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	<title>Kreide fressen &#187; Diskurs</title>
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	<description>Gedanken eines jungen Lehrers aus Bielefeld</description>
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		<title>Ideen zum Kanon</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Dec 2011 19:22:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hokey</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskurs]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich hatte diesen Artikel schon am 3. Dezember angefangen, dann beim Schreiben bemerkt, wie komplex dieses Thema ist, um den Artikel darum in die Entwürfe-Tonne zu legen und ihn aufgrund einer gestrigen Twitter-Debatte nun doch wieder hervorzuholen. Thema der Debatte (mit @lisarosa, @eisenmed und @dunkelmunkel) war der „Kanon“ und der Streitpunkt der, ob man einen Kanon <a href='http://www.kreidefressen.de/2011/12/09/ideen-zum-kanon/'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hatte diesen Artikel schon am 3. Dezember angefangen, dann beim Schreiben bemerkt, wie komplex dieses Thema ist, um den Artikel darum in die Entwürfe-Tonne zu legen und ihn aufgrund einer gestrigen Twitter-Debatte nun doch wieder hervorzuholen. Thema der Debatte (mit @<a href="https://twitter.com/#!/lisarosa">lisarosa</a>, @<a href="https://twitter.com/#!/eisenmed">eisenmed</a> und @<a href="https://twitter.com/#!/dunkelmunkel">dunkelmunkel</a>) war der „Kanon“ und der Streitpunkt der, ob man einen Kanon überhaupt braucht und ob man nicht im Sinne einer neuen Lernkultur auf ihn verzichten solle.</p>
<p>Mein Eindruck war nach einiger Zeit, dass die Debatte sich im Kreis drehte, weil unter den Diskutanten offensichtlich unterschiedliche Auffassungen darüber herrschten, was der „Kanon“ nun eigentlich sei. Darum hier meine Sicht auf den Kanon, aber wie oben schon angedeutet: Das ist alles Stückwerk und vorne und hinten nicht völlig durchdacht &#8211; dafür bräuchte man vermutlich auch weniger ein Blog, denn vielmehr eine Monographie. Das Folgende kann ich hier also nur thesenartig ausspucken:</p>
<ul>
<li>Meiner Ansicht nach ist der Kanon die Summe dessen, was eine Gesellschaft für bemerkenswert erachtet. Der Kanon ist, wenn man ihn so versteht, gesellschaftlich determiniert, denn gewisse Inhalte (z.B. Romane, Filme, Musikstücke, Kunstprodukte, evtl. sogar ganze Genres) werden von einer gesellschaftlichen Masse als relevant und bildend verstanden. Als Trägerschicht mag dabei durchaus das Bildungsbürgertum fungieren, und zwar sowohl, indem es eine bestimmte Erwartungshaltung an den Tag legt, was man als Jurist, Arzt, Manager etc. wissen sollte, als auch, indem es sich für die Verbreitung des Kanons durch Journalismus, Universitäten und natürlich auch in der Schule verantwortlich zeigt.</li>
<li>Der Kanon ist nie neutral oder objektiv, sondern immer auch ein implizit politisches Instrument oder wenigstens ein Indikator für politische Grundhaltungen. Er ist vielleicht sogar ein Abziehbild seiner Gesellschaft &#8211; ein Spiegelbild dominierender und dominierter Kräfte. Und dennoch kann eine dominierende gesellschaftliche Gruppe den Kanon nicht einfach diktieren, da dieser in großen Teilen historisch gewachsen ist. Der Kanon entwickelt sich mit seiner Gesellschaft; ehemals kanonische Gegenstände verschwinden, neue kommen hinzu.</li>
<li>Es ist in meinen Augen Utopie, zu glauben, wir könnten den Kanon abschaffen: Wir würden uns automatisch immer wieder einen neuen kreieren. Bestimmte „treibende“ Gruppen würden immer wieder diskursiv neue Inhalte definieren, und dabei neue Autoren, Musiker, Maler, Künstler, Gegenstände über andere erheben, die damit faktisch zum neuen Kanon gerinnen würden. Es stellt sich letztlich nur die Frage nach der Deutungshoheit.</li>
</ul>
<p>So weit erste unfertige Gedanken zum Kanon, viele Ideen / Problemstellungen kommen mir jetzt erst während der Auseinandersetzung. Nichtsdestotrotz denke ich, dass ich mit einem Kanon gut lehren kann &#8211; solange er mir ausreichend Wahlmöglichkeiten bietet.</p>
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		<title>Wider Spott und Häme</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Dec 2011 09:55:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hokey</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskurs]]></category>
		<category><![CDATA[Lehrer 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[educamp #ecbi2011]]></category>

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		<description><![CDATA[Hui &#8211; die grauen Monate November und Dezember sind die ätzendste Zeit im Schuljahr. Klausuren und Klassenarbeiten stapeln sich, sämtliche Konferenzen müssen vollzogen, der Tag der offenen Tür vorbereitet und zu allem Überfluss kilometerweise Papiere für eine Qualitätsanalyse geschrieben werden. Wann soll ein normaler Mensch da noch zum Bloggen kommen? Mittlerweile stapeln sich nämlich auch <a href='http://www.kreidefressen.de/2011/12/02/wider-spott-und-hame/'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.kreidefressen.de/wp-content/uploads/2011/12/Teich-am-Bültmannshof.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-1458 alignright" title="Teich am Bültmannshof, unweit vom EduCamp" src="http://www.kreidefressen.de/wp-content/uploads/2011/12/Teich-am-Bültmannshof-150x150.jpg" alt="" width="120" height="120" /></a>Hui &#8211; die grauen Monate November und Dezember sind die ätzendste Zeit im Schuljahr. Klausuren und Klassenarbeiten stapeln sich, sämtliche Konferenzen müssen vollzogen, der Tag der offenen Tür vorbereitet und zu allem Überfluss kilometerweise Papiere für eine Qualitätsanalyse geschrieben werden. Wann soll ein normaler Mensch da noch zum Bloggen kommen?</p>
<p>Mittlerweile stapeln sich nämlich auch abseits des schnöden Alltags viele diskussionswürdige Themen: Twitter ist erbarmungslos und gibt einen gnadenlosen Takt vor, wer nicht dranbleibt, ist abgehängt &#8211; ich hänge gerade noch mit einem Zeigefinger am letzten Waggon und arbeite mich mit diesem Beitrag wieder ein Stück vor. Es folgen: Ein kurzer Rückblick aufs EduCamp 2011 und ein Kommentar zu Überzeugungsarbeit. OER schaffe ich gar nicht mehr&#8230; ich springe einfach auf den nächsten Zug auf&#8230;</p>
<p><strong>EduCamp Bielefeld </strong><br />
<a href="http://www.kreidefressen.de/wp-content/uploads/2011/12/Twitterwall.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-1457" title="Twitterwall" src="http://www.kreidefressen.de/wp-content/uploads/2011/12/Twitterwall-150x150.jpg" alt="" width="120" height="120" /></a>Das EduCamp (#ecbi11) war in zweierlei Hinsicht eine tolle Erfahrung: Erstens bot sich die Möglichkeit, neue Ideen zu diskutiere, Anstöße für einen neuen Unterricht zu bekommen und die Form eines <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Barcamp">Barcamps</a> kennenzulernen. Zweitens konnte ich in Bielefeld endlich einmal diese vielen Menschen treffen, die ich zum Teil schon viele Jahre online kenne, aber noch nie &#8220;life&#8221; sehen konnte und auch neue kennenlernen. Alle diese Begegnungen fand ich sehr angenehm und freue mich auf ein nächstes EduCamp.</p>
<p>Daneben bleibt besonders die Motivation, neue Ideen einfach anzupacken und umzusetzen. Dem Versuch, mit einer digitalen, möglichst papierfreien Schultasche „auszukommen“, unterziehe ich mich jetzt einfach, und in meinen Oberstufenkursen sind die wenigen neuen (und zum Glück(?) selten benutzten) Notebooks seit dem EduCamp im Dauereinsatz. Google und Etherpads sind eingeführt und die Schüler arbeiteten damit sofort sehr strukturiert und zielführend. Viel besser als Wikis (furchtbar! Da konnte mich auch das Camp nicht überzeugen&#8230;) oder das umständliche Moodle.</p>
<p><strong>Um Überzeugung muss es uns gehen</strong><br />
<a href="http://www.kreidefressen.de/wp-content/uploads/2011/12/Buchkultur1.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-1461 alignright" title="Buchkultur und Handschrift auch beim Educamp" src="http://www.kreidefressen.de/wp-content/uploads/2011/12/Buchkultur1-150x150.jpg" alt="" width="120" height="120" /></a>Der „Ton“ auf dem EduCamp war auch viel angenehmer als es bei Twitter manchmal den Anschein hat. Alle Themen konnten sachlich und ohne persönliche Animositäten diskutiert werden, während ich zunehmend den Eindruck habe, dass sich Twitter zum pseudo-intellektuellen Schlachtfeld entwickelt (bzw. vielleicht noch nie etwas anderes war als ein Medium zur Selbstvergewisserung). Vieles wirkt auf Twitter radikal und modernistisch, technikgläubig. Das „Alte“ (bspw. die sog. „Buchkultur“, Handschrift, fremdbestimmtes Lernen) wird zum Teil sehr massiv in Frage gestellt, was, würde die Kritik konstruktiv geübt, durchaus sinnvoll sein mag, doch leider wird für meinen Geschmack zu oft gering geschätzt, abgewertet, gespottet.</p>
<p>Diese Grundhaltung drückt sich heute in einem Beitrag im <a href="http://geschichtsunterricht.wordpress.com/2011/12/01/schule-im-digitalen-zeitalter-zum-speedlab2/">Geschichtsblog</a> Daniel Bernsens aus, der über das speedlab2 schreibt:</p>
<blockquote><p>Es gibt eine wachsende Kluft zwischen einer veränderten und sich weiter verändernden Gesellschaft (und damit auch Lebenswelt der Lernenden sowie der Arbeitswelt) und einer sehr trägen Institution Schule. Problematisch finde ich allerdings, die auch heute wiederholt gehörte Formulierung bisher sei aller Unterricht „schlecht“, „öd“, „fad“, „langweilig“ gewesen (alles heute auf dem Podium heute ernsthaft so geäußert). Das ist schlicht falsch und führt nicht weiter. <span style="text-decoration: underline;">Viele Kollegen fühlen sich damit zu Recht angegangen, ungerecht und falsch beurteilt und verschanzen sich, wie zu erwarten, in einer Abwehr- und Verteidigungshaltung</span>. (Hervorhebung von mir)</p></blockquote>
<p>Damit trifft Daniel genau den Punkt! <em>Niemand</em> wird überzeugt, indem man ihm vorhält, wie überholt, veraltet oder rückständig er sei. Dass alles „Alte“ sinnlos gewesen sei, werden die Kollegen (zu recht!) brüskiert von sich weisen. Doch um das Überzeugen muss es uns gehen! Nicht um das zwangweise Einführen einer neuen Lernkultur &#8211; weil jeder, der nicht mitmacht, als altmodisch und doof dasteht  - sondern darum, dass eine neue Lernkultur aus der Überzeugtheit ihrer Akteure heraus entsteht. Aber dafür muss erst Überzeugungsarbeit geleistet werden, bei der Spott und Häme mehr als hinderlich sind.</p>
<p>Und wer das nicht im Auge behält, wird entweder (im warmen, kleinen, als elitär empfundenen Zirkel) scheitern oder sich des gleichen Mittels bedienen müssen, das er bei den anderen anprangert: Nämlich systemischem Zwang.</p>
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		<title>Ein Plädoyer für das Blog</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Aug 2011 09:59:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hokey</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogosphäre]]></category>
		<category><![CDATA[Diskurs]]></category>

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		<description><![CDATA[Herr Larbig macht sich in einem langen Artikel Gedanken über den Stellenwert von Blogs in Zeiten von Twitter, Facebook und Google+. Was haben Blogs zu bieten, angesichts relativ geringer Nutzerzahlen, sprich: weniger Öffentlichkeit und der Konzentration von Debatten auf große Social Networks? Eine gute Frage, die ich mir in letzter Zeit auch immer wieder gestellt <a href='http://www.kreidefressen.de/2011/08/03/ein-pladoyer-fur-das-blog/'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Herr Larbig macht sich <a href="http://herrlarbig.de/2011/08/03/perspektiven-fur-blog-debatten-aktuelle-entwicklungen-im-netz/">in einem langen Artikel</a> Gedanken über den Stellenwert von Blogs in Zeiten von Twitter, Facebook und Google+. Was haben Blogs zu bieten, angesichts relativ geringer Nutzerzahlen, sprich: weniger Öffentlichkeit und der Konzentration von Debatten auf große Social Networks? Eine gute Frage, die ich mir in letzter Zeit auch immer wieder gestellt habe. Ist es heutzutage noch sinnvoll, ein Blog zu führen? Bitte nicht enttäuscht sein: Ich habe keine Antwort, nur meine Sichtweise.</p>
<p><strong>Von Öffentlichkeit, <strong>Offenheit,</strong> Reichweite und Authentizität</strong><br />
„Öffentlichkeit“ wird in Diskussionen dieser Art meist mit „Reichweite“ verwechselt. Dieses Blog hier ist viel öffentlicher als mein Facebook-, Google- oder Twitterprofil. Und auch viel offener, denn dank des Archives, das teilweise bis in meine Studienzeit zurückreicht (leider ist durch Bloganbieterpleiten und Systemwechsel einiges verloren gegangen), kann man zumindest in Ansätzen Aspekte meine Persönlichkeit erahnen, politische Haltungen herauslesen, Entwicklungen nachvollziehen, Vorlieben und Abneigungen erkennen. Das wird wohl Facebook und Google selbst dank ihrer unglaublichen Vernetzung mit diversen anderen Diensten gelingen können, kaum aber den einzelnen Lesern bei Facebook oder Google. Und dass ich hier etwas von mir preisgebe, ist auch schon der ganze Sinn der Übung: Ich schreibe zeitweise ganz gerne und da ich kaum zum großen Romancier tauge, schreibe ich hier eben vor kleinem Kreis über einen bestimmten Aspekt meines Lebens. Irgendwann hat meine Bloggerei schließlich damit begonnen, dass ich auf der Suche nach einer Tagebuchsoftware war und bei <a href="http://www.20six.de/">20Six</a> gelandet bin und erst später meine Lehramtsinhalte hierhin ausgegliedert habe. Anderen Bloggern wird es ähnlich gegangen sein, zumindest gefühlt habe ich den Eindruck, jemandem in dem, was er schreibt, mehr vertrauen zu können, wenn ich ihn per Blog kenne und nicht nur per Twitter oder Google+. Blogger wirken auf mich authentischer.</p>
<p><strong>Der kleine Kreis</strong><br />
Die Reichweite meines Blogs ist verglichen mit Twitter oder Google+ lächerlich gering. Jedoch sind die Leute, die ich hier erreichen kann, genau die Richtigen. Auch die Suchmaschinen scheinen mir immer präziser die Menschen hier hinzuschicken, die mit meinen Beiträgen wirklich etwas anfangen können. Herrn Larbigs langen Artikel hätte ich auf Google+ wegen seiner Länge in der großen Masse vermutlich einfach überscrollt, so wie ich es heute schon mit einem halben Dutzend mehr oder weniger sinnvoller und sinnloser längerer Beiträge dort gemacht habe. Aber wenn jemand einen Beitrag in seinem Blog postet, dann scheint ihm der Inhalt so wichtig zu sein, dass er ihn nicht im flüchtigen Meer eines Social Networks verschütten möchte.</p>
<p>Dabei ist der „kleine Kreis“ die sichere Bank, eine Gruppe Gleichgesinnter, die, einmal auf den Lehrerberuf bezogen, nicht nur fachlich, sondern auch <em>persönlich</em> etwas mit dem Geschriebenen anfangen kann. Während man bei den Social Networks mit zunehmendem Wachstum zusehen muss, Aufmerksamkeit im doch mehr oder weniger anonymen Tohuwabohu zu erheischen, habe ich hier viel mehr den Eindruck, meine Leser zu kennen, sie einschätzen zu können und bei Debatten entsprechend reagieren zu können. Blogs bieten hier gerade aufgrund ihrer geringen Reichweite vielleicht sogar eine Art „familiären“ Schutzraum, der es eben auch leichter macht, zu diskutieren, strittige Themen anzuschneiden und dem anderen zuzuhören.</p>
<p>Und darum sind und bleiben für mich Blogs die wahren Perlen des Internets, weil ihre Nutzer sich durch ihre in Artikeln gebundene Persönlichkeit (und nicht durch Klarnamen, Profession oder Geburtsurkunde) „authentifizieren“, weil sie Überlegtheit und Ruhe in Produktion und Rezeption zulassen, dabei weniger flüchtig sind,  und weil der Leserkreis, obwohl immer dynamisch, so doch immer irgendwie überschaubar bleibt oder wenigstens scheint.</p>
<p>Im Ergebnis lese ich trotz der Einführung von Google+ seit einigen Wochen wieder viel mehr in „meinen“ Blogs und nehme die flüchtigen Netzwerke eher flüchtig wahr. Und wenn in zehn Jahren die Menschen ihre Twitter-Accounts gelöscht oder Facebook den Rücken gekehrt haben sollten, weil die Karawane ja immer weiter zieht, und Google von Baidu aufgekauft wurde, dann werde ich in diesem Blog immer noch für meine fünf Leser Artikel tippen. Ohne große Reichweite, aber mit großer Freude.</p>
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		<title>Scheinproblem</title>
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		<pubDate>Sun, 03 Jul 2011 14:58:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hokey</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskurs]]></category>

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		<description><![CDATA[Da ich in letzter Zeit nicht viel zu erzählen habe, leite ich einfach mal an Christoph weiter, der sich über eines der vielen Scheinprobleme ärgert, die die Welt der Pädagogik so oft beschäftigen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da ich in letzter Zeit nicht viel zu erzählen habe, leite ich einfach mal <a href="http://cchristoph.wordpress.com/2011/07/03/hoher-schneller-besser-weiter-geiler-groser-starker-heute-schreibschrift/">an Christoph</a> weiter, der sich über eines der vielen Scheinprobleme ärgert, die die Welt der Pädagogik so oft beschäftigen.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Die bunte Mischung</title>
		<link>http://www.kreidefressen.de/2010/12/28/die-bunte-mischung/</link>
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		<pubDate>Tue, 28 Dec 2010 15:06:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hokey</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beruf Lehrer]]></category>
		<category><![CDATA[Diskurs]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Schöne an den Weihnachtsferien ist, dass man so von der Familie eingenommen wird, dass man &#8211; ungeachtet der Klausurenstapel -  keine Gelegenheit hat, an Schule zu denken. Das hat was, das gelingt mir in keinen anderen Ferien so gut und vollständig. Und nicht nur ich gebe mich dem faulen Weihnachtstaumel hin, auch die Publizisten <a href='http://www.kreidefressen.de/2010/12/28/die-bunte-mischung/'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Schöne an den Weihnachtsferien ist, dass man so von der Familie eingenommen wird, dass man &#8211; ungeachtet der Klausurenstapel -  keine Gelegenheit hat, an Schule zu denken. Das hat was, das gelingt mir in keinen anderen Ferien so gut und vollständig. Und nicht nur ich gebe mich dem faulen Weihnachtstaumel hin, auch die Publizisten frönen sentimentalen Erinnerungen an ihre Schulzeit. Schon seit etwa einer Woche verlinkt wird Charlotte Haunhorst auf jetzt.de mit ihrem Artikel „<a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/516359">Sie haben uns völlig falsch aufs Studium vorbereitet</a>“, die ihre vor drei Jahren beendete Schulzeit reflektiert und feststellt, dass in der Schule mehr Transfer gefordert war als beim Bulimie-Lernen in der Uni.</p>
<p>Etwas aktueller ist der schöne, achseitige Artikel bei Zeit.de. „<a href="http://www.zeit.de/2010/52/DOS-Schule?page=1">Wir müssen die Welt retten</a>“ lautet der Titel und der Autor erzählt mit ruhiger Stimme von einem „Schulbesuch“ seiner alten Schule, die nun, dreißig Jahre nach seinem Abitur, abgerissen wird. Im Zentrum steht jedoch nicht das Schulgebäude, sondern die alten Lehrer, die Sußebach besucht. Denn er gleicht die Bilder, die der junge Schüler hatte, mit denen, die der reife Mann von heute hat, ab und erkennt rückblickend:</p>
<blockquote><p>Hier war so viel guter Wille. So viel Herzblut. So viel Kraft und so  viel Kräfteverschleiß. Es gab ein Kollegium in einer bunten Mischung,  wie sie heute selten ist. Es gab Verlierer, ausgerechnet unter den  enthusiastischen Lehrern, die so viel von sich und uns erwartet haben. (Zeit.de)</p></blockquote>
<p>Das Projekt Weltrettung ist unter Verlusten erfolgreich gescheitert. Aufschlussreich, wie immer, die Kommentare. Manche Kommentatoren scheinen der Idee anzuhängen, es gebe den „richtigen“ Lehrer, man müsste ihn nur finden, ausbilden, duplizieren und dann wäre&#8230; ja&#8230; dann hätten wir einen Weltenretter, der all die Gescheiterten vor ihm ersetzen könnte. Gestern und heute aber war und ist alles großer Mist. Die „Ideologien“ seien schuld, politische Strömungen verantwortlich, die „Linken“ und „die Konservativen“ hätten gleichermaßen <a href="http://www.zeit.de/2010/52/DOS-Schule?commentstart=1#cid-1049146">versagt</a>, die heutigen Lehrer seien <a href="http://www.zeit.de/2010/52/DOS-Schule?commentstart=9#cid-1049523">unterqualifiziert</a> oder gar durch und durch allesamt <a href="http://www.zeit.de/2010/52/DOS-Schule?commentstart=1#cid-1049286">schizophren</a>.</p>
<p>Was sie alle, die Lehrer in Sußebachs Text und die Kommentatoren, auf ihrer Suche nach dem Weltenretter übersehen, ist: die Vielfalt. Wir werden den einen Lehrer niemals finden, kein Sokrates wird uns retten, kein Rousseau uns erlösen. Kein Michelangelo wird unsere Kinder aus grobem Stein fein herausmeißeln und kein noch so geschickter Gärtner ihnen die wilden Triebe stutzen. Denn wir brauchen sie alle: Die Steinmetze und die Gärtner, die Folienaufleger und die Internetversessenen, die Feingliedrigen und die Grobschlächtigen, die Langweiligen und die Ausgeflippten; solange sie den Kindern nutzen, Reibungsfläche bieten, Interesse wecken, Widerstand hervorrufen, Lehrreiches bieten. Nicht wäre langweiliger als drei Dutzend geklonte Lehrer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Unser_Lehrer_Doktor_Specht">Dr. Spechts</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dangerous_Minds_%E2%80%93_Wilde_Gedanken">Ms. Johnsons</a> oder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Club_der_toten_Dichter">Mister Keatings</a> in den Schulen hocken zu haben.</p>
<p>Sußebach gibt in seinem Fazit die Antwort. Die bunte Mischung ist ausschlaggebend und darum kann er auch Gewinner ausmachen:</p>
<blockquote><p>Und es gab Gewinner, vor allem unter uns Schülern, die von all den  Linken und Rechten, den Besorgten und Unbesorgten vorn an der Tafel mehr  fürs Leben gelernt haben, als das unter einem grauen Heer  gleichgültiger Lehrer der Fall gewesen wäre. (ebd.)</p></blockquote>
<p>Es ist tröstlich, dass ehemalige Schüler aus unterschiedlichen Generationen so offen den Nutzen ihrer Schulen beschreiben. Und ein schöner publizistischer Jahresabschluss. Ich wünsche allen Lesern schon einmal im Voraus ein frohes neues Jahr!</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Schockierend: Neuntklässler lösen Abituraufgabe</title>
		<link>http://www.kreidefressen.de/2010/10/14/schockierend-neuntklaessler-loesen-abituraufgabe/</link>
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		<pubDate>Thu, 14 Oct 2010 10:31:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hokey</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskurs]]></category>
		<category><![CDATA[Schulpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Überschrift dieses Beitrags verkauft man uns heute in der FAZ als Schocker. Das kann nicht, das darf nicht sein, dass Neuntklässler Abituraufgaben lösen. Der Autor des Beitrags, der Präsident der Gesellschaft für Didaktik der Biowissenschaften Hans Peter Klein, beschreibt in seinem Artikel den Werdegang der Lehrpläne und die Entwicklung weg von der Anhäufung von <a href='http://www.kreidefressen.de/2010/10/14/schockierend-neuntklaessler-loesen-abituraufgabe/'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Überschrift dieses Beitrags verkauft man uns heute in der <a href="http://www.faz.net/IN/INtemplates/faznet/default.asp?tpl=common/zwischenseite.asp&amp;dx1={37A32099-4CC2-F463-BF67-6A59F81299E7}&amp;rub={87017A2E-8048-4531-9BF4-584D6E716B25}">FAZ</a> als Schocker. Das kann nicht, das darf nicht sein, dass Neuntklässler Abituraufgaben lösen.</p>
<p>Der Autor des Beitrags, der Präsident der Gesellschaft für Didaktik der Biowissenschaften Hans Peter Klein, beschreibt in seinem Artikel den Werdegang der Lehrpläne und die Entwicklung weg von der Anhäufung von Wissen hin zu einer Kompetenzorientierung. Damit einher gehe eine &#8220;Schwächung der Inhalte der Fächer&#8221; und der &#8220;Siegeszug des Präsentierens&#8221;. Das Methodenlernen sei &#8220;weitgehend abgekoppelt von den spezifischen Fachmethoden&#8221; und Präsentationen seien nur dann gut, wenn &#8220;wenn multimedial ansprechend Informationen vorgestellt werden, während die Qualität der Information und die Sachkompetenz (&#8230;) in den Hintergrund treten&#8221;.</p>
<p><strong>Die Mär von der Sachentfremdung</strong><br />
Da blinkt der blanke Elfenbeinturm. Der Herr Professor sollte vielleicht mal wieder Unterricht besuchen, statt darüber zu schreiben. Eine Präsentation ohne Sachkenntnis ist schlichtweg nicht vorstellbar und ich kenne keinen Kollegen (nein, auch nicht die verdorbenen jungen), der nicht bei Präsentationen u.Ä. auf Sachkenntnis sehr hohen Wert legt. Mein erstes &#8220;Referat&#8221; habe ich in Jahrgangsstufe 12 halten dürfen (&#8220;dürfen&#8221;, weil es das bei uns einfach nicht gab, dass Schüler vorne präsentierten!). Wenn ich dagegen meine Neuner sehe, dann stehen viele von denen regelrecht  souverän vor ihrer Klasse, gestalten Präsentationen sinnvoll mit Einstieg, Gliederung und Nennung der Quellen (Wissenschaftspropädeutik, Herr Professor) und bieten fundiertes Sachwissen zu einem <span style="text-decoration: underline;">Sach</span>thema des Deutschunterrichts. Und wer letzteres nicht bieten kann, der wird in der Rückmelderunde regelrecht vorgeführt &#8211; nicht vom Lehrer, sondern von seinen Mitschülern, die konstruktiv aber hart jede Lücke aufzeigen, die der Präsentierende zu bieten hat. Das läuft bei uns nicht anders, als in den wissenschaftlichen Kolloquien auch. Und dank der Übung wissen die jungen Leute, worauf sie achten müssen. Mit Verlaub: Dass Powerpoint-Effekte an deutschen Schulen für gute Zensuren ausreichen, kann nur da noch als Mär erzählt werden, wo niemand sich ernsthaft mit Unterricht auseinandersetzt.</p>
<p><strong>Punkteraster</strong><br />
Viel interessanter wird es im zweiten Teil des Artikels: Der Autor verspricht ein Experiment, &#8220;das die Reform entzaubern kann&#8221;. Er hat dazu Neuntklässlern eines Gymnasiums Leistungskurs-Abituraufgaben vorgelegt und zwar sowohl Aufgaben von der Zeit vor und nach der Einführung des Zentralabiturs. Das Ergebnis überrascht auf den ersten Blick: 23 von 27 Schülern bewältigten die Zentralabituraufgabe, 5 sogar mit &#8220;befriedigend&#8221;, 3 mit &#8220;gut&#8221; und ein Schüler mit &#8220;sehr gut&#8221;. Die alte Abituraufgabe hingegen überforderte die Schüler &#8220;hoffnungslos&#8221;.</p>
<p>Leider geht der Autor auf die Aufgaben selber nicht genauer ein und auch die von ihm angeführte <a href="http://didaktik-biowissenschaften.de/index.html">Website</a> bringt keine Klarheit. Denn einige Erkenntnisse teile ich durchaus, z.B. den Eindruck, dass die Inhaltswiedergabe zu stark bepunktet wird oder dass, bei Zunahme von Zensuren im Bereich &#8220;gut&#8221; und &#8220;befriedigend&#8221;, es sehr schwer wird, Einsen zu vergeben, weil kaum ein Schüler alle Punkte der Erwartungshorizonte abdecken kann, weshalb ich, soweit möglich, auf scheinobjektive Bewertungsbögen verzichte.</p>
<p>Jedoch zieht Klein die Zentralabituraufgabe unnötig ins Lächerliche, wenn er ihren Erwartungshorizont auseinanderzunehmen versucht, und dabei offensichtlich nur auf den reproduktiven Teil der Aufgabenstellung eingeht und diesen polemisch für das Ganze setzt. Im Gegenzug verzichtet er jedoch darauf, die Aufgabenstellung, Erwartungen oder (wenigstens!) das Thema der Abituraufgabe nach altem Muster zu nennen. So verwehrt er dem Leser die Möglichkeit eines Vergleichs und sein Artikel wirkt darum wenig wissenschaftlich objektiv vergleichend, denn mehr wie eine subjektiv-tendenziöse Aburteilung der aktuellen Schulentwicklung.</p>
<p>Dabei ist das Ergebnis des Experiments wenig überraschend. So mögen abituraufgabenlösende Neuntklässler einen Teil der konservative Leserschaft der FAZ möglicherweise schocken. Lehrer, für die &#8220;Neuntklässler&#8221; keine abstrakte Kategorie sind, die wissen, was konkrete, lebendige Neuntklässler auf dem Kasten haben können, freuen sich über solche Schüler. Aber auch Herr Klein sollte sich nicht allzu sehr wundern. Schon gar nicht, wenn man bedenkt, dass Projekte wie &#8220;Studieren ab 16&#8243; schon seit einigen Jahren an manchen Universitäten etabliert sind.</p>
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		<title>Ganztagsplatt</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Oct 2010 16:47:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hokey</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskurs]]></category>

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		<description><![CDATA[Sorry, Leute, ich habe schon lange nichts mehr geschrieben und schaue neidvoll hinüber ins Lehrerzimmer, wo ein schöner Beitrag sich an den nächsten reiht. Irgendwie ist gerade die Luft raus, eigentlich falle ich nach der Schule auf die Couch, um dann irgendwann gegen Abend wieder loszulegen, um dann direkt ins Bett zu fallen. Folgen der <a href='http://www.kreidefressen.de/2010/10/08/ganztagsplatt/'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sorry, Leute, ich habe schon lange nichts mehr geschrieben und schaue neidvoll hinüber ins <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/">Lehrerzimmer</a>, wo ein schöner Beitrag sich an den nächsten reiht. Irgendwie ist gerade die Luft raus, eigentlich falle ich nach der Schule auf die Couch, um dann irgendwann gegen Abend wieder loszulegen, um dann direkt ins Bett zu fallen. Folgen der gebundenen Ganztagsschule, die sehr zeit- und kräfteraubend ist.</p>
<p>Und nicht nur die Lehrer, besonders die Schüler lassen Kräfte und büßen an Lebensqualität ein. &#8220;Qualitätszeit&#8221; nennt die Supernanny das &#8211; die fehlt. <a href="http://www.zeit.de/2010/41/C-Behler-Antwort-Bueb">Bernhard Bueb</a> beschrieb das Dilemma gestern in der <a href="http://www.zeit.de/2010/41/C-Behler-Antwort-Bueb">Zeit</a> punktgenau in einer Antwort auf Gabriele Behler:</p>
<blockquote><p>Denn Bildung sollte immer auch Persönlichkeitsbildung sein, mit dieser  Botschaft sind die Reformpädagogen bereits Anfang des 20. Jahrhunderts  gegen die Verschulung des Lernens im Kaiserreich angetreten. Diese  Verschulung wurde mit dem G8 neu entdeckt und auf den ganzen Tag  ausgedehnt, die Ganztagsschule wurde in ihrer schlechtesten Form,  nämlich den ganzen Tag Schule, eingeführt. »Die Schule wird dann  allumfassend« – dieser Vorwurf von Frau Behler schlägt auf sie selbst  zurück. Die Ganztagsschule brauchen wir zwar dringend in Deutschland,  aber entschult. Kinder leiden heute unter einem Mangel an gestalteten  Gemeinschaften, Lehrer haben in unseren Halbtagsschulen zu wenig Zeit  für die »Charakterbildung«, und eine Rolle im       <em>Wilhelm Tell</em> zu spielen gilt nicht als ernst zu nehmende intellektuelle Leistung gegenüber der Belehrung über       <em>Wilhelm Tell.</em> Darunter leiden vor allem Kinder aus sozial schwachen Schichten. (Zeit)</p></blockquote>
<p>Recht hat er! Schule bis zum Umfallen mit Lehrplänen, die &#8211; dank G8 &#8211; vollgestopfter sind denn je. Das kann&#8217;s nicht sein. Meine Tochter hat sehr viel mehr &#8220;Qualitätszeit&#8221;, seit wir sie aus dem Ganztag herausgenommen haben. Und ich werde den Teufel tun und sie irgendwann wieder in eine Ganztagsschule stecken.</p>
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		<title>Uni-Vorurteile: Lehrer bekommen schlechtere Studien!</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Aug 2010 10:57:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hokey</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beruf Lehrer]]></category>
		<category><![CDATA[Diskurs]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich scrolle mich durch Spiegel-Online. Ein reißerischer Titel verlockt: &#8220;Grundschullehrer-Vorurteile. Kevins bekommen schlechtere Noten&#8220;. Davon habe ich zwar schon einmal irgendwo gelesen, aber eine alte Studie über die Vorurteile von Lehrern bezüglich der Namen ihrer Schüler soll durch eine taufrische neue Studie untermauert werden: Offenbar haben Grundschullehrer nicht nur Vorurteile gegen bestimmte Vornamen, was eine <a href='http://www.kreidefressen.de/2010/08/24/uni-vorurteile-lehrer-bekommen-schlechtere-studien/'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich scrolle mich durch Spiegel-Online. Ein reißerischer Titel verlockt: &#8220;<a href="http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,712948,00.html">Grundschullehrer-Vorurteile. Kevins bekommen schlechtere Noten</a>&#8220;. Davon habe ich zwar schon einmal <a href="http://www.kreidefressen.de/2009/09/18/platt-platter-paedagogische-studie/">irgendwo</a> gelesen, aber eine alte Studie über die Vorurteile von Lehrern bezüglich der Namen ihrer Schüler soll durch eine taufrische neue Studie untermauert werden:</p>
<blockquote><p>Offenbar haben Grundschullehrer nicht nur Vorurteile gegen bestimmte Vornamen, was eine vorangegangene Studie schon im vergangenen Sommer zeigte. Offenbar haben diese Vorurteile auch Einfluss auf die Notengebung, zumindest bei Jungen. (Spon)</p></blockquote>
<p>Ah, wunderbar! Erfrischend diese Dramaturgie! Nicht nur, dass die fiesen Grundschullehrer vom vergangenen Sommer bis jetzt nichts dazugelernt haben, nein, noch schlimmer, sie benachteiligen darüber hinaus auch noch die sowieso schon vom Bildungssystem gebeutelten Jungen! Nieder mit den Grundschullehrern&#8230; oder? Ähm&#8230; vielleicht doch nicht?</p>
<p>Zumindest so richtig dramatisch scheint das Ergebnis der Studie nicht auszufallen, auch wenn man sich alle Mühe gibt, es so darzustellen:</p>
<blockquote><p>Hängen die Noten auch von den Vornamen ab, wie die betreuende Professorin Astrid Kaiser damals warnte?</p>
<p>Die Nachfolgestudie legt das jetzt zumindest nahe. Allerdings sei der Zusammenhang weniger deutlich als befürchtet, sagt Kaiser. So zeige die neue Untersuchung vor allem, wie subjektiv es bei der Bewertung von Schülerleistungen generell zugehe, unabhängig vom Vornamen. Doch durch den Namen würden die Ergebnisse &#8220;noch zusätzlich modifiziert&#8221;, so Kaiser. (ebd.)</p></blockquote>
<p>Huiuiui. &#8220;Zusätzlich modifiziert&#8221; &#8211; das klingt gefährlich nach: &#8220;Das können wir schlecht belegen.&#8221; Besonders dünne wird&#8217;s, wenn man sich das Vorgehen der Studie anschaut: Die gescholtenen Lehrer sollten online Schülerarbeiten durchsehen und diese bewerten. Dabei wurden verschiedene als kritisch empfundene Namen unter jeweils dieselben  Arbeiten gesetzt, um zu erfahren, ob die Lehrer Chantals schlechter benoten als Katharinas.</p>
<p><strong>Klick-Klick-Studie</strong><br />
So läuft das halt im Internetzeitalter. Schnell mit Grafstat einen Fragebogen entworfen, schnell mit einem Bildbearbeitungsprogramm Namen unter Arbeiten ausgetauscht, schnell mal Klick-Klick gemacht und schon hat man eine belastbare Studie. Dass der Arbeitsalltag von Lehrern anders aussieht, blenden sowohl die betreuende Professorin und selber ehemalige Grundschullehrerin als auch der Autor des Artikels netterweise aus. Dass ich mit jedem Kevin, jeder Chantal, jeder Katharina und jedem Maximilian ein Gesicht, eine Stimme, eine Person, Erinnerungen, mündliche Beiträge, Hausaufgaben und Begegnungen abseits des Unterrichts verbinden kann, dass ich zu jedem Namen auch Kleidung, Frisur, Heftführung und bisweilen auch Eltern und Geschwister, Konfession und Nationalität kenne, sodass die Anzahl der möglichen Faktoren, die meine subjektive Noten-Entscheidungen beeinflussen können, rapide ansteigt, das fällt flugs mal unter den Tisch bei solchen Studien. Aber macht ja nichts, man kann ja ein Riesen-TamTam darum machen, das bringt Publicity und man kann sich wichtig fühlen.</p>
<p><strong>Es gibt keine Kritik, nur Lehrerschelte</strong><br />
Und natürlich als Opfer, wenn man dann Kritik einstecken muss, denn das wichtigste Fazit des Artikels kommt erst zum Schluss: &#8220;Man macht sich unbeliebt. (&#8230;) &#8220;Eine Habilitandin lehnte das Thema ab, weil sie Angst hatte, dass man ihr Lehrerschelte vorwirft.&#8221; Unbelehrbares Lehrerpack! Und ich bin jetzt wohl auch so einer, so ein Stänkerer, der sich nix sagen lassen will.</p>
<p>Vielleicht sollten wir demnächst eine Studie in Auftrag geben, die untersucht, mit welchen Vorurteilen Berufsgruppen kämpfen müssen, wenn sie universitär durchleuchtet werden. Dann könnte der nächste Spiegel-Titel lauten: Uni-Vorurteile. Lehrer bekommen schlechtere Studien.</p>
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		<title>Niemand hat gestern etwas gewonnen</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Jul 2010 06:38:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hokey</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskurs]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[So, die Hamburger Schulreform ist „abgeschmettert“, titelt man drastisch bei den etablierten Medien, die Reformgegner hätten „gewonnen“. Gewonnen hat leider niemand etwas, denn es verändert sich ja nun nichts, die Verhältnisse bleiben einfach bestehen. Es herrscht Stillstand, niemand rührt sich, also gewinnt auch keiner. Die größte Motivation der Eltern der Elterninitiative schien ja auch eher <a href='http://www.kreidefressen.de/2010/07/19/niemand-hat-gestern-etwas-gewonnen/'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So, die Hamburger Schulreform ist „<a href="http://www.sueddeutsche.de/karriere/volksentscheid-zur-grundschulzeit-hamburg-hat-gesprochen-primarschule-abgelehnt-1.976627">abgeschmettert</a>“, titelt man drastisch bei den etablierten Medien, die Reformgegner hätten „<a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E076A5223C05D4727BF4B57E0B274956C~ATpl~Ecommon~Scontent.html">gewonnen</a>“. Gewonnen hat leider niemand etwas, denn es verändert sich ja nun nichts, die Verhältnisse bleiben einfach bestehen. Es herrscht Stillstand, niemand rührt sich, also gewinnt auch keiner. Die größte Motivation der Eltern der Elterninitiative schien ja auch eher die Angst zu sein, etwas zu verlieren.</p>
<p>Bis auf wenige Beiträge im Fernsehen und im Radio habe ich die Hamburger Primarstufenreform an mir vorbeiziehen lassen und auch der Ausgang ist mir herzlichst egal, gleichwohl ich mich über <a href="http://www.kreidefressen.de/2010/02/21/eine-der-letzten-schlachten-der-staendegesellschaft/">die arroganten Schnösel</a> geärgert habe, die ihre abschätzigen Kommentare im Öffentlich-Rechtlichen abgesondert haben. Doch letztlich ist dieses Konzept einer verlängerten Primarstufe doch nichts weiter als ein bildungspolitisches Feigenblatt, das an der Situation kaum etwas verändert: Die Kinder aus den feinen Stadtvierteln gehen länger gemeinsam mit Kindern aus den feinen Stadtvierteln auf eine Schule, die Kinder aus den weniger feinen entsprechend länger mit Kindern aus weniger feinen. Prima(r)!</p>
<p>Ähnlich unglücklich verlief es hier in NRW mit den Gesamtschulen: Die Motive dahinter sind toll, in der Umsetzung ist in ihrere Konsequenz besser als jede verlängerte Primarstufe, doch leider hat man sie als Resteschule neben das dreigliedrige Schulsystem gestellt, sodass &#8211; je nach Gegend &#8211; der Ruf der Gesamtschule sehr gut oder absolut mies ist. Die Gesamtschule in meiner ehemaligen (rheinischen) Wohngegend war ein 2000 Schüler fassendes Sammelbecken für Neonazis und andere Schlägertypen, die ich nicht einmal gegen Bezahlung besucht hätte. Anders in Bielefelder Vororten: Gesamtschulen hier genießen durchaus auch einen guten Ruf. Wie auch bei der Primarstufe kommt es hier auf das Einzugsgebiet an, aus dem sich die Schülerschaft speist.</p>
<p>Deslhalb ist das viel Entscheidendere der Hamurger Schulreform, dass dort nun die Stadtteilschule als Pendant zur NRW-Gesamtschule eingeführt wird. Und diesmal nicht so halbherzig wie in NRW als Resteschule, denn die Stadtteilschule wird die einzige Schule neben dem Gymnasium bleiben. (Was nun auf keinen Fall passieren darf, ist, dass die Stadtteilschulen sich einen ähnlich desaströsen Ruf erwerben wie die Hauptschulen, denn dann kann Hamburg dicht machen.)</p>
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		<title>Die Klassengröße hat keinen Einfluss&#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jun 2010 17:25:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hokey</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beruf Lehrer]]></category>
		<category><![CDATA[Diskurs]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Kollege wies mich darauf hin: Ich solle doch mal auf der Homepage des NRW-Schulministeriums schauen, da würde man mit einer „tollen“ Studie zum Thema Einfluss der Klassengröße beeindrucken. Gesagt, getan. Und schon im ersten Absatz zieht&#8217;s mir die Schuhe aus: &#8220;Die Klassengröße spielt keine wesentliche Rolle bei der Leistung der Schülerinnen und Schüler.&#8221; Damit <a href='http://www.kreidefressen.de/2010/06/22/die-klassengroesse-hat-keinen-einfluss/'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Kollege wies mich darauf hin: Ich solle doch mal auf der Homepage des NRW-Schulministeriums schauen, da würde man mit einer „tollen“ Studie zum Thema Einfluss der Klassengröße beeindrucken. Gesagt, getan. Und schon im ersten Absatz zieht&#8217;s mir die Schuhe aus:</p>
<blockquote><p>&#8220;Die Klassengröße spielt keine wesentliche Rolle bei der  Leistung der Schülerinnen und Schüler.&#8221; Damit räumt Wilfried Bos,  deutscher  Koordinator der internationalen Grundschullesestudie Iglu, mit der  gängigen  Annahme auf, dass die Anzahl der Schülerinnen und Schüler in einer  Klasse  ausschlaggebend für den Lernerfolg seien. &#8220;<strong>Ob in einer Klasse etwa 24  oder 26 Kinder oder Jugendliche lernen, hat kaum  Auswirkungen auf die Lernleistungen</strong>&#8220;, sagte der Professor auf einer  Vortragsveranstaltung des NRW-Schulministeriums in der Düsseldorfer  Luisenschule. (<a href="http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Schulsystem/Qualitaetssicherung/Schulleistungsstudien/Pisa-Tagung/index.html">Schulministerium NRW</a>, Hervorhebungen von mir)</p></blockquote>
<p>Für eine solche Frechheit möchte ich eigentlich jetzt gerade in diesem Augenblick fleißig Backpfeifen verteilen. Alleine für 26 Kinder wäre ich froh&#8230; und diese Studie ist mal wieder in den Medien hoch und runter zitiert worden. Zumal die Klassengröße nicht nur Auswirkungen auf „Lernleistungen“ (wie immer man die definiert) hat, sondern auch auf Klassenklima, Raumsituation und Nervenkostüm der Lehrkräfte.</p>
<p>Weiß jemand, ob man die komplette Studie irgendwo bekommen/herunterladen kann?</p>
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