Dahinüberlegt: Ein schulinternes „Curriculum“ für Referendare?

Betreue aktuell mal wieder eine Referendarin im ersten Quartal und dabei fällt mir auf, dass es mir immer wieder schwerfällt, „richtig“ mit Referendaren umzugehen. Nicht im zwischenmenschlichen Sinne. Natürlich nehme ich gerne Referendare mit und zeige meinen Unterricht und bin auch immer ganz glücklich, wenn jemand sich entscheidet, eine meiner Lerngruppen übernehmen zu wollen, aber irgendwie…

Ich sitze dann oft hinten in der Klasse und notiere mir Beobachtungen zum Unterricht. Wir reflektieren den Unterricht dann hinterher und ich teile ich den Referendaren dann in einer kurzen Nachbesprechung meinen Eindruck mit. Damit ist das Reflektieren aber nicht vorbei, denn dann kommt es bei mir zur Reflexion der Reflexion: Habe ich überhaupt auf das Richtige geachtet oder mich an Nebensächlichkeiten festgehalten? Bin ich überhaupt kompetent, Rückmeldungen zu geben, die den Referendaren dann bei ihren Unterrichtsbesuchen weiterhelfen? Hätte ich mich an bestimmten Stellen einmischen sollen? Ist es wichtiger, dass der Referendar aus einem Fehler lernt oder geht das zu sehr zu Lasten der Schüler?

Und aktuell überlege ich: Bräuchte man nicht ein Curriculum für Referendare – auch an den Ausbildungsschulen selber? In dem man z.B.  grob festlegt, dass man zunächst die Stundenplanung mit den Referendaren übt und zunächst auf das Erstellen von Reihen verzichtet und auch noch kein Material didaktisieren lässt, weil das ohne Unterrichtserfahrung eben noch sehr schwer ist. Das übt man dann eben im zweiten Quartal, oder dann, wenn das andere sicher läuft… hmm… das sind jetzt nur hingetippte Überlegungen, aber ich habe aktuell das Gefühl, das würde sowohl den Referendaren als auch den Ausbildungslehrern entgegenkommen. Mir würde es aktuell entgegenkommen und ich glaube, ich sollte so etwas wenigstens für mich privat einmal aufstellen.

4 Gedanken zu „Dahinüberlegt: Ein schulinternes „Curriculum“ für Referendare?

  1. Guckst du mal hier, gibts in Bayern – wo die Ausbildung etwas anders geregelt ist.

    http://www.studienseminar.info/dokumente_ungeschuetzt/formulare_vorlagen_merkblaetter/leitfaden_betreuungslehrer.pdf

    Was ich sehr interessant finde, eine sehr tolle Fundgrube, ist das Studienseminar Koblenz für Gymnasien, hier das Seminarprogramm zur Entwicklung:

    http://www.studienseminar-koblenz.de

    Hilft vielleicht. Ansonsten sehe ich meine Aufgabe eher immer darin, der Ruhepol zu sein, alles durch die Brille des „alten Hasen“ zu brechen, viel Freiraum zu lassen (heißt auch, eventuell eher „weniger zu betreuen“). Aber wie gesagt: hier in Bayern läuft die Lehrerausbildung anders.

  2. In Anbetracht der Tatsache, dass in NRW wohl bald die Refs im November eingestellt werden und dann recht zügig (im Februar) BdU haben, finde ich gerade die Reihenplanung ziemlich wichtig und zwar direkt zu Beginn. Dieses „wir planen mal einzelne Stunden“ sollte man bereits in Praktika usw. geübt haben. Grundsätzlich sollten nach meiner Erfahrung (bin nun im dritten Quartal) zunächst die Stunden nach einem einfachen Strickmuster geplant werden, also erstmal die Einübung der Phasierung und dort dann gerade an den Übergängen auch auf Feinheiten achten. Danach dann das methodische Repertoire schrittweise erhöhen und alternative Wege aufzeigen bzw. besprechen. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass es eigtl. 2 Typen von Referendaren gibt: selbstsichere die dann häufig vermeidbare Fehler machen, weil sie sich selbst überschätzen oder halt unsichere. Beiden Typen hilft die zunächst starre Planung und Durchführung, da so grundlegende Elemente eingeübt werden können.

    Ich bin auch Befürworter der frühen Reihenplanung, da ansonsten schnell unklar ist „Wo soll das hinführen?“ und dadurch nimmt man sich häufig Chancen. Zudem wird die Reihenplanung bereits im ersten UB gefordert, wieso also sollte man die nicht direkt von Anfang an üben? Im zweiten Quartal stehen dann schnell erste Klausuren an und ohne eingeübte Reihenplanung wird die Vorbereitung auf die Klausur für viele Referendare und SuS zur Qual.
    Ich kann allerdings nur aus eigener Erfahrung (musste direkt Reihen planen) bzw. aus Erfahrungen anderer Referendare (ohne Reihenplanung) berichten und da wurde in meinem Hauptseminar stets betont wie wichtig die Reihenplanungen seien, da dadurch die konkrete Stundenplanung einfacher wird.

  3. Gibt’s auch in SH.
    Hier zweidrei Beispiele:
    http://www.hermann-tast-schule.lernnetz.de/index.php/ausbildungskonzept.html
    http://www.schulzentrum-leezen.de/Ausbildungskonzept.ausbildungskonzeptfrlehrkrft.0.html
    http://www.lms-sh.de/index.php?id=43

    Verortet ist es in Ausbildungsordnung. Empfehlungen für Ausbildungslehrkräfte gibt es hier:
    http://www.schleswig-holstein.de/cae/servlet/contentblob/906992/publicationFile/HandreichungAusbildungslehrkraefte.pdf

    ich find, es ist sinnvoll, dass sich die ausbildenden Lehrer (hach,früher sagten wir noch „Mentoren“) auf einen gemeinsamen Standard, ein Curriculum einigen. ja, und: schriftlich festhalten.

  4. Hui, erst einmal Danke für die vielen Hinweise und Entschuldigung für die späte Antwort, aber ich hatte gestern noch einen netten Nachmittagstermin (auch „Konferenz“ genannt).

    Ich habe mir jetzt noch nichts von all dem angeschaut, werde aber gleich mal in Ruhe einen Blick hineinwerfen und mir meine Gedanken machen.

    @Joachim Stritz
    Eben bei der Reihenplanung finde ich, fehlt einem als Referendar doch noch der Überblick über das, was da auf einen zurollen kann, wenn man sich verplant oder überambitioniert herangeht. Ich würde dafür plädieren, klein anzufangen und bei einem etwas realistischeren Überblick über die Verwendung von Material, Stundenverläufe und Vorbereitungszeit zur Reihenplanung überzugehen. Sonst versuchen Referendare, all die tollen(!) Ideen sofort umzusetzen, was dann letztlich oft scheitern muss, weil vieles eben doch sehr komplex ist und man oft alleine mit den Stunden schon genug zu tun hat. Ungeplant geht es natürlich auch nicht. Ich würde stattdessen das nächste Mal dem Referendar eine Reihe grob vorgeben (ganz fies deduktiv), sie mit ihm besprechen (evtl. ändern) und dann im Weiteren die Sache etwas öffnen.

    (Und wie unsinnig der frühe BdU ist, darüber sollten wir lieber nicht diskutieren! Dann spucke ich hier gleich galligste Galle und das wäre nicht sehr lehrerlike… :evil:)

    Das soll jetzt nicht heißen, dass ich deine Idee völlig ablehne, ich erlebe es nur anders. Was die Stundenplanung angeht („einfach stricken“, Phasenorientierung) da stimme ich dir sowieso zu.

    @Timo
    Ein Mentor, der dauerhaft zugewiesen ist, wäre bestimmt nicht die schlechteste Idee. Bei uns suchen sich die Referendare ja immer wieder neue Ausbildungslehrer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.