Junge, Junge…

Ich stolpere oft in letzter Zeit. Am häufigsten über Artikel wie diesen hier in der ZEIT, der sich mit der „Jungenproblematik“ an deutschen Schulen auseinandersetzt. Immer fühle ich mich dann aufgefordert, etwas dazu zu sagen, zu bloggen, dagegen anzuschreiben, zu leugnen und kann es nicht. Sei es aus Unvermögen, Unerfahrenheit und der Komplexität des Themas, es geht einfach nicht, da will nichts kommen. Aber bin ich nicht selber Junge? Muss ich nicht irgendeine Antwort finden? Oder wenigstens suchen? Als angehender Lehrer?

Und ich erinnere mich an den drahtigen, strohblonden Mann von heute morgen. Der saß mit seiner Mittelstufenklasse in meiner Stadtbahn, gesittet die Mädchen in den Vierer-Sitzen plaudernd um sich herum gruppiert, während die Jungs etwa sieben Meter weiter „Piepmatz“ spielten. „Piepmatz“ bedeutet, dass zwei Jungs sich gegenüberstehen, wie Ringer an den Händen fassen und versuchen, den anderen durch fiese Verrenkungen dazu zu bewegen, „Piepmatz“ zu sagen, was einer Aufgabe gleichkommt.

Als dann die beiden dicksten Piepmätze aufeinandertrafen, kam es doch zu ein wenig Tumult im Abteil, was die Aufmerksamkeit des Mannes mit den blonden Stoppelhaaren auf sich zog. Dieser schritt zur Tat, begab sich zielstrebig in Richtung Störenfriede, schnappte sich den Erstbesten, erkundigte sich nach den Spielregeln, piepmatzte seinen Gegenüber und setzte sich nach Wiederherstellung der Ordnung wieder ruhig auf seinen Platz inmitten der Mädchenschar, um weiter zu plaudern.

Ich saß mittendrin und war beeindruckt. Kein lautes Wort, kein Gemurre, alles bestens. Der wusste, wie er seine Jungs zu nehmen hat. (Ich habe das auch schon – abgehoben vom „Jungsproblem“ – anders erlebt.)

Ein Gedanke zu „Junge, Junge…

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