Frau Kurtz über Inklusion

Einen schönen Kommentar von einer bayerischen Realschullehrerin zur Inklusion an Regelschulen findet sich heute in der Süddeutschen: „Gleichmacherei ist nicht gleich gerecht“. Sie erläutert, was aus ihrer Sicht falsch läuft, wenn Inklusion so praktiziert wird, wie es aktuell von der Politik geplant ist.

Ein behindertes Kind in eine Regelklasse zu setzen und den Lehrern zu sagen: Das ist jetzt Inklusion, fördert dieses Kind bitte individuell, geht auf sein Handicap ein – das jedenfalls ist nicht gerecht. Nicht gegenüber dem Kind und auch nicht gegenüber den Lehrkräften und den anderen Schülern der Klasse.

Einfach einmal lesen, Frau Kurtz plaudert auch ein wenig aus dem Nähkästchen, was sehr interessant ist, obwohl die Inklusion noch gar keine Rolle spielt. Und am Ende bringt sie die Realitätsferne der Debatte um Inklusion auf den Punkt:

Wer also kritisiert, dass an bayerischen Schulen zu wenig Inklusion stattfindet, den möchte ich gerne einmal einladen, sechs Stunden lang an meinem Schulalltag teilzunehmen.

Damit trifft sie genau den Punkt. Ich hatte schon vor ein paar Jahren einmal beschrieben, dass viele Menschen Unterrichten offensichtlich nicht als wirklich anspruchsvolle Aufgabe wahrnehmen, sondern eher als ein Austeilen und Auswerten von Arbeitsblättern, unterbrochen von Geschwafel, definieren. Kann ja jeder, und ein paar Inklusionskinder nebenher, joa mei, das würde ich doch auch mit links machen!

Dabei ist immer wieder interessant, wie im gesellschaftlichen Diskurs ausgerechnet den Lehramtsstudenten permanent Praxisferne vorgeworfen wird, gleichzeitig aber jeder Hannebummel vermeint, seinen – natürlich hochqualifizierten – Senf zu Praxisthemen wie der Inklusion im Unterrichtsalltag darbieten zu können. Das Ergebnis dieser „Ich-stelle-mir-Unterricht-vor“-Kompetenz habe ich ja in der Bielefelder Ausschusssitzung erlebt…

2 Gedanken zu „Frau Kurtz über Inklusion

  1. Offtopic: Eigentlich kenne ich es ja eher so, dass wir Lehramtsstudenten selbst die Praxisferne des Studiums bemängeln, wir dafür dann aber verbale Haue von der Uni (ob nun Dozenten oder andere Studierende) bekommen, weil man uns Ignoranz und fehlendes Interesse an Studieninhalte vorwirft. 😀 (Ein Prof meinte mal, dann sollten wir halt eine Ausbildung machen, wenn wir keine Lust auf Theorie hätten. …äh ja, genau.)
    /offtopic Ende.

    Zu der Inklusionsgeschichte fällt mir einfach immer noch nichts ein, so sprachlos bin ich. Leider werden die Menschen, die was dazu zu sagen haben und das auch können (!), völlig ignoriert, wie mir scheint. Aber ignorierte man die nicht, würde es halt zu teuer, nech?

    • Das stimmt natürlich auch, dass die Studenten sich darüber beklagen; meine Profs haben uns so etwas allerdings nie Theorieferne vorgeworfen. 😛

      Mich macht meine Fortbildung zur Inklusion viel sprachloser. Aber dazu blogge ich ein anderes Mal. Aber da läuft m. E. auf ganz vielen Ebenen einiges schief.

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