Monoedukation

Beim Lesen von Artikel wie diesem hier über das Thema Geschlechtertrennung im Unterricht wird mir ganz mulmig. Ich habe dann immer das Gefühl, dass unter der Oberfläche unserer sowieso schon deformiert-reformierten Bildungslandschaft ein kalter Kampf um die Koedukation brodelt, und mir böse Mächte bald entweder die Mädchen oder die Jungs aus meinen Klassen rauben möchten. Das fände ich mehr als fatal.

Rückwärts gewandt seien die Vertreter der Monoedukation, so behaupten gerne diejenigen, die den gemischten Unterricht befürworten, aber das trifft nicht den Punkt. Im Gegenteil: So sehen sich die Monoedukanten eher dem Fortschritt verschrieben und führen eben nicht die alten und prüden Begründungen für die Geschlechtertrennung an. Sie gehen utilitaristisch an die Bildung ihrer Kinder heran und wollen den vermeintlich bestmöglichen Nutzen aus diesen herausschlagen, denn die Forderung nach einer Trennung der Geschlechter in den Schulen wird mit einem angeblich größeren Lernerfolg begründet. Schule wird so zur reinen Optimierungsanstalt, zur einer Institution, die das Optimale aus den Kindern herauswirtschaften muss, damit sie in Zukunft bestmögliche Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Nicht fürs Leben, für den Arbeitgeber lernen sie. Immer das Maximum, immer am Limit. Als Preis dafür mit Tunnelblick, mit Scheuklappen für das andere Geschlecht.

Wie schlimm muss die Angst vorm sozialen Abstieg in dieser Gesellschaft sein, wenn sogar die eigenen Kinder dem Paradigma der absoluten Leistungsmaximalität unterworfen und den Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht beraubt werden sollen?

4 Gedanken zu „Monoedukation

  1. Es ist mir relativ egal, was die über Monoeducation / Koeducation geschrieben wird.
    Mitte der 70er Jahre war ich in der 9. Klasse eines Mädchengymnasiums in Niedersachsen und das war auch gut so. Schlimm waren nur die kleinen nervigen Jungs, die man uns aufdrängte, weil die Koedukation per Gesetz beschlossen wurde.
    Es gab zwischen den Gymnasien ein paar nette Traditionen wie der obligatorische Tanzkurs. Mädchen aus der 9., Jungs aus dem 10.Jahrgang.
    Es war eine der größten Katastrophen in meinem Leben, als meine Eltern in die Heide verzogen und ich mit 16 in ein Gymnasium mit Koedukation kam. Jungs, die noch mit Zwille schossen und über Tische und Bänke gingen – in der 10. Klasse. WTF!!!!
    Als Elternvertreterin in mehreren Schulen meiner Jungs habe ich miterlebt, wie derzeit die Mädchen bevorzugt werden.

    • Hallo Petra und danke für deinen Kommentar!
      Ich denke, ‚meine‘ Mädchen wundern sich eben weniger über bestimmte Jungs-Verhaltensweisen, weil sie schon seit zehn Jahren gemeinsam unterrichtet werden. (Als ich in der 10. war, haben wir übrigens nicht mit Zwillen geschossen…)

      Woran machst du die Bevorzugung der Mädchen fest und in welchen Bereichen werden die bevorzugt? Das ist wirklich ein Punkt, der mich einmal interessieren würde, weil das ja an Schule oft beklagt wird.

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