WhatsApp und Schule

Dieser Beitrag wurde inspiriert durch eine Twitter-Debatte, bei der mir einmal mehr deutlich wurde, dass man auf Twitter nicht debattieren kann. Ich habe ich mich darum aus der Debatte zurückgezogen und beschlossen, meine Gedanken hier zu verbloggen.

Es begann alles mit folgendem Tweet:

Ich antwortete negativ, da ich die konkrete Unterrichtssituation eine Einstieges vor Augen hatte, bei dem etwas per Schere ausgeschnitten werden sollte. Das wäre mit einer WhatsApp-Nachricht schlicht nicht möglich gewesen. Dieser Mangel an Information war jedoch kein Grund, nicht polemisch über mein uncooles Nichts-WhatsApp-Einsetzen herzuziehen. Der Verweis darauf, dass überdies nicht alle Kinder der besagten Klasse ein Handy besitzen, wurde mit Verweisen auf Statistiken abgeschmettert („Alle Kinder haben ein Handy!“). Zu guter Letzt ist an meiner Schule die schulische Nutzung sozialer Netzwerke ausdrücklich (und ich meine damit ausdrücklich) untersagt, aber, so im Twitter-Stream: „Wer nicht will, findet Gründe“.

WhatsApp nicht zu nutzen sei ignorant, der Ausgangstweet Gejammer obendrein, jedes Kind habe ein Handy, schließlich müssten die Kinder den Umgang damit auch lernen, und das Mobbing verlagere sich sowieso anderswo hin.

Irgendwann hatte ich dann die Schnauze voll und habe beschlossen, das Thema lieber zu bebloggen, denn eine ernsthafte Auseinandersetzung war leider nicht möglich. Nun denn, hier kommt meine Perspektive.

Meine persönliche Haltung zu WhatsApp

Ich bin kein Freund von WhatsApp und nutze es nur, wenn mein Kontakt keine adäquate Alternative nutzt. Ich habe dem Facebook-Kosmos den Rücken gekehrt (Facebook- und Instagram-Account gelöscht) und würde lieber heute als morgen WhatsApp den Rücken kehren, weil ich mich nicht freiwillig der Datensammelwut von Facebook hingeben möchte. Es gibt allerdings leider Menschen, zu denen ich nur per WhatsApp Kontakt halten kann. Kinder dazu zu bringen, eine Software zu nutzen, die ich selbst nicht nutzen möchte, halte ich für widersprüchlich.

Ein weiterer Aspekt ist die permanente Erreichbarkeit. Ich versuche, sehr bewusst mit meiner Zeit umzugehen und habe konkrete Zeiten, in denen ich nicht erreichbar bin. Für ca. 120 bis 180 Schüler permanent per WhatsApp erreichbar sein zu können, halte ich nicht für erstrebenswert. Gleiches gilt für die Schüler: Die schlechte Unterrichtsvorbereitung des Lehrers per WhatsApp ausbaden zu müssen, weil der noch schnell seine Hausaufgaben hinterherschickt, kann auch nicht Sinn der Sache sein.

Man muss den Kindern doch den Umgang beibringen!

Meiner Erfahrung nach lernen Kinder den handelsüblichen Umgang mit WhatsApp ziemlich schnell: Texte zu schreiben, Videos zu schicken, Akronyme und Emojis zu verwenden, Bilder einzufügen, Gruppen anzulegen – ein Leichtes für herkömmliche 10-11-Jährige. Da ist keine besondere Herausforderung zu erkennen.

Weniger lehrreich ist es hingegen, wenn ach so medienreflektierte Lehrer die ihnen anvertrauten Kinder zu einem unreflektierten Umgang mit globalen Datenkraken wie Facebook nötigen. Wo, wenn nicht bei Schulkindern, könnte Facebook sein erstes großes Ziel, eine umfassende Abbildung der Soziostruktur seiner Nutzer zusammenzusammeln, am leichtesten erreichen? Die Kinder nutzen WhatsApp arglos – umso mehr, wenn auch der coole Lieblingslehrer / Schuldirektor das wie selbstverständlich im Unterricht benutzt. Reflektierter Umgang? Fehlanzeige! Wenn der Lehrer zum Gebrauch von WhatsApp einlädt, dann hilft am Ende auch keine wohlgemeinte superkritische Klassenleiterstunde mehr. Zumal das Kernproblem der WhatsApp-Nutzung bei jungen Menschen im Unterstufenalter ganz woanders liegt.

Mobbing

In der Altersgruppe der Zwölf- bis 19-Jährigen gibt jeder Dritte (34 %) an, dass in seinem Bekanntenkreis schon einmal jemand im Internet oder per Handy fertig gemacht wurde. […]

Setzt man die Schwelle der Beeinträchtigung etwas niedriger und unterstellt nicht explizit die Absicht, jemanden gezielt fertig zu machen, sondern fragt nach, ob über die befragte Person schon einmal beleidigende, falsche oder peinliche Sachen im Internet oder per Handy verbreitet wurden, so sieht sich jeder Fünfte als Betroffener. (JIM Studie 2016)

Und das ist der Kontext, in dem mir WhatsApp im Schulkontext überwiegend begegnet: Als Mobbing-Medium (und Nerv-Medium). Spricht man mit den SuS, so bemängeln diese, dass in Klassengruppen viel unnützes Zeug gepostet werde (300x „Hi“, ellenlange sinnlose Zeichenkombinationen, zeitfressende Sprachnachrichten, „lustige“ Bilder, etc.) und man phasenweise sein Handy stummschalten müsse, weil es unaufhörlich bimmelt. Fragt in euren Klassen doch einfach mal nach.

Noch ärger ist jedoch das Mobbing. Dieses hat es schon immer gegeben und es ist auch immer schon ein typisch schulisches Problem; die mittlerweile auch nicht mehr allzu frische Erkenntnis ist aber, dass Mobbing mit WhatsApp eine neue Qualität hinzugewonnen hat, denn das Mobben findet nun zeitlich und örtlich uneingeschränkt statt. War früher nach Schulschluss zunächst einmal phasenweise Ruhe vor den Mobbern, so können diese bis in den freien Nachmittag, bis ins Wochenende und sogar über die Ferienzeit ihr mieses Spiel weitertreiben. Und das tun sie auch. Fleißig und emsig.

„Aufklärung!“, rufen in solchen Fällen die Apologeten. Die Kinder müssten ja den Umgang mit modernen Medien noch lernen – und verweisen (auch im Twitter-Dialog) gerne auf eine Sammlung hohler Arbeitsblätter, die aber im Fall der Fälle nichts bewirken. Und auch so manche Eltern kümmern sich einen feuchten Kehricht um die WhatsApp-Nutzung ihrer Kinder, wenn man sieht, was diese so an Frivolem und Gewaltverherrlichendem über ihr Smartphone versenden. Nicht zuletzt wir Medienfuzzis schließen gerne die Augen vor diesen Problemen, denn sie passen so gar nicht in unsere schöne neue Medienwelt. Den Umgang lernen sollen sie, doch sind die meisten meiner Meinung nach noch viel zu jung dafür, um distanziert und souverän mit komplexen Kommunikationssituationen, wie sie sich auf WhatsApp darstellen, umzugehen. Wie auch, das Leben an sich ist in diesem Alter doch schon kompliziert genug.

Umbruchssituationen

Kommen Kinder an die weiterführende Schule, sind sie meist zwischen 10 und 12 Jahren alt, verlassen ihre vertraute Grundschulumgebung und treffen auf eine völlig neue Klasse, in der sie viele neue Lehrer und Mitschüler kennenlernen. Das geht nicht nahtlos vonstatten, sondern ist immer begleitet von Brüchen und Schmerzen: Die liebgewonnene junge Klassenlehrerin wird ersetzt durch einen grummeligen Oberstudienrat, die meisten guten Freunde gehen auf eine andere Schule und plötzlich hat man nur noch zwei bis drei bekannte Bezugspunkte in der Klasse, zum Glück ist die beste Freundin auch dabei. Dann kommt die Phase der Annäherung und Neuordnung – und plötzlich ist die beste Freundin jemand anderes beste Freundin. Neue Cliquen bilden sich, und was hier in zwei, drei Sätzen abgehandelt wird, ist in Wirklichkeit ein monatelanger, teils jahrelanger, Prozess, der oft mit extremen Höhen und Tiefen, Freude, Hoffnung und Enttäuschung verbunden ist.

In diesen Situationen ist WhatsApp Gift fürs Klassenklima. Kinder, die mit den vielfachen Herausforderungen der schriftlichen Kommunikation heillos überfordert sind, treffen dann auf eine komplexe Klassensituation, die sie selbst gar nicht einordnen können. Als Kind will man einfach nur dazugehören. Das zeigt sich in WhatsApp-Gruppen, die von nutzlosen und in die hunderte gehenden „me too“-Beiträgen nur so wimmeln, und in denen der Enttäuschung über alte oder neue (Nicht-)Freunde lautstark oder auch subtil Luft gemacht wird, flankiert von weiteren Anheizer-WhatsApp-Gruppen, die sich zusätzlich noch strategisch drumherum gebildet haben. Und das kann übel enden – die Ratgeberliteratur ist mannigfaltig, ein Gespräch mit dem zuständigen Schulpsychologen erhellend.

Es ist natürlich schön, wenn die Kinder miteinander den richtigen Umgang mit Messenger-Apps wie WhatsApp lernen, aber reichlich zynisch aus der Perspektive eines betroffenen Kindes, das täglich die „Lernversuche“ der anderen ertragen und dabei selbst erlernen muss, dass es jederzeit und an jedem Ort das Opfer seiner Mobber sein muss.

Kein Messenger, nie?

Auch ich finde Messenger großartig, nutze sie oft und gerne. Am liebsten solche, die nicht mein Adressbuch filzen und ohne meine Handynummer auskommen. Am liebsten Ende-zu-Ende verschlüsselt. Am liebsten nicht in den Händen großer Datensammler, gerne auch gegen Geld. In Schule kann ich mir Messenger als große Bereicherung vorstellen: Als konkreten Schulmessenger mit klaren Regeln, klar definierten Gruppen, und je älter und reifer die Kinder werden, umso offener kann man den Umgang damit gestalten. Natürlich ändert das nichts an all den Problemen, die über private Messenger wie WhatsApp entstehen, jedoch ist dann niemand gezwungen, diese schulisch zu nutzen.

Denn am Ende ist der tollste Unterrichtseinstieg per WhatsApp nichts wert, wenn Kinder seelisch zu Schaden kommen.

Lesetipp

Sommerferienzeit. Arbeitszimmerausmistzeit. Wer jedoch ein wenig Zeit zum Lesen mitgebracht hat, der sollte unbedingt bei Damian Duchamps rüberschauen, der hat nämlich einen wunderbaren Artikel gebloggt, in welchem er das deutsche Schulsystem aufs Korn nimmt. Er spricht mir damit förmlich aus der Seele!

Blogparade: Bloß kein Stress – persönliche Strategien

Herr Mess ruft zu einer Blogparade mit dem Titel „Nur kein Stress“ und fragt, welche Situationen wir Lehrerblogger als stressig empfinden und was wir dagegen unternehmen. Hier sind meine 2 Cent zum Thema.

Fühle mich aktuell dem Stress gegenüber gut gewappnet, wobei aber folgende Eckpunkte zu beachten sind: Ich mache eine volle Stelle (25,5h), bin gerade aber mit nur wenigen Korrekturgruppen gesegnet und konnte mich bis vor Kurzem nahezu vollständig auf die Arbeit konzentrieren, da meine Frau sich vollständig um die häuslichen Belange gekümmert hat. Das ändert sich gerade. Vielleicht ist in drei Monaten, wenn das neue Schuljahr gestartet ist, schon wieder alles ganz anders.

Es ist überhaupt immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich „Stress“ wahrgenommen wird. Ich bin oft bass erstaunt, wenn ich sehe, was Kollege X wieder an diversen Arbeiten weggewuppt hat, als wäre das nichts, während ich schon wieder über eine Vertretungsstunde maule. Auch die Gründe für Stress können grob unterschiedlich sein und bedürfen einer unterschiedlichen Herangehensweise: einer stressige Elternschaft muss man anders begegnen als stressigen Klassen, Kollegen oder Herausforderungen, die oft urplötzlich von diversen Behörden angeleiert auf Schule herabregnen. Systemische Ansätze könnte man diskutieren und über Strategien der Teamarbeit, gemeinsamer Unterrichtsvorbereitung oder sich über innerschulische Entlastungsmöglichkeiten austauschen. Ich möchte aber gerne zunächst meine persönlichen Strategien zu Vermeidung von Stress beschreiben.

Gute Organisation hilft zu entspannen

Was mir besonders zu Beginn am meisten Stress verursacht hat, war schlechte Organisation. Wenn man Termine aus den Augen verliert, auf den letzten Drücker Vorbereitungen treffen muss, Aufgaben vergessen hat – das führt zu Stress in Reinform. Bestes Beispiel wäre meine ersten beiden Unterrichtsbesuche, die ich mir – aus Versehen und unorganisierterweise – beide auf denselben Tag gelegt hatte.

Ich musste im Laufe der Zeit folgende Dinge lernen:

  • einen Kalender zu führen
  • eine To-Do-Liste zu führen
  • eigene Arbeitszeiten festzulegen

Endlich ein Kalender

Ohne die Erfindung des iPhones wäre ich wahrscheinlich noch heute aufgeschmissen, denn es gab immer ein Problem mit all meinen Lehrerplanern: Ich hatte sie immer am falschen Ort! Entweder waren es riesige A4-Kladden, schwer, unhandlich und immer in irgendeiner Tasche oder auf irgendeinem Schreibtisch, aber nie an dem Ort, wo ich mich gerade aufhielt. Auch das Wechseln auf einen kleinen A6-Kalender half nicht, diese blöden Dinger waren nie bei mir – und alle Eintragungen letztlich oft nutzlos.

Dank des iPhones habe ich aber nun seit 2009 meinen Kalender immer dabei. Immer, immer, immer! Und ich trage alles ein und gleiche den Schulkalender automatisiert mit der Homepage ab. Zwar ist die Übersicht weniger gut, als bei einem Papierkalender, aber ich habe ihn immer dabei und es steht vom Stundenplan und Schulkonferenzen bis hin zu Ferienterminen alles drin!

Den Fokus bewahren – To-Do-Listen führen

Es mag Menschen geben, die ohne To-Do-Liste auskommen können; ich gehöre nicht dazu. Ich würde lediglich alles vergessen, selbst wichtige Dinge. Und auch hier gilt: Dank sei Apple! Papierene To-Do-Listen sind mir ein Graus! Ich bin eh‘ kein Listenmensch und alle Versuche herkömmlicher To-Do-Listen scheiterten kläglich. Beginnt man seine erste To-Do-Liste noch recht entspannt und voller Zuversicht, so endet das Ganze in einer ellenlange Liste, auf der alles Mögliche kunterbunt durcheinander steht, leider aber null Prioritäten zu erkennen sind und irgendwo oben noch etwas offen ist, während zwischendrin schon fünfzehn Punkte durchgestrichen sind. Ein befriedigendes „Jetzt ist alles abgearbeitet“ will sich so nicht einstellen. Und wie schon bei den Kalendern: Listen sind grundsätzlich nie da, wo ich gerade bin, was schlechterdings dazu führte, dass ich bisweilen zwei oder drei doofer Listen hatte, was die Sache nicht einfacher machte, aber auch dafür gibt es ja Smartphones…

OmniFocus

Vorausschau

Komplex, aber dennoch erleichternd.

Meine Rettung heißt „OmniFocus“ und kostet für iOS und Mac OS X bestimmt um die 80€ für die Mac und die iOS-Version, aber diese 80 Euro würde ich jederzeit wieder bezahlen. Ich nutze gewiss nur 10% der Möglichkeiten des Programms, aber folgende Punkte liebe ich:

  • To-Dos bekommen ein Datum+Uhrzeit und ich werde an sie erinnert. Dabei trägt OF die Aufgaben auf Wunsch in meinen iPhone-Kalender ein und synchronisiert zwischen Mac und iPhone.
  • Aufgaben kann man einen Kontext zuweisen, wie z. B. „Arbeitszimmer“, „Kopierer“ oder „Schulgebäude“. Wenn ich also in einer Freistunde Luft habe, schaue ich im Kontext „Schulgebäude“ nach, welche Aufgaben noch offen sich und erledigt werden können.
  • Aufgaben können zusätzlich einem Projekt zugewiesen werden. Z. B. „Klassenlehrer“, „Lehrerrat“ oder „Privat“. Alle Aufgaben die diese Projekte betreffen, werden denen zugeordnet. Wenn ich also zuhause sitze und mir Zeit für meine Klasse nehme, schaue ich im Projekt „Klassenlehrer“, was erledigt werden muss.
  • Ich habe immer den Fokus auf das Wichtige! Keine unübersichtlich vollgestopfte Liste, sondern nur die Aufgaben, die in dem Moment wichtig sind, wenn ich auf die Liste schaue.

Das Programm kostet zugegebenermaßen ein wenig Einarbeitungszeit, aber wenn es einmal läuft, dann entstresst es, weil ich immer weiß, dass ich nahezu nichts vergessen kann.

Arbeitszeiten einhalten

Mal ehrlich: Es gibt immer etwas zu tun. Mein OmniFocus platzt aus allen Nähten und Routineaufgaben wie Korrekturen trage ich da gar nicht erst ein. Da ist es wichtig, den Schlusspunkt zu finden. Ich orientiere mich dafür, auch wenn mir das nicht immer gelingt, an den Tipps von Carl Newport (via):

  1. To-do lists are evil. Schedule everything.
  2. Assume you’re going home at 5:30, then plan your day backwards.
  3. Make a plan for the entire week.
  4. Do very few things, but be awesome at them.
  5. Do less shallow work — focus on the deep stuff.

Besonders wichtig finde ich: Ein Ende festlegen, danach ist Schluss. Zum ersten Mal vor einigen Jahren bei Herrn Rau davon gelesen, der beschrieb, immer zur Tagesschau aufzuhören. Den Samstag halte ich mir grundsätzlich vollständig von Arbeit frei, wenn es nicht gerade lichterloh brennt.

Um auch nicht zu schnell den Verlockungen des Internets zu verfallen und die Zeit gut zu nutzen, hilft mir bisweilen die Pomodoro-Technik, für die es natürlich auch diverse Apps gibt. Besonders bei langweiligen Aufgaben wie Korrekturen hilft das sehr. Aber natürlich nicht immer… 🙄

Arbeit und Privates trennen

Es war ein sehr schöner Samstag gewesen, abends nur noch schnell die Mails checken – und plötzlich war die Laune im Keller. Ein Mail, geschickt zur Unzeit, ungeschickt formuliert: Kopfkino, Stress, der Abend war gelaufen. Seitdem rufe ich private und dienstliche Mails immer auf getrennten Clients ab und dienstliche Mails werden samstags und an Ferien- oder Feiertagen gar nicht mehr abgerufen. Dienstliche Anrufe schicke ich sowieso schon immer auf ein eigenes Telefon ohne Anrufbeantworter, die Mobilnummer gebe ich nur an Kollegen heraus. Auch kommunikativ „frei“ zu haben, ist wichtig – und nicht bei jedem Mailabruf böse Überraschungen befürchten zu müssen, hilft Stress zu vermeiden.

Last but not least: Hobbys nicht vergessen

Wenn es einem gelingt, den Tag zu einem bestimmten Zeitpunkt zu beenden, dann kann man auch Sport und andere Hobbys einplanen. In meinem Plan steht einmal pro Woche irgendwann „Bouldern“ auf dem Programm, und nach einem Schultag befreit nichts mehr den Kopf, als joggen zu gehen. Ich bin auch nicht bereit, meine Gitarren zu verfeuern, nur weil anderer Leut’s Kinder ihre Klassenarbeiten nach einem Wochenende korrigiert zurück haben wollen und manche Kollegen das schon nach einem Tag schaffen. Ist mir wumpe. Da müssen sie halt warten. Im Gegenzug bin ich dafür auch in der Regel entspannt und ausgeglichen – auch meinen Schülerinnen und Schülern gegenüber.

(Und, ja, ich weiß: Es gibt in jedem Kollegium diesen einen Kollegen, der es schafft, nach einem Tag zurückzugeben und entspannt zu sein! 😉 )

Die Kontraproduktivität des Hypes

Nur ganz schnell verbloggt: Andreas Hofmann schreibt darüber, warum das ganze Gehype des digitalen Lernens sich kontraproduktiv auswirkt. Sehr bedenkenswert.

Warum stammen die besten Medienberater eigentlich alle aus Niedersachsen? Kenne nun schon zwei, die die Wucht sind. (Im „Schlusslicht-bilden“ ist NRW aber auch ungeschlagen, ich mache mir da keine Hoffnung mehr…)

 

Wir sollten uns langsam daran gewöhnen

Eine Studie wabert durch meine Filterbubble und durch die deutschen Medien. Ihre Aussage: Ein Verbot von Handys an Schulen fördere den Lernerfolg, so das Ergebnis: Die Schulleistungen verbesserten sich um 6,41%, wenn die Schüler auf das Handy verzichteten, was etwa dem Lerneffekt einer zusätzlichen Woche entspreche.

Das ist harter Tobak für uns medienaffine Lehrer, die neue Medien eher als Chance denn als Gefahr begreifen. Grund genug, sich die Studie etwas genauer anzuschauen, eine Aufgabe, der sich schon Herr Larbig angenommen hat.

Offene Fragen

Einige Fragen stellen sich beim flüchtigen Lesen der Studie. Zum Beispiel trennt sie begrifflich nicht zwischen Handys und Smartphones (in der Studie wird nur unscharf von „mobile phones“ gesprochen). Die Studie bezieht sich auf Daten von 2001 bis 2011. Kaum eine Technik hat in dieser Phase eine rasantere Entwicklung miterlebt als die Welt der Handys und Smartphones (Nokia galt 2001 noch als Branchenriese, heute gehört Nokias Handysparte Microsoft). Inwiefern hat dieser durchaus gewaltige Unterschied zwischen Handys und Smartphones Niederschlag gefunden in den Ergebnissen der Studie? Inwiefern schulische Konzepte zur (Nicht-)Nutzung von Handys / Smartphones?

Medien verbinden Menschen

Bei all dem Genöle über die Studie möchte ich noch auf einen wunderbaren Artikel in der ZEIT verweisen: Kilian Trotier berichtet dort von dem Anthropologen Daniel Miller, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, zu untersuchen, „was Soziale Medien mit Menschen machen. Und was Menschen mit Sozialen Medien machen.“ Und er kommt zur gelasseneren Einsichten:

Das Leben wird durch Technik vermittelt. Miller kann daran nichts Schlechtes finden. Jedes persönliche und direkte Gespräch sei mediatisiert, es folge impliziten Regeln und Konventionen. Nur seien sie so tief in den Habitus eingelassen, dass niemand sie mehr als Regeln und Konventionen wahrnehme.

Technik entfremdet, macht einsam, verstört, steht zwischen Individuen. Miller hasst diese Sätze. „Menschen sind durch digitale Technologien nicht einen Deut stärker mediatisiert“, sagt er. Ein koreanischer Computerspieler sei nicht mehr und nicht weniger authentisch als ein Stammespriester in Ostafrika. „Kultur ist doch immer vermittelt!“

[…]

Es rege ihn auf, sagt er, wenn Wissenschaftler eine Studie über Freundschaft auf Facebook mit 300 amerikanischen Collegeschülern machten und die Ergebnisse auf japanische Hausfrauen übertrügen.

Wir sollten uns daran gewöhnen, dass unsere Kultur sich, wie eigentlich immer, gerade im Wandel befindet. Und wie so oft katalysiert durch Technik, vermittelt durch Medien, diesmal eben digitale.

Ob’s uns nun gefällt oder nicht. Wir sollten uns langsam daran gewöhnen.

Wirkungsvoll

Herr Mess hat eine tolle Hommage  „Über Die Drei Fragezeichen“ geschrieben. Wer mal einen Lateinlehrer kennenlernen will, der neben Caesar, Cato und Vergil auch die ersten 25 Folgen der Detektive aus Rocky Beach frei zitieren kann, der sollte unbedingt mal in Herrn Mess‘ Blog schauen oder seinem Twitteraccount folgen.

Wirkung von Handlung

Jan-Martin Klinge erzählt im Halbtagsblog von den tollen Erfahrungen in seinem Technikkurs und berichtet, wie die Schüler Feuer fangen. Und während des Lesens finde ich es immer bedauerlicher, dass wir an den Gymnasien so wenig Unterricht mit den Händen stattfinden lassen. Ich merke das oft in meiner Steinzeit-AG, dass da die wilden Kerle plötzlich ganz normale Umgangsformen pflegen können und sogar das Prinzip der Leistungsorientierung für sich entdecken („Herr S., sieht das gut aus oder muss ich da noch nachfeilen?“ – „Darf ich XY beim Aussägen helfen, der ist noch nicht so weit?“ – Wenn sie das mal bei Textarbeit fragten!). Aber ab Klasse 6 ist damit mehr oder weniger Schluss, wenn sich nicht ab und an ein Bio- oder Physiklehrer erbarmt.

Wirkt beim Abi

Herr Rau erzählt in seinem Lehrerzimmer von einer sehr schönen Idee an seiner Schule:

Seit einigen Jahren – in Schulzeit umgerechnet: schon immer – wünschen Freunde und Verwandte den Abiturienten vor den Prüfungen mit Plakaten Glück.

Mit Fotos. Würde ich mir für meine Schule auch wünschen.

Präsentationen wirken

Dass das Halten von Präsentationen „eine völlig sinnbefreite Befriedigung der Erwartungen der Lehrperson“ darstellt und wie dämlich viele Vorgaben zur Foliengestaltung sind, wenn sie sich nicht an Wirkungsabsicht und Kontext orientieren, das demonstriert der Lehrerfreund in einem aktuellen Beitrag. Da fallen mir gerade zwei Schüler ein, die ihre Präsentation zum Berufswunsch „Pilot“ mit einer Begrüßung der Fahrgäste starteten und dann eine grandiose Präsentation abgefeiert haben. Die wussten, wo sie ihr Publikum abholen mussten. Hat gewirkt, ist lange her und ich hab’s bis heute nicht vergessen.

Verzeichnisdienste und Linius

Verzeichnisdienste

Und wo ich heute schon schrieb, dass ich bei Twitter kürzer treten möchte, da kann ich mein Blog wieder für kürzere Beiträge missbrauchen. Zum Beispiel, um auf einen Beitrag von Maik Riecken hinzuweisen, der zeigt, wie leicht das Leben mit Verzeichnisdiensten wäre. Ich zitiere einmal Maiks Beispielvision:

Die Schulsekretärin gibt einen neuen Schüler in die Schulverwaltung ein, der die Schule gewechselt hat. Gleichzeitig sind damit ein Account auf dem Schulserver, eine E-Mailadresse und ein WLAN-Zugang angelegt und sämtliche Zugänge und Zugriffsberechtigungen auf der alten Schule deaktiviert. Selbstredend ist unser Schüler damit auch gleich den richtigen Gruppen auf der Lernplattform der Schule zugewiesen, in die Schulstatistik eingepflegt und in der Lehrmittelverwaltung mit den korrekten Attributen versehen (z.B. Geschwisterermäßigung bei der Schulbuchausleihe).

Hach, schöne Utopie.

Linius

Herr Rau, der aus dem Lehrerzimmer, twitterte heute zu einem wordpress-basierten Storytelling-Werkzeug namens „Linius“. Die Homepage wirkt etwas sparsam und so gar nicht nach aufregendem Storytelling, aber die Ergebnisse können sich sehen lassen. Einfach schön. Damit ließe sich sowohl in Deutsch als auch in Geschichte was machen.

Lernlab KAS? Zu Hilfe!

Und da fragte die @Barfussprinzess doch glatt, ob ich auch in Köln beim Lernlab dabei sein werde. Öhm. Lernlab? In der KAS? Das war mal wieder an mir vorbeigezogen, obwohl ich bei Kubi doch schon einmal etwas über das Lernlab Berlin gelesen hatte. Und während ich zum Lernlab KAS recherchierte, wurde mir klar, dass ich lehrer2.0mäßig nichts zu bieten habe. Nix 2.0, eher Lehrer 0.0. Doppelnull. Zu Hilfe! Oder?

Lernlabs

Das Lernlab ist eine Veranstaltung, bei der Lehrer, wenn ich es richtig verstanden habe, quasi in bester Piratenmanier für einen Tag eine Schule „kapern“, dort nach Absprache (okay, nur so halb-piratig) den Unterricht übernehmen und dabei neue Konzepte des Lernens2.0 vorstellen. Zum Beispiel die von Kubiwahn erwähnten digitalen Backchannel von @Lammatini im allgemeinen Unterrichtsgespräch. Fünf interessierte Gäste hospitieren dabei zusätzlich.

Und ich so?

Und als ich so nach dem Hashtag des nächsten Lernlab suchte, fand ich diese Auflistung möglicher Aktivitäten für das nächste Lernlab im Oktober in der Kölner Kaiserin-Augusta-Schule. Während ich die Auflistung durchging, stellte sich mir die Frage, ob ich mich auch auf dieser Liste wiederfinden könnte und welchen Beitrag ich liefern könnte, das kleine Rädchen der digitalen Bildung in NRW ein klein wenig weiter zu drehen.

Zu allem Übel hatte ich dabei noch einen kritischen @ciffi und eine anspruchsvolle @lisarosa auf dem Screen. Der eine mokierte sich über die mangelnde digitale Praxis der Lehrerschaft, die andere betonte das andere, nicht allein auf neoliberal orientiertes Bulimielernen orientierte Lernen, ohne das alle 2.0-Bestrebungen sinnlos sein, was die eigene Einschätzung nicht leichter machte.

Nichts

Die beschämende Antwort war: Nichts. Da hatte ich nichts zu bieten. Wikis haben sich in meinem Unterricht nicht etablieren lassen, Moodle auch nur schleppend und mit Nachhaken. Klar, einzelne Tools lassen sich mal vermitteln (z. B. Prezi als PP-Ersatz), aber ein dauerhafter Einsatz, der Mehrwert oder sinnvollen Ersatz bestehender Methoden oder Werkzeuge versprach… da sah’s doch eher mau aus. Geocaching im Geschichtsunterricht? Noch nie. Der Einsatz toller Handy-Lernapps im Unterricht? Never.
Nun, ich scheue bewusst Dienste, die Anmeldungen verlangen, weil ich meine Schüler denen nicht aussetzen mag. Facebook ist für mich mittlerweile besonders persönlich ein No-Go, da will ich selbst nicht mehr hin. Seit meine Mobilnummer über die Telefonliste auch an die SuS „durchgesickert“ ist, versuchen manche Schüler, mich über WhatsApp zu erreichen, was in Einzelfällen hilfreich sein kann, aber im Großen und Ganzen von mir boykottiert wird (furchtbarer Lehrer, der ich bin, ich weiß schon…), weil eben das Gros der Schüler von der Kommunikation ausgeschlossen ist. Und von Lernen will ich gar nicht reden. Die mediale Ausstattung an meiner Schule ist, als dürre Entschuldigung eingeschoben, bescheiden. Beamer hängen in Fachräumen, die ich in der Regel selten betrete, und ein ganzes Exemplar für ca. 110 Kollegen kann man sich ausleihen. Aber anderen kann es ja nicht besser gehen. Und dennoch: Nichts, nichts, nichts, wohin ich auch blickte.

Dünn, mau, geradezu beschämend sah es also aus mit der Lehrer2.0fähigkeit meiner Wenigkeit. Obwohl…

Der letzter Rettungsanker: Weblogs

… Blogs, mit denen hatte ich schon mehrere 2.0-Versuche gestartet. Aber ob deren Ergebnisse wohl für eine Präsentation vor anderen Lehrern bestehen würden und ob der Einsatz wirklich den erhofften „Mehrwert“ gebracht hat? Davon mehr im nächsten Beitrag.

Die anderen bloggen, ich knipse

Heute zum Einstieg ein kleines Bilderrätsel. Was ist mir wohl heute widerfahren? Auflösung am Ende.

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Ansonsten bloggen eher die anderen:

  • Bob Blume erklärt, warum eigentlich das G5 Stand der Dinge sein müsste Auf Literatur und den ganzen weichen Scheiß verzichten! Peng! Klappe zu. Affe tot. Wirtschaft… brummt?
  •  Herr Rau lässt sich davon nicht beirren und widmet seine Freizeit dem automatisierten Nummerieren sinnloser Lyrik. Herausgekommen ist dabei ein WordPress-Plugin, das Gedichte mit Zeilennummern versieht. Für Deutschlehrer gewiss bald ein must-have, denn mit Herrn Raus Methode kopiert man die Zeilennummern nicht mit, sodass die Formatierung beim Copy&Paste erhalten bleibt und nicht durch ärgerliche Zeilennummern zerstört wird. Fein.
  • In der FAZ findet sich ein Rant wegen (über, gegen?) der schlechten Rechtschreibung der Studenten. Wiederholt sich auch alle Jahre, oder?

Des Rätsels Lösung

Da hat es mir heute morgen doch glatt das Fahrradschloss zerbröselt. Natürlich erst, nachdem das Schloss eingerastet war. So stand ich heute wie ein kleiner Depp vor meinem Fahrrad und kam nicht vom Fleck. Die Busse streikten, der Hausmeister ebenfalls. Also fix die Herzdame angerufen, in den Baumarkt gefahren, mich mit einem Bolzenschneider zum Fahrrad geschlichen und mit einem Knips war das Schloss Geschichte. Erschreckend, wie schnell so etwas geht… (und wie klein ein Bolzenschneider ist).