Ein schwarzes Wort

Wie schlimm sich manches anhört, wenn man ein „Pädagogik“ dranhängt. Fiel mir letztens auf, als eine Referendarin mich der „Tafelpädagogik“ bezichtigte, weil ich offenbarte, dass ich Tafeln optisch ansprechender fände als Folien. „Furchtbar, diese Tafelpädagogik!“, war ihr Kommentar, während ich erschrocken zusammenzuckte. Die Tafel gewann durch die Pädagogik gleich einiges an Düsternis.

12 Gedanken zu „Ein schwarzes Wort

  1. Stuhlkreispädagogik, Gesprächspädagogik, Praxispädagogik, Problempädagogik, Aufgabenpädagogik, Türklinkenpädagogik, Filmpädagogik, Gruppenpädagogik, Förderpädagogik, Medienpädagogik, Folienpädagogik, Beamerpädagogik, etc., etc.

    Ich glaube es ist eher das Zusammenspiel zwischen zwei Wörtern, welches die negative Assoziation erzeugt:

    Tafel (= alt und verstaubt) plus Pädagogik (= relativ neutral) macht Tafelpädagogik = alte und verstaubte Pädagogik. Vergleiche dagegen: Medien (= neu und modern) plus Pädagogik macht Medienpädagogik = neue und moderne Pädagogik. Das man Medien auch mit Hilfe der Tafel besprechen kann und das die Tafel eigentlich ein Medium ist, lasse ich mal beiseite.

    Oder Stuhlkreispädagogik: Stuhlkreis (= sozialpädagogische Lieblingssitzordnung) plus Pädagogik = Art des Unterrichts, der viel auf gefühlsbetonte Gesprächsduselei setzt und nicht zu den Fakten kommt.

    Fördern (= gut und individuell) plus Pädagogik = den einzelnen Schüler in den Blick nehmender und unterstützender Unterricht.

  2. „Ich glaube es ist eher das Zusammenspiel zwischen zwei Wörtern, welches die negative Assoziation erzeugt:“

    Ich revidiere: Es sind die Bedeutungsassoziationen zum ersten Wort, die das Wort Pädagogik in dem jeweils speziellen Fall disqualifizieren oder aufwerten.

  3. Hihihi… Ja, die berüchtigte „Tafelpädagogik“; muss UNBEDINGT abgestellt werden – das ist, soweit ich weiß, der dernier cri auf Laufstegen der Didaktikmodenschauen. 🙂

  4. @Nele
    Ja, da magst Du recht haben. Ich habe erst kürzlich einen Artikel über eine Schule gelesen, die innovativen Unterricht dadurch realisiert hat, dass sie die Tafeln abmontiert hat. Ob *das* wirklich *der* Punkt ist, mit dem man den Unterricht entscheidend verbessert… wo doch gerade diese neuen Whiteboards so en vogue sind…

    @Christian
    Dazu bedarf es aber des Zusammenspiels zwischen beidem, finde ich. Die Tafel an sich konnotierte ich neutral, bis man sie mir als Kompositum mit „Pädagogik“ an den Kopf warf. Erst dadurch, dass sie mit der Pädagogik kombiniert wurde, gewann sie an pädagogischer Monströsigkeit. Vorher war sie weder alt noch staubig.

  5. „Vorher war sie weder alt noch staubig.“

    Was habt ihr für Tafeln, die nicht stauben? Hätten wir solche, dann könnte ich auch mal einen schwarzen Pulli anziehen, der ist sonst ein Magnet für Kreide, und vor allem sieht man sie darauf auch besonders gut.

  6. Ich mag vielleicht „TafelpädagogiK“ aber ich mag keine Kreidewandtafeln. So viel Schmutz! So schwierig zu beschreiben!

    Ich will ein Whiteboard und Filzstifte. Jawoll. Da könnte man übrigens auch wunderbar Overhead-Projektionen mit Schüleraufschriften verbinden….

  7. Ich habe mit den echten Whiteboards keine rechte Erfahrung als Lehrer – aber irgendwie habe ich die Dinger immer ein wenig schmierig in Erinnerung… dann lieber die elektronischen Boards, auf denen man die Tafelbilder gleich wegspeichern kann. Dann muss man sich auch nicht immer ärgern, wenn man gerade keine Knipse zur Hand hat (weil man das Handy nicht in den Unterricht mitnimmt z.B. …)

  8. Es gibt für den Unterricht nicht leicht etwas besseres als die TAFEL!

    Sie ist
    billig
    robust
    umweltfreundlich
    einfach zu bedienen
    millionenmal benutzbar

    Tafelanschriebe sind
    flexibel
    spontan
    revidierbar
    nachvollziehbar

    Natürlich braucht ein Tafelanschrieb etwas Zeit. Aber daran sollten wir nicht sparen, wir haben eh zu wenig davon, weil alles so schnell gehen muss.

    Natürlich ist der Platz begrenzt. Aber das zwingt zur Konzentration auf das Wesentliche.

    Natürlich staubt Kreide. Aber das geht aus den Klamotten leicht wieder raus. Und die Produktion von Folien, Textmarkern und Bildschirmen macht ganz viel Müll – den sehen wir zwar nicht, aber dadurch wird es nicht besser.

    Natürlich ist das, was auf der Tafel steht, Handschrift. Aber wenn die unleserlich ist, wird’s auf dem Whiteboard auch nicht zu lesen sein. Und alles, was schon vorher mittels aufwendiger Programme vorbereitet wurde und auf Knopfdruck erscheint, ist auch nichts anderes als die Bücher, die viele Kinder ohnehin nicht durchschauen.

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