Ein bescheidenes Poesiealbum

Da liegt es nun hier mitten auf meinem Schreibtisch vor der Tastatur und wartet darauf, dass ich etwas hineinschreibe. Es ist ganz klein, DinA-6, und sein Umschlag aus Pappe ist in den Regenbogenfarben gehalten. Es besteht einfach aus weißen, linierten Seiten, und verzichtet auf besonderen Poesiealbentand wie Schnörkelverzierungen oder gar Vorgaben, was man an welche Stelle hinschreiben darf. Es liegt hier nicht zufällig, eine junge Dame aus meiner Fünften hat es mir nach der Stunde mitgegeben und wartet nun gespannt darauf, dass eine weitere Seite gefüllt wird. Von mir. Und das macht mich ein kleines bisschen stolz, obwohl Poesiealben doch eigentlich schon fast zum Schulalltag gehören. Was ist so besonders an diesem bescheidenen Poesiealbum?

Blättert man die erste Seite um, so sieht man, dass ein jemand seinen Namen hineingeschrieben hat, der offensichtlich gerade erst schreiben gelernt hat. Und damit meine ich nicht: In der Schule schreiben gelernt hat, denn der zweite Eintrag datiert auf einen späten Monat im Jahr 2001. Dieses Poesiealbum ist also das einer Poesiealbumfrühstarterin. Viele Leute haben da hineingeschrieben über all die Jahre, doch noch lange nicht jeder: Nur engste Familienangehörige, beste Freundinnen und Freunde und auch Lehrer. Von denen aber nur ganz wenige: Der Grundschullehrer (mit traumhafter Schrift!), die Klavierlehrerin und der jetzige Klassenlehrer. Und nun ich, obwohl ich doch gerade erst als Lehrer eingestiegen bin. Und dass ich das jetzt schon darf, das macht mich ein kleines bisschen stolz.

So. Jetzt muss ich mir die Vorschusslorbeeren nur noch realiter erarbeiten und vor allem etwas Besonderes hineinschreiben. In das bescheidene Poesiealbum.

4 Gedanken zu „Ein bescheidenes Poesiealbum

  1. Hachja, wenn ich da an ein paar alte Lehrer von mir zurückdenke. Es wäre schon schön, eine Erinnerung an meinen letztjährigen Lateinlehrer zu haben. Wenn man ihn nicht kennt, hat man eher Angst vor ihm, aber nach einiger Zeit Unterricht bei ihm wird er absolut genial und erzählt in humoristischer Weise von seinen Reisen. Und trotzdem hat er uns so gut unterrichtet, dass alle bis auf einen das Latinum bestanden haben.

    Ich erinnere mich noch wie ich ein Jahr zuvor zu ihm aufgeblickt habe. Ich hatte eine ganz einfache Geschichte auf Latein verfasst und mein damaliger Lehrer gab sie auch dem oben angesprochenen Lateinlehrer zur Korrektur mit. Das war für mich eine große Ehre…

  2. Ist ein großes Kompliment, in so ein ehrwürdiges Album reinschreiben zu dürfen. Meine Fünftklässler bringenganz selten einmal welche mit, und ich versuche dann auch immer, etwas Nettes zu hinterlassen.

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