Eine killermäßige Beobachtung

Trotz klassenarbeitstypischen Zeitdrucks bringen Schüler in Sekundenschnelle Dinge aufs Papier, die ihnen plötzlich nicht mehr behagen. Sie greifen dann zum Tintenkiller und killern in zweiminütiger Fleißarbeit den letzten Rest verräterischer Tinte vom Blatt, um darauf mit dem Anti-Tintenkiller wiederum etwas halb Verwischtes darüberzuschbreiben. Ich raufe mir jedes Mal innerlich die Haare! Was für ein Zeitverlust! Meine Oberstüfler weise ich immer darauf hin, dass sie durchstreichen sollen, statt zu killern. Trotzdem höre ich in einer Klausur mindestens alle fünf Minuten einmal das verräterische Killerkratzen. Warum nur? Was reitet diese Zeitverschwender?

17 Gedanken zu „Eine killermäßige Beobachtung

  1. Also ich habe nie einen Tintenkiller verwendet. Den haben mir meine Eltern immer verboten. Meine Mutter war halt Buchhalterin und sie hat mir schon früh eingebläut, dass Durchgestrichenes immer sauberer (sofern man ein Lineal benutzt) aussieht.
    Schöner Nebeneffekt: Wenn man etwas in einer Klausur etwas durchgestrichen hat, was im Endefeffekt die richtige Lösung war, dann kann der Lehrer diese richtige Lösung noch erkennen und evtl. dafür noch Punkte geben. Bei Weggekillertem klappt das nicht …

  2. Wenn man überwiegend am Rechner schreibt, ist das doch ganz natürlich. Ich finde es auch schon merkwürdig per Hand zu schreiben. Es ist schwierig geschriebene Sätze umzustellen, ständig diese Sternchen für Ergänzungen, die Rechtschreibprüfung fehlt und Löschen geht wirklich nicht. Das ist doch auch für Lehrer unpraktisch…

  3. zu3: Naja, böse gesagt: Man muss schon vorher über das nachdenken, was man schreibt. Und dann gleich nochmal denken, wie die deutsche Sprache nochmal genau funktionierte…Unpraktisch? Zu schwer? 😉

    Ich fand die „Killer“ zu Schulzeiten eher unpraktisch, weil nach ein paar Tagen/Wochen die chemische Suppe gelblich wurde und somit jedes Blatt hässlich aussieht. Natürlich nicht in der Sekunde der Nutzung, aber mittel- und langfristig gedacht.

  4. Verwenden bei euch so viele Schüler noch Tinte? Ich schreibe schon lange mit Kugelschreiber, auch wenn manche Lehrer es nicht mögen, und ich glaube, dass einige meiner Kursbegleiter das ebenfalls machen.

    Nur Durchstreichen mit Lineal ist mir ebenfalls zu zeitaufwändig. Da kommen einfach so ein paar Linien drüber und gut ist 😀

  5. @Stefan: Ich liebe es mit Tinte zu schreiben. Mach das im Büro und zu Haus auch immer noch. Es geht nichts über einen schönen Füller.
    Ich hab eine Weile auch immer gekillert, bis mir das zu eklig war. Vielleicht um die „dumme Idee“ voll und ganz zu vernichten und das vermeidlich Bessere drüber zu schreiben. Eigentlich schade, dass man in PC Zeiten immer so drauf los tippt und sich nicht mehr vorher richtig Gedanken über das Geschriebene machen muss. 🙂

  6. Ehrlich gsacht, kann ich die killernde Schüler sehr gut verstehen: Sie wollen Fehler korrigieren und Ästhetik bewahren. Und wir sollten sie in diesen Bedürfnissen besser unterstützen. Ihre Bedürfnisse gleichen den unsirigen weit mehr, als wir gemeinhin annehmen. Sie haben bloß die denkbar schlechtesten Instrumente dafür, sie umzusetzen, und darum erkennen wir sie so schlecht. Wieso müssen die armen Schüler immer noch mit der Hand schreiben, die Armen? – Ich „killere“ ständig, bloß davon kriegt keiner was mit, weil ich es digital machen darf. Und das Durchstreichen hat in Blogzeiten inzwischen auch ein ganz andere Bedeutung bekommen: nämlich, dass man etwas sagen möchte, was sich nicht gehört, das schreibt man dann trotzdem und streicht es durch und tut dabei so, als wäre es einem bloß unkontrolliert rausgerutscht und man hätte es gerade so eben noch wieder eingefangen.
    Es wird Zeit, dass die Netbook-Klasse die Normalklasse wird.

  7. Ob gekillert, durchgestrichen oder sonstwie eleminiert. Hauptsache ist doch,dass eindeutig klar ist, was nun als Geschriebenes gilt und was nicht. Ich meine, der Leser muss es einfach verstehen können.

  8. Ich schreibe wirklich verflixt wenig mit der Hand, was mir im wahrsten Sinne des Worte schmerzhaft klar wurde, als ich meine Examensklausuren schreiben musste. Aua. Krampf.

    Der ästhetische Aspekt ist mir bei Klausuren so lange piepegal, wie ich die Texte lesen kann. Und die Schüler sollen ja auch von mir aus killern, bis die Klausur vollkommen unsichtbar ist; es geht mir ja nur darum, dass man durch das Killern oft mehr Zeit verbraucht, als man fürs einfache Schreiben der zu killernden Zeilen benötigt hat.

    Ich habe natürlich damals auch gekillert auf Deubel komm‘ raus, aber das hatte weniger ästhetische Gründe, als vielmehr mit dem von Flint genannten Initiations-Aspekt zu tun. 😉

  9. Ich habe schon ziemlich früh Misstrauen gehegt. Wenn ICH als Schüler Texte „wegkillern“ kann, dann kann das ein Lehrer auch und so eine gute Arbeit in eine schlechte verwandeln! Man schreibt ja auch keine Arbeit mit Bleistift!
    Jo, so eine Paranoia habe ich schon früh geschoben und daher nur mit dokumentenechter Tinte (schwarz oder braun) geschrieben. Das hat sich bis heute gehalten, nur dass noch rot hinzukam 😉

  10. Handschrift? Eine schwindende Kulturfähigkeit. Ist wohl tatsächlich nicht mehr so wichtig und geht in die Richtung künstlerischer Ausdruck, was ein Mensch ja auch irgendwie haben sollte. Muss aber nicht Schönschrift sein.
    Vorher überlegen, was man schreibt? Wichtig. Auch beim Schreiben mit dem Textverarbeitungsprogramm. Dabei stört Killern tatsächlich. Aus „mache wenig Fehler“ wird „verbirg deine Fehler“. Was ist so schlimm an Fehlern, dass man so tun muss, als hätte man nie welche gemacht?

    Übrigens gibt’s jetzt schon killerbare Kugelschreiber. Muss man als Lehrer wissen. Ich habe dieses Jahr schon zwei Tests zu sehen gekriegt, die nach der Herausgabe von den jeweiligen Schülern manipuliert worden waren. (Beides Unterstufe, keine Schüler von mir.) Ist sicher eine Ausnahme, gibt’s aber.

  11. „Ich habe dieses Jahr schon zwei Tests zu sehen gekriegt, die nach der Herausgabe von den jeweiligen Schülern manipuliert worden waren. (Beides Unterstufe, keine Schüler von mir.) Ist sicher eine Ausnahme, gibt’s aber.“

    Aber keine so seltene Ausnahme, als dass dieses Phänomen in meinem Schulrechtsbuch nicht Erwähnung finden würde. Der Autor schlägt vor, die Tests herauszugeben und die SuS diese durchsehen zu lassen (hier und jetzt). Spätere Reklamationen werden nicht mehr berücksichtigt.

  12. Auch auf die Gefahr hin, dass jetzt ein Aufschrei des Protests hier losgeht: Ich finde die Korrektur von Klassenarbeiten immer eine der schlimmsten Tätigkeiten meines Lehrerdaseins ( das ich ansonsten sehr liebe!) und seitdem ich die KAs umgestellt habe auf digitale Formen und Bearbeitung direkt am Rechner unter Zuhilfenahme auch der Online Hilfen ( warum nicht, das ist real life- das haben sie später auch, wenn sie nicht in der Schule sind!)- ist das Korrigieren viel angenehmer. Ich muss nicht irgendwelche auf mehrere Blätter verteilten Antworten und Lösungen zusammensuchen, muss mich nicht durch die nicht unbedingt kalligraphischen Handschriften der Schüler arbeiten und kann zudem sogar – wenn ich das denn will- in Word mit der Kommentarfunktion arbeiten. Es ist zwar gewöhnungsbedürftig, ganz ohne Ausdrucke auszukommen- aber wenn ein Schüler das dann schwarz auf weiss haben will, kann er es ja immer noch ausdrucken. Es stimmt, das bedingt natürlcih, dass alle Zugang zu Rechnern haben und da gibts an unseren Schulen zur Zeit noch viel Nachholbedarf.
    Für die Schüler ist das eine Erleichterung, weil sie die Hilfsmittel wir Wörterbuch und Rechtschreibprüfung immer zur Hand haben und vor allem erst mal beherzt drauflos schreiben können.
    Hand aufs Herz: Wer von uns verfasst denn seine Berichte erst mal auf dem Papier???

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