Beleidigte Eltern

Ja. Stimmt. Ich geb’s ja zu. Es war keine gute Idee, das Schwoiser-Bild „Heinrich vor Canossa“ in meiner Ausbildungs-Sieben (bei der ich eine grauenhafte Kurzreihe zum Thema Herrschaft im Mittelalter gemacht habe…) nur schwarz-weiß auf Folie zu ziehen, da mir der gestrige Trick noch nicht in den Sinn gekommen war. Ich hab’s aber trotzdem eingesetzt.

Tags drauf liegt eine perfekte Farbfolie nebst zweier dicker Canossa-Schinken von der letztjährigen Ausstellung auf dem Lehrerpult. Dahinter J., dessen Eltern offensichtlich historisch interessiert sind. Also flugs einen OHP organisiert, die diesmal farbige Folie aufgelegt und das Bild unter Berücksichtigung der Farbgebung analysiert. Am Ende der Stunde ein Dankeschön an J., der die Folie auf keinen Fall wiederhaben möchte. Dafür bekommt er fünfzig Cent – so eine Folie kostet, das weiß der Referendar, der schon einschlägige Erfahrungen im lokalen Einzelhandel gemacht hat.

Eine Woche später, der Ausbildungsunterricht in der Sieben ist vorbei. Die Ausbildungslehrerin drückt mir in der großen Pause fünfzig Cent in die Hand. J.s Mutter sei, laut J., zutiefst empört gewesen und würde auf keinen Fall die fünfzig Cent zurückhaben wollen! Gut, denke ich mir, immer noch besser, als der Ausbeuterei bezichtigt zu werden.

Man merkt: J. ist sehr gut erzogen. Meinereins hätte die fünfzig Cent im gleichen Alter womöglich am Büdchen vor der Schule verjubelt… (für Lakritzbrezel… mhmm…)

2 Gedanken zu „Beleidigte Eltern

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