräche finden logischerweise erst dann statt, wenn die Eltern wieder zuhause sind. Ein Präsenzpflicht müsste für viele Eltern weit bis nach 18.00 Uhr gehen, sollte das Ziel Neumaiers, dass der „Herr Deutschlehrer“ und die „Frau Lateinlehrerin“ auch nach der Arbeitszeit erreichbar sind, erfüllt werden können. Überdies: Bekommen die bayerischen Kollegen dann alle ein eigenes Diensttelefon oder müssen sie sich um das Schultelefon prügeln? Oder sollen die Eltern für jede Lappalie gleich direkt in die Schule kommen? Da wäre ich ja mal sehr gespannt, wie lange die das mitmachen.

Auch beim Aspekt Arbeitsplatz bleibt Neumaier eher wolkig. Naja, irgendwie wird’s schon ein Plätzchen geben, vielleicht baut man ein wenig aus… und dann gibt es ja noch die Klassenräume! Die ersetzen ein effizient eingerichtetes Arbeitszimmer mit Computer, Audiogeräten, WLAN-Verbindung und Scanner sowie Drucker nebst einigen Bücherregalen und Ordnersammlungen gewiss sehr gut! Das wäre für die Schüler eine Freude, mal die Klassenarbeitssammlung der „Frau Lateinlehrerin“ zu durchwühlen oder die Klassenarbeitsergebnisse der anderen Mitschüler zu durchforsten. (Und wenn Lehrer die Räume auch noch selber putzten, würde das darüber hinaus noch eine Stange Geld sparen, Herr Neumaier, denken Sie mal drüber nach!)

Ich kann mir nicht helfen, aber Menschen wie Neumaier scheinen es Lehern schlichtweg zu missgönnen, dass eine gute Hälfte der realen Arbeitszeit am heimischen Schreibtisch stattfindet. Es scheint auch bar ihrer Vorstellungskraft, dass andere Menschen dort richtig arbeiten. Rationale Argumente für eine Präsenzpflicht gibt es schlichtweg keine. Lehrer sind über die modernen Kommunikationsmedien für Eltern besser erreichbar denn je, der Ganztag findet de facto schon statt und eine effiziente heimische Arbeitsumgebung sollte nicht durch eine vielfach veraltete und dysfunktionale ersetzt werden. Was für eine hemmungslose Schnapsidee!

Zur Bezahlung von Lehrern und falsche Lehrer in Kollegien

Heute zwei sehr lesenswerte Links:

Bezahlung von Lehrern

Als Erstes zu einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel Bezahlung von Lehrern – Lohn der Leistung, in welchem der Lehrer Arne Ulbricht erklärt, warum er für eine leistungsbezogene Bezahlung von Lehrern ist. Besonders lesenswert ist der Kommentar, weil Ulbricht erklärt, wie er sich eine leistungsbezogene Bezahlung vorstellt und warum er dann eher weniger verdienen würde. Zum Thema auch mal bei Herrn Rau vorbeischauen und die 134 Kommentare lesen…

Lehrer loswerden

Der zweite Link führt zu einem Interview der Berliner Zeitung (via Lisa Rosa) mit einem Berliner Schulleiter, der deutlich fordert, ungeeignete Lehrkräfte ziemlich schnell loszuwerden:

 Aber es kann auch am Unterricht des Lehrers liegen, der nicht funktioniert. Gerade vergangenes Schuljahr wollte ich deshalb mehrere Kollegen loswerden. Aber das geht nicht so einfach.

 

Vertretungsplan

Die im letzten Artikel zitierte Spiegel-Autorin lässt ihre imaginären Lehrer beim Betreten einer zu großen Klasse aufstöhnen. Das ist natürlich Unsinn, denn Lehrer stöhnen im Allgemeinen schon beim ersten Betreten des Lehrerzimmers. Die Gründe dafür heißen zum Beispiel „voller Computerraum“ oder „neue Unterrichtsverteilung“. Das oberste Ärgernis lässt Lehrer aber besonders laut stöhnen, es heißt: Vertretungsplan.

Der passt ihnen nämlich ausgerechnet heute gar nicht in den Kram und ist meistens ungerecht. KollegIn XY hätte doch auch eine Freistunde, aber diese Woche noch gar keine Vertretung, der eigene Tag sei schon vollgestopft genug und gewiss gebe es keine Vertretungsaufgaben wieso überhaupt schon wieder in diese furchtbare 8e ob es denn keine anderen Klasse gebe jetzt müsse man auch noch drei stunden am stück in dieser klasse dabei habemanschongenugspringstundenunddervertretungsplanerhatmichbestimmtaufdemkiekerundhasstmich.

Warum und wieso das manchmal so sein muss? Dazu Tomdidomm in seinen „5 Minuten Schulleitung„.

Die Klassengröße: Der Output ist’s, was zählt

Bei Spiegel Online gibt es heute einen Faktencheck mit dem offiziellen Titel „Schul-Klischees im Faktencheck: Kleine Klassen lernen besser – oder doch nicht?“ online gestellt. Der inoffizielle Titel (in der Browserleiste bzw. im Tab) gibt schon indirekt die Antwort „Lehrer klagen über zu große Klassen: Wie groß sie tatsächlich sind“.

Das Ergebnis des Spiegel-Faktenchecks zum Thema Klassengröße lautet zusammengefasst, dass diese in Deutschland keinen wesentlichen Einfluss auf die Leistung der Schüler habe und die Klassengröße als Faktor für Veränderung vernachlässigbar und überdies teuer sei. Außerdem sinke die Zahl der Schüler, durchschnittlich seien an Gymnasien Klassengrößen von 26 Schülern Standard. Der Grund für das permanente Fordern kleinerer Klassen sei politisch motiviert, „[d]enn sowohl Lehrer als auch Eltern mögen kleine Klassen“ (Spon).

Meine Fakten
Von einer „gefühlten Wahrheit“ schreibt die Autorin und imitiert die klagenden Lehrer: „Oh Gott, so viele Schüler!“. Wäre sie der Realität etwas näher, wüsste sie, dass große Klassen keinen Lehrer schocken. Eher heißt es erfreut: „Oha, wie wenig Schüler!“, wenn man eine der wenigen kleineren Klassen unterrichten darf. Aber der Reihe nach. Denn es mag statistisch ein Fakt sein, dass die durchschnittliche Klassengröße an Gymnasien nur 26 Schüler beträgt. Mein Fakt dagegen ist, dass ich täglich vor Klassen mit dreißig und über dreißig Schülern stehe. Und das hat Auswirkungen und zwar recht konkrete.

Lebensraum Schule
Schüler verbringen immer mehr Zeit in ihrer Schule. Ganztagsangebote sind mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme und die Schüler sollten, so die hehren Ziele, ihre Schule als „Lebensraum“ begreifen. Und jetzt wünschte ich mir, würden die Experten nicht nur auf Datenbanken der statistischen Landesämter zurückgreifen, sondern aus ihren journalistischen und universitären Elfenbeintürmen heraus einmal mit einem Zollstock und einem Bleistift in meine Klasse kommen und nachmessen, wieviel „Lebensraum Schule“ da pro Schüler vorhanden ist. Und zwar nicht faktisch-statistisch, sondern de facto. Abzüglich von Tischen und Taschen. 30 oder 26 Schüler machen da einen gewaltigen Unterschied. (Und wenn einer der Experten sich ein Fleißkärtchen verdienen will, darf er/sie gerne mal versuchen, in einer 32er-Klasse einen ordentlichen Sitzkreis zu bilden…)

Je größer die Klasse, desto größer auch Lärm, Trubel und Hektik in den Pausen – und natürlich auch das Potenzial für Aggression. Für stille Schüler gibt es kaum Rückzugsmöglichkeiten, bei schlechtem Wetter müssen vollgestopfte Klassenräume Kindern, die sich auch mal Ruhe wünschen, Folterkammern gleichen.

Das Lernen
Eine Beobachtung teile ich: Die Klassengröße hat keinen Einfluss auf das Lernen der Schüler. Gute Schüler lernen auch in einer großen Klasse gut. Doch was ist mit den Schlechten? Was ist mit dem Paradigma des Lehrers als „Lernbegleiter“, was mit dem der immer wieder geforderten Selbstständigkeit der Schüler, dem des entdeckenden Lernens oder dem der individuellen Förderung? Es dürfte auch für Experten nicht schwer nachzuvollziehen sein, dass es im Alltag einen großen Unterschied macht, ob ich als Einzelperson 20 oder 30 Schüler individuell zu betreuen versuche; dass es einen Unterschied macht, ob ich pro Klasse 20 oder 30 Klassenarbeiten korrigiere, kommentiere und Fördermaterial dazu heraussuche. Es macht schlicht einen Unterschied, ob ich in 90 Minuten 32 oder 26 Schülern meine Aufmerksamkeit schenken kann. Das können Experten auch ohne Studien einfach ausrechnen.

Wie soll ich mit 32 Schülern eine sinnvolle Gruppenarbeit organisieren, bei der die Gruppen nicht zu groß sind und bei der es immer nur so viele Gruppen gibt, dass auch jede sinnvoll ihre Ergebnisse präsentieren kann? Kleine Gruppen führen zu langen, langweiligen Präsentationsphasen, große Gruppen führen entweder zu unterbeschäftigten Schülern und / oder überkomplexen Arbeitsaufträgen. Das mag die Experten nicht interessieren, aber das ist für doofe klagende Lehrer Alltag. Und ja: Bei 26 Schülern ist Gruppenarbeit schon wesentlich leichter und bei nur 12 Schülern mache ich sogar heimlich Jubelsprünge!

Output, Output über alles
Der Spiegel-Faktencheck, dessen Ziel es angeblich ist, „Schul-Klischees“ auf die Spur zu kommen, zeigt eher, wie der journalistische Bildungsdiskurs hier in Deutschland leider immer noch funktioniert: Sich endlos wiederholende Klischees über klagende (offensichtlich in einer journalistischen Zeitschleife aus Einfallslosigkeit und Verbenarmut gefangene) Lehrer plus Wahlkampfversprechen irgendwelcher Politiker, und in Wirklichkeit ist alles heiße Luft. Die sollen sich mal alle nicht so anstellen. Mund abwischen, weitermachen. Dazu gesellt sich eine reine Outputfixierung, was zählt ist die ominöse „Leistung“. Die Arbeitsbedingungen der Schüler interessieren ebenso wenig wie die der Lehrer, die Sorgen der Eltern sind schlicht zu vernachlässigen. Ob Schule ein Ort ist, an dem Kinder sich wirklich wohlfühlen können, interessiert im Faktencheck weder Experten noch Journalisten. Unterricht wird nach wie vor als das frontale Verklappen von Stoff gedacht, der sich gleichermaßen über alle Schüler zu ergießen hat.

Schade eigentlich, dass der Faktor „Klassengröße“ so eindimensional gedacht wird. Chance verpasst.

Vorweihnachtliche Wünsche

Würde gerne etwas verspätet zum EduCamp Bielefeld schreiben, komme aber nicht dazu. Echt. Vor Weihnachten ist es in Schulen furchtbar, fragt mich nicht, warum. Dafür eine kleine Episode aus dem Lehrerzimmer:

Ich erzähle einigen Kollegen in der Kaffeeküche von meinem Tag der offenen Tür an einem hiesigen Gymnasium und komme dabei auf den dort eingerichteten Ruheraum zu sprechen. Und wie aus einem Munde staunen ungläubig zwei junge Kolleginnen: „Für Lehrer?“

Nein, natürlich nur für Schüler und besonders für Reli-Kurse… aber wenn wir ganz brav sind und immer unsere Pausenaufsicht wahrnehmen, vielleicht… 😉

Notiz und vielleicht sogar ein Tipp?

Nina Bußmann hat beim diesjährigen Bachmannpreis einen Text gelesen, der von einem Lehrer handelt. Ich habe das nur am äußersten Rande zwischen drei Klassenarbeitsstapeln und Klassenlehrerschuljahrsendegedöns mitbekommen, es geht wohl um einen pensionierten Lehrer, der beim Unkrautjäten sein Lehrerleben Revue passieren lässt. Vielleicht ein schöner Text für die Ferien oder eine kurze Zugfahrt – ich will auf jeden Fall mal reinschauen.