Inklusion, heute mal in schön

Heute eine sehr angenehme Stunde in der Inklusionsklasse gehabt. Die Schüler bearbeiten das Thema „Briefe“ in einem Wochenplan, der verschiedene Aspekte des Briefeschreibens abdeckt. Dabei können wir beide Räume nutzen und die zusätzlichen Plätze, die wir auf den Fluren bereitgestellt bekommen haben, sodass jedem ein nahezu ungestörtes Arbeiten ermöglicht wird. Und das ist wirklich großartig. Die Sozialpädagogin hat für die I-Kinder spezielles Material zusammengestellt, sodass diese eine themengleiche Aufgabe haben, aber nicht vom Material überfordert werden.

Das Bonbon schlechthin ist der zusätzliche Raum, dessen Couch und verschiedene Mal- und Spielemöglichkeiten man auch als Belohnung nutzen kann, wenn einige der gymnasialen Schüler schneller und gründlicher arbeiten als ihre Genossen. Diese muss ich nun nicht mehr mit neuen Aufgaben oder verkrampften Kreativaufgaben quälen, sondern kann ihnen anbieten, sich auch einmal zehn Minuten auf der Couch zu entspannen und ein schönes Buch durchzuschauen. Schade, dass jetzt schon absehbar ist, dass wir diese Räume nicht für alle Klassen haben können, wenn wir die Inklusion langsam bis Klasse 9 hochziehen…

Es ist auch spürbar, dass einige der stärkeren Inklusionskinder am höheren Anspruch wachsen und sich zumindest am Material der anderen versuchen wollen und es auch ansatzweise können. Im Vergleich zu den Beobachtungen an der Grundschule scheint sich da auch neue Motivation zu entwickeln. Wenn sich das bewahrheiten sollte, wäre das wirklich ein toller Erfolg.

4 Gedanken zu „Inklusion, heute mal in schön

  1. ich finde es seltsam, was an unseren Regelschulen – Inklusion hin oder her – als Erfolg  angesehen wird. Und wie weit wir noch von der Schule als ein Ort der Bildung entfernt sind.

    Da freut sich ein Lehrer, dass er Schüler belohnen kann, weil sie „erfolgreicher“ und „gründlicher“ als andere sind; und dies mit einem Platz auf einem Sofa. Warum kann man auf dem Sofa nicht einfach sitzen, wenn einem danach ist?

    Dabei haben einige der Schüler doch lediglich erfolgreicher und gründlicher des Lehrers Erwartungen erfüllt.

    „Die Schüler bearbeiten das Thema „Briefe“ in einem Wochenplan, …“

    Sind da 20 oder mehr Kinder morgens wach geworden und jeder hat beschlossen, sich dem Thema „Brief“ zu widmen? Das wäre mehr als merkwürdig.

    Für mich ist die Schule erst dann erfolgreich, wenn Lehrer gelernt haben solange nichts zu tun, bis sie von den Schülern zum Handeln aufgefordert werden.

    Die Kunst nichts zu tun:

    http://sudbury-berlin.de/sudbury-schulkonzept/texte/die-kunst-nichts-zu-tun/

    Unterricht:

    http://sudbury-berlin.de/sudbury-schulkonzept/texte/unterricht/

    Gruß Matthias

  2. Oha, da freue ich mich, dass ich endlich ein wenig Öffnung in den Unterricht bekomme, da ist gleich schon wieder alles Mist. Und dann noch ungenau!

    Arbeitsauftrag eines Lehrers von der dunklen Seite der Macht:

    1. Lies den Text ein zweites Mal.
    2. Finde genau heraus, was als „Erfolg“ bezeichnet wurde.
    3. Übe das richtige Zitieren.
    4. Kommentiere erst dann den zugehörigen Blogbeitrag.

    Ist gewiss ganz doof „frontal“, führt aber zu einem exakteren Ergebnis.

  3. zu A. Habe ich getan; sogar mehrfach.

    zu B. Es gibt verschiedene Aspekte, die vom Schreiber positiv beurteilt werden. Als „Erfolg“ wird aber garnichts bezeichnet.

    zu C. Asche auf mein Haupt. „erfolgreicher“ kommt im Beitrag nicht vor. Es müsste durch „schneller“ ersetzt werden. Da habe ich wohl einen Erfolg hinein interpretiert, den selbst der Verfasser nicht festgestellt hat. Schneller ist ja nicht unbedingt gleichbedeutend mit erfolgreicher.
    Ändert dies etwas an der Gesamtkritik? Nein.

    zu D. Meine Kritik bliebe auch nach einigen Übungen in Bezug auf das korrekte Zitieren bestehen.
    Wie die idealen Zustände in einer Bildungsstätte nach meiner Auffassung aussehen müssten, habe ich mit den beiden Links versucht deutlich zu machen.Aber die Schule ist entgegen anders lautender Behauptungen eben keine Bildungs-, sondern eine AUSbildungstätte. Bildung war in ihr noch nie vorgesehen, wie auch kürzlich Richard David Precht zum wiederholten Male bemerkte.

    https://www.youtube.com/watch?v=8i4MVxMHFRA

    Es könnte mir egal sein, was an Schulen geschieht oder nicht geschieht, wenn sich Kinder und Jugendliche dem Prozedere entziehen könnten, so sie denn wollten und Eltern nicht mit Zwangsgeldern bedroht würden, sollten ihre Sprösslinge keine Lust haben, sich dem Thema „Briefe“ zu widmen und der Veranstaltung fernblieben.

  4. Und was soll ich nun machen? Morgen zum Chef gehen und sagen: „Du, Chef, ich habe da so ’nen Kommentar im Blog, da ist jemand unzufrieden mit unserem Schulsystem, wir müssten dringend etwas ändern! Am besten die Schulpflicht abschaffen!“

    Ihre Kritik am Schulsystem ist mindestens so alt wie die Reformpädagogik. Und sie bleibt bestehen. Und bleibt bestehen. Und nun? Was hilft mir Ihr oder Ihrem Anliegen ein Rant in meinem Blog? Was Sie nun als „Bildung“ oder „Ausbildung“ betrachten, überlasse ich getrost Ihrer pessimistischen Perspektive und bewahre mir meine optimistische, die jeden Tag aktiv jungen Menschen und keinen Ideologismen begegnet. Auch die Freude über die kleinen Öffnungen des Unterrichts werde ich mir nicht nehmen lassen.

    Und falls es Ihnen gelingt, eine ordentliche Elterninitiative auf die Beine stellen, dafür werben, dass ausreichend Mittel und Raum für offenere und freiere Konzepte zur Verfügung gestellt werden, dann bin ich gerne dazu bereit, jede Schandtat mitzumachen. (Abgesehen von Schandtaten wie in der in ihrer Offenheit offensichtlich schwer gescheiterten Odenwaldschule.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.