Von der Mühe des Eichhörnchens

Ein Desaster. Von wegen „kollaborativ“ arbeiten. Gelöschte Ergebnisse, stattdessen ist dummes Zeug dazwischen geschrieben. Um mich herum verzweifelte Schülergesichter und der oder die Täter nicht mehr aufzuspüren, obwohl er oder sie mit Unschuldsmiene nur zwei Meter von mir entfernt sitzen muss. Das war mein erster und letzter Versuch, die SuS Arbeitsergebnisse per Google Docs präsentieren zu lassen. Blamabel. Nicht mit einer Silbe bloggenswürdig. Und alleine die Zeit, die dafür aufgewendet worden war. Ich schweige lieber.

Ein Jahr später. Heute. Ein Teil der besagten Gruppe sitzt in meinem Diff-Kurs und versucht, den Weg zur amerikanischen Unabhängigkeit in einer Sonderausgabe einer fiktiven Zeitung darzustellen. Einige setzen auf rein handschriftliche Ergebnisse, andere brauchen noch Zeit im „Luiz“ (Lern- und – Informationszentrum), um ihre Texte dort am Computer zu schreiben. Und während ich im Laufe der Stunde zwischen zwei Räumen pendelnd an schon in der Vorstufe wunderschönen Plakaten vorbeikomme, sehe ich: Meine Schüler aus dem letzten Jahr, die gemeinsam an einem Dokument arbeiten – per Google Docs! „Damit haben wir schon gestern zu Hause angefangen, geht doch so viel einfacher.“

16 Gedanken zu „Von der Mühe des Eichhörnchens

  1. Eine kleine Anmerkung zu »zerstörten« Dokumenten für kollarobativ Interessierte:
    Klickt man auf Letzte Änderung vor X Stunden/Tagen oben neben Hilfe, so kann man den Überarbeitungsverlauf einsehen und alte Versionen wieder herstellen. Falls die Schülerinnen und Schüler anonym gearbeitet haben, kann man so zwar nicht den Spaßvogel erwischen, aber ihm einen Strich durch die Rechnung ziehen, denn *schwupps* ist wieder alles so wie es sein soll 😀

    Ein ziemlich verstecktes Feature, aber unglaublich nützlich um die Beteilung und (dynamische) Entstehung nachvollziehen zu können – oder auch wenns sein muss mal jemandem die Leviten lesen zu können 😉

    • Da hast du völlig recht, die Funktion ist mir auch bekannt, aber in der damaligen Situation war das leider nicht praktikabel (man muss das ja erst einmal zeigen, dann suchen und das dann in allen Gruppen). Wir konnten weitermachen, aber ich war trotzdem erst einmal enttäuscht, auch weil ich es von der Gruppe gerade nicht erwartet hatte.

  2. Schauen Sie sich mal „git“ an. Das ist ein Tool für verteilte Versionsverwaltung. Oder vielleicht ein etherpad, wobei ich nicht weiß ob da Versionskontrolle eingebaut ist.

    • Etherpads sind eine gute Alternative, im Unterricht bevorzuge ich meist Google Docs wegen der aufgeräumten (nur schwarze Schrift für jeden User) und von Word her bekannten Oberfläche. Eine Versionskontrolle gibt es da aber auch!

  3. Ich habe mit Etherpad das gleiche erlebt. Eine sehr gute mediengewandte Lerngruppe und trotzdem. Es gab kein erwähnenswertes Ergebnis, weil die Texte schon während der Bearbeitung anonym umgeschrieben wurden.

    Auch Pads, wo man sich anmelden muss, sind keine Lösung. Hier verschwanden die Texte während einer Hausaufgabe und wurden durch coole Sprüche ersetzt. Da hatte sich jemand eine eigene Einladung gegönnt. Selbst, wenn man den unfairen Übeltäter findet, was macht man mit ihm in dieser ungewöhnlichen Situation? Es reicht ein einziger medienkompetenter Schüler, der ein bisschen Brast auf Lehrer oder Mitschüler hat.
    Erwähnenswert vielleicht die Reaktion der Kollegen, die ich um Rat bat: Warum musst du auch immer jeden Blödsinn ausprobieren….

    • Das erleichtert mich ja, dass ich nicht der Einzige bin, dem so etwas passiert. Lese ansonsten nur Erfolgsberichte (und dieser Beitrag ist ja auch einer, weil ja – Gott sei Dank – doch etwas hängengeblieben ist).

  4. Wir setzen seit Anfang des Jahres Google Apps for Education (GAFE) in einer 7. Klasse ein. Am Anfang genau das gleiche Problem. Jetzt, ein halbes Jahr später ist es eine Wonne zuzusehen, wie die SuS mit GAFE arbeiten und sich gegenseitig Tipps geben, wie man bestimmte Sachen besser machen kann.

    Es braucht halt, wie immer in der Schule, eine Zeit, bis die neuen Arbeitstechniken auch für das Arbeiten eingesetzt werden.

    Ich — also wir — wollen das nicht mehr missen.

    • Moodle als bessere Variante? Kann ich mir nicht vorstellen. Moodle ist besser als nichts, aber alles ist besser als Moodle. Hat mich erst diese Woche weider zweimal gelinkt. Gut, dass liegt auch an der Konfiguration des Bayernmoodles. Aber trotzdem grässliches Werkzeug.

  5. Also wir haben in der Zusammenarbeit sehr gute Erfahrungen mit Google Drive gemacht…
    Für die einfache Kollaboration, also das einfache Arbeiten an Dokumenten, bietet sich unseres Erachtens auch Dropbox an… Klar hat man auch hier Versionsprobleme, aber die kann man auch klassisch durch manuelle Organisation (andere Farben, Änderungen nachverfolgen) mehr oder weniger gut ausschliessen…
    ich weiss, ist eventuell unsexy und old-school – funktioniert aber bestens…

  6. Pingback: Mit digitalen Medien besser lernen? | Kreide fressen

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