Das papiergefüllte Büro…

…hat manchmal eben doch Vorteile und ist zumindest bis zur flächendeckenden Einführung von Laptopipadsalleskönnergeräten umweltschonender als das papierlose. Einfach in einen Ordner greifen und die schon verwendete Kopiervorlage herausziehen geht einfach schneller und spart neben Strom auch Tinte und Zeit. Ich drucke mir in letzter Zeit auch häufig E-Mails aus. Muss beim Tippen gerade an den aktuellen Artikel bei Lernen heute über „digital natives“ und „digital immigrants“ denken, gibt es eigentlich auch „digital emigrants“ und „digital exiled persons“?

Emigration. Ist leider keine Alternative. Beobachte zur Zeit die das Aggressive sanguinisch verpackenden Horden im manchen Netzwerken und sympathisiere immer mehr mit Schirrmacher, dessen Thesen durchaus nicht so dumm und von Ahnungslosigkeit gebeutelt sind, wie von manchen behauptet wird. Ich fühle mich nicht gut in gewisser Gesellschaft, der Bauch entscheidet: bald endgültiger Rückzug aus der Enge des Netzes. Auch aus der Dauerkontrolle, dem Ewigaufpassenmüssen, der impliziten Ersatzzensur. Ausbruch aus dem dauernden Eingekesseltsein von „Freunden“. Die Nase ist voll vom Pflegen eines digitalen Vorgartens, dessen Rasen immer kurz geschnitten, gebürstet und nach neuester Mode mit massentauglicher Föhnfrisur ausgestattet sein muss; dem Nachkriechen in neue Netzwerke,  dem Hinterherhecheln nach digitalen Trends.

Hier im Blog werde ich bleiben, wer mich sucht, wird mich hier finden. Ansonsten werde ich jetzt partiell digitalen Selbstmord begehen und mich aus den Bildungsnetzwerken weitgehend zurückziehen.

5 Gedanken zu „Das papiergefüllte Büro…

  1. Davon, dass Papierausdrucke umweltschonender seien als Onlinedokumente, konnte mich bisher nicht keiner so recht überzeugen. Ist das belegbar mit allen Globalisierungseffekten der Papierproduktion, -transport und -aufbereitung?

    Ich selber habe vor, ab nächster Woche eine Testphase zu beginnen: „papierfreie Schultasche“, da ich zunehmend den Eindruck gewinne, dass die Papiervariante keine nennenswerten Vorteile mehr beinhaltet – oder anders: Alleinstellungsmerkmale.

    Mein MacBook wacht beim Aufklappen schneller auf, als ich aufstehen und zum Regal gehen kann. Mein Finder findet spezifische Dokumente schneller als ich einen Ordner herausnehmen und durchblättern kann, mein Taggingsystem zeigt mir schneller ähnliche Dokumente als jedes noch so gute Ablagesystem über mehrere Ordner, Fächer, Klassenstufen.

    Problematisch wird es in meinen Augen, wenn man neben dem papiernen auch noch ein digitales Ordnungssystem aufzieht. Wenn man sich jedoch für eins entscheidet ist der Aufwand des Aufbaus und der Strukturierung ungefähr gleich groß, die Mehrwerte des Digitalen aber größer.

    So jedenfalls mein persönlicher Eindruck, den ich ab nächster Woche im Selbstversuch auf die (ja: ausgangsoffene) Probe stellen möchte

  2. Die verpflichtenden Netzwerke sind meist auch ziemlich nebensächlich finde ich. Der Vorteil des Netzes sollte doch die Freiheit sein, einfach mal etwas Neues ansehen können. Das mögen andere, die total verrückt nach Social Networks sind, anders sehen, ich jedoch klicke ganz gerne auf Links, die mich wieder in vollkommen andere Gefilde führen. Kürzlich bin ich bei Recherchen über Nordkorea auf einen Artikel gestoßen, der nur die positiven Seiten Nordkoreas ansprach. Ich bin mir allerdings nichtmal sicher, inwieweit der glaubhaft ist, denn er geht weit über die üblichen Propaganda-Touren hinaus, die man anscheinend (hört man ja auch nur aus Sekundärquellen) sonst von seinem Tour-Leiter gezeigt kriegt.

    Wobei ich bei dir nicht weiß, ob du jetzt wirklich nur gegen die ganzen mehr oder weniger sinnlosen Trends wetterst oder gegen das Netz allgemein. Natürlich ist das Internet, wie es die „natives“ heute benutzen (wobei ich eigentlich auch schon ein „native“ bin), nicht mehr richtig Internet, sondern einfach nur Subweb im Web. Vielleicht sehe ich das aber auch nur so, weil ich Teil ich mich zwischen einem Umfeld aus Schöngeistern und kritischen Nerds befinde, bei denen gerne gegen den Strom geschwommen wird.

  3. Das finde ich gut, warte gespannt auf deinen Bericht und stimme dir im Wesentlichen zu. Allerdings habe ich nicht ohne Hintergedanken von der flächendeckenden Einführung technischer Alleskönner geschrieben, da es meinen Schülern aktuell noch wenig nützt, wenn ich ihnen Klausuren oder Arbeitsblätter digital zukommen lasse: Die Infrastruktur meiner Schule basiert (zumindest für ein paar Jahre noch) fundamental auf Heft, Bücher, Ordner und Papier. Und ganz ehrlich: Auf unseren Schuldrucker ist noch weniger Verlass als auf die Kopierer.

    Dass die Tendenz zum papierlosen Büro wünschenswert ist, stütze ich aber ausdrücklich!

  4. Da „scheppler“ seinen Kommentar abgeschickt hat, als ich noch am Tippen war, hier ein Zusatz: „Problematisch wird es in meinen Augen, wenn man neben dem papiernen auch noch ein digitales Ordnungssystem aufzieht.“

    Das würde zumindest ein Stück weit zu einem Vortrag namens „getting things done“ passen, den ich einmal gehört habe. Dort hieß es auch, ein Notizsystem für zu erledigende Aufgaben schafft einem erst einen freien Kopf, wenn man sich vollkommen darauf verlassen kann, dass dort auch wirklich jede Aufgabe eingetragen ist und man nicht mehr an die ein oder andere doch noch denken muss.

    Das ist nun eine etwas entfernte Analogie, aber ich finde sie dennoch zutreffend.

  5. Meine Lieblingshandlung auf Papier ist Aufgaben zu planen (das Ergebnis der Planung aber als sauberen Ausdruck vom PC), und wenn diese erledigt sind, das Planpapierstück zusammenzuknüllen und in die Ablage rund zu befördern. Überhaupt ist das Erledigen von Aufgaben auf Papier m.E. viel wirkungsvoller, weil nicht nur mit der Maus ein paar Dateien in den virtuellen Mülleimer befördert werden, sondern ein ganzer Berg an Papier mit großer körperlicher Energie vom Schreibtisch in die Schultasche wandert und von dort aus zum Schüler (besonderes Gewicht liegt auf der Rückgabe von Klassenarbeiten).

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