Appetit bekommen

Die letzten Wochen sind wie ein Schleier an mir vorbeigezogen. Im Netz bin ich gar nicht mehr so aktiv, Twitter lese ich vielleicht ein- bis zweimal am Tag, Blogs sehr sporadisch auf dem Mobiltelefon, vor dem Computer sitze ich eigentlich nur noch  zum Arbeiten. Oft ärgere mich über „verpasste“ Blog-Artikel – werde dem heute mit einem neuen Feed-Reader-Konzept entgegenzutreten versuchen, denn nach wie vor sind Blogs für mich die wahren Perlen des Internets, was auf Twitter an mir vorbeirauscht, interessiert mich nicht.

Habe in dieser Zeit viel mit Referendaren und Praktikanten gearbeitet und bin sehr froh über manche neue Impulse. Erst letzte Woche hat eine Referendarin ein einfaches Konzept zur Binnendifferenzierung eingesetzt. Paradoxerweise hatte ich es ihr vorgeschlagen, aber selber noch nicht in dieser einfachen Form eingesetzt: Zur Erschließung eines literarischen Textes haben wir ganz simpel zwei Arbeitsblätter entworfen, eines mit der Schwierigkeitsstufe „normal“ und eines „anspruchsvoll“. Der Effekt war, dass die meisten Schüler sich auf das anspruchsvollere Material stürzten (was so nicht gedacht war), einige aber durchaus und realistischerweise das einfachere Material nahmen. Nichtsdestotrotz war erstaunlich, wie motiviert auch ansonsten weniger fleißige Schüler waren, das anspruchsvolle Material zu bewältigten.

Warum mache ich das eingentlich nicht öfter und warum nicht schon seit einer halben Ewigkeit? Einfach: Ich verbringe meine Nachmittage mit dem Korrigieren von Klassenarbeiten und dem Vorbereiten von Unterricht im Groben (und eher selten im Detail). Das Erstellen von guten binnendifferenzierten Arbeitsaufgaben ist einfach so zeitaufwändig, dass ich immer wieder froh bin, wenn motivierte Referendare dabei sind, die sich Zeit dafür nehmen können und wollen. Gelobe aber Besserung und werde meine Unterrichtsreihen nun insgesamt stärker auf Differenzierung ausrichten. Wie so oft kommt der Appetit beim Essen und man kocht bekanntlich immer besser, je öfter.

2 Gedanken zu „Appetit bekommen

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