Teil 1: Würfeln Lehrer doch?

Bild:Tafel Notengebung

Unter Schülern kursieren tausend Theorien darüber, wie Lehrer an ihre Noten kommen. Ganz oben auf der Liste der Spekulationen findet man den berühmten Würfel, der das perfekte Instrument zu sein scheint, um Uneingweihten das Mysterium „Notengebung“ zu erklären.

Denn selbst im äußersten Fall, also nach dreizehn mühsamen Schuljahren plus zweimal Sitzenbleiben, hat ein Schüler keine Ahnung, wie die Lehrer seine Noten schlussendlich gefunden haben. Jeder weiß (bzw. hofft), dass der Würfel nur ein Scherz ist und alles mehr oder weniger geregelt abläuft, aber wie Lehrer das Thema Notengebung nun wirklich handhaben, bleibt den Meisten für immer verschlossen.

Wie funktioniert das nun? So PI mal Daumen? Mit Fingerspitzengefühl? Abhängig von der besten Arbeit einer Klasse? Erfahrungswerte des Lehrers? Kaffeesatz? Hat möglicherweise die Oberweite weiblicher Schülerinnen im Verhältnis zum Hüftumfang Einfluss auf die Zensur? Liegt es am Horoskop? Kann man Noten „abonnieren“? Oder ist der neue Irokesenschnitt Schuld an der Vier in Mathe?

Solche Spekulationen kennt jeder, der einmal Schüler war. Dementsprechend entwickeln Schüler Strategien, die ihre Chancen verbessern sollen. Brust raus, Bauch rein? Tasche vom Auto zum Lehrerzimmer tragen? (schon erlebt…) Reicht es nicht, sich drei Wochen vor Schuljahresende noch einmal feste mündlich reinzuhängen, um die Zwei noch zu bekommen? (Ich kann verraten: Es reicht. Drei Jahre lang praktisch erprobt.) Oder sind Lehrer genügsam und begnügen sich mit einem braven Lächeln aus der ersten Reihe?

Wie geben Lehrer Noten? Was verlangt die Theorie und was die Praxis? Sind die obigen Spekulationen nur das Garn, aus dem Schüler sich Erklärungen für ihre Zensuren zurechtstricken, oder ist da ein Funken Wahrheit dran? Solchen und ähnlichen Fragen möchte ich in der hiermit gestarteten Serie nachgehen. Jede Woche werde ich einen entsprechenden Artikel veröffentlichen und den jeweils aktuellen, gekennzeichnet durch das hübsche Bildchen, in der Seitenleiste „festpappen“.

Kritik und Kommentare sind wie immer erwünscht. Ich verweise hier noch einmal ausdrücklich darauf, dass mir praktische Erfahrungen diesbezüglich nahezu vollkommen fehlen, und sich die Erkenntnisse hauptsächlich aus der wissenschaftlichen Literatur speisen, die in den Texten angegeben wird. Für mich persönlich wird diese Reihe eine Art Bestandsaufnahme, wie meine Sicht auf dieses Thema vor Beginn meiner praktischen Arbeit aussieht, so dass ich in einiger Zeit vergleichen kann, wie die Dinge sich entwickelt haben. Für Dich, lieber Leser, mag diese Reihe ein Einblick in das Denken eines noch an seine Ideale glaubenden Lehramtsanwärters, oder auch einfach nur eine knappe Informationsquelle bezüglich des Komplexes Notengebung sein.

Viel Vergnügen!
Hokey

Bisher:
Teil 1 – Würfeln Lehrer doch?
Teil 2 – Funktionen der Notengebung
Teil 3 – Gütekriterien und so…
Teil 4 – Auch Lehrer machen Fehler.
Teil 5 – Pro Noten

Ein Gedanke zu „Teil 1: Würfeln Lehrer doch?

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