Praktikanten an Bord

Habe heute einen Praktikanten mit zu meinen Sechsern genommen, das Schlimmste befürchtet, was aber ausblieb. Nur auf den Torschrei war ich nicht so recht vorbereitet. War vielleicht eine doofe Idee, einen Mitschnitt der Radioübertragung des „Wunders von Bern“ als Beispiel für eine Audioquelle vorzuspielen. Die sich darauf ankündigenden Schlachtengesänge konnte ich – Gott sei dank – unterbinden. 😉

Es ist zwar immer noch sehr anstrengend in dieser Klasse, aber ich habe das Gefühl, es wird langsam. Einige Schüler haben Vorkenntnisse, mit denen ich niemals gerechnet hätte. So war ein junger Herr tatsächlich spontan(!) in der Lage, die Herkunft meiner Eine-Milliarde-Reichsbanknote (Sachquelle) zu erläutern. Ich hätte ehrlich gesagt nicht erwartet, dass jemand in dem Alter das Wort „Inflation“ anwenden und in seiner Grundbedeutung erklären kann. Hut ab!

Eine Schülerin entdeckte tatsächlich selbstständig (war im Plan gar nicht vorgesehen) den Unterschied zwischen Überrest- und Traditionsquellen. Da ist mir dann das zweite Mal die Spucke weggeblieben. Da sind einige ganz schwer auf Zack. Wenn es denn nur nicht immer den Kampf gegen die Lautstärke gäbe.

Der Praktikant möchte übrigens das nächste Mal wieder mitkommen. Fein.

3 Gedanken zu „Praktikanten an Bord

  1. Das ist doch Bedarfsdeckender Selbständiger Unterricht, oder?
    Vielleicht wäre jetzt eine erfahrende Kollegin oder ein Kollege in der Lage, Hinweise zu geben, woran das mit dem Lärm liegt. –
    Aber scheinbar braucht man schon in der Ausbildung keine professionelle Rückmeldung; später dann sowie so nicht. Ist ja auch alles viel zu teuer.

  2. Ich habe mich tatsächlich mit erfahrenen Kollegen ausgetauscht und deren Hinweis, dass die Stundenerhöhung durch das G8 und die Doppelstunde freitags in der sechsten und siebten Stunde einem produktiven Arbeitsklima entgegenwirkten, konnte ich nachvollziehen. Man riet mir entweder zu mehr Stillarbeitsphasen, Projektarbeit und/oder Entzerrung der Klasse durch Aufteilung auf verschiedene Räume, was in der siebten Stunde durchaus möglich wäre.

    Und daran arbeite ich gerade, aber ich kann leider nicht alles gleichzeitig ausprobieren und schon gar nichts übers Knie brechen. Dafür bin ich sehr gespannt, wie sich der Unterricht entwickelt; in dieser Klasse werde ich vielleicht mehr über Unterrichtsprozesse lernen als in anderen.

    Ansonsten bin ich auch an dieser Stelle immer für professionelle Rückmeldung dankbar, sofern diese nicht in ihrem Nutzwert durch unnötige Ironie herabgewertet wird.

  3. Hut ab für Deinen Unterricht, in dem es möglich ist, dass Schüler ihr Wissen einbringen können und dafür auch Anerkennung bekommen – das ist durchaus nicht die Normalsituation!
    Was den Lärm angeht, so ist er nicht nur für Dich sondern auch für die Schüler nicht angenehm. Was macht Lärm? Schreien die Schüler ihre Gedanken zum Unterrichtsgegenstand durchs Klassenzimmer?
    Wenn es das ist, dann geht es darum, dass die Schüler alle zu Wort kommen wollen und müssen – was ja im sog. „fragend-entwickelnden“ Unterricht nicht möglich ist. Dann fände ich auch selbständige Einzel-, Gruppenarbeit, möglichst projektartig günstig, weil dann die Schüler
    ihr Interesse am Gegenstand besser bearbeiten können. Wenn sie dann ihre Arbeitsergebnisse im Plenum vor der Klasse vortragen, dann wird es schon leiser sein.
    Oder unterhalten sie sich lautstark über ganz andere Sachen? Dann sind sie – zumal Freitag 6./7. – einfach erschöpft, und nicht mehr in der Lage, zuzuhören, wenn vorne einer die ganze Zeit zur Klasse spricht und nur immer mal wieder einzelne aufruft. Sie können dann tatsächlich nur noch was für sich alleine tun oder in einer kleinen Gruppe etwas bearbeiten, was ihnen wichtig ist. Projektartiges Arbeiten zum Thema. Gut im Computerraum. Das gibt auf jedenfall keinen Lärm!
    Und fehl geht man nie, wenn man mit den Schülern darüber redet, daß man ein Problem mit dem Lärm hat, und sie fragt, wie sie den Lärm selbst empfinden und welche Vorschläge sie haben, um den abzustellen. Man wundert sich dann vielleicht, daß Schüler nicht nur etwas Ausgebufftes wissen, was sie nicht aus dem Unterricht haben, sondern auch darüber, welche alternativen Arbeitsmethoden sie kennen (z.B. aus ihrer Grundschulerfahrung).
    Ich würde sie ja einfach mal Dein Posting hier lesen lassen und sie bitten, darauf zu kommentieren! Kennen Deine Schüler denn Dein Weblog?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.