Kritik der Lehrerausbildung

Während hier Kreide noch gefressen wird, heißt es anderswo: „Kreide kotzen“. Flint rechnet nach seinem Abbruch mit der Referendariatsausbildung ab, die – trotz Föderalismus – wohl dieselben Schwächen in allen Bundesländern vorzuweisen hat. Zu viel Theorie in der Uni und dann das Referendariat als letzter Selektionsmechanismus, dessen Selektionskriterien mehr als intransparent sind und Referendare letztlich ihren Fachleitern ausliefert. Ich bewundere Flints kritische, aber immer sachliche Haltung, die auch positive Erfahrungen nicht verschweigt.

In NRW tut sich bezüglich der Lehrerausbildung immerhin etwas. An meiner Schule waren in den letzten Wochen Praktikanten, die ein Orientierungspraktikum absolvieren mussten, was letzlich nichts anderes war, als das gleiche Praktikum, das ich einst an einer Hauptschule absolviert habe. Hospitieren und eventuell eine Stunde halten, mein Praktikant bestand auf fünfzehn Minuten, laut Studienordnung! Das muss er selber wissen, alt genug war er jedenfalls.

In meinem Praktikum hatten wir damals allerdings eine Kollegin, die sowohl an der Uni als auch an besagter Hauptschule arbeitete, sodass sie uns super betreuen konnte – die Dozenten der Praktikanten habe ich an meiner Schule noch nie gesehen. Aber es soll auch ein Eignungspraktikum geben, was immer das bedeuten mag. Ich warte einfach auf die nächsten Praktikanten – irgendwie sitzt eh‘ fast immer jemand hinten drin.

10 Gedanken zu „Kritik der Lehrerausbildung

  1. Eignungspraktikanten hatten wir bei uns schon ein paar. Das sind „frische“ Abiturienten, die ein mehrwöchiges Praktikum an einer Schule machen müssen, BEVOR sie mit dem Studium anfangen. Ist m.E. gar keine so schlechte Idee, allerdings fällt es den Praktikanten verständlicherweise oft schwer, so kurz nach ihrem eigenen Schulabschluss den Rollenwechsel zu vollziehen, v.a. wenn sie dann auch in der Oberstufe „unterrichten“.

    • Vielen Dank für die Info! Zu dem Zeitpunkt ist ein Eignungspraktikum natürlich denkbar schlecht. Hier können vielleicht erste Erfahrungen mit dem Arbeitspensum und zur Belastbarkeit gemacht werden, aber das hängt ja letztlich auch vom Studium ab. Ich hatte gehofft, man macht dieses Praktikum kurz vorm Bachelor, um noch den Notausgang finden zu können, falls was nicht passt.

      • Hi Hokey.

        Ich finde die Einführung des Eignungspraktikums vor tatsächlichem Studienstart schon sehr sinnvoll, um den sog. Praxisschock im Ref. etwas vorzubeugen. Das Bestreben, ein erstes Bild vom Lehrerberuf zu zeichnen, samt angeleiteter Reflexion, regt den Studienwählenden möglicherweise nochmal zum Umdenken an. Einer ‚Studienwahl aus Verlegenheit‘ sowie einem möglichen späteren Studienwechsel wird mithin entgegnet.

        cheers aus Oberbayern
        r

  2. Ich studiere zur Zeit Grundschullehramt in NRW, doch diese Praktika müssten für die anderen Schulformen auch gelten.

    Eignungspraktikum: Wie oben schon gesagt, ein Praktikum was vor dem Studium durchgeführt werden sollte, um das persönliche Interesse für den Beruf des Lehrers feststellen, oder eben auch ablehnen zu können.

    Orientierungspraktikum: Das Praktikum welches das Eignungspraktikum voraussetzt. Hier sollte eine erste Erfahrung in Richtung des Lehrers, z.B. in Form des Unterrichts gemacht werden. Wir mussten für dieses Praktikum ein Begleitseminar besuchen.

    Berufsfeldpraktikum: Ein Praktikum ab dem vierten Semester, in dem es darum geht das größere Feld im Bereich Schule kennenzulernen. So können z.B. Lehrer für das Berufskolleg auch in einem normalen Betrieb ein Praktikum machen. GrundschullehrerInnen könnten hier in einen Kindergarten gehen. Natürlich ist auch wieder die eigene Schulform möglich, um sich sicher sein zu können.

    Praxissemester: Im Master. Sozusagen ein vorgezogenes halbes Jahr aus dem Referendariat. Wesentlich anspruchsvoller und führt immer mehr in die Richtung von eigenverantwortlichem Unterricht.

    • Mit dem Eignungspraktikanten wird eine Zwischen- und eine Abschlussreflektion durchgeführt, in denen versucht wird, sich einem einigermaßen realitätskompatiblem Bild des Lehrerberufes anzunähern. Die Praktikanten führen Reflexionsbögen, diese und die Entscheidung liegen jedoch alleine bei den Praktikanten. Es ist ausdrücklich nicht vorgesehen, dass sie ihre Beweggründe erläutern oder rechtfertigen.
      Am Ende des Eignungspraktikums wird von ELISE eine Bestätigung über das Praktikum ausgedruckt auf dem lediglich Name und Zeitraum stehen, und das der Uni vorgelegt werden muss.

  3. Alle Studienpraktika sind keine Selektionsinstrumente – kein Lehrer entscheidet, ob ein Praktikant für den Beruf geeignet ist oder nicht. Sämtliche Praktika dienen ausschließlich der Selbstreflexion – der Praktikant soll für sich erfahren, ob er sich den Beruf vorstellen kann. Zum Eignungspraktikum gibt es eine Untersuchung von Gabriele Bellenberg, in der diese zu dem Ergebnis kommt, dass die Lehrer eine solche Rolle auch gar nicht möchten und sich selbst in der Form, in der es jetzt gehalten wird (zwei Beratungsgespräche wie im vorherigen Kommentar dargestellt), nicht über ihre Einschätzung der Berufseignung der Praktikanten äußern. Das ist, denke ich, auch gut so. Wenn man mit 18 nach derm Abi aus dem Stand keine geeignete Lehrerpersönlichkeit präsentiert, heißt das ja nicht, dass man keine entwickeln kann.

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