Etwas vertreten

Heute überraschend meine erste Vertretungsstunde gehalten, quasi als vorgezogene Premiere an meiner Schule, weil ein Kollege akut zum Arzt musste. Also ohne Vorbereitung spontan mit dem Buch in der Hand etwas zur Paulskirche runtergegeiert, die mir – offen gestanden – nicht das liebste Thema ist. Das ist irgendwie zäääääh… die spannenden Sachen liegen alle entweder davor oder danach. 😉

Ging aber, habe viel zu viel Zeit beim Thema „Frauenwahlrecht“ verplempert, dafür die Frage nach den deutschen Grenzen nicht mehr geschafft. Ehrlich gesagt fehlt mir auch noch etwas der Überblick, was Schüler einer bestimmten Alterstufe pro Stunde an Stoff vertragen. Das geforderte Schema mit Stundeneinstieg, Problemaufwurf, etc. habe ich wohl nicht eingehalten, was aber auch kein Wunder ist. Die Schüler waren sehr brav und haben sich auch rege beteiligt, obwohl sich das ja notenmäßig bei mir gar nicht lohnt. Hoffe, dass ich mir wenigstens eine Handvoll Namen merken kann.

Regulär geht es erst nach den Osterferien los. Ein Geschichts-GK steht schon fest, ein Deutsch-LK auch. Ist stark oberstufenlastig, aber es soll später schwer werden, in Leistungskurse hineinzukommen, weshalb ich für meinen zwölfstündigen Ausbildungsunterricht lieber versuche, mir die LKs anzugucken. Leider liegen viele Stunden an meinem Seminartag, sodass mir alleine dadurch viele Kurse und Klassen durch die Lappen gehen.

Habe den Eindruck, dass man als Referendar für eine gewisse Zeit einen „Newcomer“-Bonus bei den Schülern genießt. Die hören immer alle sehr gespannt zu, wenn ich rede. Vermutlich bleibt das aber (leider) nicht ewig so.

3 Gedanken zu „Etwas vertreten

  1. Hallo Jochen!

    Am Seminar heißt es offiziell nicht Motivationsphase. Aber die „Einstiegsphase“ soll auch motivieren, wahrscheinlich ist es nur das Gleiche in grün. Ob man Schüler, so wie gefordert, „spontan“ motivieren kann, wird wohl immer strittig bleiben – unter der Hand merkt man auch am Seminar, dass mancher Seminarleiter in der Praxis andere Wege bevorzugt. Und ich finde gut, dass das offen gesagt wird.

    Ich selber werde mir im Referendariat und auch danach didaktisch möglichst viele Wege offen halten und so viel, wie es mir angemessen erscheint, ausprobieren. Eine Superdidaktik oder -methode (ein Anspruch, den die von Dir angesprochene Methode ja ausdrücklich nicht erhebt!) würde meine Vorstellungskraft sowieso sprengen.

    Ich glaube, ich habe in den letzten Tagen eine Menge unterschiedlichen Unterricht gesehen und trotz der unterschiedlichen Methoden und Auffassungen – von reformpädagogischen Ansätzen bis hin zu knallhartem Faktenunterricht – immer den Eindruck gehabt, dass der Unterricht im Sinne der Schüler nützlich war. Möglicherweise fehlt mir auch noch Gespür oder Erfahrung, um das schlussendlich beurteilen zu können, aber einen Wahnsinnsvorsprung der einen Methode vor der anderen sehe ich aus meiner sehr beschränkten und bescheidenen Perspektive noch nicht.

    Daher empfinde ich es auch nicht als Beinbruch, wenn meine Stunden abseits von Unterrichtsbesuchen nicht nach Schema-F laufen, aber ein wenig Zeit zur Vorbereitung hätte mir für die Vertretungsstunde gut getan. 😉

  2. Aus meiner Sicht ist der beste Einstieg das Fortsetzen eines bereits erfolgreich laufenden Lernprozesses. Da die Schülerinnen und Schüler in Zeithappen lernen müssen, wird man immer irgendwie anknüpfen müssen.
    Der schlechteste Einstieg ist das Medienfeuerwerk, das nicht wirklich für den weiteren Lernprozess fruchtbar wird. „Toller Einstieg – dann mussten wir Geschichte lernen.“

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